Schlagwort-Archive: noir

4. Frankophone Kriminacht am 29. Mai 2021

Am Samstag, den 29. Mai moderiere ich im Rahmen von Leipzig liest extra die 4. Frankophone Kriminacht – live aus meinen Arbeitszimmer in diesem Internet. Reden werde ich mit

Hannelore Cayre, die den Deutschen Krimipreis International für ihren hochkomischen und bissigen Kriminalroman „Die Alte“ gewonnen hat.
Colin Niel, der mit seinem Noir „Nur die Tiere“ im Mai auf Platz 3 der Krimibestenliste stand
und mit Dominik Moll, dessen Verfilmung von „Nur die Tiere“ voraussichtlich am ??? in den Kinos startet.

Die Gäste legen es nahe, es wird gehen um den französischen Kriminalroman, Polar, Noir und natürlich Verfilmungen.

Hier geht es zu der Veranstaltung: https://fb.me/e/Y1YFsSQH

Ich würde mich freuen, wenn ihr dabei seid.

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Women in Crime: „In a lonely place“ von Dorothy B. Hughes

In einer besseren Welt wäre der Name Dorothy B. Hughes ebenso geläufig wie Chandler und Hammett, Highsmith und Christie. Tatsächlich aber scheint sie vielen unbekannt zu sein. Obwohl ihr Roman „In a lonely place“ (dt. „Einsamer Ort“) sogar mit Humphrey Bogart verfilmt wurde, eine deutsche Übersetzung erstmals 1980 im Goldmann Verlag erschien und es 1999 eine überarbeitete Ausgabe im Unionsverlag gab. Dennoch wissen nur wenige, dass Dorothy B. Hughes acht Jahre vor Tom Ripley einen Hochstapler erfunden hat, der sich mühelos in der Welt bewegt. Dass sie vor Jim Thompson, Shane Stevens und natürlich vor Thomas Harris einen Serienkiller-Roman geschrieben hat, der fast alles enthält, was heute von ihm erwartet wird: Einblicke in eine zerstörte Psyche, einen spannenden Showdown – allerdings ohne grausame Zerstücklungssequenzen. Dorothy B. Hughes blickt nicht in das Innere eines Killers, um seine Überlegenheit oder Grausamkeit herauszustellen, vielmehr lenkt sie den Blick auf die US-amerikanische Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und auf den Frauenhass, der hinter den Verbrechen ihres Erzählers steckt.

Sein Name ist Dix Steele, er ist ein Veteran des Zweiten Weltkriegs, der derzeit in Los Angeles lebt; vorgeblich um einen Kriminalroman zu schreiben, tatsächlich aber vertraut er auf den monatlichen Unterhaltsscheck von seinem Onkel und sein Talent, wohlhabende Freunde auszunutzen. Fast die gesamte Zeit bleibt der Roman bei ihm und in seinem Kopf: Wie er in dem Nebel von Los Angeles an den vergangenen Ruhm der Kriegszeiten denkt; wie er darunter leidet, dass er mit der Uniform auch Ansehen und Status aufgeben musste; wie er seinen Hass auf Frauen schürt, die ihn in seinen Augen nicht genügend Aufmerksamkeit schenken. In Los Angeles trifft er zudem auf seinen alten Kriegskameraden Brub, der mittlerweile bei der Polizei arbeitet und nach einem Mörder sucht, der Frauen erwürgt. Weiterlesen

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Buchpremiere „Berlin Noir“

Eigentlich gehe ich recht selten zu Lesungen, alleine schon, weil ich mir nicht so gerne vorlesen lasse. Aber gestern war ich dann doch bei der Buchpremiere von „Berlin Noir“, einer Kurzgeschichtensammlung, die verbindet, dass sie alle einen tinge of noir haben und in Berlin spielen. „Berlin Noir“ ist Teil der Anthologie von Akashic Books, die Noir-Erzählungen von Städten versammeln. Im vorigen Jahr ist hier in deutscher Übersetzung auch schon „Paris Noir“ erschienen.

Gestern nun versammelten sich also zwölf der 13 Autor*innen im Kreuberger Wasserturm, lasen jeweils einen kurzen Ausschnitt aus ihrer Geschichte und beantworteten Fragen von Herausgeber (und Moderator des Abends) Thomas Wörtche. Und das war ein sehr abwechslungsreicher Abend mit Rob Alef, Max Annas, Zoë Beck, Ute Cohen, Johannes Groschupf, Kai Hensel, Robert Rescue, Susanne Saygin, Matthias Wittekindt, Ulrich Woelk, Michael Wuliger und Miron Zownir – wenngleich meine Fotos von gestern das nicht unbedingt ausdrücken:

Auch das Buch verspricht bisher abwechslungsreiche Lektüre – sechs der 13 Geschichten habe ich schon gelesen.

Thomas Wörtche (Hrsg.): Berlin Noir. Culturbooks 2018. 15 Euro.

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Noir.Mastul

Am 14. September gibt es wieder eine Veranstaltung in Berlin zum Noir – dieses Mal zum Thema „Paranoia“. Der offizielle Veranstaltungstext:

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Paranoia stammt aus dem Griechischen. Wird mit wahnsinnig, verrückt, neurotisch, gestört übersetzt. Was treibt Autoren/Innen dazu, ihre Helden an Verschwörungen glauben zu lassen? Ist es allein die unsichere Welt da draußen? Sonja Hartl, Thomas Wörtche und Wolfgang Franßen besprechen an diesem Abend:

Ahmed Mourad „Vertigo“ (Lenos)
James Grady – Die letzten Tage des Condors (Suhrkamp)
Jon Bassoff – Zerrüttung (Polar Verlag).

