Archiv des Autors: Zeilenkino

Arne Dahl im ZDF – Ein erstes Resümee

Paul Hjelm (Shanti Roney), Jorge Chavez (Matias Varela), Aarto Söderstedt (Niklas Åkerfelt), Jenny Hultin (Irene Lindh), Viggo Norlander (Claes Ljungmark), Kerstin Holm (Malin Arvidsson), Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson) von li. nach re.

An den letzten vier Sonntagen waren im ZDF die Verfilmungen der A-Team-Romane von Arne Dahl zu sehen. Jeden Sonntag saß ich daher vor dem Fernseher – und ärgerte mich. Über die mäßige Synchronisation, über falsche Begriffe, die wenig überzeugende Besetzung und die Schnittfassungen, die das ZDF zumindest bei den ersten beiden Teilen ausstrahlte. Machte ich meinem Unmut über „Misterioso“ noch Luft, war ich von der Episode „Böses Blut“ so enttäuscht, dass ich noch nicht einmal etwas zu schreiben wollte. Und das passiert äußerst selten. Nun wurde aber wenigstens der vorerst letzte Teil „Falsche Opfer“ vollständig in 180 Minuten ausgestrahlt und dafür auf zwei Sonntage verteilt.

„Falsche Opfer“ – In voller Länge

Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson) in Schwierigkeiten (c) Johan Paulin

Schon letzte Woche zeigten sich bei dem ersten Teil von „Falsche Opfer“ die Vorteile dieser langen Fassung: Die Handlungsstränge wurden sorgfältiger vorbereitet, den einzelnen Figuren wurde mehr Raum und dadurch zumindest die Möglichkeit zur Charakterisierung gegeben. Daneben fiel aber auch auf, dass manche Personen wie beispielsweise Sara Svenhagens Vater bisher noch gar nicht bekannt waren – zumindest innerhalb der Ausstrahlung. Dennoch waren allein die ersten 90 Minuten dieser Episode besser als die beiden vorherigen Teile. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Media Monday #74 – AAPS-Special

Was Blogbetreiber schon immer mal los werden wollten … könnte die Überschrift des heutigen Media Monday lauten. Eine nette Idee!

1. Von dem Schauspieler John Hawkes sollte man in der Blogosphäre mehr zu lesen bekommen, weil er ein weiterhin zu Unrecht hierzulande wenig bekannt ist – und für jeden Film eine Bereicherung darstellt.

2. Von den Regisseurinnen Debra Garnik und Kelly Reichardt sollte man in der Blogosphäre mehr zu lesen bekommen, weil sie mit ihren Independentfilmen einen neuen Blick auf die amerikanische Gesellschaft ermöglichen.

3. Von der Schauspielerin Agnes Kittelsen sollte man in der Blogosphäre mehr zu lesen bekommen, weil sie sehr viel Talent hat – und eine ähnliche Karriere wie Noomi Rapace hinlegen könnten.

4. Welcher von dir verfasste Artikel wurde schmählichst vernachlässigt, obwohl du eine Menge Herzblut in ihn gesteckt hast? Der Auftaktbeitrag zu meiner Elmore-Leonard-Reihe über „Out of Sight“ fällt mir hier als erstes ein – und danach der über die Verfilmung von „Extrem laut und unglaublich nah“. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Eine andere Welt – „Beasts of the Southern Wild“

„In a million years, when kids go to school, they gonna know: Once there was a Hushpuppy, and she lived with her daddy in The Bathtub.“

Hushpuppy auf der Inselstraße (c) Jess Pinkham/MFA+ FilmDistribtuion e.K.

Die sechsjährige Hushpuppy (Quvenzhané Willis) lebt mit ihrem Vater Wink (Dwight Henry) und anderen Aussteigern und Nonkonformisten in The Bathtub, einem halb überfluteten Flussarm im Süden der USA. Sie wissen, dass der große Sturm unweigerlich kommen wird – und mit ihm womöglich auch das Ende der Welt. Hushpuppy hat gelernt, dass im Universum alles zusammenhängt. Sollte ein kleiner Teil zerstört werden, wird die ganze Welt zusammenbrechen. Aber ihr Vater hat sie auch gelehrt, dass tapfere Männer nicht fliehen, sondern vor Ort bleiben, schauen, was passiert, und versuchen, das zerbrochene Teil der Welt wieder zu reparieren, indem sie stark bleiben. Als nun der Sturm kommt und The Bathtub in den Fluten versinkt, bleibt Hushpuppy mit ihrem Vater dort – und setzt alles daran, den Schaden wiedergutzumachen.

Hushpuppy (c) Jess Pinkham/MFA+ FilmDistribtuion e.K.

Aus der Sicht von Hushpuppy erzählt, hat Regisseur Benh Zeitlin mit seinem ersten Langfilm einen einzigartigen Film kreiert, der den Zuschauer auf eine magische Reise in die Welt eines sechsjährigen Mädchens einlädt. Hushpuppy glaubt an Monster und Wunder, deshalb ist ihre Welt, so schmutzig sie für manche sein mag, für sie magisch und das Allerwichtigste – und sie erzählt ihre Geschichte so, wie es ihr gefällt. Um diesen Film zu genießen, muss der Zuschauer bereit sein, sich auf dessen Subjektivität einzulassen. Das fällt aber nicht schwer, da Hushpuppy eine bezaubernde Erzählerin ist und über die Überzeugungskraft eines Kindes verfügt. Sobald man sich dieser Sichtweise hingegeben hat, entführt der Film in eine dystopische und zauberhafte Kinderwelt, in der nachgerade philosophische Fragen verhandelt werden. Dadurch entstehen beeindruckende Bildkompositionen, in der vor allem die Unbändigkeit der Natur kraftvoll eingefangen ist. Die Menschen in The Bathtub leben mit der Natur, mit ihrer Schönheit und Zerstörungskraft. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

