Schlagwort-Archiv: Nordische Filmtage

„Irgendwo in Schweden“ – Eine bitterböse Komödie

Manchmal passiert auf einem Festival etwas ganz Wunderbares. Da sitzt man am dritten Tag auf den nicht unbedingt bequemen Stühlen des Kolosseums in Lübeck und wartet auf den Film „Irgendwo in Schweden“. Im offiziellen Programm als „starbesetztes Gesellschaftsbild mit kühner Optik“ angekündigt, habe ich gepflegte Langeweile in schönen Bildern erwartet – und einen wunderbar hintersinnigen Film gesehen, der mit „Oslo, 31. August“ und „King of Devil’s Island“ zu den besten Beiträgen des Festivals gehörte.

Regisseur Kjell-Ake Andersson stellte seinen Film in Lübeck vor (c) Sonja Hartl

Schon die Einführung ließ mich aufhorchen: Dieser Film sei sicherlich nicht jedermanns Sache, auch müsse man sehr gut aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren. Als langjähriger David-Lynch-Fan kann mich eine solche Aussage nicht schocken, aber sie ließ meine Erwartungen ein wenig steigen.

Tatsächlich ist der Anfang von „Irgendwo in Schweden“ leicht verstörend: blutüberströmte Leichen sind zu sehen, eine Frau rennt in einem zerschlissenen Kleid durch den Wald, ein alter Mann wird von der Polizei verhört. Aber ebenso offensichtlich ist, dass diese Bilder irgendwie zusammenhängen. Im weiteren Verlauf des Films werden sie wiederholt gezeigt und dabei stets in einen neuen Kontext gerückt. Aufmerksames Sehen ist daher bei „Irgendwo in Schweden“ schon erforderlich, aber der Film ist nun sicherlich nicht derart komplex, dass er eines besonderen Hinweises bedarf. Weiterlesen

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Islands Oscar-Kandidat „Volcano“

Eldfjall / Volcano (c) DFI

Grau ist das Leben auf Island, das wird schon mit den ersten Bildern des berührenden Films „Volcano“ deutlich. Er beginnt mit dem letzten Arbeitstag des grantige Hannes (Theodor Juliusson), der bisher als Hausmeister in einer Schule gearbeitet hat. Nun verabschieden ihn seine Kollegen, sein Nachfolger erhält noch einige Hinweise und dann wartet der Ruhestand auf Hannes. Richtig fröhlich wirkt er nicht. Dann sieht man ihn in seinem Auto sitzen. Er blickt auf die schroffe, aber wunderschöne Landschaft der Insel und startet mit Überwindung den Motor, macht ihn wieder aus – und reißt die Fenster auf. Er wird sich doch nicht umbringen, wenngleich er nicht mehr glücklich in seinem Leben ist. Zu seinen Kindern Ari (Thorsteinn Bachmann) und Telma (Elma Lisa Gunndarsdottir) hat er kein gutes Verhältnis, auch gegenüber seiner Frau Anna (Margret Helga Johannsdottir) verhält er sich schroff und abweisend. Einzig für sein altes Boot scheint er noch Zuneigung zu empfinden. Doch Hannes weiß selbst nicht, warum er so grantig ist. Es ist einfach so.

Eldfjall / Volcano (c) DFI

Dann ist ausgerechnet sein Boot, das eine Veränderung in Gang setzt. Bei einem Angeltörn droht es auf dem Meer zu sinken. Hannes muss sich abschleppen lassen – und durch dieses Leck kehrt er früher nach Hause zurück. Seine Kleidung ist nass, also hängt er sie über die Wäscheleine und will schnell ins Haus gehen. Aber dann belauscht er ein Gespräch zwischen seinen Kindern mit an. Erschüttert hört er, dass seine Tochter überzeugt ist, ihre Mutter sollte ihn verlassen. Hannes fühlt sich schuldig – und tatsächlich kommt es in der Nacht darauf zu einer Annäherung zwischen Anna und ihm. Sie sind schon so lange verheiratet, da braucht es keine dramatischen Aussprachen mehr. Sie verbringen einige liebevolle Momente miteinander, alles scheint sich zum Besseren zu wenden. Doch dann erleidet Anna einen Schlaganfall und benötigt fortan rund um die Uhr Pflege. Hannes beschließt, sich zu Hause selbst um sie zu kümmern. Er gibt sich Mühe, doch Anna liegt meistens weinend und wimmernd im Bett. Ihr Zustand wird nicht besser werden – und so fasst Hannes eines Tages den Entschluss, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Weiterlesen

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„Stockholm Ost“ – Ein Melodram mit Iben Hjejle und Mikael Persbrandt

Liebe als Problem in "Stockholm Ost" (c) SFI

Ein ganz normaler Morgen in Schweden. Anna (Iben Hjejle) arbeitet bereits von zu Hause aus, das Telefon klingelt ständig. Also beschließt ihre Tochter Tove, dass sie mit dem Rad zur Schule fährt, um pünktlich zu sein. Zur gleichen Zeit bereitet sich Johan (Mikael Persbrandt) auf die Arbeit vor, er tanzt durch seine Wohnung, verabschiedet sich von seiner Freundin und fährt mit dem Auto los. Plötzlich knallt es! Er ist mit einer Radfahrerin zusammengestoßen – und Tove stirbt später im Krankenhaus. Nur kurz sieht er Anna, als sie das Krankenhaus mit der Schultasche ihrer toten Tochter im Arm verlässt. Und inmitten seiner Schuldgefühle glaubt er eine Anziehung zu spüren. Sie bemerkt ihn nicht.

