Schlagwort-Archiv: Kritik

„Luther“ – Die zweite Staffel

John Luther (Idris Elba) (c) polyband

Nachdem furiosen Finale der ersten Staffel beginnt die Fortsetzung mit John Luthers (Idris Elba, „The Wire) Rückkehr in den Polizeidienst. Zuvor musste er seinem neuen Chef, Detective Chief Inspector Martin Schenk (Dermot Crowley), versprechen, dass er hinter seinem Rücken keine Alleingänge unternimmt und den Kontakt zu Alice Morgan (Ruth Wilson) unterbindet. Aber wer die erste Staffel gesehen hat, weiß sehr gut, dass sich Luther an keines dieser Versprechen halten wird.

Die zweite Staffel besteht lediglich aus vier Folgen, die im ZDF – wie bei der ersten Staffel – im zusammengeschnittenen Doppelpack ausgestrahlt werden. Allerdings fällt die Spannung nicht mehr in der Mitte der jeder Folge ab, so dass die Folgen zusammengehöriger wirken. Von Anfang an wird in der zweiten Staffel zudem deutlich, dass Luther noch stärker mit seinen Dämonen ringen muss – und er sich gefährlich nah am Abgrund bewegt. Schon die Bilder spiegeln Luthers Psyche wieder: Seine Wohnung ist unpersönlich, die Täter jagt er in Hinterhöfen, dunklen Gassen und Kellern. Seine tatsächlichen Wege sind ebenso verwinkelt wie seine Gedankengänge. Daher findet sich seine Persönlichkeit stets auch in der Suche nach dem Täter wieder. Abermals ist in der zweiten Staffel stets bekannt, wer der Böse ist. Damit bleiben die Macher ihrer Hauptfigur treu, die als Mischung aus Columbo und Sherlock Holmes angelegt ist. Bei Luther ist der Weg entscheidend – und sein Kampf mit sich selbst. Weiterlesen

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„Luther“ – Die erste Staffel der Serie mit Idris Elba

John Luther (Idris Elba) (c) polyband

Schon der Titel der Serie macht deutlich, um wen es hier geht: Detective Chief Inspector John Luther, großartig verkörpert von dem Golden-Globe-Gewinner Idris Elba (“The Wire”). Mit starker Körperlichkeit spielt er diesen schwierigen Charakter, der sich stets auf der Grenze zum Verbrecherischen bewegt. Denn DCI John Luther ist einer jener Polizisten, dessen Genie bedrohlich oft an Wahnsinn erinnert. Gleich in der ersten Folge der ersten Staffel wird deutlich, dass er in seinen Ermittlungen keine Grenze kennt: Er bringt einen Serienmörder dazu, das Versteck eines Mädchens zu verraten. Dann stürzt der Mörder von einem Gerüst und fällt ins Koma. Leser des Buches „Luther – Die Drohung“ von dem Drehbuch-Autor Neill Cross kennen die abscheulichen Verbrechen des Entführers. Die Zuschauer der Serie werden indes mitten in die Handlung geworfen. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Vergeltung“ von Julie Hastrup

(c) Piper

Nicht weit entfernt von ihrem Elternhaus wird die 22-jährige Anna Gudbergsen ermordet in einem Wald aufgefunden. Der zuständige Ermittler, Kriminalkommissar Teit Jørgensen, bittet seinen alten Freund Torsten Krogh um Hilfe. Torsten leitet einer mobile Sondereinheit der dänischen Reichspolizei, die den örtlichen Dienststellen bei besonders schwierigen Fällen zur Seite steht. Also schickt Torsten Krogh seine Mitarbeiter Rebekka Holm nach Westjütland, sie stammt ebenso wie die Ermordete aus dem Ort Ringkøbing. Widerwillig übernimmt Rebekka diesen Fall. Sie war seit Jahren nicht mehr in ihrer Heimat, da dort die Erinnerungen an ihren verstorbenen Bruder noch schwerer auf ihr lasten. Aber sie ist professionell – und fährt sofort los. Weiterlesen

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Dänisch-schwedische Krimi-Serie: „Die Brücke – Transit in den Tod“

Leichenfund auf der Brücke (c) Edel:Motion

Auf der Öresund-Brücke wird eine Leiche genau auf der Grenze zwischen Dänemark und Schweden gefunden. Zwei Ermittler treffen am Fundort ein: der dänische Kommissar Martin Rohde (Kim Bodnia, „In einer besseren Welt“) und die schwedische Kommissarin Saga Norén (Sofia Helin). Es stellt sich heraus, dass die Leiche aus zwei Teilen besteht: der obere Teil gehört zu einer Stadträtin aus Malmö, der untere Teil zu einer Prostituierten aus Kopenhagen. Letztere war bereits seit 13 Monaten vermisst, aber die Polizei stellte damals die Ermittlungen nach zwei Wochen ein. Und genau auf diesen Umstand wollte der Täter hinweisen: Bei polizeilichen Ermittlungen gibt es keine Gleichheit, ebenso wenig wie vor dem Gesetz.

