Archiv des Autors: Zeilenkino

Krimi-Kritik: „Brixton Hill“ von Zoë Beck

Gerade noch hat Eventmanagerin Em mit ihrer Kollegin und Freundin Kimmy Rasmussen ein Gespräch in deren Büro geführt, nun liegt diese tot auf dem Fußweg. Nachdem sich Rauch in der Büroetage gebildet hatte, glaubte Kimmy, das einzig richtige zu tun und sprang aus dem 15. Stock. Weder Em noch ihre Mitarbeiter konnten sie daran hindern. Dann wird Em verhaftet: Sie soll die Gebäudetechnik manipuliert und die Katastrophe ausgelöst haben. Damit beginnt für sie ein lebensbedrohlicher Kampf um ihre Unschuld, in dem sie auf Immobilienspekulanten, Hacker und ihre eigene Familie trifft.

Gentrifizierung als Thema im Kriminalroman

(c) Rotbuch

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(c) btb

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Ems Nachforschungen konfrontieren sie mit hässlichen Wahrheiten über ihre Familie und das dreckige Geschäft mit Immobilien, das sich in London sowohl an dem ersten Tatort Canary Wharf als auch im titelgebenden „Brixton Hill“ zeigt: überteuerte Bürogebäude werden ohne Rücksicht auf die Umwelt hochgezogen, alteingesessene Bewohner werden vertrieben, damit wohlhabende Möchtegern-Hipster in einem ‚alternativen‘ Umfeld wohnen können.Auch in den neuen Romanen von Rob Alef („Immer schön gierig bleiben“) und Ulrich Ritzel („Trotzkis Narr“) ist Gentrifizierung der Hintergrund des Krimi-Plots. Die Fälle sind indes grundverschieden: Bei Alef ermittelt sein Kommissar Paschulke in dem Mord an einer Immobilienmaklerin, bei Ritzel stößt Privatdetektiv Hans Berndorf bei der Untersuchung einer Beschattung auf einen Bestechungsskandal und bei Zoë Beck gerät nun eine Eventmanagerin unschuldig unter Mordverdacht.Die Ermittlungen in allen drei Büchern führen in die Aktivisten-Szene – und bei Beck und Ritzel zum Linksterrorismus der 1970er Jahre. Weiterlesen

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Oscar 2014 – Die Nominierungen im Überblick

©A.M.P.A.S.

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Im Gegensatz zu der Verleihung werden die Nominierungen für die Oscars gegen 14:30 Uhr verkündet – also zu der angenehmen Uhrzeit zwischen Mittagspause und Nachmittagsarbeit. In diesem Jahr gaben Chris Hemsworth und Cheryl Boone Isaacs die Namen und Filmtitel bekannt – und die größte Enttäuschung war für mich, dass Robert Redford nicht für „All is lost“ nominiert wurde. Der Film hat auch keine Nominierung für den Ton bekommen, lediglich eine für Sound Editing. Gefreut habe ich hingegen über die Nominierung von „The Act of Killing“ als beste Dokumentation und sowohl „The Broken Circle“ als auch „La grande bellezza“ als bester fremdsprachiger Film. Weiterhin ein Rätsel bleibt für mich die große Zuneigung für „American Hustle”.

Alle Nominierungen im Überblick: Weiterlesen

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Media Monday #133

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1. Ganz ehrlich, Meryl Streep sollte die Schauspielerei am besten gleich ganz drangeben, denn sie hat doch eigentlich alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Natürlich nicht: Wer gerne Schauspieler sein möchte, soll es doch sein.

2. Woran mag das liegen, dass jüngere Blockbuster länger und länger werden und kaum noch ohne Überlängenzuschlag auskommen, vor allem völlig ungeachtet dessen, ob die Geschichte eine Laufzeit von mehr als 120 Minuten überhaupt hergibt? Wenn ich das wüsste … Meine Vermutung ist, dass jede Produktionsfirma von Blockbuster um jeden Preis ein Event kreieren will, deshalb muss immer alles größer und vermeintlich sensationeller sein. Aber solange es immer noch genug Menschen gibt, die bereitwillig in diese Filme gehen, werden sie damit auch nicht aufhören.

