Berlinale 2013 – Tag 2 und 3

Vorhaben und Taten sind ja zweierlei Dinge, daher ist heute bereits mein vierter Tag bei der Berlinale, aber ich habe erst etwas über einen Tag gebloggt. Also mache ich es mir erst einmal leicht: Für den zweiten Tag verweise ich einfach auf spielfilm.de, für die ich einen kurzen Bericht geschrieben habe. Dort gibt es auch die ersten Kritiken zu den Wettbewerbsfilmen „In the Name of“, „Promised Land“ und „Paradies: Hoffnung“.

Der dritte Tag war insgesamt durchwachsen. Den ersten Wettbewerbsfilm habe ich nicht gesehen, dafür habe ich obige Kritiken geschrieben. Los ging es dann erst im 11:45 Uhr mit „Gold“ von Thomas Arslan, dem einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag. In „Gold“ erzählt er von einer Gruppe deutscher Siedler, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Dawson in den Norden Kanadas aufbrechen, um dort mit Gold reich zu werden. Auf ihrem Weg stehen ihnen genre-gemäße Strapazen bevor und insbesondere in der ersten Stunde verwendet der Film zu viel Zeit dafür, die einzelnen Mitglieder der Gruppe – weitgehend stereotyp – zu charakterisieren und von ihren vorhersehbaren Herausforderungen zu erzählen. Je weiter der Weg geht und je mehr die Gruppe auseinanderbricht, desto distinktiver wird auch der Stil des Films. Das Ende hat mor dann sehr gut gefallen, aber insgesamt verliert „Gold“ gerade im Vergleich mit dem besseren und konsequenteren „Meek’s Cutoff“ deutlich. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Berlinale 2013 – Tag 1

Eröffnungstag bei der Berlinale – und auch mein Anreise-Tag, an dem alles nahezu perfekt gelaufen ist. Flugzeug war pünktlich, Koffer kam schnell, der Flughafenbus fuhr unmittelbar los und in mein Zimmer konnte ich auch etwas früher. Daher war ich recht früh am Potsdamer Platz und habe meine Akkreditierung abgeholt. Und da alles wesentlicher schneller als erwartet ging, habe ich auch den ersten Film locker geschafft.

“I used to be darker” von Matt Porterfield (c) Berlinale

Für mich begann die Berlinale mit „I used to be darker“ von Matt Porterfield, der mir gut gefallen hat. Überraschend besucht die 19-jährige Taryn ihre Tante Kim und ihren Onkel Bill in Baltimore, die sich gerade trennen. Auch deren Tochter Abby verbringt ihre Ferien dort und beide versuchen, ihren Platz im Leben neu finden – und vor allem in einer Familie, die es so nicht mehr gibt. Besonders gut hat mir zum einen die Selbstverständlichkeit gefallen, mit der Matt Porterfield von dieser Künstlerfamilie erzählt, deren Künstlersein nicht zur Manier wird, sondern einfach eine Tatsache ist. Und zum anderen wird die Handlung mit Liedern kommentiert (überwiegend Folk/Singer/Songwriter), die sich sehr gut in die Handlung einfügen. Insgesamt ist „I used to be darker“ ein guter US-Independentfilm, der mit überzeugender Selbstverständlichkeit von einer Familie erzählt. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

„Stoff ohne Ende“ von Daniel Woodrell

Blick auf die Saint Francois Mountains der Missouri Ozarks (cc) Wikipedian Kbh3rd

Nachdem seine „Im Süden“-Trilogie kommerziell nicht erfolgreich war, begann Daniel Woodrell mit „Stoff ohne Ende“ über die Ozark Moutains in Missouri zu schreiben, jener Welt, die er kannte. Dorthin kehrt Doyle Redmond – Hauptfigur und Erzähler – zurück, um sich vor der Polizei zu verstecken und seinen Bruder Smoke davon zu überzeugen, sich der Polizei zu stellen. Eigentlich waren die Redmonds „noch nie die Art Familie, die ihre Leute so ohne weiteres in den Knast wandern lässt. Es gehört zu den Unverrückbarkeiten unseres Hillbilly-Selbstverständnisses, zu unserer Tradition und zu unserem angeborenen Verhalten, daß wir nicht vor der Staatsmacht kuschen“. Aber seit die Cops in Kansas City bei den Eltern zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen und einfach vorbeikommen, gehen sie ihnen zu sehr auf die Nerven. Also macht sich Doyle auf den Weg in die Ozarks, „die perfekte B-Seite eines Großstadtmolochs“. Dort gibt Hügel, Wälder und alteingesessene Familien-Clans, die sich gegenseitig umbringen. Die meisten verdienen ihr Geld mit Drogen – Marihuana wird angebaut, Crystal Meth gekocht und alles verkauft. Die Zugehörigkeit zu der Familie bestimmt hier, wer du bist. Also besucht Doyle erst seinen Großvater, der ihm dann verrät, wo sich Smokey versteckt. Und so begegnet Doyle der Hillbilly-Schönheit Niagra und ihrer Mutter Big Annie, die mit Smoke zusammenlebt. Er fühlt sich dort zu Hause, zieht in einen Wohnwagen neben der Verenda und überlegt, wie er seiner Schriftstellerkarriere neuen Schwung geben kann. Außerdem hilft er seinem Bruder bei dem heimlichen Anbau von Marihuana, das sie insbesondere vor den Dollys (man denke an „Winters Knochen“) verstecken müssen. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Preview-Tour und Starttermin: „¡NO!“

