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Ross Thomas verfilmen – Über die Serie „Briarpatch“

Hätte man mich gefragt, welcher Roman von Ross Thomas am besten für eine Serien-Adaption geeignet wäre, hätte ich „Dornbusch“ gesagt: Es ist einer seiner wenigen Romane, die mit einem Mord anfangen und in denen die Nachforschungen zu diesem Todesfall als roter Faden fungieren könnten. Deshalb war ich sehr gespannt, als ich entdeckte, dass es eine Serienadaption gibt. „Briarpatch“ ist von Andy Greenwald – und das Ergebnis guckt sich wie eine Guy-Ritchie-Version von „Twin Peaks“ mit einem Hauch Coens. Kurzum: Sie ist grandios gescheitert – aber auf unterhaltsame und interessante Weise. (Im Folgenden gibt es jede Menge Spoiler!)

Starker Anfang

Kurz zum Roman: Benjamin „Pickle“ Dill, Ermittler für einen Senats-Unterausschuss, erfährt, dass seine Schwester Felicity ermordet wurde und reist in seine Heimatstadt zurück. Er will herausfinden, was passiert ist. Außerdem soll er vor Ort noch die Aussage seines Kindheitsfreundes Jake Spivey aufnehmen, der möglicherweise belastbares Material gegen seinen Ex-Komplizen Clyde Brattle hat, durch den er mit Waffengeschäften reich geworden ist. Und natürlich mündet alles in eine aberwitzige Geschichte voller Korruption auf allen Ebenen.

Der Anfang des Romans ist großartig – und die Serie steigt mit demselben Knall (pardon!) ein: Felicity Dill (Michele Weaver) klopft morgens bei ihren Untermietern an der Tür, um sie daran zu erinnern, dass sie noch Miete bekommt. Sie steigt in ihr Auto – und es fliegt in die Luft. Auftritt: Allegra „Pickle“ Dill (Rosaria Dawson). Sie ist wie Buch-Dill Ermittlerin in einem Senatsausschuss, hasst ihre Heimatstadt, fühlt sich schuldig am Tod ihrer Schwester, will herausfinden, was passiert ist und bekommt später den Auftrag, eine Aussage ihres Kindheitsfreundes Jake Spivey aufzunehmen.

Aus Benjamin wird Allegra
Die erste große Veränderung gegenüber dem Buch ist, dass aus dem weißen Benjamin die Latina Allegra geworden ist. Das ist angesichts des Handlungsortes vielversprechend: Bei Ross Thomas wird die Heimatstadt Dills nicht benannt, vermutlich ist es Oklahoma, Ross Thomas‘ eigene Heimatstadt. Andy Greenwald verlagert den Handlungsort der Serie in die fiktive Stadt San Bonifacio, die klar im Westen Texas an der Grenze zu Mexiko liegt. Erstaunlicherweise gibt es in San Bonifacio – abgesehen von einem sehr alten, sehr mächtigen weißen Mann – kaum jemand mit rassistischen Vorurteilen, auch nicht gegenüber dem Schwarzen Rechtsanwalt A.D. Singe (Edi Gathegi), Dills späterer love interest, der im Roman eine weiße Rechtsanwältin ist. Natürlich muss man Rassismus nicht zum Thema machen, nur weil die Serie in Texas spielt und die Hauptfigur Latina ist – aber beispielsweise Attica Locke zeigt ja, wie viel Potential darin stecken, eine nicht-weiße Hauptfigur in diesem Umfeld zu haben.

