Archiv des Autors: Zeilenkino

„Engelsgrab“ von Danielle Ramsay

(c) Piper

Das Krimi-Debüt der schottischen Autorin Danielle Ramsey beginnt mit dem Mord, der aus der Perspektive des Opfers geschildert wird. Das ist ein spannender und konventioneller Auftakt für einen Krimi, der sich auch im weiteren Verlauf weitgehend an die Regeln des Genres hält: Die 15-jährige Sophie wurde ermordet und ihr Gesicht wurde entsetzlich verstümmelt. Nachdem er als Folge einer Schussverletzung für sechs Monate außer Dienst war, wird Detective Inspector Jack Brady an den Tatort am Strand von Whitley Bay im Nordosten Englands gerufen. Er soll die Ermittlungen übernehmen, obwohl sein alter Freund und Kollege DI Jimmy Matthews eigentlich dafür vorgesehen war. Aber er hat sich am Tatort wie ein Laie benommen und wurde daraufhin abgezogen. Von Anfang an kommt Brady die Sache merkwürdig vor – und schon bald erfährt er, dass er mit seinem Argwohn richtig liegt: Jimmy Matthews kannte die Tote und war offenbar der letzte, der sie lebend gesehen hat.

Danielle Ramsay verwendet sehr viel Sorgfalt darauf, das Umfeld ihrer Hauptfigur Jack Brady – Parallelen zu Harry Hole sehe nicht nur ich in dieser Figur – zu beschreiben. Weiterlesen

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Die dritte Staffel von „Kommissarin Lund” – Eine großartige Serie, ein schlimmes Ende und die DVD-Box

Fassungslos saß ich am Ende der letzten Folge der großartigen Serie „Kommissarin Lund“ vor dem Fernseher. Dreißig Folgen – drei Staffeln lang – war Sarah Lund (Sofie Gråbøl) eine famose Ermittlerin mit Macken und Stärken. Sie wurde als Figur sehr gut entwickelt, einzig ihr Pullover blieb in den Folgen immer gleich. Sie hat ihre Partner überlebt, mehrere Trennungen durchgemacht und sogar ertragen, dass sich ihr Sohn von ihr distanziert. Und dann wählen die Serienmacher das schlimmste aller möglichen Enden.

Vorweg: Eine starke dritte Staffel

Noch vereint: Robert Zeuthen (Anders W. Berthelsen) mit seinen Kindern

Über neun Folgen lang bot die dritte Staffel von „Kommissarin Lund“ fast alle Stärken der ersten Staffel: einen spannenden Fall, Verwicklungen in der Politik und – eine sehr gute Entscheidung – in die Wirtschaft. Dadurch wurde der Bogen weiter gespannt als bei der schwachen zweiten Staffel, die unter der zu frühen Preisgabe des Täters gelitten hat. (Oder hatte da jemand noch Zweifel, nach (SPOILER) der Name genannt wurde?) Außerdem hat Sarah Lund erstmals die Möglichkeit, ein Opfer zu retten: Die Tochter des reichen Robert Zeuthen (famos: Anders W. Berthelsen) wurde entführt. Der Entführer verlangt, dass Robert Zeuthen selbst festlegen soll, welche Schuld er für seine Tochter begleichen will. Und in Zeiten einer Finanzkrise denkt vorerst außer dem Zuschauer keiner daran, dass es ihm um etwas anderes als Geld gehen könnte. Dadurch entspinnt sich schätzungsweise 555 Minuten lange spannende Unterhaltung, die wieder einmal beweist, warum „Kommissarin Lund“ eine gute Krimiserie ist. Weiterlesen

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Media Monday #94

Meine Woche beginnt mit dem Media Monday, den Wulff vom Medienjournal jeden Montag bereitstellt. (Wie auch das Bild, das ich jeden Montag verwende).

1. Morgan Freeman gefiel mir am besten in „Million Dollar Baby“, dicht gefolgt von „Kiss the girls“, „Shawshank Redemption” und „Driving Miss Daisy”. Er gefällt mir oft gut, allerdings auch nur selten besonders gut.

2. Francis Ford Coppola hat mit „The Godfather II“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil er eine perfekte Fortsetzung für den ebenfalls hervorragenden ersten Teil ist. Oder ist es doch „The Godfather I“, weil es ein großartiger Film ist?

3. Nicole Kidman gefiel mir am besten in „Dogville”. Weiterlesen

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„Beraubt“ von Chris Womersly

(c) DVA

Vor Jahren musste Quinn Walker die heimatliche Kleinstadt Flint verlassen, als er für den Mörder seiner jüngeren Schwester gehalten wurde. Die Bewohner, sein Onkel und sogar sein Vater sind seit damals von seiner Schuld überzeugt, weil er blutbesudelt mit dem Messer über ihrer Leiche gefunden wurde. Nun ist er aus dem Großen Krieg zurückgekehrt; zerlumpt, traumatisiert und verwundet. Er hält sich in den Bergen in der Nähe von Flint versteckt und will seiner Mutter die Wahrheit gestehen: Er hat seine Schwester nicht getötet, aber er weiß, wer ihr Mörder ist. Noch immer hegen sein Vater und sein Onkel, der mittlerweile das Gesetz in Flinn vertritt, Rachegelüste und wollen ihn hängen sehen, also muss er sich vorsichtig verhalten. Da seine Mutter an der Spanischen Grippe leidet und unter Quarantäne steht, schleicht er sich heimlich zu ihr hin und erzählt ihr von seinem Leben und seinen Erinnerungen. Ist er nicht bei ihr, streift er durch die Berge. Dort trifft er auf das Waisenmädchen Sadie Fox. Seit ihre Mutter gestorben ist, wartet sie in einer einsam gelegenen Hütte auf die Rückkehr ihr Bruders und hält versteckt sich ebenfalls t vor Quinns Onkel, der sie in Waisenhaus bringen will. Sadie ist ein merkwürdiges Mädchen: Sie spricht mit Tieren und Pflanzen und ist erstaunlich hellsichtig. In ihr findet Quinn – anfangs widerwillig, später willkommen – eine ideale Begleiterin. Es scheint fast, als würde sie seine dunkelsten Geheimnisse kennen.

