Autorenarchiv: Zeilenkino

Bachmann-Preis 2011 – Tag 1 der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

Heute Morgen ging es los, das große Lesen um den Bachmannpreis. Und mein Fazit nach dem ersten Tag: Die Jury dachte vor allem an Thomas Bernhard, in den gelesen Texten kam immer mal wieder Hitler vor und in den nächsten Tagen folgt hoffentlich noch ein großer Wurf.

Gunther Geltinger (c) TDDL 2011

Den Anfang der Lesungen machte Gunther Geltinger mit einem Auszug aus einem Roman, indem sich ein stotternder Junge mit dem Trauma vom Tod seiner Mutter auseinandersetzt. Die ersten Absätze erinnern mich sehr an Peter Wawerzineks „Rabenliebe“, für einen Auszug aus diesem Roman hat Wawerzinek im letzten Jahr den Preis erhalten. Auch bei Geltinger gibt es diese kalte, dunkle Landschaft und die unvermeidlichen Krähen, aber mit fortschreitendem Text rückte der Vergleich mit Wawerzinek zunehmend in den Hintergrund. Denn in „Rabenliebe“ geht es um das assoziative Erinnern, das langsame Annähern an die abwesende Mutter; bei Geltinger geht es um die sterbende Mutter, Kotze und einige Provinklischees, die die Jurorin Daniel Strigl als Zutaten zum neuen Genre der norddeutschen Heimatliteratur („Blut-und-Kotze-Literatur“) ausmacht. Ein recht schwermütiger Auftakt, kein herausragender Text, aber Gunther Geltinger ist ein Autor, den ich mir merken werde. Weiterlesen

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Literarische Anspielungen in Haruki Murakamis Roman „Naokos Lächeln”

Für die Kritik des Films „Naokos Lächeln“ und einen Beitrag im Blog von LovelyBooks habe ich Haruki Murakamis Roman gelesen – und eine Weile amüsiert, später zunehmend irritiert die vielen literarischen Anspielungen verfolgt. Dabei zeigt sich meines Erachtens in „Naokos Lächeln“ vor allem, dass die Grenze zwischen Intertextualität und Deutungshoheit allzu leicht verwischt.

(c) btb

In dem Roman erzählt der mittlerweile 37-jährige Toru Watanabe von dem Mädchen Naoko, dem er einst versprochen hat, sich an sie zu erinnern. Als nach der Landung seines Flugzeugs in Hamburg der Beatles-Song „Norwegian Wood“ gespielt wird, überfällt ihn die Erinnerung an Naoko, der er sich auf den folgenden über 400 Seiten des Romans hingibt. Dabei macht schon die erste Liedziele des Beatles-Liedes, „I once had a girl / or should I say / she once had me“, den Kern dieser Liebesgeschichte deutlich. Denn obwohl Watanabe überzeugt ist, dass er Naoko liebt, scheint sie ihm diese Gefühle nur eingeschränkt entgegenzubringen. Ihre Liebe ist komplizierter, sie hat mit ihrer Vergangenheit zu sehr zu kämpfen. Leider fehlt dem Roman und auch der Beziehung zu Naoko das Spielerische des Liedes, in dem es auch heißt: „And when I awoke / I was alone / This bird has flown / So I lit a fire / Isn’t it good? / Norwegian wood“. Diese Leichtigkeit verkörpert vielmehr das Mädchen Midori, das Watanabe während seines Studiums kennenlernt. Auch sie hatte in ihrer Vergangenheit Schwierigkeiten, aber sie hat sich dem Leben zugewandt. Weiterlesen

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Interview: Enrique Angeleri über “La mosca en la ceniza”

Heute ist im Frauenmagazin ava mein Interview mit Enrique Angeleri erschienen, dem Produzenten des Films „La mosca en la ceniza“ und Witwer der im November 2010 verstorbenen Regisseurin Gabriela David. Leider konnte ich nicht das Interview in voller Länge verwenden, aber auf einige interessante filmspezifische Aspekte, über die wir gesprochen haben, möchte ich nicht verzichten.

Nancy und Pato (c) IFFF Dortmund|Köln

Der Film erzählt ja von den Freundinnen Nancy und Pato, die mit falschen Versprechungen nach Buenos Aires gelockt werden und dort in einer Wohnung in einer durchschnittlich-bürgerlichen Gegend zur Prostitution gezwungen werden. Dabei reagieren die Mädchen sehr unterschiedlich auf ihre neue Lage: Nancy fügt sich – und Pato trotz der Gewalt und rebelliert. Auf meine Frage, warum Nancy und Pato so verschieden reagieren, antwortete Enrique Angeleri, dass die Mädchen trotz ihrer ähnlichen Herkunft unterschiedlich seien. Außerdem beschrieb er, welche Aspekte seiner Frau, die die Drehbücher zu ihren Filmen immer selbst schrieb, besonders wichtig waren: Weiterlesen

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Warren Beattys neues Filmprojekt

Bereits letzte Woche wurde gemeldet, dass Warren Beatty einen neuen Film für Paramount macht – und zwar als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller. Seit 2001 hat er in keinem Film mehr mitgewirkt, seine letzte Regiearbeit war sogar schon 1998, also darf man durchaus gespannt sein, wie sich der Herr so schlägt.

