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Dogma: „Open Hearts“ von Susanne Bier

(c) Arsenal Filmverleih

(c) Arsenal Filmverleih

Susanne Bier ist bekannt dafür, dass sie in ihren Filmen dem Zwischenmenschlichen nachspürt, indem sie in zwar dramatischen, aber alltäglichen Situationen genau hinschaut und das Verhalten ihrer Figuren ergründet. Diesen Ruf hat sie sich neben „Brødre“ (2004) vor allem durch „Elsker dig for evigt“ („Open Hearts“;„Für immer und ewig“) erworben. Bei beiden Filmen stammt das Drehbuch von Anders Thomas Jensen.

Cecilie (Sonja Richter) und Joakim (Nikolaj Lie Kaas) sind glücklich miteinander und wollen heiraten. Eines Morgens geschieht jedoch ein folgenschwerer Unfall: Sie verabschieden sich voneinander im Auto, Joakim steigt aus, schaut noch einmal ins Auto zu Cecilie und wird angefahren. Unfallfahrerin Marie (Paprika Steen) hat sich gerade mit ihrer Tochter Stine (Stine Bjerregaard) gestritten, ist vor Wut zu schnell gefahren, hat den zur Fahrbahn aussteigenden Joakim nicht gesehen und erfasst. Es ist ein Unfall, an niemand oder alle schuldig sind, der aber das Leben aller Beteiligten und auch ihre Beziehungen zueinander verändert. Marie wird von Schuldgefühlen geplagt, ihre Tochter Stine glaubt sich ebenso verantwortlich, ist aber gefangen in den Ausbrüchen der Pubertät. Joakim überlebt, ist fortan aber vom Hals abwärts gelähmt und weigert sich, an der Verlobung mit Marie festzuhalten. Marie wiederum wird völlig aus der Bahn geworfen, sie ist allein, will Joakim unterstützen, er stößt sie jedoch ständig weg. Halt findet sie indes bei Maries Ehemann Niels (Mads Mikkelsen, der sich auf Bitten seiner Ehefrau um Cecilie kümmert.

Cecilie und Niels (c) Arsenal Filmverleih

Cecilie und Niels (c) Arsenal Filmverleih

Nach und nach brechen unterdrückte Konflikte und Sehnsüchte auf, zugleich aber sehen sich die Figuren mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Dabei gelingt es Susanne Bier und Anders Thomas Jensen, das Verhalten der jeweiligen Figuren in ihrem Charakter zu begründen, so dass es zwar irritiert, aber stets innerhalb der Figur schlüssig ist. So will anfangs ihr schlechtes Gewissen beruhigen, indem sie Niels bittet, nach Cecilie zu sehen. Cecilie ist hingegen mit der Situation überfordert und gänzlich allein, deshalb nimmt sie Niels Unterstützungsangebot gerne an. Niels gefällt sich wiederum anfangs in der Rolle des selbstlosen Helfers, allerdings muss er sich schon bald eingestehen, dass er sich in Cecilie verliebt hat. Bereits zuvor haben sich in Niels Ehe in Gesprächen und Schweigen erste Risse gezeigt, deshalb ist Cecilie auch niemals die Verführerin, sondern lediglich diejenige, die ihn letztlich schmerzlich auf das Fehlende in seinem Leben aufmerksam werden lässt. Hierin zeigt sich Susanne Biers und Anders Thomas Jensens Gespür für das Alltägliche. Deshalb verhalten sich die Erwachsenen auch erwachsen: Sie reden über die Dinge – sei es das Verhalten der Tochter oder die Affäre –, sie streiten, weinen und schreiben, am Ende jedoch sind die Figuren mehr oder weniger bei sich selbst angekommen.

Cecilie (c) Arsenal Filmverleih

Cecilie (c) Arsenal Filmverleih

„Open Hearts“ ist Susanne Biers erster Dogma-Film, jedoch ist es weniger die Handkamera oder das Licht, das diesen Film auszeichnet. Diese Regeln verleihen ihm einen reduzierten, alltäglichen Stil, der gut zu der Geschichte passt und Anfang der 1990er Jahre im Gegensatz zu den oftmals glatt gebügelten Bildern ähnlicher Filme steht. Aus heutiger Sicht bemerkenswerter ist indes die Erzählweise, die sehr viel Nähe zu den Figuren ermöglicht, ohne Identifikation einzufordern. Ähnliches gelang zuletzt auch der norwegischen Regisseurin Iram Haq in ihrem Film „Jeg er din“, in dem eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst und einem Leben für sich ebenso Fehler machen durfte wie Cecilie.