Australien im Jahr 1919 ist ein ungewöhnlicher Schauplatz für eine packende Rachegeschichte. Chris Womersley nutzt die Nöte und Schrecken des Krieges als Folie für die Traumatisierung eines jungen Mannes und schildert die Folgen des Krieges, der Grippewelle und der allgegenwärtigen Not so eindringlich, dass man beim Lesen die Sehnsucht der Hauptfigur nach einer Orange fast teilt. Dabei spiegelt sich die Grausamkeit eines weltumspannenden Krieges in der Rachsucht und Ignoranz einer kleinen Dorfgemeinschaft, treffen die Schrecken und Tötungen des Krieges auf einen psychopathischen Polizisten, der das Dorf kontrolliert. Es sind verstörte und verunsicherte Gesellschaften in Europa – und in Australien. Weiterlesen

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DVD-Kritik: Arne Dahl – Vol. 1 („Misterioso“, „Böses Blut“ und „Falsche Opfer“)

Die A-Grippe (c) Edel

Seit 1998 schreibt der Autor und Literaturwissenschaftler Jan Lennart Arnald unter dem Psyeudonym Arne Dahl sehr erfolgreich Kriminalromane. Mittlerweile sind neun seiner zehnbändigen Reihe über das A-Team in deutscher Übersetzung erschienen, der zehnte und abschließende Teil „Bußestunde“ wird am 14. Mai 2013 bei Piper erscheinen. Als Leserin der ersten Stunde hatte ich mich sehr darüber gefreut, dass diese Reihe verfilmt wird. Denn meines Erachtens bieten die Romane mit ihren packenden Storys und vielschichtigem Figurenarsenal eine hervorragende Ausgangsbasis für eine Verfilmung, die nach Vorbild der Kommissar-Beck-Reihe eine eigenständige Adaption darstellen könnte. Weiterlesen

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„The Broken Circle“

(c) Pandora

Bereits auf der Berlinale wurde „The Broken Circle“ des belgischen Regisseurs Felix von Groeningen von vielen Kollegen gelobt – und tatsächlich ist er einer der emotionalsten und mitreißendsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe.

Es war nahezu Liebe auf den erste Blick für Elise (Veerel Baetens) und Didier (Johan Heldenbergh). Nun leben sie mit ihrer siebenjährigen Tochter Maybelle (Nell Cattrysse) in einem renovierten Bauernhaus, singen gemeinsam in einer Bluegrass-Band und könnten ein glückliches Leben führen. Aber Maybelle ist an Krebs erkrankt – und dieser Kampf droht alles zu zerstören. Durch die elliptische Erzählweise, eine starke Bildsprache und hervorragende Schauspieler erzählt Felix van Groeningen ohne Kitsch und Pathos von den großen Themen Liebe, Glaube und Tod. Dabei findet er eindrucksvolle Bilder und nutzt die BLuegrass-Musik geschickt als Klammer. Ein hinreißender Film, den man nicht verpassen sollte!

Der Film startet am 25.04.2013 in den deutschen Kinos.
Zum Start kommt „The Broken Circle Breakdown Bluegrass Band“ auf eine Tournee nach Deutschland und spielt live in ihrer Originalbesetzung mit den Hauptdarstellern des Films im Anschluss an folgende Preview-Termine:

Sonntag, 21. April 2013 – Berlin, International
Montag, 22. April 2013 – Hamburg, Abaton
Dienstag, 23. April 2013 – Essen, Lichtburg
Mittwoch, 24. April 2013 – Karlsruhe Schauburg

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„I, Anna“

(c) NFP

In einem Hochhaus in London wurde ein Mann erschlagen. Am Tatort trifft Polizist Bernie (Gabriel Byrne) die geheimnisvolle Anna (Charlotte Rampling). Es scheint eine zufällige Begegnung zweier einsamer und unglücklicher Menschenzu sein. Doch je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto mehr muss sich Bernie mit dem Verdacht auseinandersetzen, dass sie in die Tat verstrickt ist.
Das Regiedebüt von Barnaby Southcombie ist einer jener Filme, in dem der Plot früh zu erahnen ist. Dass er mich dennoch überzeugt hat, liegt vor allem an der eleganten Bildsprache. Mit nahezu perfekt komponierten Innenräumen, einer naturalistischen Lichtsetzung und geschickt eingebauten Motiven des film noir ist „I, Anna“ ein visueller Genuss.

Der Film startet am 2. Mai 2013 in den Kinos. Meine ausführliche Kritik ist bei spielfilm.de zu finden.

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