Schlagwort-Archiv: Krimi

Ein paar Notizen zu „Gun Machine“, „Prickel“ und „Die Bestien von Belfast“

Derzeit lese ich viel. Sehr viel. Aber hauptsächlich Bücher, die mit einer Sperrfrist versehen sind und in Beiträgen in den nächsten Monaten vorkommen werden – hoffentlich (also sofern ich jemanden finde, der die Artikel haben will). Damit sich aber nicht zahllose ungeschriebene Blog-Beiträge ansammeln, möchte ich hier zumindest einige Anmerkungen zu Büchern festhalten, die ich außerdem noch so lese.

Warren Ellis: Gun Machine

(c) Heyne

Durch das Buch bin ich zuerst bei Peter Huber von Crimenoir aufmerksam geworden, der jeden Monat die besten Krimi-Cover vorstellt. Dann landete es noch in der KrimiZeit-Bestenliste Juli auf dem zweiten Platz, also wurde ich neugieriger und habe es dann auch recht schnell durchgelesen. „Gun Machine“ ist ein spannender Thriller über einen Serienkiller, der in den letzten Jahrzehnten in New York unbemerkt Menschen umgebracht hat. Bei einem Routineeingriff stolpert Detective John Tallow über die Wohnung, in der der Killer seine Waffen aufbewahrt – und bekommt von seiner Chefin die Ermittlungen in dem Fall aufgehalst. Tallow weiß, dass dieser Fall seine Karriere endgültig ruinieren könnte. Aber er hat gerade erst seinen Partner verloren und hängt sich lieber in den Fall als sich mit seiner Trauer auseinanderzusetzen. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Manhattan“ von Don Winslow

(c) Suhrkamp

Nach dem großen Erfolg der späteren Werke von Don Winslow hat sich Suhrkamp entschlossen, auch seine frühen Romane herauszubringen. Und im Gegensatz zu dem etwas langatmigen „Die Sprache des Feuers“ ist „Manhattan“ ein herrlich eleganter und spannender Thriller, als dessen Autor man Don Winslow auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde.

Erzählt wird die Geschichte von Walter Withers, dem „Großen Skandinavischen Lude und Tödlichen Anwerber“. Diese Beinamen hat er sich bei der CIA redlich verdient, immerhin sind seine Anwerbungserfolge im Europa der Nachkriegszeit legendär. Seine Waffen sind seine Überredungskunst und sein Charme, überzeugt hat er damit noch jeden potentiellen Spitzel. Auch ist „Walther Withers (…) bei der CIA nicht unglücklich. Ihm fehlte einfach nur New York.“ Also kehrt er im Jahr 1958 nach New York zurück und fängt bei einer Sicherheitsfirma als Privatdetektiv an. Seine Hauptaufgabe besteht darin, potentielle Angestellte von großen Firmen zu überprüfen – als ehemaliger CIA-Agent eine Kleinigkeit. Seine Arbeit erledigt er gewissenhaft und sorgfältig, und seine freie Zeit verbringt er mit seiner großen Liebe Anne, einer Jazz-Sängerin, die er in Europa kennengelernt hat. Dann bittet ihn sein Chef Weihnachten 1958 zu einem besonderen Auftrag: Der Senator und vermutlich zukünftige Präsident Joe Keneally ist mit seiner Frau Madeline in der Stadt und benötigt einen diskreten Sicherheitsmann. Walter übernimmt den Job – und gerät in eine abenteuerliche Verschwörungsgeschichte. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Ein seltsamer Ort zum Sterben“ von Derek B. Miller

„Ich bin Amerikaner. Jude. Zweiundachtzig. Witwer in Rente. Ein ehemaliger Marine. Ein Uhrenreperateur. Ich brauche eine Stunde, um zu pinkeln.“ – und was, so schließt Sheldon an seine Ausführung an, soll er dann in Norwegen? Aber seine Enkelin Rhea, benannt nach der Titanin, möchte ihren Großvater nach dem Tod seiner Ehefrau nicht alleine lassen, deshalb soll er zu ihr und ihrem Mann Lars nach Oslo ziehen. Tatsächlich lässt sich Sheldon überreden, es wenigstens zu versuchen – wenngleich sein Integrationswille nicht sehr ausgeprägt ist. Bis sie sich ein Haus in der Nähe des Frogner Parks kaufen können, wohnen Rhea, Lars und Sheldon in Tøyen, einem Stadtteil, der Sheldon an die Bronx erinnert. Es ist eine „miefige Gegend“, die sich inmitten eines Gentrifizierungsprozesses befindet, aber Rhea und Lars wollen nicht mehr darauf warten, dass es „schicker würde“.

