Archiv des Autors: Zeilenkino

Brigitte Lacombe: Cinema/Theater

(c) Schirmer/Mosel

Seit fast 40 Jahren fotografiert Brigite Lacombe die großen Film-Stars Hollywoods, darunter Robert de Niro, Glenn Close, Michelle Pfeiffer, Roberto Rossellini und Jean-Luc Godard. Dabei sind ihre Aufnahmen – laut Pressetext – in „Momenten scheinbarer Intimität entstanden“, so dass sie die Akteure in anderen Posen zeigen. Bis zum 15. Juni 2013 sind die Fotografien, die während ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Martin Scorsese entstanden sind in der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin im Rahmen der Ausstellung „On Set With Scorsese“ zu sehen.

Bei Schirmer/Mosel ist der Bildband „Brigitte Lacombe: Cinema/Theater“ erschienen, der über 250 Aufnahmen enthält. Die Texte in dem Band stammen von David Mamet und Adam Gopnik.

Brigitte Lacombe: Cinema/Theater. 292 Seiten. Als Paperback 29,80 Euro.

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DVD-Kritik: „Fire with Fire“

Jeremy (Josh Duhamel) (c) Universum Home

Der großspurige Feuerwehrmann Jeremy (Josh Duhamel) rettet aus einer brennenden Bar schnell noch eine Kiste teuren Scotch und flirtet mit einer vollbusigen Brünetten, bevor er mit seinen Kollegen einen geruhsamen Abend verbringen will. Doch dann wird der Laden, in dem er kurz ein paar Knabbereien kaufen will, überfallen. Der Ladenbesitzer und sein Sohn werden von dem Gangster David Hagan (Vincent D’Onofrio) erschossen, Jeremy kann fliehen. Er ist entschlossen, Hagan ins Gefängnis zu bringen – und dafür braucht die Polizei (u.a. Bruce Willis) seine Aussage. Aber Hagan ist sehr gefährlich, also kommt Jeremy ins Zeugenschutzprogramm – und wird in den acht Monaten, die er auf den Prozessbeginn warten muss, fast zu einem anderen Menschen. Er verliebt sich in US Marshal Talia Durham (Rosario Dawson) und plant mit ihr eine gemeinsame Zukunft. Aber Hagans Männer haben ihn schon aufgespürt, verletzten seine Freundin und zeigen ihm alle ein für allemal, dass sie ihm auf den Fersen sind. Aber Jeremy lässt sich das nicht bieten und startet einen blutigen Rachefeldzug gegen Hagan.

(c) Universum Home

„Fire with Fire“ könnte ein einfacher, aber unterhaltsamer Rachethriller sein, wären da nicht die Logiklücken im Drehbuch und der beständige Versuch von Regisseur David Barrett, aus Jeremy tatsächlich einen Helden zu machen. Ein Held bräuchte allerdings edelmütigere Motive als Jeremy, der in hölzernen Dialogen stets betont, dass er ja nur die Menschen beschütze wolle, die er liebe. Deshalb werden Jeremy beständig neue Gründe für seinen Rachefeldzug gegeben: Erst will er seine Freundin retten, dann seinen Kollegen rächen und schließlich seine Freunde beschützen. Auf die Idee, dass es zu dem Töten Alternativen gäbe, kommen weder er noch wird es im Drehbuch auch nur angerissen. Vielmehr wird mit schwülstiger Musik unterlegt gezeigt, wie er sich das Blut unter der Dusche abwäscht. Weiterlesen

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Astrid Rosenfeld: Elsa Ungeheuer

Astrid Rosenfeld. Foto: Gaby Gerster (c) Diogenes Verlag

Am 26. Februar erscheint „Elsa Ungeheuer“, der neue Roman von Astrid Rosenfeld. Bereits ihr Debütroman „Adams Erbe“ hat mir gut gefallen. Darin erzählt Astrid Rosenfeld tragikomisch die Geschichte der jüdischen Familie Cohen über zwei Generationen. Mich überzeugten vor allem der schwarze Humor und die starken (Frauen-)Figuren, so dass ich mich nun auf ihren zweiten Roman „Elsa ungeheuer“ freue, der hier dank des Diogenes-Verlags bereits als Lese-Exemplar liegt.

