„Die geliebten Schwestern“ – Dominik Graf verfilmt Schillers Liebesleben

Ein Foto vom ersten Drehtag (c) Bavaria

Manche Lebensepisoden berühmter Schriftsteller rufen nahezu nach einer Verfilmung, und dazu gehört meines Erachtens das Liebesdreieck zwischen Friedrich Schiller und den Lengefeld-Schwestern. Im Jahr 1787 begegnete der mittellose Friedrich Schiller in Rudolstadt den Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld, verheiratete von Beulwitz und spätere von Wolzogen, – und verliebte sich in beide Frauen. Er hoffte auf eine ménage-à-trois, für die sich aber insbesondere die ruhigere Charlotte nicht begeistern konnte. Er heiratete letztlich Charlotte, stand aber bis zu seinem Tod mit seiner Schwägerin in einer engen Beziehung.

Nach eigenem Drehbuch verfilmt Dominik Graf diese Geschichte unter dem Titel „Die geliebten Schwestern“. Die Dreharbeiten finden ab dem 23. August 2012 in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Tirol statt. Die Hauptrollen werden von Hannah Herzsprung (Caroline), Henriette Confurius (Charlotte) und Florian Stetter (Schiller) gespielt. Der Film wird 2013 in den Kinos starten.

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Kinostart und Trailer: „Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin“

(c) 20th Century Fox

Am 29. November 2012 startet hierzulande die romantische Komödie „Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin“, die trotz des rosa-süßen Titelzusatzes vor allem aus einem Grund vielversprechend klingt: Regie führen Valeria Faris und Jonathan Dayton, die mit „Little Miss Sunshine“ eine Komödie gedreht haben, deren Inhalt sich ähnlich einfach zusammenfassen ließe.

„Ruby Sparks“ erzählt nach einem Drehbuch von Hauptdarstellerin Zoe Kazan („Meek‘s Cutoff“, „Pippa Lee“) die Geschichte des Schriftsteller Calvin (Paul Dano, „There will be blood“), der nach einem großen Bucherfolg unter einer Schreibblockade leidet. Eines Tages erfindet er die Figur Ruby Sparks – und staunt nicht schlecht, als sie eines Abends plötzlich auf seiner Couch sitzt … In weiteren Rollen sind Antonio Banderas und Annette Bening zu sehen – und ich erhoffe mir eine nette, charmante Komödie.

Hier ein Blick auf den englischen Trailer:

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Von „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“ zu „Superhero“ – Über die Verfilmung des Romans von Anthony McCarten

(c) Bavaria Pictures

Normalerweise lese ich erst ein Buch und sehe dann den Film. Im letzten Jahr habe ich es lediglich bei „Naokos Lächeln“ in anderer Reihenfolge gemacht, in diesem Jahr nun bei „Am Anfang eines viel zu kurzen Tages“, der Verfilmung von Anthony McCartens Roman „Superhero“. Bei dieser Vorgehensweise verschieben sich die Rezeptionseinflüsse. Nun habe ich die Bilder des Films im Kopf, das Aussehen der Schauspieler und ihre Interpretation der Rolle. Im Verlauf der Lektüre rückt der Film zumeist in den Hintergrund, aber gerade am Anfang beeinflusst der Film doch die Erwartung.

Über die Besonderheiten des Films

Thomas Brodie-Sangster als Donald Delpe (c) Bavaria Pictures

Erzählt wird in Buch und Film von dem krebskranken Donald Delpe und seiner Familie. In dem Film des irischen Regisseurs Ian Fitzgibbon wird die Rolle hervorragend von Thomas Brodie-Sangster gespielt. Beeindruckt hat mich aber insbesondere der Erzählstil des Films. Donald hat in seinen Comics ein Ventil für seine Krankheit gefunden. Daher unterbrechen animierte Szenen den Fortgang der Handlung und etablieren eine zweite Ebene in dem Film, die sich allein im Donald und seine Wahrnehmung dreht. Dabei bringen die düsteren Bilder seine Ängste zum Ausdruck. Neben den animierten Szenen habe ich in meiner Besprechung für spielfilm.de auch die Musik hervorgehoben, die gut eingesetzt war. Aber im Gegensatz zu den animierten Szenen ist Musik ein sehr filmisches Mittel, also spielte sie bei den Erwartungen an den Roman keine Rolle. Weiterlesen

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Media Monday #60

Montag – ihr wisst, was das heißt …

1. Ben Stiller gefiel mir am besten in „Tropic Thunder“. Obwohl ich alles andere als ein großer Fan von Ben Stiller bin, hat mir dieser hoffnungslos übertriebene Satire über Satiren doch viel Spaß gemacht.

2. Susanne Bier hat mit „Brødre“ ihre beste Regiearbeit abgelegt, weil dieser Film ein packendes Drama mit exzellenten Schauspielern ist.

