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Krimi-Kritik: „Korrupt“ von Robert Kviby

„Sie würde noch mehr Gründe zum Weinen haben, die Frau, die schluchzend neben dem noch nicht getrockneten Blutfleck des Ministerpräsidenten stand.“ Dessen ist sich der Erzähler von Robert Kvibys „Korrupt“ sicher. Denn der Mord an Olof Palme ist Ausgangspunkt des Aufstiegs von „neuen Zysten der schmutzig grauen Machtamöbe“, die sich in Schweden dank starker Allianzen und schweigender Polizei breit macht. Und mit einem Teil dieser Machtamöbe stößt die Polizeireporterin Annie Lander zusammen, als sie über eine Mordserie an Prostituierten schreiben will.

(c) Rowohlt

(c) Rowohlt

In dem Auftakt der Reihe um die Polizeireporterin Annie Lander und ihren Mann Max greift Robert Kviby auf bewährte Zutaten zurück: Eine Reporterin als Hauptfigur, sexuelle Folterungen von Prostituieren und die Verstrickung von Politik und Wirtschaft erinnern an Stieg Larssons „Millenium“-Trilogie und die Rolle der Balkan-Mafia lässt an Jens Lapidus‘ „Snabba Cash“-Reihe denken. Dadurch gerät gerade die erste Hälfte des Romans formelhaft: Annie ist schön, begehrt, klug und mutig; ihre Mutter wurde umgebracht, als sie noch ein Kind war. Ihr Mann Max ist als Jazzmusiker natürlich melancholisch, introvertiert und rastlos. Dennoch war es Liebe auf den ersten Blick, nun ist Annie schwanger – und sie könnten glücklich sein, würde Max nicht zu viel trinken und Annie zu viel arbeiten. Derzeit recherchiert sie in einer Serie von ungeklärten Mordfällen an Prostituierten. Dabei kommt sie einer Verschwörung auf die Spur, die bis in die höchsten Kreise der schwedischen Gesellschaft reichen. Ihr Hauptverdächtiger ist ein schwerreicher Industrieller, der zurückgezogen lebt. Er ist Chef eines Herrenbundes, der in Schweden das Sagen hat, aber weitgehend im Verborgenen agiert. Diese mächtigen Männer lassen sich von einer Reporterin jedoch nicht einschüchtern – und so gerät Annie in Lebensgefahr.

Die Verdächtigen sind in „Korrupt“ schnell ausgemacht, auch sind die privaten Schwierigkeiten von Annie und Max eher der Konvention denn dem Plot geschuldet. Glücklicherweise folgt dann jedoch eine Wendung, die originell und witzig ist, auch am Ende Ende wagt sich Robert Kviby ein wenig aus den Genreregeln heraus. Dadurch ist „Korrupt“ als Auftakt einer Reihe durchaus unterhaltsam – sofern sich Robert Kviby hier ebenfalls an Larsson und Lapidus hält. Deren Serien endeten nach drei Teilen.

Robert Kviby: Korrupt. Übersetzt von Lotta Rüegger und Holger Wolandt. Rowohlt 2013.

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Krimi-Kritik: „Manhattan Fever“ von Walter Mosley

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Leonid McGill ermittelt wieder! In dem vierten Band der Reihe um den New Yorker Privatdetektiv wird Leonid abermals mit den Folgen seines vergangenen Tuns konfrontiert: Vor einigen Jahren hat er geholfen, Zella Grisham mit fingierten Beweisen für einen Raubüberfall ins Gefängnis zu bringen, den sie nicht begangen hat. Doch nun hat er – im Zuge seiner Läuterung – unauffällig für ihre Freilassung gesorgt, ihr eine Wohnung und einen Job besorgt. Doch dummerweise kann er seine Schuldgefühle auf diese Weise nicht loswerden: Ein Anruf der damals bestohlenen Versicherungsfirma kostet Zella Wohnung und Anstellung. Aber nicht nur das: Sie scheint von Unbekannten bedroht zu werden, die ebenso Leonid McGill das Leben schwer machen wollen. Also versucht er herauszufinden, was damals geschehen ist – und muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass er seinen Vater wiederfinden könnte und seine Geliebte Aura Ullman zu ihm zurückkehren möchte. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Bußestunde“ von Arne Dahl

