Schlagwort-Archiv: Kritik

“Stockholm Ost” – Ein Melodram mit Iben Hjejle und Mikael Persbrandt

Liebe als Problem in "Stockholm Ost" (c) SFI

Ein ganz normaler Morgen in Schweden. Anna (Iben Hjejle) arbeitet bereits von zu Hause aus, das Telefon klingelt ständig. Also beschließt ihre Tochter Tove, dass sie mit dem Rad zur Schule fährt, um pünktlich zu sein. Zur gleichen Zeit bereitet sich Johan (Mikael Persbrandt) auf die Arbeit vor, er tanzt durch seine Wohnung, verabschiedet sich von seiner Freundin und fährt mit dem Auto los. Plötzlich knallt es! Er ist mit einer Radfahrerin zusammengestoßen – und Tove stirbt später im Krankenhaus. Nur kurz sieht er Anna, als sie das Krankenhaus mit der Schultasche ihrer toten Tochter im Arm verlässt. Und inmitten seiner Schuldgefühle glaubt er eine Anziehung zu spüren. Sie bemerkt ihn nicht.

Ungefähr ein Jahr später begegnen sie sich auf einem Bahnsteig am Bahnhof Stockholm Ost. Sie kommen ins Gespräch, fahren mit dem Zug in dieselbe Richtung. Nur Johan weiß um ihre schicksalshafte Verbindung, aber er schweigt. Als Anna ihren Filofax vergisst, ergreift er die Initiative und bringt ihn ihr vorbei. Fortan treffen sie sich häufiger und verbringen viel Zeit miteinander. Anna spielt Johan vor, ihre Tochter lebe noch – und Johan glaubt, er könne Anna in ein Leben zurückhelfen, indem er ihr glaubt. Zudem wäre er frei von Schuld, würde Tove noch leben. Sie verlieben sich ineinander – und in ihrer Fantasiewelt können sie eine Weile glücklich sein. Aber irgendwann muss die Wahrheit herauskommen … Weiterlesen

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Neulich auf DVD – Die dritte Staffel von „True Blood“

True Blood (c) 2010 Home Box Office, Inc.

Nazi-Werwölfe sind noch die geringste Überraschung in der dritten Staffel von „True Blood“, die derzeit auf RTLII ausgestrahlt wird und bereits auf DVD erhältlich sind. Tatsächlich enthält die dritte Staffel eine Vielzahl neuer schillernder Charaktere, mehr Blut und mehr Sex. Damit führt Serienschöpfer Alan Ball das Erfolgsrezept von True Blood weiter, doch allmählich scheint jene originale Mischung aus Soap Opera und gesellschaftlicher Reflexion aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Neu in Staffel 3: Der Werwolf Alcide © 2010 Home Box Office, Inc.

Die erste Folge der dritten Staffel knüpft nahtlos am Ende der zweiten Staffel an. Bill (Stephen Moyer) wurde kurz nach seinem Heiratsantrag entführt und Sookie (Anna Paquin) beginnt sofort mit der Suche nach ihm. Hilfesuchend wendet sie sich an Eric (Alexander Skarsgard). Schnell stellt sich heraus, dass Bill von Werwölfen entführt wurden, die wiederum im Auftrag von Russell Edginton (virtuos gespielt von Dennis O’Hare), dem Vampirkönig von Mississippi, handelten. Dennoch will Sookie Bill befreien, weshalb Eric ihr den Werwolf Alcide (Joe Manganiello) an die Seite stellt. Die anderen Bewohner von Bon Temps haben hingegen mit den Folgen der zweiten Staffel zu kämpfen: Tara (Rutina Wesley) trauert um Eggs (Mehcad Brooks) und will sich das Leben nehmen, Jason (Ryan Kwanten) leidet unter seinen Schuldgefühlen, während Andy (Chris Bauer) für seine vermeintliche Heldentat gefeiert wird, und Sam begibt sich auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern. Weiterlesen

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„Leuchtspielhaus“ – Der Debütroman von Leif Randt

Leif Randt (c) TDDL 2011

Bei den diesjährigen Literaturtagen in Klagenfurt hat mich insbesondere Leif Randts Auszug aus seinem Roman „Schimmernder Dunst über CobyCounty“ neugierig gemacht. Bevor ich aber dieses Buch vorstelle, möchte ich einen Blick auf sein Debüt „Leuchtspielhaus“ werfen. Immerhin verspricht schon der Titel ein Spiel zwischen Kino und Literatur. Tatsächlich spielt der Film als Medium in diesem Roman eine wichtige Rolle. Filme sind wesentliche Bestandteile des kulturellen Bezugsrahmens der Protagonisten, sie liefern Verhaltensmuster und Folien ihrer Wahrnehmung. Zudem ist ein Film – in Form eines Drehbuchentwurfs – die zweite Handlungsebene.