In „Elsa Ungeheuer“ erzählt Astrid Rosenfeld von Lorenz Brauer, dem neuen Star der internationalen Kunstszene. Hinter seinem Aufstieg steckt ein Plan zweier einflussreicher Frauen. Lorenz‘ jüngerer Bruder Karl weiß von diesem Plan und den Ursprung der Bilder seines Bruders in ihrer Kindheit. Damals trat nach dem Verlust ihrer Mutter Elsa in ihr Leben. Ein Mädchen, dass keiner von beiden vergessen kann.

Zur Besprechung des Romans

Astrid Rosenfeld: Elsa Ungeheuer. Diogenes 2013.

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„Kahlschlag“ von Joe R. Lansdale

Osttexas zur Zeit der Großen Depression. An dem Nachmittag, an dem es Frösche, Flussbarsche und Elritzen regnete und ein Sturm über Camp Rapture hinwegzog, ersticht Sunset ihren Ehemann. Sie hatte es satt, ständig von ihm verprügelt und vergewaltigt zu werden. Als er wieder einmal über sie herfiel, hat sie ihn – Deputy Pete – mit seiner Dienstpistole erschossen. Erstaunlicherweise zeigt Sunsets Schwiegermutter Marilyn Verständnis für sie und schickt ihren prügelnden Ehemann selbst in die Wüste. Doch nicht nur das: Nun braucht Camp Rapture einen neuen Deputy und Sägewerksbesitzerin Marylin verwendet ihren ganzen Einfluss als größte Arbeitgeberin der Region, um Sunset zur Nachfolgerin zu machen. Mit dem verwahrlosten Clyde und dem gerade erst in Camp Rapture angekommenen Hillbilly als Gehilfen nimmt Sunset die Arbeit auf – und ist schon bald in einen Mordfall verwickelt, in dem sie selbst zur Hauptverdächtigen avanciert.

(c) Golkonda

In seinem Roman „Kahlschlag“ setzt sich Joe R. Lansdale wie so oft in seinen Büchern mit den Themen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Armut auseinander. Mit lakonischer Sprache erzählt er von der Gefahr, die Männer in Frauen sehen, die an ihren eingefahrenen Geschlechtsbildern rütteln, und in Afroamerikanern, die erfolgreich und intelligent sind. In einer einzigen Szene gleich zu Beginn macht er diese Stimmung deutlich: Nachdem Sunset benommen von der Tat und dem Sturm wieder zu sich kommt, bittet sie den Schwarzen Uncle Riley, sie zu ihrer Schwiegermutter zu bringen. Er hat Angst, dass er gelyncht wird, wenn die weißen Leute die halbnackte Sunset neben ihm sehen. Als Sunset dann noch den Revolver bei ihm lassen will, sagt er nur: „Die weißen Leute finden seine Leiche, dann sehn sie mich, und schon ist ein Nigger fällig. Wenn die dem Mr. Pete seine Waffe in meinen Wagen sehn, wo er doch Constable war, dann knüpfen die den Jungen und mich schneller auf, als wie wenn einer sagt: Schnappen wir uns den Nigger“. Weiterlesen

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Media Monday #86

Nachdem ich letzte Woche aufgrund der Berlinale pausiert habe, hier meine Antworten zum Media Monday. Das Bild stammt – wie immer und wie auch der Lückentext – von Wulf vom Medienjournal.

1. Michael Fassbender gefiel mir am besten in „Fish Tank“ – oder vielleicht doch „Shame“ oder „Jane Eyre“ oder „Hunger“. Eigentlich finde ich ihn in allen Rollen gut, bleibe aber bei „Fish Tank“, da er mir hier zum ersten Mal aufgefallen ist.

2. Wolfgang Petersen hat mit „In the Line of Fire“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil er hier die Wendungen des Plots geschickt einbaut – und es einfach ein spannender Film ist.