3. „Vom Regisseur von“, „Von den Produzenten von“, „Präsentiert von“ – wenn ich so etwas auf einem Cover oder Filmplakat lese, dann denke ich manchmal, „ach, der hat das auch gemacht?“.

4. Meine liebste Serie derzeit ist ganz klar „The Wire“, insbesondere weil ich derzeit getreu meines Vorsatzes, weniger Serien und mehr Filme zu gucken, keine Serie schaue und außerdem meine „Lieblinge“ nicht so schnell ändere.

5. Die Serie „Downton Abbey“ hat allerdings nach der zweiten Staffel stark abgebaut wie ich finde, denn anscheinend ist den Autoren nichts mehr eingefallen.

6. Es gibt ja AutorInnen, deren Bücher allesamt zu überzeugen wissen, die aber noch kaum jemand zu kennen scheint, wie etwa James Sallis, Donald Ray Pollock und Adrian McKinty. Sollte man unbedingt mal gelesen haben, weil sie schlichtweg gute düstere Romane schreiben.

7. Meine zuletzt gesehener Film war „Die Poetin“ und der war trotz aller Schwächen schön, weil die Dichterin Elisabeth Bishop hinreißende Sätze geschrieben hat, die immer wieder in diesem Film zitiert werden.

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Die Gewinner der Golden Globes 2014

Gestern Nacht wurden in Los Angeles zum 71. Mal die Golden Globes vergeben. Während ich mir bei den Oscars in der Regel die Nacht um die Ohren schlage, habe ich in den letzten Jahren die Globes zum Frühstück nachgeholt. Und so habe ich mich in den letzten knapp zweieinhalb Stunden gefreut und geärgert.

Aber zunächst die Gewinner im Überblick:

(c) HFPA

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Film
Bester Film (Drama): „12 Years a Slave“
Bester Film (Komödie/Musical): „American Hustle”
Beste Schauspielerin (Drama): Cate Blanchett („Blue Jasmine”)
Bester Schauspieler (Drama): Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club”)
Beste Schauspielerin (Komödie/Musical): Amy Adams („American Hustle”)
Bester Schauspieler (Komödie/Musical): Leonardo DiCaprio („The Wolf of Wall Street”)
Bester Nebendarsteller: Jared Leto („Dallas Buyers Club”)
Beste Nebendarstellerin: Jennifer Lawrence („American Hustle”)
Beste Regie: Alfonso Cuarón („Gravity”)
Bestes Drehbuch: Spike Jonze („Her”)
Beste Filmmusik: Alex Ebert („All is Lost”)
Bester Filmsong: „Ordinary Love” von U2 in „Mandela: Long Walk to Freedom”
Bester nicht-englischsprachiger Film: „La Grande Bellezza“ (Italien)
Bester Animationsfilm: „Frozen” (“Die Eiskönigin – völlig unverfroren”)

Fernsehen
Beste Drama-Serie: „Breaking Bad”
Beste Comedy-Serie: „Brooklyn Nine-Nine”
Bester Schauspieler(Drama): Bryan Cranston, „Breaking Bad”
Beste Schauspielerin (Drama): Robin Wright, „House of Cards”
Bester Schauspieler (Comedy): Andy Samberg, „Brooklyn Nine-Nine”
Beste Schauspielerin (Comedy): Amy Poehler, „Parks and Recreation”
Bester TV-Film oder Miniserie: „Behind the Candelabra”
Bester Schauspieler TV-Film/Mini-Serie: Michael Douglas, „Behind the Candelabra”
Beste Schauspielerin TV-Film/Mini-Serie: Elisabeth Moss, „Top of the Lake”
Beste männliche Nebenrolle: Jon Voight, „Ray Donovan”
Beste weibliche Nebenrolle: Jacqueline Bisset, „Dancing on the Edge”

Zu den Fernsehkategorien kann ich fast nichts sagen, da ich bis auf „Behind the Candelabra“, „Top of the Lake“ und den Anfang von „Breaking Bad“ nichts kenne, auch habe ich nur wenige der anderen nominierten Sendungen gesehen.