Im Mittelpunkt von „Leuchtspielhaus“ steht Eric. Er ist Anfang 20, stammt ursprünglich aus Hessen, lebt mittlerweile in London und führt mit Helen einen Friseursalon. Ihr Laden hat nur an jedem zweiten und vierten Donnerstag geöffnet und lediglich „members“ haben Zugang. Sie vereint, dass sie sich als Insider verstehen, ihre Frisuren spätestens ändern, wenn sie trendig werden, und von der Kunst der geheimnisvollen Schweizerin Bea begeistert sind. Sie hinterlässt an verschiedenen Orten Botschaften wie „Annoy rich people“ und „Never leave Highschool“, aber niemand hat sie bisher gesehen. Seit einiger Zeit gibt es keine weiteren Nachrichten von Bea, doch Eric hofft, dass er herausfinden kann, wer sie ist. Weiterlesen

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Gesellschaftskritik, Körperlichkeit und richtig gutes Fernsehen – Die Serie “True Blood”

True Blood

Normalerweise habe ich es mit Vampiren und anderen übersinnlichen Wesen nicht sonderlich. Daher sind auch sämtliche Blasse-Teenagervampire- und Zauberlehrlings-Hypes an mir vorübergegangen. Aber ich habe ein Faible für gut gemachte Fernsehserien – und da haben mich die mitunter überschwänglichen Kritiken dann doch auf die Serie „True Blood“ neugierig gemacht. Als sie Mitte des Jahres auf RTLII ausgestrahlt wurde, habe ich einen Blick riskiert – und war begeistert.

Sookie und Bill (c) 2010 Home Box Office, Inc.

Tatsächlich ist „True Blood“ mehr als eine Serie über einen Menschen, der sich in einen Vampir verliebt. Zwar ist diese Grundidee aller Vampir-Geschichten auch Ausgangspunkt von „True Blood“. Die niedliche Kellnerin Sookie Stackhouse (Anna Paquin) verliebt sich in den galanten Vampir Bill (Stephen Moyer). Um ihr Leben zu retten, lässt er sie nach einer Auseinandersetzung sein Blut trinken, so dass sie für alle Zeit miteinander verbunden sind. So weit, so kitschig. Aber Sookie verliert ihr Herz vor allem an Bill, weil er das erste Wesen ist, dessen Gedanken sie nicht lesen kann. Sie genießt die Ruhe in seiner Anwesenheit, da die Niederträchtigkeiten und Belanglosigkeiten in den Köpfen der Menschen sie schon seit Jahren plagen. Darüber hinaus ist Bill – zumindest in den ersten beiden Staffeln – ein Vampir, der ein halbwegs menschliches Leben sucht. Diese Möglichkeit hat die Entwicklung von „Tru Blood“ eröffnet, synthetisches Blut, das in Flaschen abgefüllt zu kaufen ist. Dadurch können Vampire auf das Trinken menschlichen Blutes verzichten – und innerhalb der sterblichen Gesellschaft leben. Weiterlesen

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Neulich im Fernsehen – Eine Kritik zu „Das blaue Sofa“

Wolfgang Herles auf dem "blauen Sofa" (c) ZDF

„Das blaue Sofa“ heißt die neue Literatursendung im ZDF, in der Wolfgang Herles mit dem von Buchmessen bekannten blauen Sofa durch die Republik reist, mit Schriftstellern spricht und Bücher vorstellt. Das Konzept klingt nicht sonderlich innovativ, zumal Denis Scheck in der ARD mit „Druckfrisch“ schon eine gute Literatursendung präsentiert, in der er ebenfalls mit Autoren an ungewöhnlichen Orten spricht. Und in der Tat lädt „Das blaue Sofa“ zu einem Vergleich mit „Druckfrisch“ nahezu ein, der allerdings alles andere als vorteilhaft für das ZDF ist. Denn die Bilder, der Schnitt, die Musik und die Kamerafahrten sind zu ähnlich – und Wolfgang Herles ist weit weniger charismatisch als Denis Scheck. Hinsichtlich der Originalität liegt „Druckfrisch“ also eindeutig vorne. Doch wie schneidet die Sendung ohne den Vergleich ab? Weiterlesen

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Neulich im Fernsehen: “Sherlock – Das große Spiel”

Sherlock © ARD Degeto/BBC/Hartswood Films

„Das große Spiel“ sollte nach Meinung der britischen Kritiker die bisher beste „Sherlock“-Folge sein – und sie war es auch. Benedict Cumberbatch und Martin Freemann sind als Sherlock Holmes und John Watson nun bestens eingespielt, die Genialität des Detektivs und der Tenor ihrer Zusammenarbeit sind bestens bekannt. Es mutete gar herzzerreißend an, wie Sherlock seinem Watson am Fenster hinterher blickt, als dieser sich auf den Weg zu Sarah macht. Und genau dieser Blick ist es, der diese Beziehung so besonders macht. Das ironische Spiel mit der Vermutung, Watson und Sherlock seien ein Paar, gibt es ja schon seit der ersten Folge. Aber mit einem solchen Blick, mit dieser Inszenierung des am Fenster stehenden Zurückbleibenden, nährt der Regisseur die Vermutung, Sherlock sei schwul – und in Watson verliebt. Dabei wartet Sherlock vordergründig nur darauf, eine törichte Einzelaktion zu starten. Aber in diesen Inszenierungen wird die oftmals doppeldeutige Erzählweise mit der Krimihandlung sehr gut zusammengeführt. Weiterlesen

