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Rooney Mara oder Noomi Rapace – Wer ist die bessere Lisbeth Salander?

Lisbeth Salander (Noomi Rapace) (c) Yellowbird, Photo by Knut Koivisto

Meine Annäherung an Stieg Larssons „Milleniums“-Trilogie und damit auch an Lisbeth Salander begann nicht mit den Büchern, sondern mit der schwedischen Verfilmung von „Verblendung“ von Niels Arden Oplev. Der Film war recht spannend, wenngleich der Täter recht vorhersehbar war (was vielleicht auch an der prominenten Besetzung lag). Aber es war die Figur der Lisbeth Salander, die den Film für mich besonders machte. Sie ist eine schwierige Protagonistin, eine neue Art Heldin, vorzüglich gespielt von Noomi Rapace. Beim ersten Sehen des Films gab es für mich keine Einschätzung, wie nah oder authentisch sie an der literarischen Figur war. Sie war schlichtweg als Charakter in dem Film überzeugend.

Rooney Mara als Lisbeth Salander (c) Sony Pictures Releasing GmbH

Nun habe ich David Finchers Verfilmung von „Verblendung“ gesehen. Und um allen Missverständnissen vorzubeugen: Mir hat der Film gefallen, auch wenn ich glaube, dass Zuschauer, die den schwedischen Film nicht kennen, ihn vermutlich noch besser finden. Aber David Fincher ist ein zu guter und mittlerweile auch zu erfahrener Regisseur, um diesem Stoff nicht gerecht zu werden – und Steven Zillian ist ein hervorragender Drehbuchautor. Vieles ist gelungen: der Vorspann beispielsweise, die konsequente verwaschene Ästhetik und auch Rooney Mara spielt Lisbeth Salander für mich überraschend überzeugend. Allerdings ist sie verletzlicher und zerbrechlicher als in der schwedischen Verfilmung – und auch schwächer. Dieser Eindruck und die gerade in amerikanischen Kritiken häufig wiederholte Behauptung, Finchers Adaption und insbesondere Maras Interpretation seien viel näher an der literarischen Vorlage, ließen mich neugierig werden. Also beschloss ich, doch das Buch zu lesen und auch den schwedischen Film noch einmal zu sehen. Im Zentrum stand dabei die Frage:

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Vorschau: Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Hierzulande reden ja fast alle über den BBC-Holmes. Aber dabei darf der andere Sherlock Holmes nicht in Vergessenheit geraten – also nicht nur der von Sir Arthur Conan Doyle, sondern auch der von Guy Ritchie, gespielt von Robert Downey Jr. Schon der erste Teil hat mich bestens unterhalten, zumal ich das Zusammenspiel von Robert Downey Jr. und Jude Law hervorragend fand. Und nun werden sie erneut „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ zu sehen sein. Der Film startet am 22. Dezember in den deutschen Kinos.

Holmes‘ Erzfeind Professor Moriarty wird von Jared Harris (bekannt als Lane Pryce in „Mad Men“) gespielt, außerdem ist Noomi Rapace mit von der Partie. Und ich finde es doch sehr spannend, dass aus einem Krimi-Klassiker wie den Holmes-Geschichten so verschiedene – und doch beide auf ihre Art gute – Adaptionen entstehen!

Aber hier erst einmal ein Blick auf einen Trailer zu „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“:

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Trailer, Starttermin und Buchvorlage: Pernilla Augusts „Bessere Zeiten“

Am 8. Dezember startet der Film „Bessere Zeiten“ im Kino, den ich schon im Frühjahr im Rahmen der Leipziger Buchmesse sehen konnte. Regisseurin Pernilla August den Schweden sehr bekannten Roman „Svinalängorna“ (dt. „Schweinehäuser“) von Susanna Alakoski verfilmt, in dem die Autorin von den Problemen einer finnischen Einwanderfamilie im Schweden der 1970er Jahre aus der Perspektive des Kindes Leena erzählt. Das Buch ist mittlerweile auf deutsch unter dem Filmtitel „Bessere Zeit“ im Rahmen der edition fünf erschienen Für den Film hat Pernilla August die Perspektive dahingehend verändert, dass die Geschichte der Familie rückwirkend aus dem Blickwinkel der erwachsenen Leena erzählt (beeindruckend gespielt von Noomi Rapace).

Hier ein Blick auf den Film – noch im Original mit englischen Untertiteln:

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Gunnhild Oyehaug und Noomi Rapace – Die letzten Tage auf der Buchmesse

Nun ist sie vorbei, die Buchmesse in Leipzig. Schön war es ja – auch wenn es mir am Wochenende sehr voll vorgekommen ist. Nach dem österreichischen Freitag standen nun am Wochenende die Skandinavierinnen für mich im Vordergrund; genauer gesagt Gunnhild Øyehaug, Susanna Alakoski, Pernilla August und Noomi Rapace.

