Schlagwort-Archive: Frankfurter Buchmesse

„Öl auf Wasser“ von Helon Habila

(c) AfrikaWunderhorn

Vergiftete Gewässer, verpestete Luft, brennender Fackeln und Ölfässer sind in Helon Habilas „Öl auf Wasser“ keine Requisiten einer apokalyptischen Vision, sondern Bestandteile der sehr realen Beschreibung der Dörfer um Port Harcourt im Delta des Niger. Ölgesellschaften sind hier auf der Jagd nach dem wertvollen Bodenschatz, sie zerstören und beuten das Land aus – geschützt von der Armee und Regierung. Rebellengruppen kämpfen dagegen an und entführen Mitarbeiter dieser Firmen, um Geld zu erpressen. Nun ist die weiße, britische Frau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Firma entführt worden – und dem Reporter Rufus bietet sich eine einmalige Chance: Mit einer Gruppe anderer Journalisten soll er sich mit den Rebellen treffen und das Lösegeld verhandeln.

Im Stil einer Reportage lässt Helon Habila seine Hauptfigur von seiner Reise zu den Rebellen erzählen, in deren Verlauf er an seine eigene Vergangenheit denken muss. Begleitet von dem in die Jahre gekommenen Ex-Starreporter Zaq gerät Rufus während seiner Reise zwischen alle Fronten und findet sich inmitten der Auseinandersetzungen der Rebellen, der Soldaten und Flussbewohner wieder. Sie führt ihn letztlich tief in die Gegenwart des Landes, in seine eigene Vergangenheit – und erlaubt auch einen Blick auf die Zukunft. Vor allem aber führt diese Reise dem Leser eindringlich vor Augen, wie die Realität in Nigeria aussieht. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Das Grauen als Gesellschaftskritik – „Frauen“ von Steinar Bragi

Die Leser seines Buches hätten nach der Lektüre Angst vor ihm, erzählte Steinar Bragi auf der Buchmesse in Frankfurt. Und es war dieser Satz, der mich vollends überzeugte, dass ich seinen Roman „Frauen“ unbedingt lesen muss. Angst habe ich nun nicht vor ihm, aber ich würde mich sehr gerne mit ihm über dieses Buch unterhalten.

(c) Verlag Antje Kunstmann

Anfangs erscheint „Frauen“ als ganz normaler Thriller: Die junge Dokumentarfilmerin Eva Einárdsdottir lebt in New York und erhält während eines Gesprächs über die Finanzierung ihres nächsten Films von einem isländischen Banker ein verlockendes Angebot. Sie darf in seiner Wohnung in Reykjavik kostenlos wohnen, wenn sie die Wohnung sauber hält, Blumen gießt und die Katze füttert, solange die eigentliche Mieterin verreist ist. Da ihre große Liebe Hrafn nach Island zurückgegangen ist, nimmt sie das Angebot an. Schon bei ihrer Ankunft bemerkt sie, dass mit der Wohnung etwas nicht stimmt: Es gibt keine Blumen, von der Katze fehlt jede Spur und die eigentliche Mieterin hat Selbstmord begangen. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse 2012

Im Island-Pavillon

Mein zweiter Messetag begann mit einem Besuch des Island-Pavillons, der sehr eindrucksvoll ist: deckenhohe Leinwände mit Aufnahmen der isländischen Natur und lesenden Menschen teilen die abgedunkelte Halle, es gibt verschiedene Sitzgelegenheiten und ein gemütliches Café, in dem man in Büchern aus Island blättern kann. Eine wirklich tolle Präsentation, die ich unbedingt empfehle!

Danach ging es weiter zur ARD-Bühne, auf der Peter Berling sein Buch „Hazard & Lieblos“ vorstellte. Im Gespräch mit Burghard Schlicht erzählte er unter anderem aus seiner Zeit mit Rainer Werner Fassbinder – als dieser noch nicht so verrückt war. 🙂 Danach standen erst einmal einige Termine auf dem Programm. So führte ich unter anderem ein Interview mit Sandra Lüpkes, deren neuen Kriminalroman „Taubenkrieg“ ich in meiner neuen Krimi-Reihe bei LovelyBooks vorstellen werde, und traf mich mit dem Verleger Jens Seeling. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Mein Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse

Steiner Bragi (rechts) mit Kristof Magnusson

Leser beschweren sich nicht bei mir, weil sie nach der Lektüre Angst vor mir haben – war der Satz am heutigen Tag, den ich nicht vergessen werde. Er stammt von Steinar Bragi, der an dem ARTE-Stand sein Buch „Frauen“ vorgestellt hat. Darin erzählt er von einer jungen Dokumentarfilmerin, die das Angebot bekommt, auf ein Luxus-Apartment aufzupassen – und bald bemerkt, dass sie diese Wohnung nicht mehr verlassen kann. In Island wurde das Buch als Allegorie auf die Finanzkrise gelesen, und tatsächlich klingt es nach einem ganz anderen Islandroman, den ich in jedem Fall lesen werde.

Begonnen hatte ich meinen Tag allerdings mit einem Gespräch zwischen Fatih Akin und Dieter Moor. Nachdem ich Akins Buch „Im Clinch“ für das (hör)BÜCHER-Magazin rezensiert habe, war ich ganz interessiert, einige Dinge mal aus dem Mund des Regisseurs zu hören. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen