Archiv für den Autor: Zeilenkino

In London mit Graham Norton

Anlässlich seines zweiten Romans „Eine irische Familiengeschichte“ habe ich Graham Norton in London getroffen und darüber einen Beitrag für Deutschlandfunk Kultur gemacht. Nachzuhören ist er in der wunderbaren Audiothek unter diesem Link.

Deutsche Krimipreis 2019

Die Preisträger des Deutschen Krimipreises wurden heute bekanntgegeben:

NATIONAL:
1. Platz: Simone Buchholz: Mexikoring (Suhrkamp)
2. Platz: Matthias Wittekindt: Die Tankstelle von Courcelles (Edition
Nautilus)
3. Platz: Max Annas: Finsterwalde (Rowohlt)

INTERNATIONAL:
1. Platz: Hideo Yokoyama: 64 (64)
deutsch von Sabine Roth und Nikolaus Stingl (Atrium)
2. Platz: Tom Franklin: Krumme Type, krumme Type
deutsch von Nikolaus Stingl (Pulp Master)
3. Platz: Denise Mina: Blut Salz Wasser (Blood Salt Water)
deutsch von Zoë Beck (Ariadne bei Argument)

Ich habe zum ersten Mal mit abgestimmt – und heute im Radio über die Preisträger gesprochen. Nachzuhören in der DLF Mediathek unter diesem Link

Über „Mexikoring“ von Simone Buchholz

Frühmorgens kam der Anruf. „Ein brennendes Auto. Schon wieder. Wir müssten das mit den brennenden Autos mal langsam in den Griff kriegen, hieß es. Die brennenden Autos interessieren mich nicht besonders. Du weißt genau, warum deine Autos brennen, Hamburg.“ Doch dieses brennende Auto ist anders. Es brannte eben nicht aus Wut oder Zorn oder Dummheit. In diesem brennenden Auto war ein Mensch.

(c) Suhrkamp

Da ist er, gleich auf den ersten Seiten von „Mexikoring“ von Simone Buchholz, der Unterschied, der bei Gesprächen über Gewalt aus linken oder rechten Ecken oft vergessen wird. Es ist ein Unterschied, ob jemand aus Wut Autos anzündet oder Menschen. Der Fall, die Geschichte, führt zu anderen Verbrechen, da wird es um Clankriminalität, organisiertes Verbrechen und Familienfehden gehen. Aber dieser Anfang ist ein Beispiel dafür, dass in diesem Buch auf jeder Seite eine Haltung gegenüber der Welt zu erkennen ist, die nicht ausgestellt oder gar ausbuchstabiert werden muss. Schon deshalb lassen sich die Bücher von Simone Buchholz nicht einer Kategorie zuordnen – sie sind keine Lokalkrimis, keine St. Pauli-Romane oder Hamburg Noirs. Das sollte doch schon dadurch klar werden, dass die Handlung in diesem Buch zu weiten Strecken in Bremen (of all places) spielt. Verortung ist wichtig, AutorInnen brauchen ein Gefühl für den Handlungsort haben, sie sollten wissen, warum sie ihre Handlung dort und nicht woanders ansiedeln. Aber bei guter Kriminalliteratur – und „Mexikoring“ ist das zweifellos – ist der Handlungsort eben nur ein Aspekt, ein Teil, aber sicherlich nicht die Kategorie, in die man diese Reihe einsortieren sollte (wie man ohnehin vorsichtig mit Kategorien sein sollte). Hier ist jedoch das ganze Gegenteil der Fall: Simone Buchholz beweist mit jedem Buch ihrer Reihe noch mehr, dass es in der deutschsprachigen Kriminalliteratur sehr viel mehr gibt als Regional- und Tourismuskrimis. Und bei all dem Regen, bei all den düsteren Verbrechen, bei aller Desillusion steckt in den Chastity-Riley-Büchern auch viel zu viel Hoffnung für einen Noir. Das mag jetzt kitschig klingen, bei Simone Buchholz ist es das aber nicht. Vielmehr ist es die Hoffnung, die die Realität, Schmerz und Traurigkeit nicht verleugnet, die die Tapferkeit betont, die Weiterleben oftmals braucht, und gerade dadurch erkennen lässt, dass es irgendwie weitergeht. Weiterlesen

Im Radio – Ein Gespräch mit Susanne Saygin

Bereits voriges Jahr habe ich mit Susanne Saygin in einem Café in Neukölln getroffen und über ihr Krimi-Debüt „Feinde“ gesprochen. Nachzuhören ist ein Teil des Gesprächs in der Mediathek von Deutschlandfunk Kultur.

Im Radio – Ein Besuch bei „Qualifiction“

Künstliche Intelligenz verbinden viele immer noch mit selbstfahrenden Autos oder Pflegeroboter, aber auch in anderen Bereichen gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Beispielsweise verspricht das Start-up „Qualifiction“, dass sie einen Algorithmus haben, mit dem Bestseller entdeckt werden können. Das habe ich getestet, der Beitrag ist in der Mediathek von Deutschlandfunk Kultur zu hören.

Über „Das Grab im Moor“ von Belinda Bauer

Als vor einigen Monaten die Longlist zum Man Booker Prize veröffentlicht wurde, fand sich unter den AutorInnen auch die Krimi-Autorin Belinda Bauer. Der Name sagte mir nichts, also dachte ich, lese ich doch den nominierten Roman „The Snap“. Doch dann unterhielt ich mich mit einem Kollegen, der sagte, ihr Debüt sei doch damals™ auch so gefeiert worden und tatsächlich finden sich zu „Das Grab im Moor“ allerhand werbende Superlative. Das machte mich noch neugieriger – und so las ich zuerst diesen Roman über einen Jungen, der die Leiche seines vor 20 Jahren ermordeten Onkels finden will und deshalb Kontakt mit dessen inhaftierten Mörder aufnimmt.

Jugendliche oder gar kindliche Protagonisten, die noch dazu auch als Erzähler fungieren, leiden oftmals darunter, dass sie schlichtweg viel zu klug und analytisch für ihr Alter sind. Das trifft bei „Das Grab im Moor“ nicht zu. Ganz im Gegenteil: Der 12-jährige Steve Lamb trifft allerhand unkluge Entscheidungen und ist von typischen Teenager-Unsicherheiten und -Sorgen betroffen. Doch er hat eine Mission: Er will im Exmoor die Leiche seines Onkels Billy finden, der vermutlich vor 20 Jahren von dem Serienkiller Arnold Avery ermordet wurde, als er ungefähr so alt war wie Steve jetzt ist. Steve ist überzeugt, dass nur der Leichenfund seine Leben verbessern wird: seine schroffe Großmutter steht noch immer jeden Tag am Fenster und wartet darauf, dass Billy zurückkehrt. „Sie hatte ihr Leben als Gloria Manners begonnen. Dann war sie Ron Peters‘ Frau geworden. Danach war sie Letties Mum gewesen, und dann Letties und Billys Mum. Dann war sie lange Die Arme Mrs. Peters gewesen. Jetzt war sie Stevens Nan. Doch sie würde immer Die Arme Mrs. Peters bleiben; nichts konnte daran etwas ändern, nicht einmal ihre Enkel.“ Und auch Lettie – Steves Mum – weiß, dass für ihre Mutter nur Billy zählt und muss sich selbst eingestehen, dass Billys jüngerer Bruder ihr Lieblingskind ist.