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Stöckchen: Best Blog Award

Schon wieder ein Stöckchen! Diese schönen und schwierigen Fragen hat mir Ludger vor einer ganzen Weile gestellt:

1. Stell Dir vor, Du bist Schauspieler oder Sprecher und Du darfst ein Buch Deiner Wahl als Hörbuch lesen. Welches wählst Du?
Da ich so gut wie keine Hörbücher höre, fällt mir die Wahl recht schwer. Vermutlich wäre es „Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ von Heinrich Steinfest, da ich dieses Buch sehr mag und es unbedingt mit der nötigen ironischen Haltung gelesen werde müsste.

2. Du hast eine Stunde Sendezeit bei einem großen Radiosender. Welche Musik, welche Songs spielst Du?
Ausschließlich Jazz von den guten alten Anfangszeiten bis in die Gegenwart.

3. Wie überstehst Du schlechte Tage?
Das kommt darauf an, warum er schlecht. Je nach Ursache versuche ich, den Tag einfach hinter mich zu bringen oder ich greife zu dem passenden Film. Und im Zweifelsfall helfen mir Chips und Eis.

4. Welchem Charakter aus einem Kriminalroman möchtest Du begegnen?
John Turner aus der Turner-Trilogie von James Sallis. Im Grunde genommen ein ziemlich kaputter Ex-Cop, aber ich würde gerne mal mit ihm auf seiner Veranda sitzen, Whisky trinken und Hank Williams hören.

5. Welcher Krimiautor hat Dich am meisten beeindruckt?
Einen Namen kann ich hier nicht nennen, vielmehr sind es Eigenschaften von Autoren, die mich beeindrucken. Dazu gehören vor allem das sprachliche Talent beispielsweise eines James Sallis oder Heinrich Steinfest und die erzählerischen, wirklichkeitsnahen Konstruktionen eines James Ellroy, David Peace, Adrian McKinty und Oliver Bottini.

6. Welche Bücher, die Du bereits vor einigen Jahren gelesen hast, möchtest Du noch einmal lesen?
Vor über 15 Jahren habe ich „The Bluest Eye“ von Toni Morrison gelesen und es hat mich sehr beeindruckt. Deshalb würde ich es gerne noch einmal mit etwas mehr Lebenserfahrung lesen. Ebenfalls beeindruckt war ich vor wenigen Jahren von „Der Killer stirbt“ von James Sallis. Es war mein erstes Buch von ihm, das ich mit dem Wissen seiner andere Werke gerne noch einmal lesen würde.

7. Welches Gedicht hast Du zuletzt gelesen?
„One Art“ von Elisabeth Bishop, das in dem Film „Die Poetin“ eine sehr zentrale Rolle spielt und mich bereits im Film sehr berührt hat. Seit Jahren hatte ich daher das erste Mal den Wunsch, wieder mehr Lyrik zu lesen.

8. Mit wem würdest Du gerne einmal tanzen?
Mit Kermit, aber das haben schon ganz andere versucht …

9. Ein Spiegel an der Wand – schaust Du rein?
Wenn ich an ihm vorbeigehen würde, würde ich ihn vermutlich noch nicht einmal bemerken, weil ich entweder mit meinen Gedanken woanders bin oder vor mich hin träume. Sollte ich direkt davor stehen, würde ich hineinschauen.

10. Wo möchtest Du einmal einen Sonnenuntergang erleben?
In Island.

11. Vervollständige diesen Satz: »Die schönste Liebesgeschichte…«
Die schönste Liebesgeschichte ist die, die einfach ist – oder wie es „Frances Ha“ so schön heißt: „It’s that thing when you’re with someone, and you love them and they know it, and they love you and you know it… but it’s a party… and you’re both talking to other people, and you’re laughing and shining… and you look across the room and catch each other’s eyes… but – but not because you’re possessive, or it’s precisely sexual… but because… that is your person in this life. And it’s funny and sad, but only because this life will end, and it’s this secret world that exists right there in public, unnoticed, that no one else knows about.“

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Stöckchen: Ich möchte unbedingt lesen …

Während ich mich immer noch mit gesundheitlichen Problemen herumschlage, wurde ich von diversen Stöckchen beworfen, die ich gerne nach und nach aufnehmen will. Dieses hier kam von Papercuts1.

Die Aufgabe:
Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein.

