Schlagwort-Archiv: Kritik

„John Irving und wie er die Welt sieht“

(c) w-film

Am Anfang des Films ist eine Schwarzblende zu sehen und das rhythmische Schlagen des Springseils auf einer Matte zu hören. Erst dann sind die Füße und darauffolgend der ganze Körper von John Irving zu sehen. Untermalt von Musik erklingt aus dem Off ein Auszug aus Irvings letztem Roman, „Letzte Nacht am Twisted River“: „Wie immer begann er mit dem Ende der Geschichte …“. Doch es ist der Anfang eines Films, der in die Welt des John Irving einführt.

Der amerikanische Schriftsteller sieht sich selbst als Handwerker und Geschichtenerzähler, weniger als Intellektueller. Uneitel und offen gibt er daher im Gespräch mit dem Filmemacher André Schäfer Einblicke in seine Arbeitsweise. Weiterlesen

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Ein paar Gedanken zu “Brautalarm”

(c) UPHE

In Vorbereitung auf eine mögliche Oscarnominierung hatte ich mir vor einiger Zeit „Brautalarm“ angesehen. Vielleicht haben die – insbesondere aus den USA – positiven Reaktionen und der ganze Wirbel um den Film falsche Erwartungen bei mir geweckt, aber in meinen Augen war „Brautalarm“ eine typische Anarcho-Fäkal-Komödie mit dem einzigen Unterschied, dass die Hauptrollen von Frauen gespielt wurden. Nun gehört der Film zwar nicht zu den neun Kandidaten in der Kategorie Bester Film, aber immerhin wurde das Drehbuch von Kristen Wiig und Annie Mumolo nominiert. Und das finde ich schon recht überraschend. Weiterlesen

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Ein kurzer Blick auf “The Descendants”

Auch "The Descendants" kann auf eine Preis hoffen © 2011 Twentieth Century Fox

Der Anwalt Matt King (George Clooney) lebt mit seiner Familie auf Hawaii und verwaltet hauptsächlich das Familienvermögen. Derzeit bereitet er den Verkauf eines der letzten Stücke unberührter Natur vor, das schon im Besitz der hawaiianischen Könige und Missionare war, von dem die Kings abstammen. Aber dann erleidet seine Frau Elizabeth (Patrica Hastie) einen Bootsunfall und fällt ins Koma. Nun muss sich Matt um seine Töchter kümmern – und erfährt zudem, dass Elizabeth eine Affäre hatte …

Regisseur Alexander Payne erzählt eine unspektakuläre Geschichte vor traumhafter Kulisse. Über weite Strecken gelingt die Balance aus Tragik und Komik, wenngleich auch Paynes feine Ironie und der formidable George Clooney über gewisse Längen nicht hinwegtäuschen können. Dennoch ein sehenswerter Film!

„The Descendants“ startet am 26. Januar 2012 in den deutschen Kinos. Meine ausführliche Kritik ist bei spielfilm.de nachzulesen!

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Martin Scorseses Verfilmung von “Die Entdeckung des Hugo Cabret”

(c) Paramount Pictures

Der 12-jährige Hugo (Asa Butterfield) lebt nach dem Tod seines Vaters (Jude Law) in den Gemäuern eines Pariser Bahnhofs. Seine einzigen Erinnerungsstücke sind ein Notizbuch und ein kaputter Roboter. Hugo ist überzeugt, dass sich im Inneren des Automatenmenschen eine Nachricht seines Vaters verbirgt. Eines Tages begegnet er der neugierigen Isabelle (Chloe Grace Moretz), die ihm erst aus der Klemme hilft – und den Schlüssel zu einem Geheimnis bei sich trägt, dass das Leben vieler Menschen verändern wird.

Mit seiner Verfilmung von Brian Selznicks „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ erweist Martin Scorsese dem Filmpionier Georges Méliès seine Referenz und schlägt einen Bogen von den frühen Jahren des Filmeschaffens zur Entwicklung der 3D-Technik. Dabei kreiert er mitunter zauberhafte Bilder, die aber auch nicht vollends darüber hinwegtäuschen können, dass der Geschichte bei aller technischen Perfektion ein wenig das Herz fehlt.

Der Film läuft am 2. Februar 2012 in den deutschen Kinos an.

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“The Artist” – Trailer und Starttermin

"The Artist" (c) Delphi Film

Die charmante Stummfilm-Hommage von Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicus läuft am 26. Januar 2012 in den deutschen Kinos an – und ist unbedingt sehenswert. Der Film erzäht von dem Stummfilmstar George Valentin (Jean Dujardin), der auf dem Höhepunkt seiner Karriere steht. Das Publikum feiert und die Frauen lieben ihn. Zufällig begegnet er der Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo) und verschafft ihr eine Rolle in seinem Film. Und während ihre Karriere mit dem Aufkommen des Tonfilms steil bergauf geht, hat George den Zenit überschritten …

“The Artist” verzaubert und erinnert an die Magie des Kinos. Außerdem zählt der französische Film spätestens seit dem Gewinn des Golden Globes als beste Komödie zu den großen Favoriten bei der Oscarverleihung am 26. Februar 2012. Meine ausführliche Kritik ist bei spielfilm.de zu lesen.