In „Briarpatch“ nun hat mehr Folgen, dass Dill eine Frau ist: Offenbar ist es im US-amerikanischen Serienkosmos kaum vorstellbar, dass eine Frau für einen Mann arbeitet, ohne Sex mit ihm zu haben, also hat sie eine Affäre mit dem Senator. Und auch in ihr Verhältnis zu ihrem Kindheitsfreund Jake Spivey (Jay R. Ferguson) schleicht sich eine amouröse Note ein. Dazu bekommt Allegra Dill noch ein Kindheitstrauma zugeschrieben – auch das ein ermüdend häufig wiederkehrender Serien-Plot-„Einfall“. Aber offenbar ist es unverständlich, dass eine Frau ihre Heimatstadt verlässt, weil sie dort nicht atmen kann und einen Job annimmt, in dem sie austeilen muss, ohne dass sie traumatisiert ist. Komischerweise konnte Benjamin Dill das in dem Roman.
Aber ich vermute, das hat nicht nur etwas mit der Umbesetzung zu tun: Rezipient*innen sind oft bereit, Figuren in Büchern mehr zu „verzeihen“ als in Serien oder Filmen. Das ist auch ein erster Hinweis darauf, warum Ross Thomas‘ Romane schwierig zu verfilmen sind: Seine Figuren sind oftmals ambivalent. Wir mögen bspw. Artie Wu und Quincy Durant, obwohl und weil sie Betrüger sind. Für eine Serie oder einen Film braucht man dafür sehr gute Schauspieler*innen. Rosaria Dawson ist eine sehr gute Schauspielerin, sie spielt hier auch sehr gut. Dennoch erklärt das Drehbuch zu viel – und mehr noch: Das Kindheitstrauma könnte erklären, warum die clevere, erfahrene und raffinierte Allegra zu viele Anfängerfehler macht und zu schnelle Entscheidungen trifft. Dann wäre das Trauma aber allenfalls ein zu schlichter Versuch, Plotschwächen und Unplausibilitäten ausgleichen.

Überzeichnete Figuren
Immerhin werden Allegra wenige Ambivalenzen zugestanden, die anderen Figuren bleiben überwiegend überzeichnet – ich neige zu: gewollt überzeichnet. Dennoch funktioniert es nicht. Ein Beispiel: Eine zentrale Figur ist der Liebhaber der Toten, Captain Gene Colder (Brian Geraghty), der in dieser Serie überwiegend ein eindimensional-läppischer Schemen bleibt. Zu keinem Zeitpunkt ist auch nur ansatzweise nachvollziehbar, warum Felicity eine Affäre mit ihm haben sollte. Anders als im Roman wurde sie nicht auf ihn angesetzt: Erst gab es den One-Night-Stand und das schlechte Gewissen, mit einem verheirateten Mann geschlafen zu haben, dann den Auftrag, ihn auszuspionieren. Dahinter mag eine verdrehte Moral stecken, aber fraglich bleibt, warum es überhaupt zu diesem One-Night-Stand kam – und warum irgendjemand glauben sollte, Colder sei zu irgendetwas fähig.

Ein zweites Beispiel: der Oberschurke Clyde Brattle (Alan Cummings). Gegen ihn soll Jake Spivey aussagen, hinter ihm sind sämtliche Geheim- und Polizeidienste der USA, wenn nicht sogar der ganzen Welt her. Angeblich ist er extrem gefährlich und durchtrieben. In der Serie wird er nun von Alan Cummings in vorhersehbarer Weise als sadistischer Verrückter gespielt und ist grotesk-lachhaft. Um seinen Wahnsinn zu unterstreichen, reichen die wörtlichen Berichte von Kriegsschweinereien und brutalen Morden in Syrien und Mexiko nicht aus, sondern Brattle muss auch noch eine Fabrik anzünden, in der illegale Migranten untergekommen sind. Damit nun auch jeder mitbekommt, wie böse er ist. Das ist zu plump

Diese Figurenüberzeichnung ist Teil der comichaften Inszenierung, bei der aber nur selten Originalität durchschimmert. Diese Momente sind rar: Als Allegra in ihrer Heimatstadt ankommt, sind gerade die Tiere des örtlichen Zoos entlaufen. Das sorgt anfangs für allerhand absurde Bilder und Dialoge, am Ende aber schafft es zwei tolle Momente. Doch insgesamt findet die Serie niemals ihren Tonfall. Offensichtlich ist „Twin Peaks“ eine Inspirationsquelle. Doch zum Beispiel die gesteigerte Soap-Opera-Nostalgie funktioniert in „Twin Peaks“ nur im Zusammenspiel mit dem Wahnsinn und den Abgründen. Man braucht eine surreale Grundierung, eine groteske Überzeichnung, nicht bloß Überzeichnung.

