Archiv des Autors: Zeilenkino

Eigenwerbung: Mein Interview mit James Ellroy

Normalerweise verweise ich im Blog nicht mit einem eigenen Beitrag auf die Dinge, die ich auf anderen Seiten schreibe. Aber James Ellroy ist einer meiner Fixpunkte in der Kriminalliteratur und ich habe gestern Interview mit ihm geführt, das in der aktuellen Ausgabe von Polar Noir unter diesem Link nachzulesen ist.

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Krimi-Kritik: „Unter Brüdern“ von Pete Dexter

(c) Liebeskind

(c) Liebeskind

Bereits 1991 ist „Brotherly Love“ von Pete Dexter in den USA erschienen, nun liegt der Roman im Liebeskind-Verlag in deutscher Übersetzung von Götz Pommer vor. Die brüderliche Liebe ist denn auch zentrales Motiv dieses Romans. Er beginnt mit einem kurzen Zeitungsartikel, in dem der Tod der Protagonisten im Jahr 1986 gemeldet wird. Danach springt die Handlung zurück in das Jahr 1961. Der achtjährige Peter Flood ist mit seiner kleinen Schwester im Garten. Sie spielen und toben, aber er weiß, dass er auf seine Schwester aufpassen muss. Dann nähert sich ein Wagen, gerät auf einer Eisfläche ins Schleudern und Peter – aus Angst vor dem Hund des Nachbarn wie gelähmt – sieht mit an, wie seine Schwester von dem Wagen erfasst und durch die Luft geschleudert wird.

Mit dem Tod seiner Schwester verändert sich alles. Seine bereits vorher depressive Mutter wird in eine psychiatrische Klinik gebracht, sein Vater ist erfüllt von Zorn und Trauer. Er will den Nachbarn – den Fahrer des Autos – töten, erhält jedoch die Order, ihn zu verschonen. Denn Charley Flood ist wie sein Bruder Phil in der Gewerkschaft, die in Philadelphia das Sagen hat. Und Gewerkschaftsboss Constantine will nicht, dass der Nachbar getötet wird, weil er ein korrupter Polizist ist, der mit ihnen und den Italienern zusammenarbeitet. Jedoch kann Charley nicht loslassen – und handelt eines Tages. Darauf folgt das zweite Ereignis, das Peters Leben überschatten wird: Sein Vater fährt mit seinem Bruder weg und kehrt nicht mehr zurück. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Prime Cut“ von Alan Carter

(c) Edition Nautilus

(c) Edition Nautilus

Drei blutige Taten stehen am Anfang von Alan Carters Krimidebüt „Prime Cut“: In Sunderland, England, werden am 5. Mai 1973 die Leichen der schwangeren Chrissy und ihrem Sohn Stevie gefunden. Sie wurden von ihrem Ehemann bzw. Vater erschlagen und mit Stromschlägen malträtiert. Am 8. Oktober 2008 entdeckt eine Lehrerin in einem kleinen Ort in West Australien am Strand einen Torso, der von einem Hai bearbeitet wurde. Vier Stunden später untersuchen Detective Sergeant Constable Philip „Cato“ Kwong und Sergeant Jim Buckley einen Verdacht auf tödlichen Viehdiebstahl, ebenfalls in West-Australien. Kwong wurde ins Viehdezernat strafversetzt, seit er in einen Korruptionsskandal verwickelt war. Er ist der einzige, dem eine Papierspur nachgewiesen werden konnte, deshalb hadert er genussvoll mit seinem Schicksal. Dann kommen ihm jedoch der Zufall und die dünne Personaldecke zur Hilfe: Kwong und Buckley befinden sich ganz in der Nähe des Küstenstädtchens Hopetown, in dem der Torso gefunden wurde, und sollen deshalb dort für einige Zeit die Ermittlungen unterstützen. Für Kwong ist es eine gute Gelegenheit, sich zu rehabilitieren und vielleicht mit seiner Karriere noch auf einen grünen Zweig zu kommen. Zusammen mit Buckley, der örtlichen Polizistin Tess Maguire und dem Neuling Greg Fisher beginnt er, den Fall zu untersuchen – und wenig später gibt es eine zweite Leiche und noch größere Ermittlungen. Weiterlesen

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Fernseh-Tipp: „Peaky Blinders“ und „Fegefeuer“

Es könnte so scheinen, als gäbe es in meinem Fernsehhorizont nur ARTE als Sender. Das stimmt nicht, allerdings läuft dort diese Woche ein überragendes Programm. Wer immer meint, im Fernsehen sei nichts Gutes zu sehen, sollte zumindest diese Woche mal ganz gepflegt ruhig bleiben.

