„Die Unperfekten“ von Tom Rachmann

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Ein Schlüsselroman ist Tom Rachmanns „Die Unperfekten“ nicht. Auch gibt er keine enthüllenden Einblicke in das Leben von Journalisten oder einer Zeitungsredaktion. Stattdessen erzählt der amerikanische Autor in seinem Debüt elf Geschichten, die kaleidoskopartig miteinander verwoben sind. Im Mittelpunkt steht eine römische Tageszeitung, die in den 1950er Jahren von dem Geschäftsmann Cyrus Ott gegründet wurde. Für diese Zeitung schrieb auch einst Lloyd Burko, Auslandskorrespondent in Paris. Aber er ist ein Relikt aus einer anderen Zeit, das stoisch am Fax-Gerät und seinem alten Textverarbeitungsprogramm festhält. Vor E-Mails schreckt er zurück – und obwohl er dringend eine gute Geschichte bräuchte, fehlt ihm die Motivation. Längst in der Zeitung von heute kein Platz mehr für ihn. Aber auch das Blatt selbst hat an Glanz verloren. Mittlerweile hat Otts Enkel die Leitung übernommen, der mehr Interesse an seinem Hund als an der Zeitung hat. Und so mit ist der Niedergang eingeläutet.

Tom Rachmann (c) Alessandra Rizzo

Tom Rachmanns Geschichten sind mal traurig, mal komisch, oft habe sie eine bittere Pointe. So beginnt für den Nachrufschreiber Arthur Gopal nach einem großen persönlichen Verlust eine fulminante Karriere als Journalist. Und der souveräne Nachrichtenchef entpuptt sich im Privaten als allzu verletzlich. Alle Figuren sind – wie der Titel suggeriert – „unperfekt“, sie haben Macken und Schwächen, sind skrupellos, leidenschaftlich und berechnend. Und da Tom Rachman selbst als Journalist gearbeitet hat, weiß er auch, worüber er schreibt. Daher gibt es dem Roman Typen, die in vielen Redaktionen anzutreffen ist. Es gibt den karriereorientierten Schwätzer, der mit Floskeln seinen Text aufbauscht, den genauen Korrektor, der eine Redaktions-Sprachbibel führt, und den Chef vom Dienst, der allzu oft als Schiedsrichter herhalten muss. Aber das sind keine Insiderkenntnisse, die er für die Gestaltung braucht. Stattdessen sind es medial bekannte Figuren, die von ihm gekonnt zu durchaus vergnüglichen Charakteren ausgestaltet wurden.

Die elf Geschichten verdichtet Tom Rachman zu einem sehr unterhaltsamen Roman, indem er auf bereits eingeführte und spätere Figuren zurückgreift, deren Wege sich kreuzen. Oftmals liegen diesen Verknüpfungen erstaunliche Zufälle zugrunde. So begegnet die Buchhalterin, die von allen Miss Herzlos genannt wird, einem frisch entlassenen Journalisten im Flugzeug und daraus entwickelt sich scheinbar eine Liebesgeschichte. Aber Journalisten ist mit Vorsicht zu begegnen. Und davon erzählt Tom Rachman pointiert und amüsant, so dass dieser Roman wunderbar leicht zu lesen ist. Kein Wunder, dass sich die Produktionsfirma von Brad Pitt bereits die Filmrechte gesichert hat.

2 Gedanken zu „„Die Unperfekten“ von Tom Rachmann

  1. Wulf | Medienjournal

    Vor wenigen Tagen erst habe ich „Die Unperfekten“ überraschend geschenkt bekommen, nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit auf die Taschenbuchfassung gewartet habe. Deine Review nun macht definitiv Lust auf das Buch, zumal ich es ganz ähnlich eingeschätzt hätte und mir Setting und Aufbau doch sehr zusagen.

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  2. Pingback: Review: Die Unperfekten (Buch)

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