(c) Piper

Nun ist es soweit: Das A-Team löst seinen letzten Fall. Von Anfang an hatte Arne Dahl festgelegt, dass seine Reihe – in Anlehnung an Maj Sjöwalls und Per Wahlöös „Kommissar Beck“ – zehn Teile umfassen wird. Und wenngleich er mit „Gier“ eine kleine Hintertür genutzt hat, ist „Bußestunde“ der zehnte und letzte Teil mit der Sonderheit für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter.

Das Buch beginnt mit einer wunderbaren Übersicht, ja, fast könnte man Rundflug sagen, über die vertrauten Figuren aus den neun vorhergehenden Büchern. Sara Svenhagen und Jorge Chavez sitzen auf einer Parkbank am Mälarsee, beobachten ihre Tochter Isabel und freuen sich auf ihr zweites Kind. Gunnar Nyberg genießt mit seiner Freundin Ludmila Lundkvist ebenfalls die letzten Sonnenstrahlen vor einer anderen Hütte am Ulvsundasee, Jon Anderson wartet in einem Café auf seinen Verlobten, Familie Söderstedt versammelt sich im Park und Arto denkt an Viggo Norlander, der in einer Klinik gegen den Krebs kämpft. Kerstin Holm besucht ein Grab, Paul Hjelm trifft sich mit seinen Kindern in einem Restaurant und Lena Lindbergh war gerade noch einem Café, gerät dann aber in einen Raubüberfall. Damit endet der letzte idyllische Spätsommertag – und das A-Team hat einen neuen Fall. Weiterlesen

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Der erste Teil der Hap-und-Leonard-Reihe – „Wilder Winter“ von Joe R. Lansdale

Wer hierzulande Joe R. Lansdale lesen möchte, muss sich auf einige Suchen einstellen. Seine Bücher erscheinen in fünf Verlagen (aktuell: Golkonda, Dumont und Klett-Tropen; Rowohlt und Shayol), an Chronologie ist dabei kaum zu denken. In seiner Heimat ist der amerikanische Autor sehr bekannt, das Deutschlandradio schreibt gar von einer Kultfigur. Hierzulande ist er wohl noch eher ein Geheimtipp, der lediglich durch die Verfilmung seiner Kurzgeschichte „Buppa Ho-Tepp“ und dem Edgar-Allen-Poe-Award für „Die Wälder am Fluss“ etwas Aufmerksamkeit bekam (Anmerkung: In einer ersten Version stand hier fälschlicherweise, dass „Die Wälder am Fluss“ verfilmt worden seien. (siehe Kommentare)) – und kürzlich haben ihm insbesondere die Veröffentlichungen seiner Romane „Gauklersommer“, „Kahlschlag“ und „Ein feiner dunkler Riss“ im Golkonda Verlag eine größere Bekanntheit verschafft. Außerdem habe ich die leise Hoffnung, dass es in diesem Jahr Joe R. Lansdale ähnlich ergeht wie Daniel Woodrell im letzten Jahr und auch größere Medien diesen Autor entdecken. Weiterlesen

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Arne Dahl im ZDF – Ein erstes Resümee

Paul Hjelm (Shanti Roney), Jorge Chavez (Matias Varela), Aarto Söderstedt (Niklas Åkerfelt), Jenny Hultin (Irene Lindh), Viggo Norlander (Claes Ljungmark), Kerstin Holm (Malin Arvidsson), Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson) von li. nach re.

An den letzten vier Sonntagen waren im ZDF die Verfilmungen der A-Team-Romane von Arne Dahl zu sehen. Jeden Sonntag saß ich daher vor dem Fernseher – und ärgerte mich. Über die mäßige Synchronisation, über falsche Begriffe, die wenig überzeugende Besetzung und die Schnittfassungen, die das ZDF zumindest bei den ersten beiden Teilen ausstrahlte. Machte ich meinem Unmut über „Misterioso“ noch Luft, war ich von der Episode „Böses Blut“ so enttäuscht, dass ich noch nicht einmal etwas zu schreiben wollte. Und das passiert äußerst selten. Nun wurde aber wenigstens der vorerst letzte Teil „Falsche Opfer“ vollständig in 180 Minuten ausgestrahlt und dafür auf zwei Sonntage verteilt.

