„Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl

(c) S. Fischer

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Eines der spannendsten Bücher des Herbstes ist „Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl. Dieser über 800 Seiten lange Roman beginnt wie ein typischer film noir: der krisengeplagte Journalist Scott McGrath läuft in einer „regnerischen Nacht Mitte Oktober“ durch einen Park in New York. Plötzlich entdeckt er eine junge Frau in einem roten Mantel, die in der Nähe eines Laternenpfahls steht. Es ist mitten in der Nacht, sie ist allein an einem unsicheren Ort, also läuft er auf sie zu – doch als er ankommt, ist sie verschwunden. Einen Tag später erfährt er, dass Ashley Cordova, die Tochter des geheimnisvollen Regisseurs Stanislas Cordova, tot aufgefunden wurde. Er ist sich sicher, dass sie die junge Frau in dem roten Mantel war – und dass sie ihm etwas mitteilen wollte. Immerhin hatte er einst an einem Enthüllungsartikel über ihren Vater gearbeitet, ist dann aber einem falschen Informanten aufgesessen und hat damit seiner Karriere als investigativer Journalist mehr als nur einen Dämpfer verpasst. Seither ist er überzeugt, dass Cordova seinen Artikel verhindern wollte und deshalb den Informanten auf ihn angesetzt hat. Doch was wollte nun seine Tochter von ihm? Und vor allem: Warum sollte sie Selbstmord begehen? Weiterlesen

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Media Monday #118

1. Neben Filmen schlägt mein Herz ja vor allem für Bücher.

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2. Ich finde ja, dass man aus dem Spiel „Vier gewinnt“ auch ganz wunderbar einen Film oder eine Serie machen könnte, weil das eine noch blödere Idee wäre als „Schiffe versenken“ zu verfilmen.

3. Es ist ja bekannt, dass gewisse Genres plötzlich Trend werden und man dann – ob Filme, Bücher oder sonst etwas – mit Produkten zugeschmissen wird. Ich würde mir ja eine Renaissance von noir-Filmen wünschen, denn es gab schon lange keinen hervorragenden neo-noir mehr.

4. Schauspielerin Patrica Clarkson fristet meines Erachtens völlig zu Unrecht ein Schattendasein, denn sie ist schlichtweg großartig.

5. Ein Zitat, das ich wohl nie vergessen werde, ist „Hätten wir den ganzen Zauber doch bloß nie durchschaut“ aus „Frau2 sucht HappyEnd“, weil es mir in vielen Situationen, in denen andere einfach nur begeistert sind, durch den Kopf geht.

6. Bei „Harry und Sally“ muss ich immer an meine beste Freundin denken, denn wir gucken diesen Film seit Jahrzehnten zusammen.

7. Mein zuletzt gesehener Film war „Adore“ und der war voller schön fotografierter Szenen, weil er hauptsächlich an einem Strand in Australien spielt.

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Die KrimiZeit-Bestenliste Oktober 2013

Sehr gerne lese ich bei crimenoir den allmonatlichen Abgleich mit der KrimiZeit-Bestenliste, also dachte ich mir, dass mache ich fortan auch! 🙂

(c) diaphanes

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Die Platzierungen sind (in Klammern die Platzierungen vom Vormonat):

1 (-) Jerome Charyn: „Unter dem Auge Gottes“
2 (3) Andrea Maria Schenkel: „Täuscher“
3 (1) Dominique Manotti: „Zügellos“
4 (9) Walter Mosley: „Manhattan Fever“
5 (6) C. S. Forester: „Tödliche Ohnmacht“
6 (2) Adrian McKinty: „Der katholische Bulle“
7 (-) Robert Wilson : „Stirb für mich“
8 (10) Dror Mishani: „Vermisst“
9 (5) Carsten Stroud: „Die Rückkehr“
10 (2 im August 2013 ) Patrícia Melo: „Leichendieb“

Mehrfach erwähnt habe ich bereits, dass Adrian McKintys „Der katholische Bulle“ für mich bisher zu den besten Kriminalromanen des Jahres gehört, daher freue ich mich, dass er zum dritten Mal in die Liste aufgenommen wurde. Die Besprechung von Walter Mosleys „Manhattan Fever“ folgt nächste Woche, hier sei nur so viel gesagt, dass ich diese Platzierung gut verstehen kann.

