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Krimi-Kritik: „Verdammte Liebe Amsterdam“ von Frank Göhre

Schorsch. Ein Mann, ein Name, könnte man denken. Aber offenbar ist Georg der sensiblere der beiden Köster-Brüder, zumindest in seiner Erinnerung. Ständig hat ihn der ältere Michael aufgezogen, wenn er geweint hat, sich weggeduckt hat oder etwas nicht wusste. Nun ist Michael tot. An einer Autobahnraststätte wurde er erschlagen. Jahrelang hatten die Brüder einander nicht gesehen, hatten keinen Kontakt zueinander. Nun beginnt Schorsch, sich für seinen Bruder und dessen Leben zu interessieren. Also vollzieht er dessen letzten Schritte nach und landet in Amsterdam.

(c) Culturbooks

Schnörkellos geht Frank Göhres „Verdammte Liebe Amsterdam“ los: „Am zwanzigsten kurz nach neun nahm Schorsch den Anruf entgegen.“ Fünfeinhalb Seiten später ist klar, dass die Brüder als Teenager in dasselbe Mädchen – Jutta Kotzke, noch so ein Name! – verliebt waren, es ein Unheil in der Vergangenheit gibt und mit Michaels Tod möglicherweise etwas nicht stimmt. Nach 158 Seiten wissen wir, was passiert ist, dass manches nicht in Ordnung kommt – und dass „Verdammte Liebe Amsterdam“ ein herausragender Kriminalroman ist.

Gut zehn Jahre liegen zwischen Göhres „Der Auserwählte“ und diesem Buch – das ist eine verdammt lange Zeit, zu lang, wenn man mich fragt. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, wie einzigartig seine Stimme in der deutschsprachigen Kriminalliteratur weiterhin ist. Es ist eine scheinbare Leichtigkeit, ja, Selbstverständlichkeit, mit der er die Handlung und die Figuren entwickelt. Weiterlesen

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Der montägliche Kurzkrimi – Die Reihe „hey! shorties“

(c) hey! publishing

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Das ist eine tolle Idee: Jeden Montag erscheint in der ebook-Reihe „hey! shorties“ ein Kurzkrimi von einem zumeist deutschsprachigen Krimi-Autor, den man für 1,99 Euro bei den bekannten eBook-Portalen kaufen kann. Zum Start der Reihe im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, dieses Angebot zu testen, und habe die ersten vier Titel gelesen: „Brandnacht“ von Robert Brack, „Endstation Reinbek“ von Frank Göhre, „Mord im Star-Club“ von Virgina Doyle und „Todestage“ von Robert Lynn. Sie spiegeln bereits die Vielseitigkeit der Geschichten wider: Vom klassischen Whodunit bis zum hardboiled ist fast jedes Subgenre vertreten – und mit Frank Göhre ist zudem einer meiner Lieblingsautoren dabei.

(c) hey! publishing

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Die einzelnen Geschichten sind rund 50 Seiten lang, spielen nach Verlagsaussage alle im Großstadtmilieu und sind teilweise bereits in der 2004 eingestellten Reihe „Schwarze Hefte“ vom Hamburger Abendblatt erschienen. Sicher muss man die Idee des Kurzkrimis mögen, um an den „hey! shorties“ Gefallen zu finden: Auf wenigen Seiten werden Charaktere und Handlungsorte eingeführt, und es geschieht ein Verbrechen, das auch noch aufgeklärt werden muss. Dadurch sind sie für einige Leser sicher zu knapp gehalten, aber sie eignen sich bestens für Ausflüge in die deutschsprachige Krimilandschaft und ein erstes Kennenlernen der Autoren. Neben den bereits genannten sind mittlerweile auch Kurzkrimis unter anderem von Uta-Maria Heim, Gunter Gerlach und Monika Buttler erschienen, außerdem wusste ich beispielsweise vorher nicht, dass Virginia Doyle ein Pseudonym von Robert Brack war, unter dem er historische Krimis geschrieben hat. Auch seine Don-Muller-Reihe kannte ich nicht, aber dieser Hamburger Hobbydetektiv ist mir seit seiner Ermittlung in „Brandnacht“ sehr im Gedächtnis geblieben. Ich freue mich schon auf unser Wiedersehen, wenngleich ich mir gewünscht hätte, diese Reihe wäre chronologisch wieder aufgelegt werden. Abgesehen davon ist „Brandnacht“ aber ein ausgezeichneter Auftakt für die „hey! shorties“.

Alles in allem kann ich die Reihe also empfehlen. Sicher ist manchen Geschichten anzumerken, dass sie schon etwas älter sind. Aber für knappe zwei Euro bereiten sie kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, außerdem erlaubt der Einzeltitelkauf eine genaue Auswahl, welche Geschichten man lesen möchte. Und hoffentlich bekommt mit „hey! shorties“ die Idee vom regelmäßigen kurzen Krimi wieder neuen Schwung.

Weitere Informationen gibt es auf der Seite von „hey! Publishing“, dort kann auch der Newsletter abonniert werden, der über die Erscheinungen informiert.

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Zum Geburtstag von Frank Göhre

Frank Göhre (c) Pendragon

Anlässlich des 70. Geburtstags von Frank Göhre bringt der Pendragon Verlag den über 500 Seiten langen Sammelband „Geile Meile“ heraus, der den Abschluss seines St.-Pauli-Epos bildet. Er wird folgende Romane und Erzählungen enthalten: „Zappas letzter Hit“, „St. Pauli Nacht“, „Rentner in Rot“, „Der letzte Freier“ und die bisher unveröffentlichte Story „Es war einmal St. Pauli“. Der Band wird ab dem 8. Juli im Buchhandel erhältlich sein.

Frank Göhre lebt seit 34 Jahren als Roman- und Drehbuchautor geboren. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er zwei Mal den Deutschen Krimi-Preis. Und er zählt meines Erachtens schlichtweg zu den besten deutschsprachigen Kriminalautoren!

Zuvor in der St.-Pauli-Reihe erschienen:
„An einem heißen Sommertag“ (1. Sammelband mit „Letzte Station vor Einbruch der Dunkelheit“, „Schnelles Geld“ und ergänzt mit den Erzählungen „Verrückte Schritte“ und „Keine Chance“)
„Die Kiez-Trilogie“ (2. Sammelband mit den drei Romanen „Der Schrei des Schmetterlings“, „Der Tod des Samurai“ und „Der Tanz des Skorpions“)

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