Obwohl sich Paramount mit Informationen zurückhält, gibt es bereits einige Hinweise auf den Film. Anscheinend will sich Beatty einen Traum erfüllen und Howard Hughes spielen, der zuletzt von Leonardo DiCaprio in Scorseses „Aviator“ gemimt wurde. Nun ja, bei Aviator fand ich DiCaprio nicht schlecht, allerdings gerade mit zunehmenden Alter der Figur weniger überzeugend. Beattys Film wird kein Biopic, sondern soll sich um eine Affäre des alten Milliardärs mit einer jüngeren Frau drehen und eher Richtung Komödie gehen. Allerdings könnte ich mir auch gut vorstellen, dass Hughes Verwicklung in den Watergate-Skandal für den engagierten und überzeugten Demokraten Beatty interessant ist. Für weitere Rollen sind Andrew Garfield, Alec Baldwin, Annette Bening, Shia La Beouf, Jack Nicholson, Evan Rachel Wood und Rooney Mara im Gespräch.

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Oscar 2012 – Änderungen und neue Mitglieder

©A.M.P.A.S.

Letzte Woche war eine Menge los – bei der Academy, in der Filmwelt und auch auf dem Büchermarkt. Nur im Zeilenkino war es sehr ruhig, weil ich schlichtweg viel Arbeit hatte. Aber nun sind die Beiträge für das BÜCHER-Magazin fertig geschrieben, ist das Interview mit dem argentinischen Produzenten Enrique Angeleri gemailt und sind zwei der drei Bücher für das Frauenmagazin ava gelesen. Daher ist jetzt endlich Zeit für – die Neuigkeiten aus der Oscar-Welt. Weiterlesen

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Auf DVD – “Das Labyrinth der Wörter”

Germain und Margueritte (c) Concorde Home Entertainemt

In ihrem Roman „Das Labyrinth der Wörter“ erzählt Marie-Sabine Roger von dem tumben Germain Chazes, der mit Büchern und Lesen nicht wirklich etwas anfangen kann. Er ist ungebildet, hängt gerne am Tresen mit seinen Freunden herum und lebt in einem Wohnwagen hinter dem Haus seiner Mutter. Dann lernt er beim Taubenfüttern im Park die 86-jährige Margueritte Escoffier kennen, promovierte Biologin und passionierte Leserin. Sie kommen ins Gespräch und freunden sich an. Durch Margueritte lernt Germain die Literatur zu lieben – und zu erkennen, dass sich in seinem Leben etwas ändern muss.

(c) Hoffmann und Campe

„Das Labyrinth der Wörter“ ist ein unterhaltsames Buch, ein nette Lektüre, die im Stile von „Forrest Gump“ Lebensfreude zu schenken vermag. Vor allem durch die Lexikon-Einträge, in denen sich Germain immer wieder verirrt, entfaltet das Buch seinen Reiz. Charmant wird dadurch überdies der Zusammenhang von Sprache und Denken, aber auch von Literatur und Leben deutlich.

In Frankreich war das Buch außerdem ein großer Erfolg, so dass eine Verfilmung eigentlich nur eine Frage der Zeit war. Mit Jean Becker hat „Das Labyrinth der Wörter“ einen Regisseur gefunden, der sich mit Tragikomödien wie „Ein Sommer auf dem Lande“ einen Namen gemacht hat, die sich vor südfranzösischer Kulisse vor allem dem Flair dieses Landstrichs und seiner Bewohner widmen. Weiterlesen

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“Verblendung” – Stieg Larsson und David Fincher

Eines gleich vorweg: Ich kenne keines der Stieg-Larsson-Bücher. Dieser Hype ist gänzlich an mir vorüber gegangen. Aber ich habe mir die Verfilmung von Niels Arden Oplev in der Extended Version angesehen – also einen soliden schwedischen Krimi mit recht viel Gewalt und einem nicht überraschenden Täter. Dass David Fincher wenig später ein Remake angekündigt hat, hat mich dann schon verwundert. Aber auf den ersten Blick ist David Fincher der richtige Regisseur für einen düsteren Thriller, daher bin ich auf den Film durchaus neugierig. Mittlerweile sind erste Bilder und ein erster Trailer von dem Film veröffentlich worden, die wenigstens Spannung versprechen. Weiterlesen

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