3. Jodie Foster gefiel mir am besten in „The Accused“. Weiterlesen

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„Tomato Red“ von Daniel Woodrell

Der Herumtreiber Sammy erwartet nicht mehr nicht viel von seinem Leben. Er ist gerade nach West Table in Missouri gezogen und hat einen Job in der Hundefutterfabrik angefangen. Am Zahltag ist er auf der Suche nach neuen Bekanntschaften und stößt auf einen Platz mit Wohnwagen und Trailern. Er schließt sich dem bunte „Haufen von Taugenichtsen“ an, trinkt mit ihnen, nimmt Speed und lässt sich schließlich zu einem Einbruch überreden. Aber seine neuen Freunde lassen ihn schnell im Stich – und so begegnet er der neunzehnjährigen Jamalee Merridew mit ihren tomatenroten Haaren und ihrem wunderschönen Bruder Jason. Sie leben mit ihrer Mutter Bev in Venus Holler, einem heruntergekommenen Viertel von West Table, und bieten Sammy den erhofften Familienanschluss: „Ich wollte immer nur dazugehören, irgendwo, und hier waren Leute, die mich wollten.“ Er zieht bei ihnen ein, nimmt alles klaglos hin und unterstützt sie in ihrem Versuch, aus Jasons Aussehen Kapital zu schlagen. Endlich fühlt er sich wohl, wenngleich er fürchtet, seine Zufriedenheit könnte nicht von Dauer sein. Und da „Tomato Red“ ein country noir ist, liegt er damit auch richtig.

West Table in den Ozarks

Big Sugar Creek in Südwest-Missouri (cc) Ozarkhighlands

West Table ist – nach „Stoff ohne Ende“ – abermals der Handlungsort in einem Roman von Daniel Woodrell. Diese Stadt, angelehnt an Woodrells Wohnort West Plains, liegt in den Ozark Mountains. Dort gibt es Familien-Clans, die sich wegen einer Marihuana-Ernte gegenseitig umbringen, Crystal-Meth-Küchen, Armut, korrupte Polizisten und dumme Reiche. Dass „Tomato Red“ aber trostloser ist als „Stoff ohne Ende“, liegt vor allem an dem Erzähler Sammy. Er hat vor einiger Zeit entschieden, dass er nicht mehr versuchen wird, sein Leben zu verbessern und er hat auch keine Ziele. Weiterlesen

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Berlinale 2013 – Tag 5 und 6

Allmählich breitet sich leichte Müdigkeit, außerdem vermisse ich Zeit zum Lesen. Nachdem ich am fünften Tag (bei spielfilm.de nachzulesen) vor allem im Wettbewerb unterwegs war, freute mich am Dienstag auf die Veranstaltung „Books at Berlinale“. Dort werden im Rahmen eines Frühstücks bei dem Co-Production Market zehn Bücher vorgestellt, deren Verfilmungsrechte verkauft werden sollen. Darunter waren von Stephan Thomés „Fliehkräfte“ bis hin zu einer Graphic Novel unterschiedlichste, die von den jeweiligen Verlagen und Agenturen kurz vorgestellt wurden. Einige konnte ich mir tatsächlich sehr gut vorstellen – und ich bin gespannt, ob ich in ein paar Jahren eines dieser Bücher auf der Leinwand sehen werde.

Rooney Mara und Channing Tatum in „Side Effects“(c) Berlinale

Danach ging es weiter mit einem der Filme, auf den ich mich im Vorfeld der Berlinale sehr gefreut habe: „Side Effects“ von Steven Soderbergh. Und Mr. Soderbergh hat mich nicht enttäuscht, sondern einen eleganten, sehr gut geplotteten und wendungsreichen Thriller über Medikamente, die Frage der Schuld und die Finanzkrise gedreht. Meine ausführliche Besprechung ist bei kino-zeit.de nachzulesen.

Leider war die Dokumentation „Gut Renovation“, die ich im Anschluss gesehen habe, nicht so begeisternd. Su Friedrichs dokumentiert darin die Gentrifizierung in Williamsburg, Brooklyn, in dem sie ausführlich den Abriss der Fabrikgebäude und Neubau teurer Apartmenthäuser zeigt. Aufgrund des Themas kam der Film bei Teilen des Berliner Publikums sehr gut, es war sogar ein Sprecher eines Anti-Gentrifizierungsbündnisses aus Kreuzberg anwesend. Doch so nachvollziehbar die Empörung auch ist: von einem Dokumentarfilm erwarte ich mehr.

Nach den zwei Filmen war dann auch schon Schluss, stattdessen ging es ich lecker essen und Wein trinken. Das muss ja auch mal sein.

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