Krimi-Kritik: „Bad Cop“ von Mike Nicol

Nach dem Abschluss seiner großartigen „Rache“-Trilogie widmet sich Mike Nicol in seinem Buch „Bad Cop“ abermals den Banden und Verquickungen von Südafrikas Vergangenheit und Gegenwart. Hauptfigur ist Bartholomeu „Fish“ Pescado, ein surfender Privatdetektiv oder ermittelnder Surfer, der an Don Winslows Boone Daniels erinnert – wenngleich er mit Anfang 20 wesentlich jünger erscheint. Fish lebt am Strand von Surfer’s Corner, genießt die Wellen am liebsten mit seinem Kumpel Daro und schlägt sich mit kleinen Aufträgen durchs Leben. Eigentlich mag er es ruhig, er warnt seine in England lebende Mutter sogar vor einer Investition, die sie mit gefährlichen Männern in Kontakt bringen könnte. (Ich vermute, sie wird in den folgenden Teilen noch eine größere Rolle spielen.) Als er dann jedoch einem ‚bookie‘ – einem Obdachlosen – zu helfen versucht und im Auftrag seiner Freundin, der Anwältin Vicki, einen Autounfall untersucht, gerät er selbst in den Dunstkreis des ehemaligen Polizeipräsidenten Jacob Mkezi – und damit in Gefahr.

(c) btb

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Im Gegensatz zu den Protagonisten der „Rache“-Trilogie ist Fish Pescado nicht direkt in Südafrikas Vergangenheit verstrickt, dafür ist er zu jung. Er ist ein Nachfahre, der das Apartheid-Regime nicht bewusst mit erlebt hat, aber dessen Folgen spürt. Außerdem ist die Vergangenheit durch den Tod des Vaters in seinem Leben präsent, und er weiß um die Bündnisse, die neuen und alten Seilschaften, die über Macht und Einfluss in Südafrika bsestimmen. Oftmals erscheint er erstaunlich hellsichtig und erfahren für sein Alter und legt eine Abgebrühtheit an den Tag, die wenig später im Kontrast zu seinem leichtsinnigen, von Eifersucht getriebenen Verhalten gefährlichen Männern gegenüber steht. Der Grund dafür ist meist seine Freundin Vicki, die er sehr liebt. Sie ist clevere, spielsüchtige Anwältin, deren attraktives Äußeres und großen Brüste allzu oft betont werden. Es reicht anscheinend nicht, sie einmal zu erwähnen und diese Figur ansonsten durch ihre Handlungen oder Aussagen bestehen zu lassen.
Denn schließlich sieht sie ja toll aus. Wirklich toll. So toll, dass fast alle Männer etwas von ihr wollen. Im Gegensatz zu Sheemina February aus der Rache-Trilogie nutzt Vicki ihre Wirkung aber weniger bewusst und skrupellos, sondern wird zu immer mehr Kompromissen gezwungen, weil sie zum einen nicht alle Hintergründe durchschaut und zum anderen durch ihre Vergangenheit als Spielerin erpressbar ist. Sie hat sehr viel Potential – sofern Mike Nicol in den folgenden Büchern nicht nur auf ihre Brüste setzt.

Es ist die Vergangenheit, die bei fast allen Figuren dafür sorgt, dass sie Taten begehen müssen, die sie nicht wollen. In Südafrika gibt es keine unschuldigen Menschen – und selbst Nachgeborene werden von den Schatten gejagt. Erzählte Mike Nicol in der „Rache“-Trilogie von der Abrechnung mit alten Feinden, geht es nun um die Folgen der Vergangenheit für die gegenwärtige Gesellschaft. Dabei spielt der Roman auf zwei Ebenen: Zum einen verfolgt er von 1977 bis 1999 die Handlungen eines Todesschwadron, das im Auftrag des Regimes Oppositionelle im In- und Ausland tötet, zum anderen schildert er die kriminellen Taten der Gegenwart, die vom Handel mit Rhinozeroshörnern bis hin zu Korruption reichen. Natürlich werden beide Ebenen verbunden und führen zu einem spannenden Showdown.

Vieles ist an „Bad Cop“ gelungen: die zynische Grundhaltung und die Bissigkeit, mit der beispielsweise die Wahl von Miss Landmine geschildert wird. Das ist keine Fiktion, ohnehin ist vieles wenigstens nah an der Wirklichkeit. Denn Mike Nicol schreibt gute Kriminalromane – und müsste genau deshalb nicht ständig auf die Äußerlichkeiten seiner weiblichen Figuren hinweisen.

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