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Neulich im Fernsehen: Sherlock Holmes ermittelt im 21. Jahrhundert

© ARD Degeto/BBC/Hartswood Films

Gestern lief in der ARD die erste Folge der im Vorfeld hochgelobten BBC-Serie „Sherlock“, die Anfang Juni in Großbritannien als beste Drama-Serie von der BAFTA ausgezeichnet wurde. Und tatsächlich ist „Sherlock Holmes“ eine gelungene und innovative Serie mit vielen interessanten Einfällen und hochwertiger Produktion.

Insbesondere hat mir die Umsetzung der Idee gefallen, die Handlung in die Gegenwart zu verlagern. Hier ist es den Drehbuchautoren Steven Moffat und Mark Gatiss wunderbar gelungen, dem Charme und den Besonderheiten der originalen Figur nahezubleiben und eine zeitgenössische Adaption zu schaffen. In den Doyle-Büchern ist Sherlock Holmes ein zunehmend düsterer Exzentriker, heutzutage wird er als „Psychopath“ (von dem missgünstigen Tatortermittler Anderson) oder als „hochfunktionaler Soziopath“ (Selbstbeschreibung) gesehen. Seine mögliche Homosexualität wird gerade in der ersten Folge häufig angesprochen, er gibt selbst zu, dass er mit Frauen Schwierigkeiten hat. Und Dr. Watson lernt er kennen, weil er einen Mitbewohner sucht – die Wohnungen inmitten von London sind schließlich teuer. Die obligatorische Pfeife raucht er nicht mehr, sondern er greift auf Nikotinpflaster zurück, da kein Raucher mehr in London ein anständiges Leben führen könne. Diese Kleinigkeiten haben mich sehr begeistert, obwohl ich Benedict Cumberbatch als Schauspieler etwas zwiespältig gegenüberstehe. Allzu manieriert erscheint mir sein Gesichtsausdruck, zu exaltiert sein Spiel. Allerdings verleiht er auf dieser Weise seiner Figur auch den Charme des imperialen Zeitalters – und einen durchaus liebenswürdig-exzentrischen Zug.

Dr. Watson mit seiner neuen Vermieterin © ARD Degeto/BBC/Hartswood Films

Entscheidend ist bei dieser Serie aber nicht die Leistung eines Hauptdarstellers, sondern das Zusammenspiel mit Martin Freeman in der Rolle des Dr. Watsons. Und hier stimmt die Chemie voll und ganz. Ebenfalls kürzlich mit einem BAFTA-Award geehrt, bringt Freeman einen Watson auf den Bildschirm, der nicht als armes Opfer von Sherlock Holmes (und dessen Autor) erscheint. Die Transponierung ins 21. Jahrhundert hat Dr. Watson ein klares, ebenfalls leicht abgründis Profil verschafft. Anstatt aus dem Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg kehrt er aus Afghanistan zurück und muss sich selbst eingestehen, dass er den Nervenkitzel vermisst. Daher treibt weniger die Neugier oder das intellektuelle Spiel an als vielmehr seine Sucht nach Gefahr. Zugleich lässt er Sherlock Holmes menschlicher erscheinen und liefert sich mit ihm zahllose witzige Dialoge.

Auch die traditionelle Erzählperspektive wurde mit den Möglichkeiten der heutigen Technik kombiniert. Der Zuschauer ist der Polizei stets einen Schritt voraus, dabei fand ich den Einfall, die SMS-Nachrichten und Holmes‘ Gedanken im Bild zu zeigen, sehr effektiv. Die Handlung erhält dadurch mehr Tempo, zudem wird eine Nähe zur Gedankenschnelle des Meisterdetektivs erzeugt.

Auf Mörderjagd © ARD Degeto/BBC/Hartswood Films

„Sherlock“ ist fraglos eine der besten Serien, die seit langem in der ARD zu sehen waren. Die Einschaltquoten der ersten Folge waren sehr gut, daher bleibt zu hoffen, dass sich die Programmverantwortlichen endlich ein Herz fassen und mehr dieser qualitativ hochwertigen Fernsehstoffe zeigen. Und auch der Plot der nächsten „Sherlock“-Folgen klingt vielversprechend: im zweiten Teil geht es um eine Reihe von Morden, die mittels Graffiti angekündigt werden, im hochgelobten dritten Teil muss Holmes verhindern, dass unschuldige Menschen in die Luft fliegen, indem er bestimmte Verbrechen aufklärt. Ich werde nächsten Sonntag jedenfalls wieder dabei sein.

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