Krimi-Kritik: „Bad Cop“ von Mike Nicol

Nach dem Abschluss seiner großartigen „Rache“-Trilogie widmet sich Mike Nicol in seinem Buch „Bad Cop“ abermals den Banden und Verquickungen von Südafrikas Vergangenheit und Gegenwart. Hauptfigur ist Bartholomeu „Fish“ Pescado, ein surfender Privatdetektiv oder ermittelnder Surfer, der an Don Winslows Boone Daniels erinnert – wenngleich er mit Anfang 20 wesentlich jünger erscheint. Fish lebt am Strand von Surfer’s Corner, genießt die Wellen am liebsten mit seinem Kumpel Daro und schlägt sich mit kleinen Aufträgen durchs Leben. Eigentlich mag er es ruhig, er warnt seine in England lebende Mutter sogar vor einer Investition, die sie mit gefährlichen Männern in Kontakt bringen könnte. (Ich vermute, sie wird in den folgenden Teilen noch eine größere Rolle spielen.) Als er dann jedoch einem ‚bookie‘ – einem Obdachlosen – zu helfen versucht und im Auftrag seiner Freundin, der Anwältin Vicki, einen Autounfall untersucht, gerät er selbst in den Dunstkreis des ehemaligen Polizeipräsidenten Jacob Mkezi – und damit in Gefahr.

(c) btb

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Im Gegensatz zu den Protagonisten der „Rache“-Trilogie ist Fish Pescado nicht direkt in Südafrikas Vergangenheit verstrickt, dafür ist er zu jung. Er ist ein Nachfahre, der das Apartheid-Regime nicht bewusst mit erlebt hat, aber dessen Folgen spürt. Außerdem ist die Vergangenheit durch den Tod des Vaters in seinem Leben präsent, und er weiß um die Bündnisse, die neuen und alten Seilschaften, die über Macht und Einfluss in Südafrika bsestimmen. Oftmals erscheint er erstaunlich hellsichtig und erfahren für sein Alter und legt eine Abgebrühtheit an den Tag, die wenig später im Kontrast zu seinem leichtsinnigen, von Eifersucht getriebenen Verhalten gefährlichen Männern gegenüber steht. Der Grund dafür ist meist seine Freundin Vicki, die er sehr liebt. Sie ist clevere, spielsüchtige Anwältin, deren attraktives Äußeres und großen Brüste allzu oft betont werden. Es reicht anscheinend nicht, sie einmal zu erwähnen und diese Figur ansonsten durch ihre Handlungen oder Aussagen bestehen zu lassen. Weiterlesen →

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Fernsehtipp: „Blutsbande“

Ab dem 9. April läuft bei ARTE die zehnteilige schwedische Serie „Blutsbande“, die 2014 dort sehr großen Erfolg hatte. Hotelbesitzerin Anna-Lisa Waldemar (Stina Ekblad) hat ihre Kinder Jonna (Aliette Opheim) und Lasse (Björn Bengtsson) in ihr Hotel auf Åland eingeladen, das sie mit ihrem Sohn Oskar (Joel Spira) betreibt. Die Kinder sind überrascht von dieser Einladung zum Familienrat – und Anna-Lisa verhält sich äußerst geheimnisvoll. Bevor sie jedoch herausfinden, was hinter dem Verhalten ihrer Mutter steckt, verschwindet sie spurlos …

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Getestet: Die Skandinavien-Edition von ebook.de

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Bereits im letzten Jahre habe ich von ebook.de das Angebot erhalten, mir ihre Plattform und skandinavisches Krimi-Angebot anzusehen. Vor zehn Jahren als libri.de gestartet, kann man auf ebook.de gedruckte und elektronische Bücher kaufen, außerdem können mit der Lese-App die E-Books in Sammlungen sortiert und die Angebote von anderen Anbietern der ‚Tolino-Allianz‘ genutzt werden – Thalia, Hugendubel und buecher.de gehen also, Amazon nicht.

Ich hatte die Wahl zwischen Krimi-Länderpaketen (kosten je 9,99 Euro) oder der Skandinavien-Edition mit zehn Kriminalromanen aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland (29,99 Euro) und habe mich für letzteres entschieden. Daraufhin bekam ich einen Gutschein-Code, den ich beim Kauf einlösen konnte.