Bei den Film-Preise fehlen mir noch „12 years a slave“, „Her“, „Saving Mr. Banks“ und „August: Osage County“, aber ich sag mal so: Über einen Preis für Emma Thompson und Spike Jonze würde und werde ich mich niemals ärgern 😉 Ein großes Rätsel bleibt mir hingegen die große Begeisterung für „American Hustle“. Ich kann sehr gut verstehen, dass andere Schauspieler diesen Film gut finden – auch für mich sind die schauspielerischen Leistungen (und insbesondere Jennifer Lawrence) das Beste an dem Film. Aber der Raum, den die Schauspieler haben, geht zu Lasten des Drehbuchs, so dass sich spätestens in der zweiten Hälfte Langeweile einstellt. Deshalb halte ich allein die Nominierung für das beste Drehbuch für einen Witz. Aber ich fürchte, ich werde mich auf mehr Preise für „American Hustle“ einstellen müssen.

Schwieriger ist es in den Drama-Kategorien. Matthew McConaughey zeigt in „Dallas Buyers Club“ eine beeindruckende Leistung, allerdings bietet seine Rolle auch viel mehr Ansatzpunkte und – ich sage mal – „Oscar-Material“ als Robert Redfords in „All is lost“. McConaughey hat für die Darstellung sehr viel Gewicht verloren und er spielt einen homophoben Aids-Kranken, der zum Aktivisten wird. Außerdem hatte er in letzter Zeit einige sehr gute Rollen – allein seine Szene in „Wolf of Wall Street“ ist eindrucksvoll. Dagegen spielt Robert Redford einen alten Mann auf einem Boot. Doch wie er es macht und was er dort tut, ist in meinen Augen schlichtweg großartig. Deshalb würde ich ihm jeden Preis geben.

Gefreut habe ich mich über die Auszeichnungen von Alex Ebert für die Musik in „All is lost“, Jared Leto als bester Nebendarsteller in „Dallas Buyers Club“ und natürlich „La grande bellezza“ als bester nicht-englischsprachiger Film. Auch ist Cate Blanchett für mich eine sehr verdiente Gewinnerin.

Nun aber bin ich vor allem auf die Oscar-Nominierungen gespannt, da die Academy-Mitglieder in diesem Jahr ihre Stimmzettel vor Vergabe der Globes abgeben mussten. Somit ist durchaus nicht sicher, dass Leonardo DiCaprio für „Wolf of Wall Street“ überhaupt nominiert wird – ebenso Amy Adams für „American Hustle“. Sie hat als beste Hauptdarstellerin vor allem mit Cate Blanchett, Sandra Bullock, Judi Dench, Meryl Streep und Emma Thompson sehr große und namhafte Konkurrenz, wenngleich ich schätze, sie wird nominiert und Meryl Streep nicht. Am 16. Januar sind wir schlauer.

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Krimi-Kritik: „Gottes Zorn“ von Olle Lönnaeus

(c) Rowohlt

(c) Rowohlt

Mitten in der Nacht erhält der betrunkene Joel Lindgren einen Anruf von seinem Vater Mårten, zu dem er seit Jahrzehnten kein Kontakt mehr hat. Nun stammelt er nur „Komm her. Es ist eilig. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit …“ ins Telefon. Widerwillig macht sich Joel auf den Weg, kämpft sich durch einen Schneesturm, legt sich fast mit einem Wildschwein an und kommt schließlich am Haus des Vaters an. Doch seine unterdrückten Befürchtungen werden bestätigt: Sein Vater hängt tot von der Decke im Wohnzimmer. Joel fällt in Ohnmacht – und als er wieder aufwacht, kommt die Erinnerung: „Er hatte die Leiche berührt, daran erinnerte er sich. Voller Grauen war er darauf zugegangen und hatte seine Finger auf eine herabhängende Hand gelegt. Sie war kalt, genau wie er es vermutet hatte. So viel wusste Joel über Tote: Man sieht innerhalb eines Augenblicks, ob es bereits zu spät ist.“