Die Lambs sind eine Familie der Unterschicht. Geld und Zuneigung sind knapp, enttäuschte Erwartungen und Hoffnungen an der Tagesordnung. Steve verfolgt sein Ansinnen heimlich und beharrlich, schließlich nimmt er sogar Kontakt mit Arnold Avery auf. Und Avery ist natürlich begeistert. Selbst als Vorzeigehäftling hat er bei einer Verurteilung wegen sechsfachen Mordes und dreifacher Kindesentführung nur wenig Hoffnung auf eine vorzeitige Entlassung, die Briefe des Unbekannten versprechen zunächst Abwechslung, als er schließlich bemerkt, dass der Absender ein Kind in genau dem Alter ist, das er bevorzugt, versprechen sie Macht und Befriedigung.

Belinda Bauer spürt in diesem Zusammentreffen von Kind(ern), Müttern und Mördern den persönlichen Folgen einer Gewalttat nach und entwirft das todtraurige Szenario einer Familie, die den Verlust des einen Kindes niemals verwunden hat – und darüber hinaus alle Lebenden zu vergessen scheint. Es ist als hätte sich Lettie und Gloria jegliches Glück versagt, eine Entscheidung, unter der Steve und sein Bruder leiden, Das Gefühl das Unglücks, der Trauer, der allzu großen Last überträgt sich regelrecht auf sie und droht auch ihnen jegliches Glück zu nehmen. Nur eine große Tat scheint diese Kette unterbrechen zu können und genau zu dieser will sich Steve aufschwingen. Dabei überblickt er nicht alle Konsequenzen und ist doch bereit, sie letztlich zu tragen. Und dadurch ist „Das Grab im Moor“ ein spannender, psychologisch ausgefeilter und eindringlicher Spannungsroman.

Belina Bauer: Das Grab im Moor. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. Goldmann 2010.

Shortlist für den Staunch Book Prize

Anfang des Jahres hat Bridget Lawless den Staunch Book Prize ins Leben gerufen, der Thriller auszeichnen soll, in denen keine Frau geschlagen, gestalkt, sexuell ausgebeutet, vergewaltigt oder ermordet wird. Nun wurde die Shortlist bekanntgegeben, auf der folgende sechs Titel stehen:

Peter Adamson: The Kennedy Moment
A.L. Gaylin: If I Die Tonight
Anna Porter: The Appraisal
Khurrum Rahman: East of Hounslow
Jock Serong: On the Java Ridge
Joyce Thompson: Cops & Queens

Abgesehen von Jock Serong, dessen Debüt gerade erst beim Polar Verlag erschienen ist, sind mir die AutorInnen nicht bekannt. Ich werde die Titel nun anlesen – und bin gespannt, wer Ende November als Gewinner verkündet wird.

Über die Vor- und Nachteile dieses Preises habe ich bei Deutschlandfunk Kultur gesprochen. Nachlesen lässt sich das Gespräch hier.

Mit Max Annas in Finsterwalde

Im Juli bin ich mit Max Annas nach Finsterwalde gefahren und wir haben uns über die Stadt und seinen neuen Roman unterhalten, der nicht nur „Finsterwalde“ heißt, sondern auch zum Teil dort spielt. Das Ergebnis war heute Vormittag bei Deutschlandfunk Kultur zu hören – und unter diesem Link ist es nachzuhören.

(c) Sonja Hartl

Das Buch „Finsterwalde“ ist bei Rowohlt erschienen.

Trailer: Widows – Tödliche Witwen

Wenn Steve McQueen („Shame“) einen Thriller dreht, in dem u.a. Viola Davis die Hauptrolle spielt und er das Drehbuch zusammen mit Gillian Flynn geschrieben hat – dann bin ich mehr als gespannt! „Widows – Tödliche Witwen“ soll hierzulande am 22. November 2018 starten.

Im Fernsehen

Auf den sozialen Netzwerken habe ich es schon fleißig geteilt, hier muss ich es aber natürlich auch noch loswerden: Ich war im Fernsehen! Das war aufregend und spannend und hat sehr viel Spaß gemacht. Der Beitrag ist noch in der Mediathek vom MDR zu sehen – es geht um Gewalt gegen Frauen im Kriminalroman. Also, hier geht es zu „meinem“ Teil von artour