(c) Rowohlt

Allein über die Schwierigkeiten dieses bunten Zusammenlebens hätte Derek B. Miller einen warmherzigen und witzigen Roman schreiben können. Zumal er weiß, wie das Leben als Amerikaner in Norwegen aussieht. Geboren in Boston, lebt er mittlerweile dort. Auch sein Roman erschien 2011zuerst in Norwegen auf Norwegisch, obwohl er auf Englisch geschrieben wurde. Aber er fügt seinem Roman noch einen Krimi-Plot bei: Eines Morgens beobachtet Sheldon durch den Türspion, wie die Nachbarin aus der oberen Wohnung in panischer Angst auf dem Flur steht und nach einem Fluchtweg sucht. Er fühlt sich unangenehm erinnert. Denn fast alle Europäer „schauten durch ihre Spione, und draußen rannten Nachbarn vorbei, die Kinder an die Brust gepresst, während bewaffnete Verbrecher sie durchs Gebäude jagten. Kleine fischige Augen, die durch konkave Linsen lugten und anderen bei der Flucht zuschauten. Voller Furcht, voller Mitleid, hinter dem Glas oder auch mordlüstern und schadenfroh. Alle waren in Sicherheit, weil sie etwas nicht waren. Zum Beispiel keine Juden.“ Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Der Sarg“ von Arno Strobel

(c) S. Fischer

Die wohlhabende Eva Rossbach hat einen Traum: Sie ist in einem Sarg eingeschlossen und bekommt keine Luft mehr. Verzweifelt versucht sie sich zu befreien, hämmert gegen den Deckel. Dann erwacht sie – und nach der kurzen Erleichterung, dass sie in ihrem Bett liegt, stellt sie Verletzungen fest, die zu ihrem Traum passen. Sie zweifelt an ihrem Verstand, kennt diese Aussetzer bereits seit ihrer Kindheit, als sie sich plötzlich an Orten befand und nicht wusste, wie sie dorthin gekommen ist. Doch dieses Mal ist der Schrecken realer: Sie erfährt, dass ihre Halb-Schwester Inge ermordet wurde, indem sie in einem Sarg lebendig begraben wurde. Kommissar Menkhoff hat die Ermittlungen übernommen und ahnt, dass er es mit einem Serientäter zu tun hat. Außerdem glaubt er, die Geheimnisse der Familie Rossbach würden ihn der Aufklärung näher bringen.

„Der Sarg“ von Arno Strobel ist ein Thriller, der aus seiner im Grunde genommen spannenden Handlungsidee nicht sehr viel macht. Dazu tragen zum einen die hölzernen Dialoge bei, in denen Polizisten etwas sagen wie „Es ist immer wieder unfassbar, wozu Menschen fähig sind. Die Presse wird sich auf diese Sache stürzen wie die Aasgeier“. Weiterlesen

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Einige Anmerkungen zu Gillian Flynn – „Cry Baby“ und „Finstere Orte“