Ansonsten weiß Joel aber nicht allzu viel – weder über sich selbst noch über seinen Vater. Im Alter von 18 Jahren hat er seinen Heimatort verlassen und für ein Jahr bei einer Sekte gelebt, in der er Halt und vermeintliche Orientierung fand. Schließlich fühlte er sich dort beengt, verließ die Sekte und traf eine Frau, aber die Ehe scheitere, weil er keine Kinder wollte. Durch den Tod des Vaters wird er nun mit seinen diffusen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend konfrontiert, die vor allem von seinem gewalttätigen Vater und dem Weggang der Mutter bestimmt sind. Als er jedoch beginnt, im Leben seines Vaters herumzuwühlen und mit Menschen zu sprechen, die seinen Vater besser kanten, geraten diese Erinnerungen ins Wanken. Allmählich erkennt er, dass er trügerischen Wahrnehmungen unterlegen war.

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KrimiZeit-Bestenliste Januar 2014

Ausnahmsweise am zweiten Donnerstag des Monats ist die KrimiZeit-Bestenliste erschienen. Die Platzierungen sind (in Klammern ist der Vormonat angegeben):

(c) Diogenes

(c) Diogenes

1 (3) John le Carré: „Empfindliche Wahrheit“
2 (1) Friedrich Ani: „M“
3 (7) Dennis Lehane: „In der Nacht“
4 (5) Martin Cruz Smith: „Tatjana“
5 (4) Garry Disher: „Dirty Old Town“
6 (2) Lee Child: „61 Stunden“
7 (-) Ulrich Ritzel: „Trotzkis Narr“
8 (-) Zoë Beck: „Brixton Hill“
9 (-) Jesper Stein: „Unruhe“
10 (8) Jo Nesbø: „Koma“

Besonders gefreut habe ich mich über die beiden Neuzugänge Zoë Beck und Ulrich Ritzel, deren Bücher ich sehr gelungen fand. Meine Besprechung von „Trotzkis Narr“ ist in der aktuellen Ausgabe der BÜCHER, die Kritik zu „Brixton Hill“ kommt nächste Woche im Zeilenkino. Aber bereits jetzt sei gesagt, dass sich beide Kriminalromane dem Thema Gentrifizierung aus gänzlich anderer Richtung nähern – und gekonnt Gesellschaftskritik mit Krimi-Elementen verbinden.

Dennis Lehanes „In der Nacht“ habe ich bereits ausführlich gewürdigt, Jesper Stein steht auf meiner Leseliste.

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Januar – Kinotipps

Da heute gleich zwei sehenswerte Filme in den deutschen Kinos starten, denen meiner Meinung nach sehr viele Zuschauer zu wünschen sind, verblogge ich meine Kinotipps ausnahmsweise:

„I used to be darker“

(c) Arsenal

(c) Arsenal

Im letzten Jahr begann meine Berlinale mit dem ruhigen, melancholischen Film „I used to be darker“ von Matt Porterfield, der nun am 9. Januar in den deutschen Kinos startet. Mir hat der Film damals sehr gut gefallen – zumal ich auch eine Schwäche für Folk-Musik habe.

Erste Eindrücke habe ich hier verbloggt, meine Kritik ist bei spielfilm.de zu lesen und hier gibt es die Tourdaten der tollen Sängerin und Hauptdarstellerin Kim Taylor. Der Besuch auf ihrer Homepage lohnt sich übrigens allein schon wegen der Songs, die dort zu hören sind.

„All is lost”

(c) Universum

(c) Universum

Seit einigen Wochen erzähle ich jedem, dass er unbedingt im Januar „All is lost” sehen müsse, da dieser Film meiner Meinung nach zu besten Filmen des Jahres zählen wird – und ja, dass sage ich im Januar. Dieser Film ist ein pures, natürliches Kinoerlebnis, das mich schlichtweg begeistert hat. Robert Redford ist in der Hauptrolle sensationell, der Ton und die Musik von Alex Ebert sind atemberaubend. Meine Kritik ist abermals bei spielfilm.de zu lesen.

Also: Auf ins Kino! 🙂

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