Gunnhild Oyehaug (links) auf der Leipziger Buchmesse (c) Sonja Hartl

„Ich wär gern wie ich bin“ heißt das Buch von Gunnhild Øyehaug, das ich bereits im September für das Frauenmagazin Ava rezensiert habe. Es ist ein sehr modernes, sehr filmisches Buch, in dem die norwegische Autorin hochspannende Frauenfiguren entwirft. Ohne Klischees und vor allem in einem herrlich unaufgeregten und ganz und gar nicht herablassenden Ton erzählt sie in ihrem Buch davon, wie schwierig es sein kann, einfach so zu sein, wie man ist. Bei der Vorstellung ihres Buches konnte ich nicht nur ein Eindruck von Gunnhild Øyehaug gewinnen, sondern darüber hinaus auch einiges über die norwegische Literaturszene erfahren. Beispielsweise spielen in Norwegen Buchclubs eine große Rolle bei dem Erfolg von Büchern, allerdings schreibt Gunnhild Øyehaug in Neu-Norwegisch, einer Sprache, die gegenüber dem Bokmål weitaus weniger verbreitet ist. (Laut Wikipedia wird Bokmål von 85 bis 90 Prozent der Norweger geschrieben) Daher werden Bücher in Neu-Norwegisch von den Buchclubs seltener eingekauft und setzen sich schwerer durch. In der deutschen Übersetzung stellt sich diese Frage nicht, und ich kann die Lektüre dieses kurzweiligen Buches nur empfehlen. Es spielt mit den Erzählebenen, mit literarischen und filmischen Zitaten, mit den Erwartungen des Lesers und ist dazu noch leicht und unterhaltsam. Und es passt so gut zum „Zeilenkino“, dass ich es in einem eigenen Beitrag noch einmal genauer vorstellen werde.

In diesem Blog sollen sich Film und Literatur treffen, welches in einer Literaturverfilmung nahezu idealtypisch vollzogen wird. Hier gab es während der Buchmesse in der Kinobar Prager Frühling eine Veranstaltungsreihe, die ich am Samstagnachmittag besuchte. Dort wurde das Buch „Svinalängorna“ (dt. „Schweinehäuser“) von Susanna Alakoski vorgestellt, das von Pernilla August verfilmt wurde. In dem Buch erzählt Susanna Alakoski von den Problemen einer finnischen Einwandererfamilie im Schweden der 1970er Jahre aus der Perspektive des Kindes Leena. Das Buch wurde u.a. 2006 mit dem Schwedischen Buchpreis ausgezeichnet und hat weltweit einige Resonanz hervorgerufen. Eine deutsche Übersetzung des Buches liegt bereits vor, allerdings gibt es noch keinen Verlag – was sich natürlich durch die Verfilmung ändern könnte. (Nachtrag: Mittlerweile ist das Buch in der edition fünf erschienen!)

Pernilla August hat „Svinalängorna“ („Bessere Zeiten“) im Jahr 2010 mit Noomi Rapace in der Hauptrolle verfilmt, und der Film war bereits auf einigen Festivals zu sehen. Unter anderem hat er in Venedig den Publikumspreis und beim Filmfest Hamburg den Foreign Press Award erhalten. „Beyond“ ist ein berührendes Drama, das die Geschichte der finnischen Familie rückblickend aus der Perspektive der erwachsenen Leena erzählt. Es geht um kulturelle Unterschiede und Vorurteile, aber auch um Armut, Gewalt in der Familie und eine von Abhängigkeiten geprägte Liebe. Nahezu nebenbei thematisiert Pernilla August darüber hinaus, wie sich Gewalt fortsetzen und das Leben eines Kindes noch im Erwachsenenalter bestimmen kann. Eindrucksvoll verkörpert wird die erwachsene Leena von Noomi Rapace, die für mich schon bei den Stieg-Larsson-Verfilmungen der einzige Grund zum Weitersehen war. Aber auch die Entscheidung von Pernilla August, im Vergleich zum Buch eine weitere Perspektive einzufügen, halte ich – ohne das Buch zu kennen – für klug. Denn gerade im Film ist eine kindliche Erzählhaltung oft allzu niedlich und naiv.

Alles in allem war dieser Nachmittag in der Kinobar Prager Frühling ein guter und für einen Blog namens Zeilenkino auch würdiger Abschluss der Leipziger Buchmesse. Nun freue ich mich schon auf Frankfurt – aber als nächstes Ereignis steht erst einmal das Frauenfilmfestival in Dortmund auf dem Programm …

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