„Zügellos“ liegt ebenso wie „Unter dem Auge Gottes“ auf dem Lesestapel. Letzteres ist in der neuen Penser-Pulp-Reihe bei diaphanes erschienen, auf die ich mich sehr freue, da ich Pulp liebe. Allerdings hätte ich hier einen Hinweis oder eine Anmerkung begrüßt, dass diese Reihe von Thomas Wörtche herausgeben wird, der auch Mitglied in der KrimiZeit-Jury ist.

Überrascht bin ich über die Rückkehr von Patrícia Melo, die im September nicht vertreten war. Die ganz große Begeisterung über „Leichendieb“ teile ich nicht, aber es ist schön, dass eine noir-Schriftstellerin auf der Liste vertreten ist. Insgesamt sind diesem Monat drei Frauen und ein nicht-übersetzter Titel auf der Liste.

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„Der amerikanische Architekt“ von Amy Waldman

(c) Schöffling

(c) Schöffling

Eine Kommission aus Kunstsachverständigen, Historikern und Hinterbliebenen soll entscheiden, wessen Entwurf als Denkmal für den 11. September 2001 am Ground Zero erbaut wird. Es sind schwierige Diskussionen, die letztlich auf zwei Entwürfe hinauslaufen: einen Garten und „das Nichts“, einen hohen Quader aus schwarzem Granit. Über die Architekten wissen sie nichts – und schließlich gelingt es der Hinterbliebenen-Vertreterin Claire, die Jury von dem Garten-Entwurf zu überzeugen. Als der Name des Architekten bekannt wird, sind alle Anwesenden schockiert: Es handelt sich um Mohammed Khan, einen Muslim. Aber darf ein muslimischer Architekt das Denkmal am Ground Zero bauen – und darf man diese Frage überhaupt stellen?

Eine Lektüre, die wütend macht
In der Folge treffen in Amy Waldmans Roman „Der amerikanische Architekt“ Vorurteile auf Liberalismus und unbequeme Fragen auf zu schnelle Antworten. Daher ist es vor allem Wut, die diese Lektüre begleitet: Wut über das Verhalten der Figuren, Wut über ihre Motive, Wut über ihre Fehler, Wut über die vielen Missverständnisse, Wut über das Nicht-Verstehen. Und genau damit trifft Amy Waldman den schmerzlichsten Punkt: Alle Reaktionen der Jury, ihrer Mitglieder, des Architekten und anderer beteiligter Charaktere sind nicht nur nachzuvollziehen, sondern sie erscheinen noch nicht einmal besonders unrealistisch. Wer sich die Empörung ansieht, die sich mühelos jeden Tag an den verschiedensten Themen entzündet, ahnt, dass die Wirklichkeit noch viel schlimmer ablaufen würde – gerade wenn es um Vorteile und einfache Urteile geht. Weiterlesen

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Media Monday #117

1. Ich habe ja zugegebenermaßen eine Schwäche für den Schauspieler Mikael Persbrandt und das nicht einmal, weil er so großartig schauspielern würde, sondern mehr weil er nett anzusehen ist. Aber schauspielern kann er auch!

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2. Der größte Stolz in meiner (Film-)Sammlung ist die dazugehörige Datenbank, in der ich alle Filme erfasst habe. Ich bin keine große Sammlerin, deshalb bewahre ich die meisten DVDs in Ordnern auf und habe nur wenige im Regal stehen.

3. Ständig werden Fortsetzungen gedreht, nur zu „About Schmidt“ gab es keine und da hätte ich sie mir gewünscht, weil ja Louis Begley auch mehr als einen Roman über Schmidt geschrieben hat.

4. Die typischen Erzählschemata von Blockbustern finde ich leider sterbenslangweilig.

5. Brian de Palma hat ja echt tolle Filme gemacht, sich aber mit „Passion“ ziemlich runtergewirtschaftet.

6. Es wird wieder kühler und folglich ist man abends wieder öfter daheim, höchste Zeit also für eine Zweitsichtung von „The Wire“.

7. Meine zuletzt gesehene Serienstaffel war die zweite Staffel von „The West Wing“ und die war großartig, weil alle Vorzüge der ersten Staffel weiterentwickelt wurden.