(c) Piffl Medien

Am 7. März startet der chilenische Film „¡NO!“ in den deutschen Kinos, der zu den fünf Oscar-Nominierten in der Kategorie bester fremdsprachiger Film gehört. Chile im Jahr 1989. Diktator Pinochet lässt eine Volksabstimmung über die Fortführung seiner Präsidentschaft fortführen und alle Vorhersagen deuten darauf hin, dass er sie gewinnt. Schließlich kontrolliert er den Staat und die Medien. Dann engagieren die Führer der Opposition den Werbefachmann René Saavedra (Gael García Bernal), der unter ständiger Überwachung des Regimes und mit sehr begrenzten Mitteln eine knalle Kampagne entwickelt …

Diese laut Patrick Wellinski „wunderbar entschleunigte Satire“ ist vor dem Kinostart auf Preview-Tour in folgenden Städten:

Köln: Di., 19. Februar, Off-Broadway (OmU) sowie So., 3. März, Cinenova (OmU)
Essen: Di., 26. Februar, Filmstudio Glückauf (OmU)
München: Mi., 27. Februar, 20.30 Uhr, Studio Isabella (OmU)
Hannover: Mo., 4. März, Kino am Raschplatz (OmU).

Diesen Beitrag teilen

„Nachtzug nach Lissabon“

(c) Concorde Filmverleih

In seinem Buch „Nachtzug nach Lissabon“ erzählt Pascal Mercier von dem Lehrer Raimund Gregorius, der seit über 30 Jahren ein ruhiges Leben in Bern führt. Eines Morgens begegnet ihm eine Frau auf einer Brücke, die in ihm den Eindruck erweckt, sie wolle sich das Leben nehmen. Er spricht sie an, sie begleitet ihn – und verschwindet dann. Noch am selben Tag begibt er sich auf die Suche nach und entdeckt in einem Antiquariat ein Buch aus Lissabon. Darin schreibt Amadeu Inácio de Almeida Prado den Satz: „Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“. Daraufhin begibt sich Raimund Gregorius auf eine Reise nach Lissabon.

Als ich „Nachtzug nach Lissabon“ vor einigen Jahren gelesen habe, hat es mir sehr gut gefallen, daher freue ich mich schon auf die Verfilmung von Bille August, dessen Literaturverfilmungen mir meist ganz gut gefallen haben. Auch die Besetzung mit Jeremy Irons, Lena Olin, Charlotte Rampling und Christopher Lee lässt auf einen schönen Film hoffen.

Update: Mittlerweile habe ich „Nachtzug nach Lissabon“ gesehen und leider haben sich meine Hoffnungen nicht bestätigt. Die vollständige Kritik könnt ihr bei spielfilm.de lesen.

„Nachtzug nach Lissabon“ startet am 7. März 2013 in den deutschen Kinos.

Diesen Beitrag teilen

„Wuthering Heights“ – Neuinterpretation eines Klassikers

Heathcliff (Solomon Glave) und Cathy (Shannon Beer) als Kinder beim Spielen in der stürmischen Landschaft von Yorkshire. (c) 2012 Prokino

Der Wind weht ständig im Hochmoor von Yorkshire, er streift über die Weiten der Landschaft. Hierin bringt der Gutsherr Earnshaw (Paul Hilton) eines Nachts ein Findelkind, das er auf der Straße aufgelesen hat, und gibt dem Jungen, den er auf den Namen Heathcliff (Soloman Glave/James Howson) taufen wird, auf seinem Gutshof Wuthering Heights ein Dach über dem Kopf. Außerdem verlangt er von seinen Kindern Hindley (Lee Shaw) und Catherine (Shannon Beer/Kaya Scodelario), sie sollen ihn als ihren Bruder akzeptieren. Während Hindley ihn ablehnt, findet Cathy in Heathcliff einen Seelenverwandten. Sie genießen ihren Zweisamkeit, durchstreifen das Moor und lassen sich den Wind um die Nase wehen. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen

Media Monday #84

Zwischen all dem Schreiben und Redigieren will ich die Tradition des Media Monday weiter pflegen:

1. Adrien Brody gefiel mir am besten in „King of the Hill“ von Steven Soderbergh, da er dort noch völlig unbelastet von Image und Oscar spielt. Sehr gut hat er mir aber auch als Salvador Dalí in „Midnight in Paris“ gefallen („I see rhinozerosssss“).

2. Frank Darabont hat mit „The Shawshank Redemption“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil es ein eindringlicher Film ist. Und ich immer noch Morgan Freeman über den Hof gehen sehe.

3. Sally Hawkins gefiel mir am besten in „Happy-Go-Lucky“, in dem sie die penetrant gut gelaunte Poppy mit so viel Charme und Liebenswürdigkeit spielt. Weiterlesen

Diesen Beitrag teilen