Krimi-Kritik: „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ von Frank Schulz

Ich bin verliebt. In Onno Viets, den Mitte 50-jährigen Noppensockenträger, der seine Sätze gerne mit „öff, öff“ beendet. Und ein wenig auch in Frank Schulz, dem ich in einer Phase des „das habe ich doch alles schon einmal gelesen“ und „och nö, nicht schon wieder“ diesen famosen Roman zu verdanken habe. Beim Lesen habe ich laut gelacht, nur um auf der nächsten Seite gerührt und einige Seiten weiter erzürnt zu sein. „Onne Viets und der Irre von Kiez“ ist eine großartig geschriebener Kriminalroman, ein Gegenwartsroman und eine Gesellschafts- und Medienkritik.

Über Onno Viets

Eigentlich ist Onno mit seinem Leben ganz zufrieden. Er ist glücklich verheiratet mit der Erzieherin Edda und hat selbst seine Phobie gegen Vögel- und insbesondere Hühnerköpfe einigermaßen im Griff. Aber ihn plagen Steuerschulden und der Wunsch, seiner Edda ein Fahrrad zum Geburtstag zu schenken. Deshalb hat er – aus dem Fernsehen natürlich – die Idee, Privatdetektiv zu werden. Diesen Entschluss verkündet er gegenüber seinen Freunden, dem Rechtsanwalt Christoph Dannewitz, genannt Stoppel, dem schönen Raimund und Ulli „Elefantenpeitsche“ Vredemann, als sie nach dem wöchentlichen Tischtennisspielen in Hamburg-Eppendorf in der italienischen Kneipe „tre tigli“ zusammensitzen: „So, Sportsfreunde. Achtung, Achtung. Ich glaub, ich werd´ Privatdetektiv. Öff. Öff“. Weiterlesen

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Kritikerpreise: New York Film Critics Circle und National Board of Review

In diesem Jahr beginnt die Preisverleihungssaison für mich anscheinend zu früh, so dass ich ständig ein wenig hinterherhinke. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich mich in diesem Jahr zum einen das fast schon dogmatische Verhalten verschiedener amerikanischer Blogger etwas nervt – und es zum anderen bisher noch keinen Film gibt, für den ich mich leidenschaftlich begeistern kann. Aber ich habe ja auch noch nicht alle Kandidaten gesehen.

Bisher deutet sich Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ als Kritikerliebling an, was Erinnerung an die Preisverleihungssaison 2000/2010 wachruft. Damals wurde die Oscar-Verleihung zum Zweikampf zwischen Bigelows „Hurt Locker“ und James Camerons „Avatar“ stilisiert – mit besserem Ende für erstere. Dieses Mal könnte ihr „großer“ Gegner „Lincoln“ von Steven Spielberg sein. Darauf deuten zumindest die ersten Entscheidungen der Kritiker-Verbände hin.

Die Gewinner im Überblick: Weiterlesen

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DVD-Kritik und Verlosung: „Ausgerechnet Sibirien“

Matthias Bleuel (Joachim Król, re.) und seine Exfrau Ilka (Katja Riemann, li.) (c) Georg Nonnenmacher/Majestic

Matthias Bleuel (Joachim Król) ist auf dem Weg zu sich selbst – und das ist bekanntlich manchmal mühsam und langwierig. Aber immerhin hat er mit dem Joggen angefangen und will nun endlich fitter werden. So läuft der Vertriebsleiter eines mittelständischen Textilunternehmens in der Eingangssequenz des Films „Ausgerechnet Sibirien“ durch die rheinische Landschaft und hört dabei über Kopfhörer eine Geschichte über Schamanen und Tiergeister. Mit seiner Ankunft an seinem Haus wird dann deutlich, warum er zu sich selbst finden muss: Seine Frau (Katja Riemann) hat ihn verlassen, nun sitzt er alleine in seinem Reihenhaus und verkauft das gemeinsame Ehebett. Matthias ist ein durchschnittlicher Mann, der seine Routine schätzt. Und da es kaum einen Schauspieler gibt, der diese Durchschnittlichkeit verkörpert wie Joachim Król, passt er hervorragend in diese Rolle. Zwar zeigt er keine neuen Facetten, aber er ist glaubwürdig und versieht Bleuel mit einer erstaunlichen Übellaunigkeit, die es mitunter schwierig macht, dieser Figur Glück zu wünschen. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Blutige Fehde“ von Stuart Neville

(c) rütten & loenig

Lesern von Stuart Nevilles Erstling „Die Schatten von Belfast“ wird eine der Hauptfiguren seines zweiten Thrillers „Blutige Fehde“ besonders bekannt vorkommen: Der Ex-IRA-Killer Gerry Fegan mordete dort, um die Schatten seiner Vergangenheit loszuwerden, und brachte dabei den Friedensprozess in Nordirland in Gefahr. In „Blutige Fehde“ belästigen ihn abermals die Schatten seiner Taten: Bull O’Kane hat das damalige Gemetzel überlebt und will sich nun an Fegan rächen. Deshalb heuert er den Killer „Der Nomade“ an, der vorerst in Belfast alte Rechnungen für ihn begleicht, sein Hauptziel ist allerdings der mittlerweile verschwundene Fegan. Um ihn wieder nach Nordirland zu locken, will O’Kane ihn an seinem einzigen schwachen Punkt treffen und Marie und deren Tochter Ellen entführen – die einzigen Menschen, die Fegan etwas bedeuten.

