Dass dieser Film als Anti-Heist-Film beworben wird, führt in die Irre: Zwar gibt es einen Raub, aber der ist an sich unspektakulär – und der Film ist auch keine Auseinandersetzung mit diesem Genre, die weiterführt als gelegentlich Seh-Erwartungen zu unterlaufen. Das ist schade, denn der Heist-Film ist weiterhin ziemlich männlich besetzt.
„Männlich“ ist indes das Stichwort: „The Mastermind“ ist eine Studie über Männlichkeit in den 1970er Jahren. Einer Zeit, in der neue Formen von Männlichkeit erstmals breitenwirksam öffentlich sichtbar wurden (in den USA vor allem durch die Hippie-Bewegung und Anti-Vietnam-Proteste). Und Reichardts Protagonist ist einer jener neuen Männer: Ach so sensibel. Ein Künstler. Missverstanden. Und stets bereit, an seine eigene Überlegenheit zu glauben. Reichardt charakterisiert ihn vor allem durch seine Handlungen bzw. deren Ausbleiben, die größte Stärke des Films aber liegt darin, dass sie sehr deutlich macht, dass es stets die Frauen sind, die den Laden am Laufen halten – und sie zeigt es, ohne dass es zum Thema wird. Vielmehr ist es für die Hauptfigur so selbstverständlich, dass seine Ehefrau oder seine Mutter ihm helfen (von seinem Vater erwartet er es nicht), dass er gar nicht auf die Idee kommt, er müsste selbst etwas machen.
Es ist eine Form Männlichkeit, die man aus vielen Geschichten kennt: aus linken Bewegungen, aus Künstler-Beziehungen, von all den Männern, die so tun als seien sie ein „ally“ und verständnisvoll und sich dann eben doch als A****löcher entpuppen. Es ist eine der Formen Männlichkeit, die ich zutiefst verabscheue. Als ich mit Alexander Matzkeit über diesen Film austauschte, kam mir der Gedanke, dass es möglicherweise eine These dieses Films ist, dass diese Form Männlichkeit in jenen Jahren entstanden ist.
Ich brauchte ein bisschen, um mich auf das spröde Erzählen einzulassen, dabei erzeugt sie interessante Gegensätze zwischen dem tatsächlichen und empfundenen Tempo: Der Plot schreitet recht schnell voran, hier unterläuft sie zwar beständig Erwartungen, aber dennoch geschieht viel auf der Leinwand. Dazu erzeugt der unterlegte Jazz permanentes Tempo – und doch fühlt sich der Film sehr langsam erzählt an.
„The Mastermind“ lässt sich nun bei Mubi ansehen.