Der Kaufvorgang verläuft wie bei allen anderen Buchseiten auch: Ich musste ein Konto anlegen, dann habe ich die Edition in den Warenkorb gelegt, bin zur Kasse gegangen, habe den Gutschein eingelöst und konnte die Titel herunterladen – entweder auf einen E-Reader oder in eine der Lese-Apps (dafür habe ich mich entschieden). Die Seite ist sehr übersichtlich und gut zu bedienen, auch der Download klappte ohne Schwierigkeiten. Recht schnell landeten auf diese Weise also zehn Titel auf meinem Handy bzw. Tablet: Weiterlesen →

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Radio-Tipp: Krimi-Lesungen von der lit.Cologne

Vor lauter Umzieherei hätte ich beinahe vergessen, noch auf eine besonders schöne Sendung von meinem Lieblingsradiosender Funkhaus Europa hinzuweisen. Am Ostermontag werden zwischen 8 und 12 Uhr die Höhepunkte der Lesungen von Tana French, Adrian McKinty, Tony Parsons, Leif GW Persson, Mukoma wa Ngugi und James Ellroy präsentiert. In der Nacht von 23 bis 3 Uhr laufen die komplette Mitschnitte, die dann auch online verfügbar sein werden.

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Ohne Risiko – Über „Dein finsteres Herz“ von Tony Parsons

Dieses Buch ist ein Schmöker, der sich in mehr oder weniger einem Rutsch durchlesen lässt. Es gibt einen Ermittler, der sich um seine kleine Tochter und einen Welpen kümmern muss und außerdem seine Ehefrau nicht vergessen kann; eine Gruppenvergewaltigung an einem englischen Elite-Internat in der Vergangenheit und in der Gegenwart eine Mordserie an ehemaligen Schülern und heutigen Stützen der Gesellschaft.

(c) Lübbe

(c) Lübbe

Internate in Kriminalromanen waren schon immer Orte sadistischer Gewalt und Horte des Bösen. Das gilt insbesondere für Elite-Internate, in denen viele Schüler aufgrund des verkommenen Reichtums ihrer Familie ganz besonders gewissenlos sind. Tony Parsons Roman ist hier keine Ausnahme, ohnehin bleibt er stets innerhalb der Grenzen standardisierter Krimi-Unterhaltung. Aber immerhin spiegelt sich die Verbindung aus Vergangenem und Gegenwärtigen nicht nur in den Taten des Mörders, sondern auch in anderen Plot-Elementen wider: Protagonist Max Wolfe wurde gerade aufgrund seines beherzten Eingreifens bei einem terroristischen Anschlagsversuchs in die Mordkommission versetzt, hadert mit den Herausforderungen eines alleinerziehenden Vaters, der Sensationsgier von Zeitungen und Internet. Daneben gibt es Verweise auf die britische Kriminalgeschichte und Wolfe findet wichtige Hinweise in Scotland Yards Black Museum. Davon erzählt Tony Parsons in seinem ersten Kriminalroman routiniert, gelegentlich etwas zu ausführlich und mit einigen mal mehr und mal weniger leicht zu durchschauenden falschen Fährten. Durchweg gelungen sind hingegen die privaten Szenen des Ermittlers mit seiner Tochter, in denen er dieser persönlichen Tragödie einfühlsam nachspürt. Nur diese eine Affäre hätte nicht sein müssen.

Alles in allem ist Tony Parsons Kriminalroman somit solide Krimi-Unterhaltung mit wenig Ärgerlichem und viel Bekanntem, bei dem die Krimi-Komfortzone niemals verlassen werden muss.

Tony Parsons: Dein finsteres Herz. Übersetzt von Dietmar Schmidt. Lübbe 2014.

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KrimiZeit-Bestenliste April 2015

Die neue KrimiZeit-Bestenliste kommt – feiertagsbedingt – schon heute. Auf Platz 1 ist unverändert William McIlvanney mit „Die Suche nach Tony Veitch“, den ich bereits im BÜCHER Magazin besprochen habe. Außerdem gibt es fünf Neu-Einsteiger.