Nachdem gestern der hervorragende „Who killed Marilyn?“ zu bester Sendezeit lief, startet heute um 20:15 Uhr die Serie „Peaky Blinders“. Erzählt wird die Geschichte der Gangsterbande „Peaky Blinders“, die es in Birmingham in den 1920er Jahren mit einem Kommissar aus Belfast zu tun bekommt. Cast, Serienlänge und Handlung lassen sehr gute Unterhaltung erwarten. Ich bin gespannt.

Danach läuft um 22:10 Uhr die Verfilmung von Sofi Oksanens Buch „Fegefeuer“, in dem sie anhand der Leben dreier Frauen in Estland die Geschichte des Landes erzählt. Das Buch ist sehr empfehlenswert, auf die Verfilmung bin ich äußerst neugierig. Also, heute Abend ist es ganz einfach: ARTE einschalten und gucken, bis es langweilig wird.

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„Kruso“ von Lutz Seiler wird verfilmt

Mit „Der Turm“ hatte UFA Fiction bereits einige Erfolge gefeiert, noch in diesem Jahr soll „Landgericht“ von Ursula Krechel verfilmt werden und nun haben sich Nico Hofmann und Benjamin Benedict auch die Rechte an der Verfilmung eines weiteren Buchpreis-Trägers gesichert: Lutz Seilers „Kruso“. Darin erzählt Lutz Seiler die Geschichte der außergewöhnlichen Freundschaft zwischen Edgar Bendler und Alexander Krusowitsch, die sich ausgerechnet im Wendejahr 1989 auf der Ostsee-Insel Hiddensee ihren eigenen Vorstellungen von Freiheit widmen wollen.

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Ach, Onno

Im Frühjahr 2012 verfiel ich dem legendären „Charisma für Arme“ des Noppensocken tragenden Privatdetektivs Onno Viets, den Frank Schulz in „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ auf ein brutales Abenteuer mit eben diesem Irren schickte. Seither hoffte ich auf ein Wiedersehen. Nun hat sich diese Hoffnung erfüllt, aber – wie soll ich es anders sagen – mein Herz wurde gebrochen. Nicht etwa, weil „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“ ein schlechtes Buch sei, nein, es ist sogar ein sehr gutes Buch. Aber ausgerechnet Onnos Seele baumelt weniger als sie taumelte, geradewegs in ein düsteres Nichts.

(c) Galiani

(c) Galiani

Seit seiner Begegnung mit dem „Irren vom Kiez“ sind sechs Jahre vergangen, die damaligen Erlebnisse haben indes Spuren bei Onno hinterlassen. Er leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung und hat die für ihn lebensnotwendige Ruhe verloren. Sein zweitbester Freund und Erzähler des Romans, Christoph Dannewitz, fühlt sich dafür mitverantwortlich, immerhin hat er Onno diesen ersten Auftrag vermittelt. Also will er ihm helfen und beschafft ihm abermals einen Auftrag, dieses Mal als Leibwächter seines Vetters Donald Jochemsen, der auf dem Kreuzfahrtschiff Flipper IV die von ihm verehrte Bordsängerin überraschen will. Aber Donald plagt – neben vielen anderen Erkrankungen – eine ausgeprägte Viktimophobie, er hat Angst, Opfer einer Straftat zu werden, und deshalb soll Onno ihn beschützen.
Diese zwei Kauze gehen also auf eine Kreuzfahrt – und damit hat Frank Schulz eine grundkomische Situation geschaffen. Onno und Donald sind beide fehl am Platze inmitten dieser feierwütigen Meute. Wenigstens ist der eine anpassungsfähig, freundlich und selbstlos, der andere jedoch misanthropisch, hypochondrisch und paranoid. Deshalb gibt es lustige Situationen und großartige Dialoge, in denen sich Frank Schuz bitterböse mit der Konsumkultur und Maßlosigkeit auseinandersetzt. Kaum Ort eignet sich besser zu einer bitterbösen Gesellschaftskritik als ein Kreuzfahrtschiff. Hier wird der Zwang zum Konsum, Erlebnis und Rausch, zur Party und Unterhaltung auf kleinen Raum gepresst, passend untermalt vom Sommerhit des Jahres „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“. Darüber hinaus steht am Ende eines jeden Aktes ein Nachspiel mit Kasper Spackennacken, einer satirischen Figur in bester Hanswurst-Tradition, die für derbe Witze und Wahrheiten sorgt und zugleich erneut auf die Bedeutung von Vulgarität, Exhibitionismus und Voyeurismus aufmerksam macht. Weiterlesen

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Fernseh-Tipp: Hochspannungswochen bei ARTE

Heute Abend beginnen bei ARTE die Wochen der Hochspannung: Bis zum 26. März laufen Klassiker des Films noir und Kriminalfilms. Den Auftakt machen „Serpico“ und „Der gläserne Schlüssel“, in den folgenden Wochen werden u.a. der sehr schöne „Who killed Marilyn?“ und „Unter falschem Verdacht“ zu sehen sein. Alle weiteren Informationen gibt es auf der Webseite von ARTE.

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