Gillian Flynn (c) Heidi Jo Brady

In Vorbereitung auf „Gone Girl“, das im August bei Fischer in deutscher Übersetzung erscheinen wird, habe ich letzte Woche „Cry Baby“ und „Finstere Orte“ von Gillian Flynn gelesen. Beide Bücher haben eine äußerst kaputte Hauptfigur: In „Cry Baby“ lebt Camille Preaker als Journalistin in Chicago, hat den Tod ihrer jüngeren Schwester nicht verwunden und ritzt sich. Libby Day aus „Finstere Orte“ hat mit sieben Jahren einen Angriff auf ihre Familie überlebt, bei dem ihre Mutter und ihre beiden Schwestern starben. Damals hat sie gegen den Täter ausgesagt, den sie zu sehen geglaubt hat: ihren Bruder Ben. Nun müssen sich sowohl Camille als auch Libby ihrer Vergangenheit stellen. Camille erhält den Auftrag, über die Ermordung und das Verschwinden zweier Mädchen aus ihrer Heimatstadt Wind Gap zu berichten. In der Zeit soll sie bei ihrer Mutter wohnen. Libby hingegen ist das Geld ausgegangen, mit dem sie sich bisher über Wasser gehalten hat – Spenden, von wohlmeinenden Gutmenschen – so dass sie auf die Idee kommt, ihre Geschichte und Erinnerungsstücke an andere Interessierte zu verkaufen. Da sich mittlerweile Zweifel an der Schuld ihres Bruders mehren, soll sie außerdem gegen Bezahlung mit Menschen sprechen, die womöglich nur ihr die Wahrheit sagen würden. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Danach“ von Koethi Zan

(c) S. Fischer

„In den ersten zweiunddreißig Monaten und elf Tagen unserer Gefangenschaft waren wir dort unten zu viert. Und dann, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung, waren wir nur noch drei.“ Sarah Farber hat Unfassbares überlebt: Über drei Jahre war sie mit drei anderen Mädchen in einem Verlies eingesperrt, sie wurde gefangen gehalten und gefoltert. Sie verlor ihre beste Freundin Jennifer. Dann gelang ihr die Flucht – und seither führt sie ein Leben in Angst. Ihre Wohnung in New York wagt sie kaum zu verlassen, sie arbeitet von zu Hause aus und ist zehn Jahre später weiterhin in Therapie. Zu ihren Mitgefangenen Tracy und Christine hat sie keinen Kontakt. Nun muss Sarah ihre Routine verlassen: Zwar wurde der Täter damals gefasst und verurteilt, doch seine Bewährungsanhörung steht bevor. Er hat gute Chancen, freigelassen zu werden, da ihm die Ermordung von Sarahs bester Freundin niemals nachgewiesen werden konnte und er eine Verlobte hat, die ihm ein stabiles Umfeld bieten wird. Deshalb bittet FBI-Agent McCordy Sarah, erneut gegen ihren Peiniger auszusagen. Anfangs kann sie es sich kaum vorstellen, ihm abermals gegenüberzutreten. Aber dann begibt sie sich auf die Suche nach der Frau, die ihren Entführer nun heiraten will. Dabei führen sie ihre Nachforschungen unweigerlich zurück in die Vergangenheit – und auf die Spur weiterer Verbrechen. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Das Ende der Welt“ von Sara Gran

(c) Droemer/Knaur

Im letzten Jahr gehörte Sara Grans „Die Stadt der Toten“, der ersten Teil mit Claire de Witt, der besten Ermittlerin der Welt, zu meinem ganz klaren Krimi-Highlights: Claire ist eine angenehm andere Detektivin, die ihre Fälle mit Spürsinn, I-Ging-Kugeln und den esoterisch angehauchten Wahrheiten des Buches „Detéction“ von Jacques Stilette löst. Ihr zweiter Fall ist nun ungleich persönlicher: Ihre große Ex-Liebe Paul wurde ermordet. Sie hat ihn längst nicht vergessen, deshalb will sie den Mörder finden – und verliert sich beinahe in dem Fall.

Schon auf den ersten Seiten bemerkte ich, dass mir bei „Das Ende der Welt“ etwas Entscheidendes fehlte: die Stadt New Orleans, die mit ihrer Abgestumpftheit und Abgerissenheit, ihren Verwüstungen und Verfehlungen so gut zu Claire de Witt passte. Dieses Mal ermittelt sie in San Francisco und verarbeitet Pauls Tod vor allem mit Kokain. Dem vielen Koks ist es vielleicht auch zuzuschreiben, dass ihre Ermittlungen weitgehend vor sich hin plätschern: Weiterlesen

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