Mehr! Mehr! Mehr!
Doch „Briarpatch“ setzt vor allem auf Mehr: Mit einem Mordfall, Korruption und Ermittlungen gegen Kriegsverbrecher gibt es eigentlich schon genug Plot, aber es kommt noch etwas hinzu: Plötzlich geht es um illegale Migration, Drogenhandel, Drohnenangriffe sowie – Ross-Thomas-Fans aufgepasst! – den Versuch, eine Stadt zu übernehmen. Letzteres nur ein weiterer Hinweis darauf, dass Greenwald Ross Thomas kennt. Es gibt so einige Anspielungen auf andere Romane, Durango wird genannt, eine Produktionsfirma heißt Voodoo Ltd. Tatsächlich könnte der Serienplot durch die Änderungen auch als Art Vorgeschichte zu „The Fourth Durango“ funktionieren – und weil ich gelesen hatte, dass die Serie als Anthologie geplant war, hatte ich ein bisschen darauf gehofft. Denn auch aus „The Fourth Durango“ ließe sich eine gute Serie machen. Stattdessen: Guter Ansatz, plump umgesetzt. Zwar ist Sheriff Eve Raytek (Kim Dickens) lange vielversprechend als kontrollierte Drahtzieherin im Hintergrund. Aber auch ihr widerfährt das „Serien-Treatment“: Eine knallharte Frau, die Männern widersteht und sich mit Waffen auskennt, „muss“ natürlich eine lesbische Affäre haben. Und ihre anfangs durchaus hehren Ansichten kippen grundlos bedenklich schnell und konsequent .In „Briarpatch“ gibt es wirklich so einige Beispiele dafür, dass allein das Bewusstsein, dass man mehr Frauenfiguren braucht, nicht ausreicht.

Ross Thomas verfilmen
Vermutlich hätte ich die Serie nach der ersten Folge nicht weitergeguckt, wenn sie keine Ross-Thomas-Adaption gewesen ist. Aber nach der dritten Folge hatte ich mich an den Stil gewöhnt – und zwischendurch auch einigen Spaß. Denn es gibt auch gelungene Ideen: Beispielsweise berichtet Dill im Roman ständig, wie heiß es ist. Im Film ist nun eine riesige Reklame-Tafel zu sehen, auf der die Temperatur angezeigt wird. Auch ist die verzweifelte Noch-Ehefrau von Colder (gespielt von Christine Woods) ist hinreißend betrunken-tragisch.

Doch insgesamt merkt man, dass es nicht zwangsläufig gut ist, wenn man ein „Fan“ des Autors ist: So manches Mal dachte ich, dass es diese Szene nur gibt, weil es im Roman ein großartiger Moment ist. Offensichtlich ist es am Schluss: Im Roman entscheidet sich Jake Spivey inmitten eines aberwitzigen Showdowns aus einem kurzen Moment der Größe heraus für die Freundschaft mit Dill. In der Serie ist dieser Moment aus dem Showdown herausgelöst, Spivey ist mittlerweile ein armseliger Typ, der sein Herz für Allegra entdeckt hat. Dennoch soll es dieses Zusammentreffen geben, diesen Moment – und es ist eine herbeigeschriebene sentimentale, keine entwickelte Situation (Kindheitstrauma!). Das ist schade, denn eigentlich hatte die Serie schon ein gutes Ende: Allegera hat erkannt, dass es für sie nur einen Weg gibt, sie will sich aus dem System zurückziehen.