3. Ashley Johnson gefiel mir am besten in „The Help“ – nehme ich an. Denn ich habe an sie leider keine Erinnerung mehr.

4. Wenn ihr die Wahl habt: Lieber Vampire/Werwölfe/Zombies o. ä. oder Außerirdische? Eigentlich nichts von beiden. Halt, doch. Alexander Skarsgard als Vampir in „True Blood“, den nehme ich. 😉 Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Falscher Ort, falsche Zeit“ von Walter Mosley

Alphonse Rinaldo schlägt niemand einen Wunsch ab. Er ist einer der einflussreichsten Menschen in New York, residiert an einem geheimen Ort und lenkt die Geschehnisse der Stadt. Doch nun bittet er den Privatdetektiv Leonid McGill um einen Gefallen: Er soll nach einem verschwundenen Mädchen zu suchen. Als er an dem erwähnten Ort auftaucht, stößt er mitten in eine Mordermittlung und sieht sich abermals mit New Yorker Polizisten konfrontiert, die ihn zu gerne hinter Gittern bringen würden. Das ist jedoch nicht der einzige Fall, mit dem sich Leonid McGill in „Falscher Ort, falsche Zeit“ auseinandersetzen muss: Er versucht außerdem noch, seinem ehemaligen Opfer Ron Sharkey zu helfen, dem eigentlich nicht zu helfen ist – und sein Lieblingssohn Twill will mit seinem leiblichen Sohn Dimitri einen Frauenhändlerring bekämpfen, der Dimitris Freundin Tatjana nicht gehen lassen will.

Kampf gegen die Vergangenheit und mit der Gegenwart

Im Grund genommen aber erzählt Walter Mosley in dem zweiten Band seiner Leonid-McGill-Reihe von dem Leben des Privatdetektivs, von seinen Versuchen, ein sauberes Leben in einer heruntergekommenen Welt zu führen. Erzogen von einem kommunistischen Vater sind Leonid und sein jüngere Bruder Nikita mit revolutionären Parolen aufgezogen worden und so schwer es Leonid auch fällt, seinem Vater zu verzeihen, dass er die Familie verlassen hat, desto mehr muss er anerkennen, dass dessen Lehren Nachwirkung zeigen. Auch Leonid McGill ist mittlerweile ein Kämpfer – für das Gute in einer heruntergekommenen Welt. Ungerechtigkeiten muss er dafür in Kauf nehmen, aber wie schon im ersten Teil beweist er große Nehmerqualitäten. Weiterlesen

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Film-Tipp: „Dichter und Kämpfer“

(c) MFA Film

Am 6. September 2012 startet der sehenswerte Dokumentarfilm „Dichter und Kämpfer“ von Marion Hütter im Kino. Ausgehend von den deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam begleitet die Filmemacherin ein Jahr lang die vier Poetry Slammer Theresa Hahl, Sebastian23, Philipp Scharrenberg und Julius Fischer bei ihren Auftritten und in ihrem Alltag. Diese Einzelporträts lassen die Vielseitigkeit des deutschsprachigen Poetry Slam erkennen – und verdeutlichen, dass sich die einstige Underground-Kunstform auf dem Weg zum Mainstream befindet. Dadurch vergrößert sich die das Publikum und die öffentliche Wahrnehmung, aber diese Entwicklung wird nicht von allem Slammern gerne gesehen – und führt letztlich auf die alte Frage des Verhältnisses von Kunst und Kommerz zurück.

Gewinnspiel:
Zum Filmstart verlose ich einmal zwei Freikarten für diesen tollen Film. Zum Gewinnspiel

Hier ein Blick auf den Trailer:

Eine längere Besprechung des Films habe ich für die August-Ausgabe des Magazins BÜCHER geschrieben.

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„Rampart“ – Der Niedergang eines Cops

Officer Browns Übergriff (c) Ascot Elite

Acht Jahre nach dem brutalen Übergriff auf Rodney King wird Officer Dave Brown (Woody Harrelson) gefilmt, wie er einen Verdächtigen zusammenschlägt. Unter normalen Umständen würde das LAPD diesen Skandal aussitzen, aber Officer Brown gehört zu der Rampart-Einheit, auf die Vorwürfe der Korruption und Gewalt nur so einprasseln. Deshalb wird er damit nicht durchkommen – obwohl seine Kollegen auf seiner Seite stehen und er aufgrund einflussreicher Freunde vorerst seine Arbeit behält.

Officer Brown (c) Ascot Elite

Vor dem Hintergrund des Rampart-Skandals inszeniert Oren Moverman weniger einen Kriminalfilm denn eine Charakterstudie. Officer Dave Brown ist eine aussterbende Spezies Polizist, der überzeugt ist, dass das Ziel, die Straßen sicherer zu machen, jedes Mittel heiligt. Deshalb verprügelt er Verdächtige, schiebt Beweise unter und lässt sich Gefälligkeiten erweisen. Er war mit zwei Frauen (Cynthia Nixon, Anne Heche) verheiratet, die Schwestern sind, hat jeweils eine Tochter mit einer Frau, lebt aber mittlerweile nur noch auf einem Grundstück mit ihnen. Die Fassade der Familienwelt bröckelt, vor allem seine älteste Tochter (Brie Larson) hat längst durchschaut, dass ihr Vater ein gewalttätiger Mann ist. In einer eindrucksvollen Szene wirft sie ihm vor, er sei ein Rassist, Sexist, Chauvinist und Homophober. Er kontert diese Vorwürfe lediglich mit der Frage, wie lange sie ihre Rede geübt habe. Dadurch wird das ganze Ausmaß von Ramparts Abgestumpfheit deutlich, die er mit Tabletten, Alkohol und Sex zu kompensieren sucht. Aber sein Leben entgleitet ihm: seine Ex-Frauen wollen ihn aus dem Haus haben, seine Töchter wollen die Wahrheit wissen – und auch ein Ermittler der Staatsanwaltschaft (Ice Cube) hat ihn an der Angel. Weiterlesen

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