Schlagwort-Archiv: Kritik

Sherlock – Die Hunde von Baskerville

Holmes (Benedict Cumberbatch, re.) und Watson (Martin Freeman) in Dartmoor © ARD Degeto/BBC/Hartwood Films 2012

Nervös stürzt Sherlock (Benedict Cumberbatch) mit blutverschmiertem Oberteil in die Baker Street 221B – anscheinend hat er gerade einen Fall gelöst. Aber er ist auf Nikotinentzug, daher braucht er schnellsten den nächsten Fall. Ein verschwundenes Kaninchen, das angeblich in der Nacht leuchtete, reizt ihn wenig. Der Besuch von Henry Knight (Russell Tovey) entpuppt sich hingegen als vielversprechend: Henry hat als Kind mit angesehen, wie sein Vater in Dartmoor von einem Höllenhund zerfleischt wurde. Seine Leiche wurde nie gefunden und Henry hat die Ereignisse niemals überwunden. Nun hat er sich im Rahmen einer Therapie erneut an den Tatort begeben und abermals Hinweise auf einen Höllenhund gefunden. Also sucht er die Hilfe von Sherlock Holmes – und der Meisterdetektiv macht sich mit John Watson (Martin Freeman) auf den Weg in die Grafschaft Devon, wo Henrys Vater in der Nähe des streng bewachten Militärstützpunktes Baskerville ums Leben kam. Interessanterweise sollen in Baskerville genetische Experimente mit Tieren vorgenommen werden. Ist den Militärs vielleicht eine gefährliche Kreatur entwischt? (Achtung Spoiler! In meiner Besprechung verrate ich wesentliche Teile des Inhalts und der Auflösung.) Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Ein feiner dunkler Riss“ von Joe R. Lansdale

(c) Golkonda

Diesen heißen Sommer im Jahr 1958 wird der 13-jährige Stanley Mitchel junior nicht so schnell vergessen. Sein Vater hat beschlossen, dass Autokino in der kleinen Ortschaft Dewmont zu kaufen und mit seiner Frau Gal, seinen Kindern Caldonia und Stanley sowie dem Hund Nub umzuziehen. Langsam lebt sich die Familie ein. Stanley hilft in dem Autokino, hat in Robert einen ersten Freund gefunden und entdeckt eines Tages die Ruinen eines Hauses. Dort ist vor 14 Jahren die Villa der vornehmen Familie Stilwind abgebrannt, deren Tochter Juwel Ellen kam im Feuer ums Leben. Und in derselben Nacht – so erfährt Stanley von der afroamerikanischen Haushälterin Rosy – wurde die kopflose Leiche ihrer Freundin Margret Wood bei den Bahngleisen gefunden. Seither soll Margrets Geist dort sein Unwesen treiben. Dann findet Stanley bei der Ruine ein Kästchen mit Briefen von Margret, die sie mit einem J. ausgetauscht hat. Nun will er der Sache nachgehen – und ausgerechnet der mürrische Alkoholiker Buster Smith, der für seinen Vater den Filmprojektor bedient, hilft ihm. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „The Hood“ von Gavin Knight

(c) Ullstein

Statt Baltimore sind die Schauplätze in Gavin Knights „The Hood“ Manchester, London und Glasgow, und sein Buch ist mindestens so schockierend wie die Fernsehserie „The Wire“. Nüchtern, fast referierend erzählt Gavin Knight von der Jugendkriminalität in diesen britischen Städten. Und er weiß, wovon er schreibt: Wie David Simon war Gavin Knight Reporter. Er arbeitete für den „Guardian“, die „Times“ und „Newsweek“, hat für das Buch zahllose Interviews geführt und einen Undercover-Ermittler begleitet. Daher basieren die Geschichten in seinem packenden Buch auf wahren Ereignissen.

Manchester – „Die überfallen keine Beerdigungen“
Seit 23 Jahren ist Anders Svensson Polizist. Seine erste Ehe mit einer Polizistin ist bereits gescheitert, in seiner zweiten Ehe kriselt es bereits sehr. Karriere wollte er nicht machen, deshalb hat er alle Beförderungen abgelehnt und arbeitet weiterhin an vorderster Front bei der XCalibre, der Einheit für Bandenkriminalität. Seine Taktik ist effektiv: Mit Ruhe und Geduld baut er sich ein Informanten-Netz auf, indem er die Mütter und Freundinnen von inhaftierten oder getöteten Bandenmitgliedern immer wieder besucht und ihr Vertrauen gewinnt. Irgendwann beginnen sie von alleine, ihm etwas zu erzählen. Die Hauptziele seiner Ermittlungen sind aber Merlin, der psychopathische Anführer einer Gang, und Flow, Merlins ruhiger Killer. Sie will er um jeden Preis überführen. Weiterlesen

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„Lachfischen im Jemen“ – Über Lasse Hallströms Verfilmung von Paul Tordays Buch

Lasse Hallströms Verfilmung von „Lachfischen im Jemen“ ist eine gute romantische Komödie, die die üblichen Klischees weitgehend vermeidet und mit spritzigen Dialogen sowie überzeugenden Darstellern sehr gut unterhält. Aber eine Frage drängt sich dennoch auf: Wie wurde aus Paul Tordays satirischem Roman eine Liebesgeschichte?