Ross Thomas ist einer jener Autoren, bei dem man allzu leicht glauben könnte, er wäre einfach zu verfilmen. Aber nicht nur seine Figuren sind herausfordern, auch Dialoge, die beim Lesen witzig sind, hören sich in einem Film oder einer Serie oftmals an als seien sie geschrieben. Vor allem verlangen seine Bücher, dass man sich auf den Trip einlässt. Dafür gibt es im visuellen Erzählen größere Hürden. „Twin Peaks“ ist dafür per se keine schlechte Inspirationsquelle, auch auf David Lynch muss man sich einlassen. Aber weder Thomas noch Lynch (oder die Coens) können kopiert werden. Diese Serienadaption will zu viel: Zu viele Handlungsstränge, so dass letztlich keiner überzeugt; zu viele visuelle Ideen, so dass es aus dem Stil-Mix niemals ein eigener Stil wird. Mit mehr Konzentration, Mut, Selbständigkeit, Originalität und weniger Folgen hätte „Briarpatch“ aber etwas werden können.

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Über die Serie “Rivals”

Auf meiner immerwährenden Suche nach Unterhaltung, die in dem für mich genau richtigen Maß ablenkt, habe ich „Rivals“ auf Disney+ gesehen. Mit den ersten Folgen hatte ich viel Spaß: Hemmungslose 1980er-Jahre-Frisuren! Blauer Lidschatten. Schnurbärte. 1980er-Jahre-Musik! Eine so weit ab von der Realität abgerückte Handlung! Jedoch ist es genau dieses Verhältnis zwischen Realität und Fiktion, die mich über diese Serie nachdenken lässt.

„Rivals“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dame Jilly Cooper – von dem ich vorher noch nie gehört hatte. „Rivals“ ist der zweite Teil der sogenannten Rutshire Chronicles, benannt nach dem fiktionalen Landstrich Rutshire im Südwesten Englands. Diese Reihe war in den 1980er Jahren in Großbritannien sehr, sehr erfolgreich, wurde aber nicht ins Deutsche übersetz. Alle Teile spielen in der englischen Upper Class und sind sogenannte „Bonkbuster“. Ein Label, zusammengesetzt aus „bonking“ und Blockbuster. Bonkbuster wurden in jenen Jahren vor allem von Autorinnen geschrieben und war sehr erfolgreich, sind aber ein wenig aus dem popkulturellen Bewusstsein verbunden. Es sind Romane, in denen es seeehr viel Sex und ziemlich übertriebene Plots gibt.

So auch in „Rivals“: Lord Tony Baddingham ist ein Emporkömmling. Sein Vater ist irgendwann reich geworden, dadurch ist Tony Teil der Upper Class geworden, hat gut geheiratet und betreibt nun einen privaten Fernsehkanal in Rutshire. Dort wohnt auch Rupert Campball-Black, ehemaliger olympischer Springreiter, mittlerweile Tory-Abgeordneter, der aus einer alteingesessenen Familie stammt und deshalb priviliegiert aufgewachsen ist. Er hat alle Privatschulkontakte, die Baddingham gerne hätte. Anfangs verbringt er seine Zeit aber vor allem damit, Sex mit Frauen zu haben. Dazu kommen in der Serie noch allerhand andere Figuren, die alle in Rutshire leben. Es sind vor allem reiche Menschen, die sich vor allem mit Klatsch und Sex die Zeit vertreiben – und zwar vornehmlich nicht mit den eigenen Ehepartner*innen. Interessant ist, dass es auch in der Serienadaption viele Sex-Szenen gibt. Zwei Dinge fallen da auf: Es gibt keine der derzeit popkulturell so populären Varianten von BDSM, sondern vor allem heterosexuelle Vögelei. Und es gibt zwar einige Brüste, sonst aber gar nicht so viel zu sehen. Die Serie läuft eben bei Disney+.