„Glückskind“ von Steven Uhly

(c) Secession Verlag

Hans D. verlässt die Wohnung nur, um seinen Verlängerungsantrag für Hartz IV pünktlich zur Post zu bringen. Und wenn er sowieso schon einmal auf dem Weg ist, rafft er sich noch auf, wenigstens einige der vollen Müllsäcke aus seiner verwahrlosten Wohnung zu den Mülltonnen zu bringen. Dort macht er eine erschreckende Entdeckung: In den Mülltonnen liegt ein Säugling. Ein kleines Mädchen, das in den Müll geworfen wurde und das anscheinend niemand wollte. Sofort handelt Hans, holt das Kind aus der Mülltonne, wärmt es und bastelt notdürftig eine Flasche, damit es etwas trinken kann. Er fühlt sich dem Kind nahe. Schließlich ist er ebenso wenig gewollt wie das Baby.

Der Anfang von Steven Uhlys Roman klingt bedrückend, doch in „Glückskind” erzählt er eine warme Geschichte über Einsamkeit, Verzweiflung und Veränderung. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Ein hervorragender Film und deutscher Oscar-Beitrag – „Barbara“ von Christian Petzold

Im Sommer des Jahres 1980 beginnt die Kinderärztin Barbara (Nina Hoss) in einer Klinik in einem kleinen Ort an der Ostsee. Sie wurde dorthin von der Berliner Charité strafversetzt, nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hat. Ihr neuer Vorgesetzter André (Ronald Zehrfeld) kennt ihre Absicht, er wurde noch vor ihrer Ankunft von dem Stasi-Mann Schütz (Rainer Bock) informiert. Er soll sie im Auge behalten – ebenso wie die Männer im Wagen, die ihr ungeniert folgen, und die Hausmeisterin ihres neuen Wohnhauses.

Barbara (Nina Hoss) (c) Pfiffl Medien

Offensichtlich ist es Barbara gewohnt, beobachtet zu werden. Regelmäßig blickt sie aus dem Fenster, sobald es an ihre Wohnungstür klopft, wird ihr Blick leicht panisch. Sie muss hinnehmen, dass ihre Wohnung willkürlich durchsucht und ihr Körper auf verstecktes Gut kontrolliert wird. Ihr Leben ist durchzogen von fremden Kontrollversuchen und Misstrauen. Daher begegnet auch sie selbst den Menschen mit Argwohn und bleibt den neuen Kollegen gegenüber reserviert – die der Neuen aus Berlin gegenüber ebenfalls Vorbehalte haben. Ihrem Chef André hingegen zeigt sie ihre Skepsis sehr deutlich. Er begegnet ihr mit sehr viel Aufmerksamkeit und offensichtlichem Gefallen, aber gerade dieses Verhalten macht sie misstrauisch. Schließlich könnte dahinter der Versuch stecken, sie auszuhorchen oder an den Staat zu binden. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Media Monday #73

Nachdem ich letzte Woche geschwänzt habe, bin ich diese Woche aber wieder dabei:

1. Leonardo di Caprio gefiel mir am besten in dem famosen „Revolutionary Road“. Diese erwachsene Rolle hatte ich ihm vorher nicht zugetraut, aber er hat es erstaunlich gut – und mit wenig Stirnrunzeln! – hinbekommen.

2. John Woo hat mit „The Killer“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil dieser Gangsterfilm trotz aller Brutalität noch einen Funken Hoffnung überlässt.

3. Maria Bello gefiel mir am besten in „Thank You for Smoking“, in dem sie endlich mal ihre komödiantische Seite gezeigt hat. Ohnehin ist Maria Bello meistens Erachtens unterschätzt und holt aus stereotypen Rollen (wie beispielsweise in „World Trade Center“) oder kleinen Rollen („Company Men“) viel heraus. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Ein kurzer Blick auf „Silver Linings Playbook“

(c) Senator

Nach achten Monaten in einer psychiatrischen Klinik zieht Pat Solatano (Bradley Cooper) wieder bei seinen Eltern (Jackie Weaver, Robert de Niro) ein und will sein altes Leben mitsamt seiner Ehefrau zurückgewinnen. Durch einen Bekannten lernt er Tiffany (Jennifer Lawrence) kennen, die ihren Mann verloren hat, stets die Wahrheit sagt und ganz anders als alle Frauen ist, die Pat bisher kannte. Sie bietet ihm an, das gerichtlich verhängte Kontaktverbot zu unterlaufen und eine Nachricht an seine Frau zu übermitteln. Doch im Gegenzug soll er mit ihr an einer Tanzveranstaltung teilnehmen …

David O. Russell („The Fighter“) hat mit „Silver Linings Playbook“ den gleichnamigen Bestseller von Matthew Quick verfilmt – und ihm ist eine überzeugende Mischung als romantischer Komödie und Drama gelungen. Dabei überzeugt nicht nur Jennifer Lawrence („Hunger Games”, „Winter’s Bone“), sondern auch Bradley Cooper („Hangover“) mit einer glänzenden schauspielerischen Leistung.

Der Film startet am 3. Januar 2013 unter dem Titel „Silver Linings – Wenn du mir, dann ich dir“ in den deutschen Kinos.

Diesen Beitrag teilen