Pressesprecherin Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas) © 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Die Ausgangssituation ist in Buch und Film identisch: Der Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama will in seiner jemenitischen Heimat Lachsfische ansiedeln. Mit Hilfe der Engländerin Harriet Chetwode-Talbot (gespielt von Emily Blunt) nimmt er Kontakt zu dem britischen Fischerei-Experten Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) auf, der anfangs angesichts der Absurdität des Vorhabens entgeistert abwinkt. Auf politischen Druck des PR-Beraters Peter Maxwell (im Film eine Frau, gespielt von Kristin Scott Thomas) des britischen Premierministers muss sich Alfred auf das Projekt einlassen – und entwickelt eine ungeahnte Begeisterung. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: Fred Vargas‘ „Die Nacht des Zorns“

(c) Aufbau

Dieses Mal muss Kommissar Adamsberg gleich an vielen Fronten tätig werden: Ein Unbekannter bindet Tauben die Beine zusammen und lässt sie elendig verenden. Ein reicher Industrieller wird in seinem eigenen Auto verbrannt und ein Unschuldiger soll dafür verantwortlich gemacht werden. Außerdem behauptet eine Frau, ihre Tochter Lina habe das Wütende Heer (die armée furieuse, in Deutschland bekannt als Die Wilde Jagd) gesehen, das den Tod vierer Bewohner des Städtchens Ordebec ankündigt. Noch dazu lebt Adamsberg nun mit seinem Sohn Zerc zusammen, den er erst im letzten Roman gefunden hat. Und aus diesen Elementen entsteht im typischen Fred-Vargas-Stil ein hervorragender Kriminalroman. Weiterlesen

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„Fenster zum Sommer“ als Literaturverfilmung – Kritik und Verlosung

Eines Morgen wacht Ursula auf und bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Sie befindet sich nicht im Bett ihres Hauses neben ihrem Ehemann Joachim, sondern wieder bei ihrer herrischen Tante Priska. Und es ist auch kein Sommer mehr, sondern der siebte Februar. Was ist passiert? Aus dieser Ausgangssituation entwickelt Hannelore Valencak in ihrem lesenswerten Roman „Das Fenster zum Sommer“ ein eindrucksvolles Porträt einer Frau, die die Möglichkeiten ihres Lebens nicht nutzen kann.

Der Roman „Das Fenster zum Sommer“ von Hannelore Valencak

Hannelore Valencak (c) Gert Schlegel

Zunächst geht Hannelore wie betäubt dem Alltag nach, den sie längst hinter sich gelassen glaubte. Sie hofft, sie würde nur träumen, aber allmählich muss sie erkennen, dass sie tatsächlich die letzten Monate noch einmal leben muss. Sie vermisst Joachim, der ihr Ausweg aus ihrem trostlosen Dasein war. Deshalb ruft sie ihn an, aber er kennt sie nicht – und ist noch mit der hübschen Ingeborg zusammen.

Doch Ursula kann nicht einfach wieder in ihr altes Leben zurück, nachdem sie gemerkt hat, dass es viel mehr sein könnte: „Es ist mir immer zu wenig gewesen, nur habe ich es eben nicht so genau gewußt. Ich habe mir gesagt: So ist es eben. Das heißt, etwas anderes habe ich nicht gekannt“, sagt sie zu ihrer Kollegin Frau Gartner, die in wenigen Monaten tot sein wird. Frau Gartner widerspricht Ursula, sie ist älter und hat sich mit den schönen Kleinigkeiten abgefunden. Aber Ursula scheint dazu nicht in der Lage, dafür hat sie das Leben ihrer Tante zu sehr vor Augen. Weiterlesen

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Eine charmante Tragikomödie: „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“

(c) Universum

Eigentlich verläuft das Leben für Adam Lerner (Joseph Gordon-Levitt) ziemlich gut: Er ist noch keine 30 Jahre alt, hat einen coolen Job und ist mit der hübschen Rachael (Bryce Dallas Howard) liiert. Dann sucht er wegen quälender Rückenschmerzen einen Arzt auf und erfährt, dass er Krebs hat. Seine Überlebenschancen stehen 50:50. Und von einem zum anderen Moment hat er nur noch ein Ziel: Er will überleben.

Seinem Drehbuch zu dem Film „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ hat Autor Will Reiser seine eigenen Erfahrungen zugrunde gelegt. Er erkrankte in jungen Jahren während er mit Seth Rogen und Evan Goldberg bei „Da Ali G Show“ arbeitete an Krebs und wurde von ihnen ermuntert, die Geschichte aufzuschreiben. In Zusammenarbeit mit Regisseur Jonathan Levine ist ihnen nun eine Tragikomödie voller leisem Humor gelungen. Weiterlesen

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