Leben wir also schon in einem Überwachungsstaat und müssen uns sorgen? Ist der Wahn längst zum Normalzustand geworden? Oder sind Autoren und Autorinnen davon fasziniert, welche Möglichkeiten der Kriminalroman ihnen bietet, eine persönliche, wie gesellschaftliche Realität zu beschreiben, die ins Rutschen gekommen ist.

Ein Abend als Treffpunkt der Krimi-Szene, an dem jeder Leser, jede Leserin kräftig mitdiskutieren dürfen. Und die Frage: Wie weit sind wir selbst schon von einer Paranoia befallen?

14. September um 20.00 Uhr
Kunst- und Kulturverein Mastul e.V
Liebenwalder Str. 33
13347 Berlin
Eintritt frei

Wie sieht es aus, seid ihr dabei?

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Krimi-Kritik: „Schwarzes Gold“ von Dominique Manotti

Auf dem Filmfest München lief im vorigen Jahr „La French“ (mittlerweile unter „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ auch auf DVD erschienen), in dem Jean Dujardin die „French Connection“ bekämpft, mittels der Heroin über Marseille in die USA geschmuggelt wird. Ich habe mir dann – gewissermaßen als Fortsetzung – noch einmal „French Connection“ von William Friedkin angesehen, der zwar rund 14 Jahre Jahre älter, aber spannender ist. Und zufällig waren diese Filme die perfekte Vorbereitung für „Schwarzes Gold“ von Dominique Manotti.

(c) Ariadne

(c) Ariadne

Ausnahmsweise beginne ich mal mit einem Wort zum Cover. Fast bin ich geneigt zu glauben, die grundsätzlich schwarze Covergestaltung der Ariadne Kriminalromanreihe habe nur auf diesen Buchtitel gewartet. Ein schwarzer Fleck auf dem schwarzen Hintergrund, der Autorinnenname wie immer weiß, der Titel dann orange-gold und hinzu kommt ein gleichfarbiges Lesebändchen. Sehr schön – und ebenso makellos schlicht wie das Äußere des Buches ist, geht es im Inneren weiter.

Mit „Schwarzes Gold“ geht Dominique Manotti im Marseille des Jahres 1973 an den Anfang der Karriere von Commissaire Théodore Daquin, um von den Anfängen einer kriminellen Verbindung zu erzählen, die noch heute Bestand hat. Dabei nutzt sie die Ereignisse um die „French Connection“ als Ausgangspunkt, um nicht über Drogen, sondern über Erdöl zu erzählen.

Trotz der kurzfristigen Ermittlungserfolge gegen den Drogenhandel wird alles in Marseille weiterhin von den alten Seilschaften aus korsischer Mafia, Marseiller Gangstern, korrupter Polizisten und Politiker bis in die höchsten Kreise bestimmt. In diesem Geflecht aus Geschäftsverbindungen, Feind- und Freundschaften ist der Pariser Daquin ein Außenseiter, der sogleich die Auswirkungen zu spüren bekommt. Sein erster Fall – tödliche Schüsse auf zwei Passanten – wird von dem zuständigen Ermittlungsrichter als Folge eines Bandenkrieges abgetan. „Wenn die Banditen sich gegenseitig umbringen wie in dem Fall, über den wir sprechen, schert die anständigen Leute das wenig. Sie fühlen sich nicht bedroht“. Also soll er lediglich die Identität der Opfer herausfinden, damit die Polizei den Bandenkrieg weiter nachvollziehen kann. Weiterlesen

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Noir.Dude/s

Mittwochabend findet in Berlin zum ersten Mal eine Veranstaltung der Reihe Noir.Dude/s statt. Wolfgang Franßen vom Polar Verlag, Frank Nowatzki von Pulp Master und ich stellen drei Bücher vor – dieses Mal „Der Mann mit der Bombe“, „Die Toten schauen zu“ und „Exodus aus Libyen“ – und hoffen auf eine rege Diskussion über Literatur, Krimi und Politik.

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Krimi-Kritik: „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ von Antonin Varenne

(c) C. Bertelsmann

(c) C. Bertelsmann

Vom Birma im Jahre 1852 bis in die Sierra Nevada des Jahres 1864 streckt sich die Handlung in Antonin Varennes „Die sieben Leben des Arthur Bowman“. Titelfigur Arthur Bowman ist der härteste Söldner in der Ostindienkompanie in Birma, später arbeitet er – alkohol- und opiumsüchtig – bei der Hafenpolizei in London. Inmitten einer großen Hitze und Trockenheit im Jahr 1859 wird er von einem Jungen zu einer Leiche geführt, die verstümmelt in der Kanalisation liegt. Die Narben und Spuren der Folter erkennt Bowman zu gut – sie wurden ihm selbst während der Gefangenschaft in Birma zugefügt. Überzeugt, dass er den Mörder kennt und er unter den Überlebenden seiner Truppe zu finden ist, macht er sich auf die Suche. Weiterlesen

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