Korruption und alte Seilschaften
Während Stuart Neville in seinem Debüt noch dem Geflecht aus Gewalt, Politik und Korruption in Nordirland nachspürte, konzentriert er sich in „Blutige Fehde“ vor allem auf Police Inspector Jack Lennon, Ellens biologischen Vater und damit vordergründig auf die Korruption in der Polizei. Weiterlesen

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Spirit Awards 2013

Krankheitsbedingt hänge ich mit meiner Berichterstattung zu der Awards Season 2012/2013 etwas hinterher, aber ich möchte es dennoch nicht verpassen, hier die Nominierungen für die Film Independent Spirit Awards nachzureichen. “Silver Linings Playbook” und “Moonrise Kingdom” wurden jeweils fünfmal nominiert. Sehr gefreut habe ich mich über die Nominierungen von Matthew McConaughey als beste Nebenrolle in „Magic Mike” – wenngleich es mir schwerfällt, diesen Film (und auch „Silver Linings Playbook”) als Indepedent zu sehen – und von Michael Pena in „End of Watch”. Die Verleihung wird am 23. Februar 2013 stattfinden.

Die Nominierungen im Überblick: Weiterlesen

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Arne Dahl im ZDF – Ein erstes Resümee

Paul Hjelm (Shanti Roney), Jorge Chavez (Matias Varela), Aarto Söderstedt (Niklas Åkerfelt), Jenny Hultin (Irene Lindh), Viggo Norlander (Claes Ljungmark), Kerstin Holm (Malin Arvidsson), Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson) von li. nach re.

An den letzten vier Sonntagen waren im ZDF die Verfilmungen der A-Team-Romane von Arne Dahl zu sehen. Jeden Sonntag saß ich daher vor dem Fernseher – und ärgerte mich. Über die mäßige Synchronisation, über falsche Begriffe, die wenig überzeugende Besetzung und die Schnittfassungen, die das ZDF zumindest bei den ersten beiden Teilen ausstrahlte. Machte ich meinem Unmut über „Misterioso“ noch Luft, war ich von der Episode „Böses Blut“ so enttäuscht, dass ich noch nicht einmal etwas zu schreiben wollte. Und das passiert äußerst selten. Nun wurde aber wenigstens der vorerst letzte Teil „Falsche Opfer“ vollständig in 180 Minuten ausgestrahlt und dafür auf zwei Sonntage verteilt.

„Falsche Opfer“ – In voller Länge

Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson) in Schwierigkeiten (c) Johan Paulin

Schon letzte Woche zeigten sich bei dem ersten Teil von „Falsche Opfer“ die Vorteile dieser langen Fassung: Die Handlungsstränge wurden sorgfältiger vorbereitet, den einzelnen Figuren wurde mehr Raum und dadurch zumindest die Möglichkeit zur Charakterisierung gegeben. Daneben fiel aber auch auf, dass manche Personen wie beispielsweise Sara Svenhagens Vater bisher noch gar nicht bekannt waren – zumindest innerhalb der Ausstrahlung. Dennoch waren allein die ersten 90 Minuten dieser Episode besser als die beiden vorherigen Teile. Weiterlesen

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Media Monday #74 – AAPS-Special

Was Blogbetreiber schon immer mal los werden wollten … könnte die Überschrift des heutigen Media Monday lauten. Eine nette Idee!

1. Von dem Schauspieler John Hawkes sollte man in der Blogosphäre mehr zu lesen bekommen, weil er ein weiterhin zu Unrecht hierzulande wenig bekannt ist – und für jeden Film eine Bereicherung darstellt.

2. Von den Regisseurinnen Debra Garnik und Kelly Reichardt sollte man in der Blogosphäre mehr zu lesen bekommen, weil sie mit ihren Independentfilmen einen neuen Blick auf die amerikanische Gesellschaft ermöglichen.

3. Von der Schauspielerin Agnes Kittelsen sollte man in der Blogosphäre mehr zu lesen bekommen, weil sie sehr viel Talent hat – und eine ähnliche Karriere wie Noomi Rapace hinlegen könnten.

4. Welcher von dir verfasste Artikel wurde schmählichst vernachlässigt, obwohl du eine Menge Herzblut in ihn gesteckt hast? Der Auftaktbeitrag zu meiner Elmore-Leonard-Reihe über „Out of Sight“ fällt mir hier als erstes ein – und danach der über die Verfilmung von „Extrem laut und unglaublich nah“. Weiterlesen

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