Die Handlung ist absolut lächerlich und vorhersehbar, genau das hatte ich erwartet, aber: Ausstattung und Schauspiel sind gut. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Late Show“ von Michael Connelly

(c) Kampa Verlag

Michael Connelly ist vor allem durch seine Harry-Bosch-Romane und durch die empfehlenswerte Serienverfilmung bei Amazon bekannt. Nun schickt er mit Renée Ballard eine Polizistin in Serie. Sie arbeitet – wie Bosch – beim LAPD, allerdings in der Spätschicht der Hollywood Division, „Late Show“ genannt. Dorthin werden diejenigen geschickt, „die sich auf politischer Ebene mit dem Polizeiapparat angelegt hatten“. Ballard ist dort gelandet, weil sie sich über ihren Vorgesetzten wegen sexueller Belästigung beschwert hatte. Ihre Aufgabe ist es nun mit ihrem Partner an Tatorten, an denen ein Detective erforderlich ist, aufzutauchen, alles aufzunehmen und dann an die zuständige Abteilung weiterzugeben. Eigentlich – Ballard aber versucht hin und wieder, einen Fall eigenständig zu bearbeiten. Dazu gehört der Angriff auf eine Transgender-Prostituierte, die brutal zugerichtet halbtot am Santa Monica Boulevard aufgefunden wird. Und da außerdem zu einer guten amerikanischen Cop-Novel zwei Handlungsstränge gehören, gibt es noch einen weiteren Fall: In derselben Nacht werden in einem Club fünf Menschen erschossen. Ballards ehemaliger Boss leitet die Ermittlungen in dem Fall, sie kann aber dennoch nicht die Finger davon lassen. Weiterlesen

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Über “Orange is the new black” (Staffel 4)

(Zu sagen, es folgen Spoiler, wäre womöglich untertrieben. Wer über zentrale Handlungspunkte nichts erfahren will, sollte den zweiten Absatz dieses Textes nicht lesen.)

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„Orange is the new black“ hat schon immer einige Qualitäten gehabt: Die Vielzahl an Figuren, von denen in den einzelnen Folgen Hintergründe zu erfahren sind und die äußerst vielseitige Geschichten verbergen, die nicht nur in Hautfarbe, sexueller Orientierung, Körperform und Aussehen, sondern auch innerhalb der einzelnen „Gruppierungen“ äußerst diversifiziert sind. Die Entwicklung von Piper, die womöglich als Identifikationsfigur gedacht war und im Gefängnis im Grunde genommen erst richtig kriminell wird und mit dieser Veränderung immer wieder hadert. Die kleinen Wahrheiten, die man über die einzelnen Figuren erfährt, der Facettenreichtum von gut oder böse. Dennoch war die dritte Staffel trotz einiger dramatischer Themen fast ein wenig zu soapig und leicht. In der vierten Staffel holt nun Jenji Kohan ungefähr sechs Folgen lang aus, um einem dann die nächsten sieben Folgen langsam immer tiefer in den Magen zu bohren. Es sind herzzerreißende Momente, voller Tragik und Unvermeidbarkeit, voller Wut und Tränen (zumindest bei mir!). Weiterlesen

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Einige Worte zu „Grace und Frankie“

Nachdem ich zuletzt mit einigen Serien („Peaky Blinders“, „Mr. Selfridge“,„Blutsbande”) nicht warm geworden bin, habe ich bei Twitter gelesen, dass Jens und insbesondere seine Frau sehr angetan von „Grace und Frankie“ waren. Wer skandinavische Filme mindestens ebenso sehr schätzt wie ich und mir noch dazu immer die korrekte Aussprache der Namen sagen kann, kann nicht so daneben liegen. Abgesehen davon mag ich Lily Tomlin und hatte Lust auf etwas nicht-kriminelles, also habe mal reingesehen und war von der ersten Folge an hingerissen: „Grace und Frankie“ ist witzig, traurig, rührend und echt. Erzählt wird die Geschichte zweier befreundeter Familien: Sol (Sam Waterston) und Robert (Martin Sheen) sind seit Jahren Geschäftspartner in einer Anwaltskanzlei, ihre Frauen Frankie (Lily Tomlin) und Grace (Jane Fonda) sind sehr verschieden, machen aber seit Jahrzehnten gute Miene bei freundschaftlichen Unternehmungen. Dann eröffnen Sol und Robert ihren Frauen, dass sie seit 20 Jahren eine homosexuelle Affäre haben und nun heiraten wollen. Grace und Frankie sind vor dem Kopf gestoßen, immerhin waren sie 40 Jahre verheiratet.