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Ein isländischer Film in Hollywood: „Reykjavik – Rotterdam“ wird „Contraband“

(c) Studiocanal

(c) Studiocanal

Eigentlich könnte Kristófer (Baltasar Kormákur) mit seiner Frau Iris (Lilja Nótt Þórarinsdóttir) und seinen beiden Söhnen glücklich sein: Gerade auf Bewährung entlassen, ist er trocken und hat einen Job gefunden. Doch obwohl er als Wachmann und Iris als Frisörin arbeitet, reicht das Geld nicht und sie sind mit der Wohnungsmiete im Rückstand. Deshalb lässt sich Kristófer von seinem besten Freund Steingrímur (Ingvar Eggert Sigurðsson, „Der Tote aus Nordermoor“) überreden, eine letzte Schmuggeltour nach Rotterdam zu unternehmen. So wie früher besorgt Steingrímur das Geld für den Einkauf des Alkohols in den Niederlanden, den Kristófer nach Reykjavik bringen soll. Aus Dankbarkeit, dass Kristófer ihn damals nicht verpfiffen hat, sorgt Steingrímur zudem dafür, dass Kristófer wieder auf seinem alten Frachter anheuern kann. Allerdings ist die Wiedersehensfreude bei dem Kapitän des Schiffs weniger groß als bei den alten Besatzungskollegen, und er versucht mit allen Mitteln, einen erneuten Schmuggel zu verhindern. Doch das ist nicht das einzige Hindernis, das Kristófer überwinden muss.

Schwarzer Humor und Sozialkritik
„Reykjavik – Rotterdam“ beginnt als typisch schwarzhumorige Komödie aus dem Norden, es gibt einige Schlägereien, tumbe Dealer (Jóhannes Haukur Jóhannesson, „Black’s Game“) und schräger Verlierertypen. Insbesondere am Anfang nimmt sich Regisseur Óskar Jónasson, der mit Arnaldur Indriðason auch das Drehbuch geschrieben hat, viel Zeit, seine Hauptfigur und dessen Hintergrund auszuleuchten. Obwohl Kristófer und seine Frau arbeiten, können sie sich die Miete nicht leisten, so dass sie vielleicht bald auf der Straße sitzen. Kristófer ist guter Vater und Ehemann, er liebt seine Söhne und seine Frau, dennoch sucht er den illegalen Weg, um sich aus der Misere zu retten. Mit zunehmendem Verlauf wird der Film verlagert der Film seinen Schwerpunkt auf die Schmuggelgeschichte und wird dadurch sowohl spannender als auch düsterer – und wartet zumindest mit einer leicht überraschenden Wendung auf. Dabei überzeugt vor allem Hauptdarsteller Baltasar Kormákur als liebenswerter Schmuggler, der sich eigentlich nur um seine Familie kümmern möchte.

Kristófer (Baltsara Kormákur) (c) Studiocanal

Kristófer (Baltsara Kormákur) (c) Studiocanal

Am Ende des Films wartet dann noch eine kleine schöne Nebensächlichkeit: Kristófers Komplize Elvar (Ólafur Darri Ólafsson) sitzt mit einem weiteren Gehilfen auf einem Boot und wartet auf den von Kristófer versenkten Alkohol. Als sie überlegen, wie sie die Kanister an Bord holen, wird Elvar darauf hingewiesen, er solle gehen, weil er fett wie ein Seehund und daher vor der Kälte geschützt sei. Passenderweise spielt Ólafur Darri Ólafsson drei Jahre später in Baltsar Kormákurs Film „The Deep“ einen Seemann, der im eiskalten Wasser überlebt – aufgrund der Beschaffenheit seiner Fettschicht.

„Contraband“ – Das Remake von „Reykjavik – Rotterdam“

(c) UPHE

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Ólafur Darri Ólafsson hat auch eine Rolle in „Contraband“, dem Hollywood-Remake von „Reykjavik – Rotterdam“, bei dem Baltsar Kormákur die Regie geführt hat. Die Handlung hält sich weitgehend an das Original: Nachdem sein Schwager Andy (Caleb Landry Jones) einen Drogenschmuggel versaut und die Ware im Meer versenkt hat, muss Ex-Schmuggler Chris Farraday (Mark Wahlberg) ihm aus der Patsche helfen. Also zieht er zu einem letzten Schmuggel los, um Frau Kate (Kate Beckinsale) und seine zwei Söhne dauerhaft vor den Gangstern zu schützen.