Nachdem ich bereits zwei Listen über spannende Neuerscheinungen im Bereich Krimi und Roman veröffentlicht habe, variiere ich die Aufgabe etwas und nenne hier Bücher, die schon länger auf meiner Leseliste stehen.

(c) Matthes & Seitz

(c) Matthes & Seitz

James Gordon Farrell: Troubles
Angeblich ist dieser Gesellschaftsroman eines der besten Bücher, das jemals über die Unruhen in Irland 1919 geschrieben wurden und steckt noch dazu voller schrägem Humor.

Brian Jay Jones: Jim Henson: The Biography
Als großer Muppets-Fan verehre ich Jim Henson sehr, weiß aber bisher nur wenig über sein Leben. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als mir mein Mann dieses Buch zu Weihnachten schenkte. Allerdings hatte ich bisher noch keine Zeit zum Lesen.

(c) Galiani

(c) Galiani

Jan Costin Wagner: Tage des letzten Schnees
Ein melancholischer Kriminalroman mit einem finnischen Kommissar – allein diese kurze Beschreibung zieht mich bereits unwiderstehlich an. Glücklicherweise liegt das Buch hier bereits, so dass ich eigentlich sofort anfangen könnte.

Denis Johnson: Train Dreams
Die Geschichte des Tagelöhner Robert Grainer, der sich am Anfang des 20. Jahrhunderts durch den amerikanischen Westen schlägt, hat nur knappe 120 Seiten, soll aber laut der New York Times schlichtweg großartig sein.

(c) Penguin Ireland

(c) Penguin Ireland

Cormac Miller: An Irish Solution
Seit einiger Zeit lese ich sehr gerne irische Krimis und die Lektüre einschlägiger Blogs hat mich auf Cormac Millar aufmerksam gemacht. Eigentlich war ich auf „The Grounds“ weitaus neugieriger, aber „An Irish Solution“ ist der erste Teil der Reihe um den Drogenermittler Séamus Joyce, also will ich damit beginnen.

Viele Blogger haben das Stöckchen schon beantwortet, deshalb reiche ich es nicht weiter. Welche Bücher ihr als nächstes unbedingt lesen wollt, würde mich aber natürlich schon interessieren. 🙂

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Media Monday #139

1. Hauptgründe für das Bloggen sind für die meisten sicherlich der Austausch, die Kommentare, das Miteinander, die Interaktion mit der Besucherschaft, der Spaß an der Sache. Schön und gut, aber wie war das ganz am Anfang des Bloggens, als man noch niemanden kannte, als noch niemand das eigene Geschreibsel gelesen hat. Was hat euch damals bewogen zu sagen: “Da mach ich jetzt nen Blog auf”? Jahrelang habe ich begeistert die Oscar-Verleihung geguckt und war die erste Ansprechpartnerin in meinem Freundeskreis rund um Filmpreise. Dann entdeckte ich in den Weiten des Internets den Blog Awards Daily, aber keine zu vergleichende deutschsprachige Seite und dachte mir, schreib doch mal ein Blog über Filmpreise. Dann wurde ich älter und weiser, störte mich zunehmend an der Diskrepanz zwischen Auszeichnung und Qualität sowie der thematischen Beschränkung. Deshalb überlegte ich, worüber ich lieber schreiben würde. Seither habe ich das Filmpreis-Geblogge kontinuierlich zurückgeschraubt und widme mich spannenderen Themen.

media-monday-139

2. Jeder hat ja so seine favorisierten Genres. Unterscheiden sich diese bei euch je nach Medium – also Film/Buch/Serie etc. – oder könnt ihr da schon Übereinstimmungen feststellen? Habt ihr Beispiele? Mein bevorzugtes Genre ist bei allen drei Formen der Krimi – und zwar möglichst gut. Denn gerade bei diesem Genre gibt es so große Qualitätsunterschiede, die leider zu seinem oftmals schlechten Ruf beitragen.

3. Welche Geschichte hätte man eurer Meinung nach besser als beziehungsweise in einer Serie erzählen können als in dem Film ________ ? Hmm, Serien und Filme haben so unterschiedliche Erzählmöglichkeiten, dass mir zu „besser“ erzählen nichts überzeugendes einfällt. Vielleicht hätte beim „Hobbit“ eine zweiteilige Mini-Serie gereicht? 😉

4. Der spannendste Kinostart im März wird sicherlich „Eat Sleep Die“ sein, denn diesen schwedischen Film von Gabriele Pichler will ich seit anderthalb Jahren sehen. Und dann natürlich „Her“.