Der Auftakt der Serie „Die Brücke – Transit in den Tod“ ist verwirrend und spannend. Der Täter plant sein Vorgehen seit mindestens dreieinhalb Jahren, dementsprechend scheint er die Kontrolle über die Ermittlungen zu haben. Er weiß, in welchem Tempo die Ermittler die Beweise finden, außerdem versorgt er einen schwedischen Journalisten mit Informationen. Dabei ist seine Tat groß angelegt: Er will auf insgesamt fünf Ungerechtigkeiten mit seinen Taten aufmerksam machen. Weiterlesen

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„Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ – Die zweite Staffel

Cover der DVD-Box

Die gute Nachricht gleich vorweg: In der zweiten Staffel von „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ gibt es spannendere Fälle als in der ersten Staffel. Ansonsten ist aber fast alles beim Alten geblieben, darauf deutet auch die durchgehende Folgennummerierung hin. Weiterhin versuchen die vier mittlerweile ehemaligen Studenten Fia Jönsson (Sofia Ledarp), Anna Sjöstedt (Helena af Sandeberg), Belal Al-Mukthar (Francisco Sobrado) und Roger Andersson (Leonard Terfelt) unter Leitung des Strafrechtsprofessors Markus Haglund (Mikael Persbrandt) Fehlurteile aufzudecken. Mittlerweile ist ihre Gruppe bekannt, so dass sie von gerechtigkeitssuchenden Angehörigen um Hilfe gebeten werden. Dadurch haben die Fälle eine größere Bandbreite – und vor allem sind die Ex-Studenten nicht mehr in jeden Fall persönlich verwickelt. Insgesamt sind die Fälle düsterer und spannender. Hierfür ist tatsächlich die Altersfreigabe der einzelnen Folgen ein recht guter Maßstab, da die Episoden, die ab 16 Jahren freigegeben sind, auch die spannendsten der Staffel sind. Weiterlesen

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„Die Unperfekten“ von Tom Rachmann

(c) dtv

Ein Schlüsselroman ist Tom Rachmanns „Die Unperfekten“ nicht. Auch gibt er keine enthüllenden Einblicke in das Leben von Journalisten oder einer Zeitungsredaktion. Stattdessen erzählt der amerikanische Autor in seinem Debüt elf Geschichten, die kaleidoskopartig miteinander verwoben sind. Im Mittelpunkt steht eine römische Tageszeitung, die in den 1950er Jahren von dem Geschäftsmann Cyrus Ott gegründet wurde. Für diese Zeitung schrieb auch einst Lloyd Burko, Auslandskorrespondent in Paris. Aber er ist ein Relikt aus einer anderen Zeit, das stoisch am Fax-Gerät und seinem alten Textverarbeitungsprogramm festhält. Vor E-Mails schreckt er zurück – und obwohl er dringend eine gute Geschichte bräuchte, fehlt ihm die Motivation. Längst in der Zeitung von heute kein Platz mehr für ihn. Aber auch das Blatt selbst hat an Glanz verloren. Mittlerweile hat Otts Enkel die Leitung übernommen, der mehr Interesse an seinem Hund als an der Zeitung hat. Und so mit ist der Niedergang eingeläutet. Weiterlesen

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„Gier“ von Arne Dahl – Buchbesprechung und Lesungsbericht der lit.Cologne

Lesung mit Anne Bubenzer, Arne Dahl und Gerd Köster (v.l.) auf der lit.Cologne

Am gestrigen Abend stellte Arne Dahl seinen neuen Thriller „Gier“ im Rahmen der lit.Cologne auf dem Literaturschiff RheinEnergie vor. Und der Abend mit dem schwedischen Krimiautor hat mir sehr gut gefallen. Das Gespräch mit Anne Bubenzer fand überwiegend auf Deutsch statt, da Arne Dahl zeitweise auch in Berlin lebt. Zwischendurch las Gerd Köster sehr hörenswert aus dem Thriller, dabei fühlte ich mich mal wieder in meinem Ansinnen bestärkt, dass Bücher am besten von professionellen Sprechern vorgelesen werden sollte. Insgesamt stimmte die Mischung aus Vorlesen und Gespräch, zumal Arne Dahl einige interessante Ansichten über die Wirtschaftskrise, Europa und dem Kriminalroman im Allgemeinen äußerste. Außerdem bekannte er, dass er vor einiger Zeit in Kerstin Holm – eine Ermittlerin seiner A-Gruppe – verliebt gewesen sei. Aber angesichts von „Rosenrot“ hat mich das nicht so sehr gewundert. 😉

„Gier“, das A-Team und neue Ermittler
Im Mittelpunkt standen natürlich die Kriminalromane von Arne Dahl. Ich bin eine Leserin der ersten Stunde, lese also schon seit 2003. Überzeugt hat mich damals bei „Misterioso“ auch der Gedanke, dass diese Reihe von vorneherein auf zehn Bände festgelegt sein sollte. Damit stellte sich Arne Dahl in eine Tradition mit der Kommissar-Beck-Dekalogie von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, vor allem aber hoffte ich, er würde der Versuchung widerstehen, die Reihe immer weiter fortzuschreiben, obwohl die Figuren auserzählt sind. Weiterlesen

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