(c) UPHE

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Die Unterschiede zwischen Original und Remake sind marginal, manche Einstellungen (bspw. die Hand der Frau) sind sogar eins zu eins übernommen. Ansonsten schmuggelt Chris Geld statt Alkohol, ist in Panama statt Holland und ein noch größerer Familienmensch als Kristófer – bereits sein Vater war im Schmuggelgeschäft tätig. Zudem ist realistischer, dass der Kapitän von den Schmuggeleien auf seinem Schiff nicht nur etwas ahnt, sondern in der Regel eine Beteiligung kassiert. Nicht zuletzt scheinen amerikanische Schmuggler auch kunstbeflissener als isländische, so dass sie erkennen, welches Bild sie zufällig in ihrem Wagen haben. Das führt dann zu einem Ende, an dem sich Verbrechen weit mehr auszahlt als im Original. Deshalb ist der größte Unterschied, dass Chris ein größerer Spieler ist als Kristófer und zudem das Schmuggeln liebt. Bei ihm geht es nicht nur um die Existenzsicherung seiner Familie, sondern er will sie vor den Gaunern beschützen, doch als er die Gelegenheit bekommt, mehr Geld zu verdienen, greift er zu. Dabei agiert Mark Wahlberg gewohnt souverän und fühlt sich in seiner Rolle als pflichtbewusster Familienmensch offensichtlich wohl. Ben Foster als sein bester Freund und Bauunternehmer ist ebenfalls gut besetzt.

Remake vs. Original
Darüber hinaus ist „Contraband“ das größere Budget anzusehen. Die Verfolgungsjagden sind explosiver, wenngleich im Vergleich mit anderen Blockbustern noch zurückgenommen, auch schätzt Baltsar Kormákur lange Kamerafahrten über nächtliche Skylines. Dadurch bekommt „Contraband“ insgesamt einen eleganteren Look. Über beide Filme lässt sich sagen, dass sie nach langsamem Beginn gut unterhalten. Besser hat mir die isländische Version gefallen, da hier zum einen das Verbrechen weniger glänzend ist und zum anderen zumindest leicht eine sozialkritische Komponente vorhanden ist. Vor allem aber hat „Reykjavik – Rotterdam“ ein schöneres Ende.

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„The West Wing“ – Staffel 1

Vor lauter Begeisterung über „The West Wing“ weiß ich fast gar nicht, wo ich anfangen soll. Diese Dialoge! Diese Charaktere! Erwähnte ich schon die Dialoge? Sicherlich gibt es in der ersten Staffel noch viel mehr zu entdecken, als ich beim ersten Sehen wahrgenommen habe. Aber von der ersten Folge an bin ich dieser Serie verfallen – und weiß bereits jetzt, dass ich sie auf jeden Fall noch einmal, zweimal, dreimal sehen werde.

(c) WHV

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Großartige Charaktere
Vereinfacht gesagt erzählt „The West Wing“ von der Arbeit im Westflügel des Weißen Hauses, dem Teil des Gebäudes, in dem die offiziellen Büros des amerikanischen Präsidenten untergebracht sind. Neben dem Oval Office, dem Cabinet Room, dem Situation Room und dem Roosevelt Room befinden sich dort ebenfalls die Büros der Executive Offices und deren Angestellten. Dazu gehörten in der ersten Staffel von „The West Wing“ Leo McGarry (John Spencer), White House Chief of Staff, ein herrlich knurriger Politstratege der zweiten Reihe, der so ist, wie ich mir Peter Struck immer vorgestellt habe; Josh Lyman (Bradley Whitford), White House Deputy Chief of Staff, scharfzüngig, schlagfertig und romantischer als er zugeben mag; Toby Ziegler (Richard Schiff), White Communications Director, idealistisch, melancholisch, aufbrausend und mein bisheriger Lieblingscharakter; Sam Seaborn (Rob Lowe), Deputy White House Communications Director mit Frauenproblemen und Engagement, C.J. Cregg (Allison Janney), White House Press Secretary, die die Journalistenschar vor allem im Witz im Zaum hält und ein bißchen so ist wie ich gerne wäre; Mandy Hampton (Moira Kelly) als Media Consultant und natürlich Josiah Bartlet (Martin Sheen), Präsident der Vereinigten Staaten, sowie sein Personal Aide Charlie (Dulé Hill). Sie sind die Hauptcharaktere der ersten Staffel, allesamt differenziert und lebendig gezeichnet – einzig Mandy bleibt etwas blass und ist demzufolge im Verlauf der ersten Staffel immer weniger zu sehen. Weiterlesen

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