5. Am 23.04.14 ist wieder der Welttag des Buches und anlässlich dieses Datums wird derzeit auch wieder die Aktion Blogger schenken Lesefreude initiiert. Was haltet ihr von solchen blogübergreifenden Initiativen? Finde ich super, deshalb mache ich auch zum zweiten Mal mit.

6. Adam Sandler ist ja überwiegend für Komödien bekannt, aber ich kann diesem Humor nichts abgewinnen, weil ich über Fäkalwitze und Slapstick nicht lachen kann.

7. Meine zuletzt gesehener Film war „Du sollst Deine Frau ehren“ und der war sensationell, weil Carl Theodor Dreyer im Jahr 1925 einen erstaunlich progressiven Film gedreht hat – wenn ich mal davon absehe, dass es vor allem um die Rolle der Ehefrau geht.

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Gelesen – Januar 2014

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag schon längst veröffentlicht haben, aber seit Ende Januar habe ich mit einigen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Deshalb herrschte im Zeilenkino auch über zwei Wochen Ruhe. Doch nun geht es mir langsam wieder besser und deshalb starte ich einfach mitten im Februar mit dieser neuen Reihe, in der ich kurz zusammenfasse, welche Bücher im Monat gelesen habe.

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David Peace: „1974“

Markus Zusak: „Die Bücherdiebin“
Ein sehr spannender und berührender Jugendroman, der sich sehr gut lesen lässt. Die Verfilmung startet am 13. März in den Kinos.

Heinrich Steinfest: „Das himmlische Kind“
Heinrich Steinfests Abkehr von Kriminalroman – Besprechung folgt.

Nicholas Baker: „Der Anthologist“
Ein Lyriker kämpft mit der Einleitung zu einer Anthologie und der Trennung von seiner Freundin, indem er sich mit den bedeutenden Poeten der us-amerikanischen Literaturgeschichte auseinandersetzt. Das Ergebnis ist eine kurzweilige Einführung in amerikanische Lyrik.

David Peace: „GB84“
Das beste Buch des Monats. Hierzu habe ich einen Beitrag für die kommende Ausgabe von BÜCHER geschrieben und ein Interview mit dem Autor geführt, das ich im Zeilenkino demnächst veröffentlichen werde. Aber bereits vorab sei gesagt, dass dieser komplexe und anspruchsvolle Kriminalroman über den Bergarbeiterstreik in Großbritannien 1984 jede Mühe beim Lesen wert ist.

Toni Morrison: „Heimkehr“ (die Druckfahne ganz unten; Sperrfrist bis zum Erscheinungstermin 7. März)

Oliver Bottini: „Ein paar Tage Licht“ (als digitale Druckfahne und daher nicht auf dem Bild)
Ebenfalls sehr gut hat mir Oliver Bottinis neuester Roman „Ein paar Tage Licht“ gefallen, in dem er sich im Rahmen einer Entführungsgeschichte den Themen Waffenhandel, Lobbyismus und vereinfachenden Wahrnehmungen widmet. Und sowohl Bottini als auch Peace zeigen ein weiteres Mal, wie politisch und hellsichtig Kriminalliteratur sein kann. Meine Besprechung ist in der März-Ausgabe des Magazins BÜCHER.

Jenni Fagan: „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ (als digitale Druckfahne; Sperrfrist bis zum Erscheinungstermin am 12. März)

Jonas Jonasson: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (ebook)
Anlässlich der Verfilmung habe ich den Bestseller des vergangenen Jahres gelesen und fühlte mich ganz gut unterhalten, wenngleich mich der sehr dominante und geschwätzige Erzähler von Seite zu Seite mehr störte. Ein Interview mit dem Regisseur des Films, Felix Herngren, folgt ebenfalls in der kommenden Ausgabe von BÜCHER. Meine Kritik zum Film ist bei kino-zeit.de zu lesen.

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Berlinale 2014 – Filme aus Skandinavien

Insgesamt 13 Filme aus Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland werden bei der Berlinale vom 6. bis zum 16. Februar zu sehen sein. Abgesehen von den Kinder- und Jugendfilmen werde ich versuchen, alle während meines Berlinale-Aufenthalts zu sehen, Kritiken zu den Filmen folgen also hoffentlich. Vorab aber schon einmal eine kurze Vorstellung der jeweiligen Filme und – so weit bereits verfügbar – Trailer.