(c) Kunstmann

(c) Kunstmann

1 (1) William McIlvanney: Die Suche nach Veitch (Kunstmann)
2 (9) Zoë Beck: Schwarzblende (Heyne)
3 (-) James Ellroy: Perfidia (Ullstein)
4 (3) Mike Nicol: Bad Cop (btb)
5 (-) Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra (Folio)
6 (-) Adrian McKinty: Die verlorenen Schwestern (Suhrkamp)
7 (2) Alan Carter: Prime Cut (Edition Nautilus)
8 (4) Dave Zeltserman: Killer (Pulp Master)
9 (-) Greg Iles: Natchez Burning (Rütten & Loening)
10 (-) James Lee Burke: Sturm über New Orleans (Pendragon)

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Sechs Krimi-Empfehlungen zum Indiebookday 2015

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Morgen ist Indiebookday! Dahinter steckt der Gedanke, dass ein jeder am 21. März 2015 ein Buch aus einem unabhängigen Verlag kauft – am besten in einer unabhängigen Buchhandlung. Damit morgen die Entscheidung vielleicht etwas leichter fällt, hier sechs Empfehlungen für gute Kriminalliteratur aus unabhängigen Verlagen:

„Lichtschacht“ von Anne Goldmann (Argument Ariadne)
Dieser spannende Roman über eine junge Frau, die glaubt einen Mord beobachtet zu haben, ist seit letztem Jahr das von mir meist empfohlene und meistverschenkte Buch. Es eignet sich hervorragend sowohl für Krimi- als auch Nicht-Krimi-Leser, ist überhaupt nicht blutig und noch dazu unterhaltsam und gut geschrieben.

„Umweg zur Hölle“ von Ross Thomas (Alexander Verlag)
Die Geschichte beginnt mit einem Stolperer über einen toten Pelikan am Strand und mündet in einem irrwitzigen Geflecht aus Geheimdiensten und anderen geheimnisvollen Akteuren. Ross Thomas ist schlichtweg ein toller Autor, seine Geschichten sind raffiniert, klug, witzig und sehr unterhaltsam. Eignet sich auch für Nicht-Krimileser, die gerne James Bond gucken. Aber Vorsicht: Ross Thomas macht süchtig!

„Die Wut“ von Gene Kerrigan (Polar Verlag)
Irische Kriminalliteratur ist im Kommen, wer eine Abwechslung zu versoffenen Privatdetektiven sucht und noch dazu ein kluges Buch über die Auswirkungen der Finanzkrise in Irland lesen möchte, liegt bei „Die Wut“ von Gene Kerrigan richtig. Noch dazu ist Kerrigans Hauptfigur Bob Tidey eine der gelungensten Ermittlerfiguren der letzten Jahre. (Offenlegung: Ich stehe mit dem Polar Verlag in geschäftlichen Verbindungen.)

„Die Suche nach Tony Veitch“ von William McIlvanney (Kunstmann Verlag)
Seit letztem Jahr erscheinen im Kunstmann Verlag die „Laidlaw“-Bücher von William McIlvanney in neuer Übersetzung. Noch mehr als der erste Teil um den zweifelnden schottischen Polizisten Jack Laidlaw hat mich „Die Suche nach Tony Veitch“ überzeugt, in dem er versucht, einen Mord aufzuklären, der vielleicht gar keiner war – und der niemanden interessiert. Bisher mein Krimi-Highlight des Jahres. (Außerdem ist es aktuell, also ist die Wahrscheinlichkeit etwas höher, dass es in Buchhandlungen auch zu bekommen ist.)

„GB84“ von David Peace (Liebeskind)
Mein Lieblingsbuch des letzten Jahres war „GB84“ von David Peace, in dem er sich den Verwicklungen rund um den Bergarbeiterstreik in Großbritannien 1984 in typischen stakkatohaften Sätzen und dichten Handlungssträngen widmet. Dieses Buch erfordert sehr aufmerksames Lesen, ich habe mir zwischendurch eine Zeichnung gemacht, damit ich den Beziehungen folgen kann – aber es lohnt sich ungemein.

„Killer“ von Dave Zeltserman (Pulp Master)
14 Jahre hat der Ex-Auftragsmörder Leonard March im Gefängnis gesessen, nun ist er wieder auf freiem Fuß. Aber seine alten Mafia-Kumpane und die Angehörigen seiner Opfer wollen ihn lieber heute als morgen tot sehen. Deshalb fällt ihm seine Rückkehr ins normale Leben äußerst schwer. „Killer“ ist eine Kriminalliteratur-Perle mit einem hinreißenden Ende.

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr gute Kriminalliteratur aus unabhängigen Verlagen. Falls ihr noch Anregungen oder Tipps braucht, immer her mit den Fragen. Ich mache ja kaum etwas lieber als Krimis zu empfehlen (und ja, es gibt den passenden Krimi für jeden!).

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