Daraus könnte eine furchtbare weichgespülte und klischeehafte Serie werden, aber „Grace und Frankie“ ist eine aufrichtige Serie über Menschen, die sich im Alter rund um 70 Jahre darauf besinnen, wer sie sind und was sie wollen. Sicherlich leben alle Figuren in einer Westküstenvariante von Nancy Meyers RomComs – jeden Moment erwartete ich, dass Diane Keaton dort spazieren geht und Steine sammelt – und sind es die Probleme der Wohlhabenden und – mehrheitlich – Weißen. Aber: Erwachsene dürfen sich benehmen wie Erwachsene, Probleme werden direkt angesprochen und auf so ehrliche Weise gelöst, das Verhalten jeder einzelnen Figur nachzuvollziehen ist. Deshalb gibt es keine nervigen Intrigen, keine peinlichen Momente, sondern zwei hinreißende Hauptdarstellerinnen, die jede auf ihre Weise und doch zusammen mit der neuen Situation zurechtkommen müssen. Als amüsante, kleine Serienabwechslung also sehr zu empfehlen.

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Fernsehtipp: „Blutsbande“

Ab dem 9. April läuft bei ARTE die zehnteilige schwedische Serie „Blutsbande“, die 2014 dort sehr großen Erfolg hatte. Hotelbesitzerin Anna-Lisa Waldemar (Stina Ekblad) hat ihre Kinder Jonna (Aliette Opheim) und Lasse (Björn Bengtsson) in ihr Hotel auf Åland eingeladen, das sie mit ihrem Sohn Oskar (Joel Spira) betreibt. Die Kinder sind überrascht von dieser Einladung zum Familienrat – und Anna-Lisa verhält sich äußerst geheimnisvoll. Bevor sie jedoch herausfinden, was hinter dem Verhalten ihrer Mutter steckt, verschwindet sie spurlos …

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Krimi-Kritik: „Prime Cut“ von Alan Carter

(c) Edition Nautilus

(c) Edition Nautilus

Drei blutige Taten stehen am Anfang von Alan Carters Krimidebüt „Prime Cut“: In Sunderland, England, werden am 5. Mai 1973 die Leichen der schwangeren Chrissy und ihrem Sohn Stevie gefunden. Sie wurden von ihrem Ehemann bzw. Vater erschlagen und mit Stromschlägen malträtiert. Am 8. Oktober 2008 entdeckt eine Lehrerin in einem kleinen Ort in West Australien am Strand einen Torso, der von einem Hai bearbeitet wurde. Vier Stunden später untersuchen Detective Sergeant Constable Philip „Cato“ Kwong und Sergeant Jim Buckley einen Verdacht auf tödlichen Viehdiebstahl, ebenfalls in West-Australien. Kwong wurde ins Viehdezernat strafversetzt, seit er in einen Korruptionsskandal verwickelt war. Er ist der einzige, dem eine Papierspur nachgewiesen werden konnte, deshalb hadert er genussvoll mit seinem Schicksal. Dann kommen ihm jedoch der Zufall und die dünne Personaldecke zur Hilfe: Kwong und Buckley befinden sich ganz in der Nähe des Küstenstädtchens Hopetown, in dem der Torso gefunden wurde, und sollen deshalb dort für einige Zeit die Ermittlungen unterstützen. Für Kwong ist es eine gute Gelegenheit, sich zu rehabilitieren und vielleicht mit seiner Karriere noch auf einen grünen Zweig zu kommen. Zusammen mit Buckley, der örtlichen Polizistin Tess Maguire und dem Neuling Greg Fisher beginnt er, den Fall zu untersuchen – und wenig später gibt es eine zweite Leiche und noch größere Ermittlungen. Weiterlesen

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