„Falsche Opfer“ – In voller Länge

Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson) in Schwierigkeiten (c) Johan Paulin

Schon letzte Woche zeigten sich bei dem ersten Teil von „Falsche Opfer“ die Vorteile dieser langen Fassung: Die Handlungsstränge wurden sorgfältiger vorbereitet, den einzelnen Figuren wurde mehr Raum und dadurch zumindest die Möglichkeit zur Charakterisierung gegeben. Daneben fiel aber auch auf, dass manche Personen wie beispielsweise Sara Svenhagens Vater bisher noch gar nicht bekannt waren – zumindest innerhalb der Ausstrahlung. Dennoch waren allein die ersten 90 Minuten dieser Episode besser als die beiden vorherigen Teile. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Falscher Ort, falsche Zeit“ von Walter Mosley

Alphonse Rinaldo schlägt niemand einen Wunsch ab. Er ist einer der einflussreichsten Menschen in New York, residiert an einem geheimen Ort und lenkt die Geschehnisse der Stadt. Doch nun bittet er den Privatdetektiv Leonid McGill um einen Gefallen: Er soll nach einem verschwundenen Mädchen zu suchen. Als er an dem erwähnten Ort auftaucht, stößt er mitten in eine Mordermittlung und sieht sich abermals mit New Yorker Polizisten konfrontiert, die ihn zu gerne hinter Gittern bringen würden. Das ist jedoch nicht der einzige Fall, mit dem sich Leonid McGill in „Falscher Ort, falsche Zeit“ auseinandersetzen muss: Er versucht außerdem noch, seinem ehemaligen Opfer Ron Sharkey zu helfen, dem eigentlich nicht zu helfen ist – und sein Lieblingssohn Twill will mit seinem leiblichen Sohn Dimitri einen Frauenhändlerring bekämpfen, der Dimitris Freundin Tatjana nicht gehen lassen will.

Kampf gegen die Vergangenheit und mit der Gegenwart

Im Grund genommen aber erzählt Walter Mosley in dem zweiten Band seiner Leonid-McGill-Reihe von dem Leben des Privatdetektivs, von seinen Versuchen, ein sauberes Leben in einer heruntergekommenen Welt zu führen. Erzogen von einem kommunistischen Vater sind Leonid und sein jüngere Bruder Nikita mit revolutionären Parolen aufgezogen worden und so schwer es Leonid auch fällt, seinem Vater zu verzeihen, dass er die Familie verlassen hat, desto mehr muss er anerkennen, dass dessen Lehren Nachwirkung zeigen. Auch Leonid McGill ist mittlerweile ein Kämpfer – für das Gute in einer heruntergekommenen Welt. Ungerechtigkeiten muss er dafür in Kauf nehmen, aber wie schon im ersten Teil beweist er große Nehmerqualitäten. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Vergeltung“ von Julie Hastrup

(c) Piper

Nicht weit entfernt von ihrem Elternhaus wird die 22-jährige Anna Gudbergsen ermordet in einem Wald aufgefunden. Der zuständige Ermittler, Kriminalkommissar Teit Jørgensen, bittet seinen alten Freund Torsten Krogh um Hilfe. Torsten leitet einer mobile Sondereinheit der dänischen Reichspolizei, die den örtlichen Dienststellen bei besonders schwierigen Fällen zur Seite steht. Also schickt Torsten Krogh seine Mitarbeiter Rebekka Holm nach Westjütland, sie stammt ebenso wie die Ermordete aus dem Ort Ringkøbing. Widerwillig übernimmt Rebekka diesen Fall. Sie war seit Jahren nicht mehr in ihrer Heimat, da dort die Erinnerungen an ihren verstorbenen Bruder noch schwerer auf ihr lasten. Aber sie ist professionell – und fährt sofort los. Weiterlesen

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