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Golden Globes 2012 – Erwartete Gewinner und ein zahmer Ricky Gervais

Ricky Gervais (c) HFPA

Was war nur mit Ricky Gervais los? Noch im letzten Jahr habe ich mich köstlich über seine Moderationen und Einlagen amüsiert – aber nun bin ich froh, dass ich die Verleihung nicht live gesehen, sondern aufgezeichnet habe. Anstatt bissiger Witze über die Anwesenden bewegte er sich mit Kommentaren zu Kim Kardashian und Justin Bieber auf der sicheren Seite, lediglich bei der Anmoderation von Colin Firth, (Ricky Gervais: “What you don’t know about him is he’s very racist. Very, I mean, really nasty stuff.” und “I’ve also seen him punch a little blind kitten“. “Please welcome the evil Colin Firth!”), die von dem SChauspieler souverän gekontert wurde (“some very angry religious people outside with big placards threatening us all with brimstone and pestilence and perdition for our sins”.”What they don’t realise is – we have Ricky”), zeigte er ein wenig von seiner Form aus dem letzten Jahr und ließ Bissigkeit vermissen. Dadurch wurde die Show recht langweilig, zumal fast ausschließlich die Favoriten gewonnen haben. Bei den Dankesreden, zeige Jean Dujardin – ausgezeichnet als bester Komödien-Hauptdarsteller für „The Artist“ – eine sehenswerte Hommage an Douglas Fairbanks, und bewies Meryl Streep ein enormes Namensgedächtnis. Auch die Bromance zwischen George Clooney und Brad Pitt war nett inszeniert:  Weiterlesen

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“Verdict revised” oder: Warum auch Mikael Persbrandt diese DVD-Box nicht retten kann

Seit „The Wire“ bin ich ein großer Freund von Serien-DVD-Boxen. Sie ermöglichen das Sehen in selbstgewählter Geschwindigkeit und Originalton – was nicht zuletzt bei „True Blood“ ein großer Vorteil ist. Und seit ich einmal damit angefangen habe, kann ich Synchronfassungen nur noch selten etwas abgewinnen. Dennoch kaufe ich nicht jede Serie, sondern sie muss meine Neugier geweckt haben und/oder zu einer Zeit und auf einem Sender laufen, der mir ein normales Sehen nicht ermöglicht. „Verdict revised“ läuft um 23 Uhr auf ZDFneo. Diesen Sender kann ich nicht aufnehmen und die Zeit ist ebenfalls recht spät für mich – daher habe ich mir die erste Staffel der schwedischen Krimiserie mit Mikael Persbrandt als DVD-Box gekauft.

Cover der DVD-Box

Die erste unschöne Überraschung folgte dann schon kurz nach dem Einlegen der DVD: Zwar gibt es den schwedischen Originalton, aber keine deutschen Untertitel. Das ist in meinen Augen ein Unding. Heutzutage sollte sowohl die Originalfassung als auch eine deutsche Untertitelung (wenigstens bei einer Sprache, die nicht in der Schule gelehrt wird) zur Standardausstattung gehören. Aber gut, da ich des Schwedischen nicht mächtig bin, schaute ich mir die Serie eben synchronisiert an. Die zweite Enttäuschung bahnte sich leider recht schnell an: „Verdict revised“ ist trotz der grundsätzlich interessanten Ausgangsidee einfach keine gute Serie. Im Mittelpunkt steht der Strafrechtsprofessor Markus Haglund (Mikael Persbrandt), der mit einer Gruppe von vier Studenten Gerichtsfälle wieder aufrollt, bei denen sie einen Justizirrtum vermuten. In den ersten Folgen hing das Fehlurteil (und das es eines ist, ist von Anfang an klar) stets mit der Korruption von Justizangestellten oder einflussreichen Menschen der Gesellschaft zusammen, die aus hanebüchenen Gründen ihre Fehler vertuschen wollten. Später gibt es dann immerhin auch noch bewusste Falschaussagen, aber dass schlicht und einfach ein Irrtum, ein menschlicher Fehler vorliegt, kommt nicht vor. Dazu ist jede Folge gleich aufgebaut: Ein Detail erregt die Aufmerksamkeit der Studenten, dann haben sie auch schon die Lösung. Die fehlende Dramatik soll dann wohl die aufdringliche Musik ausgleichen. Weiterlesen

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