Shots – Juli/August 2015

Margos Spuren
Seit sie in das Nachbarhaus gezogen ist, ist Quentin in Margo verliebt. Als Kinder waren sie befreundet, doch nun ist aus Margo das coolste Mädchen der Highschool geworden und Quentin hängt mit seinen Freunden im Musikraum ab. Dann sucht sie ihn eines Nachts unerwartet in seinem Zimmer auf und für Quentin beginnt die aufregendste Zeit seines Lebens. John Greens Jugendroman ist eine schöne Geschichte über Freundschaft, Erwachsenwerden und über ein Mädchen, das für alle als Projektionsfläche herhalten muss.

John Green: Margos Spuren. Übersetzt von Sophie Zeitz. dtv Reihe Hanser.

Der Bang Bang Club
Als Bang Bang Club wurde eine Gruppe südafrikanischer Fotografen bezeichnet, die in den 1990er Jahren jeden Tag ihr Leben riskierten, um von den schwelenden Konflikten in den Townships zu berichten. In ihrem Buch erzählen Greg Marinovich und João Silva eindringlich von den Auseinandersetzungen und ihrem täglichen Kampf mit ihrem Beruf und ihren Bildern. Sehr lesenswert! Weiterlesen

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(Politische) Verräter unter uns

Bisher habe ich hier im Blog nur Texte veröffentlicht, die ich für das Zeilenkino geschrieben habe. Aber in den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass ich zwar immer mehr schreibe, aber immer weniger Zeit zum Bloggen habe. Und deshalb werde ich fortan hier auch Texte ‚anteasern‘, die ich für andere Internetseiten geschrieben habe. Momentan überlege ich noch, ob ich hier den ganzen Text oder nur den Anfang mit weiterführendem Link veröffentliche – und über Meinungen dazu freue ich natürlich. Den Auftakt macht nun meine aktuelle Kolumne für kino-zeit.de, dort schreibe ich einmal im Monat über Kriminelles und mehr.


Kim Philby und Edward Snowden sind Verräter. Sie haben Geheimnisse ihres Arbeitgebers weitergegeben – Philby an den KGB, Snowden an die Öffentlichkeit. Ob sie den Verrat wegen eines Gesinnungswandels oder ihrer moralischen Überzeugung begangen haben, ist den Verratenen egal. Sie fühlen sich betrogen und im Stich gelassen. Doch Verrat ist nur aus Sicht des Verratenen eine eindeutige Tat, ansonsten ist er ebenso ambivalent zu beurteilen wie der Verräter selbst.
Der Verrat schafft auch eine Verbindung zwischen dem berühmtesten Doppelagenten der britischen Spionagegeschichte, der John Le Carré, Graham Greene und viele Autoren mehr zu ihren Büchern samt Verfilmungen inspirierte, und dem bekanntesten Whistleblower der Welt, dessen Geschichte bislang lediglich in einem Dokumentarfilm geschildert wurde. Dabei funktionieren die Erzählungen über Spionage und Whistleblower nach vergleichbaren Mustern – nur aus verschiedenen Perspektiven. weiterlesen bei kino-zeit.de

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Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen

Ich bin schon sehr lange unfassbar wütend. Über die „Flüchtlingspolitik“ Deutschlands und der Europäischen Union. Über die Gleichgültigkeit, mit der hingenommen wird, dass jeden Tag Menschen im Mittelmeer ertrinken – und ein europäisches Land ein Gesetz erlässt, das Helfer zu Mittätern macht. Über den mangelnden Willen, an der Situation etwas zu ändern und aus den Fehlern der Vergangenheit etwas zu lernen.

In den letzten Wochen ist diese Wut noch größer geworden. Angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der Politiker aller Parteien hinnehmen, dass seit Wochen private Initiativen Hilfeleistungen und Unterstützungen übernehmen, die Aufgabe des Staates wären. Angesichts des Schweigens der Politiker zu der Situation der Flüchtlinge und dem Hass, der diesen Menschen entgegenschlägt. Und angesichts der mangelnden Bereitschaft vieler europäischer Länder, Flüchtlinge aufzunehmen.

Zu der Wut kommt angeekelte Fassungslosigkeit – über den Bau einer Mauer in Ungarn. Über die Rhetorik populistischer Politiker und auch Medien, die von „Taschengeld“, „das Boot ist voll“ und einer „Flut“ von Flüchtlingen sprechen. Über die Weigerung, die Chancen, ja, die Notwendigkeit von Einwanderung zu sehen – und anzuerkennen, dass vor unseren Augen eine humanitäre Katastrophe stattfindet.

Ich bin froh, dass ich noch nie gezwungen war, meine Heimat, meine Familie und Freunde zu verlassen, mein Leben zu riskieren, um in Sicherheit zu sein. Eine Zukunft zu haben. Und ich finde es wichtig, das Wort zu ergreifen. Denn ich glaube nicht, dass tatsächlich eine Mehrheit in diesem Land gegen Flüchtlinge ist. Vielmehr schweigt sie. Deshalb ist es an der Zeit, dass es tatsächlich den „Aufstand der Anständigen“ gibt, den Anja Reschke in ihrem Kommentar verlangte.

Am Wochenende wurde von Karla Paul, Nico Lumma, Stevan Paul und Paul Huizing die Aktion #BloggerfürFlüchtlinge initiiert, mit der Spenden für den Verein „Moabit hilft“ gesammelt werden. Das Geld ist wichtig und notwendig. Es ist außerdem wichtig, das Schweigen zu brechen. Ich gebe gerne etwas ab von dem Überfluss, in dem ich (und wir alle) leben; ich teile gern die Sicherheit, die ich in diesem Land haben darf; und ich hoffe, dass viele von euch diesem Spendenaufruf folgen oder auf andere Weise Hilfe leisten und Stellung beziehen.

Ein Nachsatz: Ich glaube auch daran, dass Bücher und Filme, dass Kunst helfen, die Welt zu verstehen und zu einem besseren Ort zu machen; dass sie die Wahrnehmung verändern. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf zwei Bücher hinweisen, in denen von Flucht erzählt wird: „Havarie“ von Merle Kröger und “Die Piroge” von Abasse Ndione (es wurde auch hervorragend verfilmt). In beiden wird von den Risiken der Flucht über das Mittelmeer eindringlich erzählt.

Ein zweiter Nachsatz: Wer lieber vor Ort helfen will, findet bei Wie kann ich helfen? Informationen über Projekte in verschiedenen Regionen

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Krimi-Kritik: „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ von Robert Brack

(c) Edition Nautilus

(c) Edition Nautilus

Explosiv beginnt der neuen Roman von Robert Brack: Auf die Detektivagentur von Lenina Rabe und Nadine Adler wird ein Anschlag mit einer Granate verübt, der die Ermittlerinnen schockiert zurücklässt. Das haben sie nun davon, dass sie im Auftrag des Besitzers ihres Stamm-Chinesen Feng Yun-Fat nach dessen verschwundenem Koch Wang Shou gesucht haben. Brutal wird es bei Robert Brack aber dennoch nicht. Vielmehr wird in der Folge aufgeklärt, wie es zu dem Granatenangriff kommen konnte, indem sich seine Protagonistinnen mit ihren Gegenspieler einige schlagfertige Wortgefechte und nur selten einen Kampf mit Händen und Füßen liefern.

In Bracks Kriminalroman geht es um einen verschwundenen Koch, Kriegswaffen, die in den Mittleren Osten verschifft, Schrott, der Afrika geschickt, und Autos, die nach China verladen werden. Dazwischen stecken Anspielungen und Verweise auf kriminalliterarische Vorgänger, so diskutieren Nadine und Lenina, ob Raymond Chandler Taoist gewesen sein könnte, nutzen die Seite anti-pinkerton.org und tun, was sie tun müssen. Im Gegensatz zu ihren wortkargen männlichen Kollegen ernähren sie sich gesund, trinken Bier, aber noch mehr Tee und reflektieren beständig ihr Handeln sowie das Verhalten der Gegenspieler. Bisweilen wünscht man sich ein wenig mehr Realität. Jedoch ist die Vorstellung, dass sich die Lohnsklaven in den Küchen, Fabrikhallen und anderen Orten tatsächlich organisieren, allzu verführerisch. Denn in ihm steckt immer noch ein Fünkchen Hoffnung auf ein gerechteres System, auf Gegenwehr und auf Engagement.

Robert Brack: Die drei Leben des Feng Yun-Fat. Edition Nautilus 2015.

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Krimi-Kritik: „Freedom’s Child“ von Jax Miller

„Mein Name ist Freedom Oliver, und ich habe meine Tochter getötet.“ Mit diesem Satz beginnt Jax Millers Debüt „Freedom’s Child“, in dem sie von Vergewaltigungen, Entführungen, Waffenhandel und religiösen Fanatikern erzählt.

(c) Rowohlt

(c) Rowohlt

Seit sie gegen ihren Schwager wegen des Mordes an ihrem Mann ausgesagt hat, lebt Freedom Oliver im Zeugenschutzprogramm in Painter, Oregon, einer „Kleinstadt voll Schmutz, Regen und Crystal Meth.“ Die Welt, in der sie sich bewegt, ist sexualisiert und gewalttätig. Sie arbeitet in einer von Bikern und Prostituierten besuchten Bar, wird beständig mit Übergriffen konfrontiert, die sie brutal beendet, und von traumatischen Erinnerungen an ihre Vergangenheit heimgesucht, die sie wegzutrinken versucht. Dann erfährt sie, dass der Mann, den sie einst ins Gefängnis gebracht hat, frei kommt. Sie weiß, dass er sich rächen wird und auch ihre Kinder in Gefahr sind, die bei Adoptiveltern großgeworden sind. Also macht sie sich auf den Weg, ihre Kinder zu retten.

Freedom Olivier ist eine jene Protagonistinnen, die sich aus einer missbräuchlichen Ehe befreit hat und nun mit den Konsequenzen der Tat leben muss. Also raucht, trinkt, flucht und vögelt sie, so viel und mit wem sie will. Sie ist rücksichtslos sich selbst und anderen gegenüber. Aber sie war nicht immer so, erst durch ihre Ehe ist sie so geworden. Wäre es nicht großartig, wenn eine Frauenfigur einfach so wäre, weil sie es will? Weiterlesen

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Ein Leben in Freiheit und Lüge – Über den Film „Himmelverbot“

Der Mörder ist gefasst und hinter Gittern gebracht. An dieser Stelle enden oft Filme. Oder sie steigen ein, wenn die Täter schon im Gefängnis sitzen und erzählen von dessen Knastalltag. Auch der Kontakt des Filmemachers Andrei Schwartz zu Gabriel begann auf diesem Weg: Für seinen Dokumentarfilm „Jailbirds – Geschlossene Gesellschaft“ besuchte Schwartz vor zehn Jahren das rumänische Hochsicherheitsgefängnis Rahova und begegnete während der Dreharbeiten Gabriel, einem zu lebenslanger Haft verurteiltem Mörder. Er hatte eine Frau und deren Ehemann in ihrer Wohnung erschossen. Aus Rache. Mit seinem Witz und seinen melancholischen Augen, seiner Geschichte voller Schatten und dunklem Humor verkörperte Gabriel damals Rumänen für ihn, gesteht der Filmemacher zu Anfang seines neuen Films und so bleiben sie über die Dreharbeiten hinaus in Verbindung. Dann erreicht ihn Gabriels Nachricht, dass nach dem Verbüßen von 20 Jahren Haft die Verhandlung über eine Freilassung auf Bewährung ansteht – eine Möglichkeit, die es erst seit Rumäniens EU-Beitritt 2007 gibt – und Andreis Anwesenheit mit Kamera dabei hilfreich könnte. Also reist Andrei Schwartz abermals nach Rumänen und begleitet Gabriel in „Himmelverbot“ bei seinem Weg zurück in die Freiheit.

(c) W-film / TAG/TRAUM Filmproduktion

(c) W-film / TAG/TRAUM Filmproduktion

„Himmelverbot“ erfüllt im Folgenden alle Erwartungen an einen Dokumentarfilm über die Rückkehr eines Mörders in die Freiheit. Es gibt ein tränenreiches Wiedersehen mit der Familie, erstes Erstaunen über eine Gesellschaft ohne Diktatur und einem Land in der EU. Doch es stellen sich auch Probleme ein. Weiterlesen

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Sommerpause

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Mir wird es hier zu warm, also mache ich mich auf den Weg gen Norden in den Urlaub! Vom 17. Juli bis 10. August geht das Zeilenkino in Sommerpause. Auf Twitter und Facebook werde ich gelegentlich unterwegs sein, einige Fotos werden bei Instagram und EyeEm zu sehen sein. Ich freue mich schon unser Wiederlesen – habt einen schönen Hochsommer!

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