Ungefähr ein Jahr später begegnen sie sich auf einem Bahnsteig am Bahnhof Stockholm Ost. Sie kommen ins Gespräch, fahren mit dem Zug in dieselbe Richtung. Nur Johan weiß um ihre schicksalshafte Verbindung, aber er schweigt. Als Anna ihren Filofax vergisst, ergreift er die Initiative und bringt ihn ihr vorbei. Fortan treffen sie sich häufiger und verbringen viel Zeit miteinander. Anna spielt Johan vor, ihre Tochter lebe noch – und Johan glaubt, er könne Anna in ein Leben zurückhelfen, indem er ihr glaubt. Zudem wäre er frei von Schuld, würde Tove noch leben. Sie verlieben sich ineinander – und in ihrer Fantasiewelt können sie eine Weile glücklich sein. Aber irgendwann muss die Wahrheit herauskommen … Weiterlesen

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„Der Haussegen“ – Ein finnischer Unternehmer in der Krise

Samuli Edelmann in "Der Haussegen" (c) Finnish Film Foundation

Sami Luoto (Samuli Edelmann) wäre gerne ein erfolgreicher Bauunternehmer. Aber noch nicht einmal die Wohnung, in der er mit seiner Frau und Tochter lebt, gehört ihm. Nun will er mit der Hilfe eines Immobilienmaklers ein großes Geschäft machen. Angeblich hat dieser nämlich sein aktuelles Objekt so gut wie verkauft und für ein zweites, im Bau befindliches Haus bereits Interessenten gefunden. Also erwirbt Sami zum Schnäppchenpreis ein Waldgrundstück, auf dem er seiner Familie ein Haus bauen will. Stolz verkündet er seine Pläne. Aber dann zerplatzt die Seifenblase: Der Immobilienmakler hat zu viel versprochen und keinen Interessenten für die Häuser, die Bank gibt ihm keine weiteren Immobilien-Kredite und schon kann Sami seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. Er muss seine Angestellten entlassen, aber vor seiner Familie hält er seine Schwierigkeiten geheim – zumal er überzeugt ist, dass er alles richtig gemacht hat. Doch schon bald treten zu den finanziellen Sorgen sehr konkrete körperliche Drohungen … Weiterlesen

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Rückblick auf die Nordischen Filmtage 2011

Logo der Nordischen Filmtage 2011

Schön war’s! Das ist meine kurze Bewertung der diesjährigen Nordischen Filmtage. 14 Filme habe ich in dreieinhalb Tagen gesehen, drei Interviews geführt, zahlreiche nette Menschen kennengelernt und viele Ideen gesammelt. Mit „King of Devil’s Island“ hat zudem noch mein Favorit den Spielfilm- und Publikumspreis gewonnen. Und das spricht für die Zuschauer in Lübeck, zumal mit „Superclásico“ oder auch „Simon“ weitaus gefälligere, einfachere Filme im Wettbewerb waren. Aber vielleicht schätzt ja ein Fan skandinavischer Filme die Leichtigkeit nicht allzu sehr.

Anders (Anders Danielsen Lie) in "Oslo, 31. August" (c) nfi

Insgesamt war das Programm in diesem Jahr auf einem mittelmäßigen Niveau, die positiven Ausreißer kamen überwiegend aus Norwegen. Schon der Eröffnungsfilm „Happy Happy“ hat mir gut gefallen, auch die norwegische Produktion „Oslo, 31. August“ hat einen überraschend langanhalten Eindruck bei mir hinterlassen. Weiterlesen

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Nordische Filmtage 2011 – „Happy Happy“ und „Stockholm Ost“

Bereits am Dienstag bin ich nach Lübeck gereist, damit ich das Filmfestival einigermaßen ausgeruht und entspannt beginnen kann. Die nächsten Tage werden anstrengend genug: 15 Filme möchte ich sehen, dazu kommen zwei bereits vereinbarte Interviewtermine und natürlich auch Gespräche und Diskussionen. Den Morgen verbrachte ich also recht entspannt – erst im Hotel frühstücken, dann ein wenig arbeiten und durch Lübeck schlendern. Nach einem Mittagessen ging es dann ins Pressebüro, Akkreditierungsunterlagen abholen. Auf meinem Presseausweis wurde ich zum „Dr.“ – das hat bei mir gleich ein unangenehmes Gutenbergsches Gefühl ausgelöst. Aber ändern lässt es sich nicht mehr, also laufe ich jetzt halt vier Tage als falscher Doktor durch Lübeck.

Kaja (Agnes Kittelsen) ist "Happy Happy"? (c) nfi

Um 16 Uhr ging es dann richtig los: Pressevorführung des Eröffnungsfilms „Happy Happy“ mit anschließender Pressekonferenz. Eine ausführliche Kritik zu dem Film schreibe ich für kino-zeit.de, daher werde ich mich hier auf einige Stichworte beschränken. Weiterlesen

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