Update: Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich leider nicht zur Berlinale fahren. Deshalb hoffe ich jetzt sehr auf Kino- und DVD-Starts der Filme.

„Kraftidioten“ von Hans Petter Moland

Im Wettbewerb läuft der Film „Kraftidioten“ von Hans Petter Moland, der bereits im Jahr 2010 mit „En ganske snill mann“ („Ein Mann von Welt“) bei der Berlinale war. Abermals arbeitet er mit Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson und Hauptdarsteller Stellan Skarsgård zusammen, außerdem sind Birgitte Hjort Sørensen („Marie Krøyer“), Bruno Ganz, Pål Sverre Hagen („Kon-Tiki“), Jakob Oftebro und Tobias Santelman dabei. Laut Pressetext ist der Film eine „blutig-schwarze Komödie voller großer Bilder einer winterlich-weißen, schier endlos wirkenden Landschaft“.

„Blind“ von Eskil Vogt

In der Panorama-Sektion ist meines Erachtens der interessanteste skandinavische Beitrag zu finden. „Blind“ ist das Regiedebüt von Eskil Vogt, der mir vor allem als Drehbuchautor von Joachim Triers Filmen „Reprise“ und „Oslo, 31. August“ in Erinnerung ist. Beide Filme fand ich außergewöhnlich gut, deshalb freue ich mich sehr auf diesen Film, in dem Eskil Vogt mit „Schein und Sein spielt“ und „Plot-Konventionen ad absurdum“ führt. Außerdem hat er gerade den Drehbuch-Preis beim Sundance-Festival gewonnen.

„Concerning Violence“ von Schweden Göran Olsson

(c) Lennart Malmer

(c) Lennart Malmer

Ebenfalls im Panorama läuft der Dokumentarfilm „Concerning Violence“ des Schweden Göran Olsson, der vor drei Jahren mit „Black Power Mixtapes 1967-1975“ ebenfalls in Berlin war. In seinem Film zeigt er abermals Archivbilder von schwedischen Dokumentarfilmern und Fernsehjournalisten, dieses Mal wurden sie zwischen 1966 und 1984 in Afrika aufgenommen und zeigen die Freiheitskämpfe in sechs afrikanischen Staaten.

„En du elsker“ von Pernille Christensen Fischer

(c) Rudolf Konow, Zentropa

(c) Rudolf Konow, Zentropa

Als Special Screening ist „En du elsker“ („Someone you love“) von der dänischen Regisseurin Pernille Christensen Fischer zu sehen, deren „Eine Familie“ ebenfalls bei der Berlinale 2010 lief und damals den FIPRESCI-Preis erhalten hat. Mit Trine Dyrholm, Brigitte Hjort Sjørensen und Mikael Persbrandt prominent besetzt erzählt sie in ihrem Film die Geschichte des Sängers Thomas Jacob, der sich plötzlich um seinen Enkel kümmern muss. Das Drehbuch hat sie mit Kim Fupz Aakeson geschrieben.

„Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ von Felix Herngren

(c) Concorde Filmverleih

(c) Concorde Filmverleih

Ein weiteres Special Screening ist „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) von Felix Hergren. Der Film basiert natürlich auf dem gleichnamigen Bestseller von Jonas Jonasson und wird am 20. März in den deutschen Kinos starten. Der deutschsprachige Trailer ist bei kino-zeit.de zu sehen.

Sehr stark ist das skandinavische Kino bei den Kinder- und Jugenfilmden vertreten, inklusive der Ko-Produktionen sind es sechs Beiträge:

„Beyond Beyond“ von Esben Tof Jacobsen

In der Generation Kplus ist „Beyond Beyond“ von Esben Tof Jacobsen zu sehen, der 2007 und 2011 mit seinen Animationsfilmen „Having a brother“ und „The Great Bear“ in Berlin war. Sein neuer Film ist ein animiertes 3D-Familienabenteuer, in dem ein kleiner Junge seine Mutter vermisst und seinen Vater vor dem Federkönig verteidigt.

„Emil & Ida i Lönneberga“ von Per Åhlin, Alicja Jaworski Björk und Lasse Persson

Bei „Emil & Ida i Lönneberga“ ( Regie: Per Åhlin, Alicja Jaworski Björk und Lasse Persson) führt Astrid Lindgrens Erzählstimme durch die Animation des hierzulande als Michel bekannten Jungen aus Lönneberga. Rochus vom Kinderfilmblog hat den Film bereits gesehen.

„MGP Missionen” von Martin Miehe-Renard

(c) Karin Tengberg

(c) Karin Tengberg

In „MGP Missionen“ („The Contest“) von dem dänischen Regisseur Martin Miehe-Renard muss Karl mit seiner Mutter nach Kopenhagen ziehen. Die Stadt gefällt ihm nicht, in der Schule ist der Junge vom Land ein Außenseiter. Aber dann findet in Sawsan – einem Mädchen aus einer türkischen Familie – eine Freundin, die ihm das Großstadtleben näherbringt. Und auch sie hat Probleme: Sie träumt davon, an einer Castingshow teilzunehmen. Aber ihr Vater ist dagegen. Ein Trailer des Films ist auf der Seite des dänischen Filminstituts zu sehen.

„Midden in de Winternacht“ von Lourens Blok

„Midden in de Winternacht“ („A Christmoose Story“) erzählt die Geschichte des von Max, in dessen Scheune ein sprechender Elch landet. Und das ausgerechnet kurz vor Weihnachten! Der Film basiert auf Andreas Steinhöfels Roman „Es ist ein Elch entsprungen“.

„Ömheten“ von Sofia Norlin

In der Generation 14plus – also Filme, die für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen sind, ist „Ömheten“ von Sofia Norlin zu sehen. In dem Spielfilmdebüt der schwedischen Regisseurin stehen Jugendliche aus Kiruna im Mittelpunkt, deren Leben von dem Aktivitäten der Minengesellschaft vor Ort bestimmt wird.

„Obietnica“ („The Word“) von Anna Kazejak
Außerdem läuft dort die polnisch-dänische Koproduktion „Obietnica“ („The Word“) von Anna Kazejak, in der sie von der Beziehung zwischen Lia und Janek erzählt. Es kriselt zwischen ihnen, aber Lila will Janek eine letzte Chance geben – unter einer Bedingung …

Und dann laufen noch zwei skandinavische Filme im Rahmen der Retrospektive bzw. des Filmprogramms zu Karl Baumgartner:

„Hævnens Nat“ von Benjamin Christensen
In der Retrospektive läuft zudem „Haevnens Nat“ („Die Nacht der Rache“) des Dänen Benjamin Christensen, dessen für damalige Zeiten innovative Licht- und Schattensetzung den Boden für künftige Horrorfilme bereitete.

„Boheemielämää“ von Aki Kaurismäki
Karl Baumgartner wird in diesem Jahr mit der Berlinale Kameria ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird auch der einzige finnische Film gezeigt: „Boheemielämää“ („Das Leben der Bohème“ von Aki Kaurismäki ist der Auftakt der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und Produzenten – und dieser Film wurde auf der Berlinale 1992 mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet.

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Obsessiv – Über „1974“ von David Peace

David Peace (c) Suse Walczak

David Peace (c) Suse Walczak

David Peaces Bücher machen mich fertig. Richtig fertig. Nach dem Lesen bin ich nahezu körperlich erschöpft, weil die Worte und Sätze in einem unerbitterlichen Rhythmus auf mich einprasselten. Bei „Tokio im Jahre null“ war es das brutale Stakkato der Beobachter, ihre Schilderungen der Verbrechen. Bei „GB84“ waren es die Worte der Bergarbeiter, die mich erschütterten. Und bei seinem Debüt „1974“ sind es die Sätze des letzten Teils, die mich wie Hammerschläge in den düsteren Abgrund getrieben haben, den das Ende des Buches offenbart. Leichte Lektüre sind David Peaces Bücher daher sicher nicht. Er hat selbst in einem Interview mit Spiegel Online gesagt, dass er sich manchmal wundert, warum die Leute seine Bücher lesen. Sie sind grausam – gerade „1974“ erscheint ihm aus heutiger Sicht auch unnötig brutal –, perspektivisch und erzählerisch schwierig und sehr düster. Aber genau das macht David Peace auch zu einem der bemerkenswertesten Autoren der Gegenwart: Die Gewalt ist niemals Selbstzweck, sondern sie spiegelt sich ebenso wie die Komplexität von Verbrechen in der narrativen Struktur und vor allem dem Rhythmus der Sätze wider, die mit der beschriebenen und erlittenen Gewalt der Figuren korrespondieren und sich in das Gehirn einbrennen. Dabei ist es ein Glück, dass die Kriminalromane von Peter Torberg übersetzt wurden, der diese Besonderheiten wunderbar transponiert. Weiterlesen

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