Schlagwort-Archiv: Kritik

Krimi-Kritik: „Falscher Ort, falsche Zeit“ von Walter Mosley

Alphonse Rinaldo schlägt niemand einen Wunsch ab. Er ist einer der einflussreichsten Menschen in New York, residiert an einem geheimen Ort und lenkt die Geschehnisse der Stadt. Doch nun bittet er den Privatdetektiv Leonid McGill um einen Gefallen: Er soll nach einem verschwundenen Mädchen zu suchen. Als er an dem erwähnten Ort auftaucht, stößt er mitten in eine Mordermittlung und sieht sich abermals mit New Yorker Polizisten konfrontiert, die ihn zu gerne hinter Gittern bringen würden. Das ist jedoch nicht der einzige Fall, mit dem sich Leonid McGill in „Falscher Ort, falsche Zeit“ auseinandersetzen muss: Er versucht außerdem noch, seinem ehemaligen Opfer Ron Sharkey zu helfen, dem eigentlich nicht zu helfen ist – und sein Lieblingssohn Twill will mit seinem leiblichen Sohn Dimitri einen Frauenhändlerring bekämpfen, der Dimitris Freundin Tatjana nicht gehen lassen will.

Kampf gegen die Vergangenheit und mit der Gegenwart

Im Grund genommen aber erzählt Walter Mosley in dem zweiten Band seiner Leonid-McGill-Reihe von dem Leben des Privatdetektivs, von seinen Versuchen, ein sauberes Leben in einer heruntergekommenen Welt zu führen. Erzogen von einem kommunistischen Vater sind Leonid und sein jüngere Bruder Nikita mit revolutionären Parolen aufgezogen worden und so schwer es Leonid auch fällt, seinem Vater zu verzeihen, dass er die Familie verlassen hat, desto mehr muss er anerkennen, dass dessen Lehren Nachwirkung zeigen. Auch Leonid McGill ist mittlerweile ein Kämpfer – für das Gute in einer heruntergekommenen Welt. Ungerechtigkeiten muss er dafür in Kauf nehmen, aber wie schon im ersten Teil beweist er große Nehmerqualitäten. Weiterlesen

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Film-Tipp: „Dichter und Kämpfer“

(c) MFA Film

Am 6. September 2012 startet der sehenswerte Dokumentarfilm „Dichter und Kämpfer“ von Marion Hütter im Kino. Ausgehend von den deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam begleitet die Filmemacherin ein Jahr lang die vier Poetry Slammer Theresa Hahl, Sebastian23, Philipp Scharrenberg und Julius Fischer bei ihren Auftritten und in ihrem Alltag. Diese Einzelporträts lassen die Vielseitigkeit des deutschsprachigen Poetry Slam erkennen – und verdeutlichen, dass sich die einstige Underground-Kunstform auf dem Weg zum Mainstream befindet. Dadurch vergrößert sich die das Publikum und die öffentliche Wahrnehmung, aber diese Entwicklung wird nicht von allem Slammern gerne gesehen – und führt letztlich auf die alte Frage des Verhältnisses von Kunst und Kommerz zurück.

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Hier ein Blick auf den Trailer:

Eine längere Besprechung des Films habe ich für die August-Ausgabe des Magazins BÜCHER geschrieben.

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„Rampart“ – Der Niedergang eines Cops

Officer Browns Übergriff (c) Ascot Elite

Acht Jahre nach dem brutalen Übergriff auf Rodney King wird Officer Dave Brown (Woody Harrelson) gefilmt, wie er einen Verdächtigen zusammenschlägt. Unter normalen Umständen würde das LAPD diesen Skandal aussitzen, aber Officer Brown gehört zu der Rampart-Einheit, auf die Vorwürfe der Korruption und Gewalt nur so einprasseln. Deshalb wird er damit nicht durchkommen – obwohl seine Kollegen auf seiner Seite stehen und er aufgrund einflussreicher Freunde vorerst seine Arbeit behält.

Officer Brown (c) Ascot Elite

Vor dem Hintergrund des Rampart-Skandals inszeniert Oren Moverman weniger einen Kriminalfilm denn eine Charakterstudie. Officer Dave Brown ist eine aussterbende Spezies Polizist, der überzeugt ist, dass das Ziel, die Straßen sicherer zu machen, jedes Mittel heiligt. Deshalb verprügelt er Verdächtige, schiebt Beweise unter und lässt sich Gefälligkeiten erweisen. Er war mit zwei Frauen (Cynthia Nixon, Anne Heche) verheiratet, die Schwestern sind, hat jeweils eine Tochter mit einer Frau, lebt aber mittlerweile nur noch auf einem Grundstück mit ihnen. Die Fassade der Familienwelt bröckelt, vor allem seine älteste Tochter (Brie Larson) hat längst durchschaut, dass ihr Vater ein gewalttätiger Mann ist. In einer eindrucksvollen Szene wirft sie ihm vor, er sei ein Rassist, Sexist, Chauvinist und Homophober. Er kontert diese Vorwürfe lediglich mit der Frage, wie lange sie ihre Rede geübt habe. Dadurch wird das ganze Ausmaß von Ramparts Abgestumpfheit deutlich, die er mit Tabletten, Alkohol und Sex zu kompensieren sucht. Aber sein Leben entgleitet ihm: seine Ex-Frauen wollen ihn aus dem Haus haben, seine Töchter wollen die Wahrheit wissen – und auch ein Ermittler der Staatsanwaltschaft (Ice Cube) hat ihn an der Angel. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Manhattan Karma“ von Walter Mosley

(c) Suhrkamp

Leonid McGill ist ein in die Jahre gekommener Privatdetektiv. Einst hat er für die New Yorker Mafia schmutzige Geschäfte erledigt, mittlerweile wurde er von seinem Gewissen heimgesucht und will ein sauberes Leben führen. Aber eine Vergangenheit lässt sich nicht einfach so abschütteln – und Klienten, die ohne mit der Wimper zu zucken, Ermordungen in Auftrag geben, lassen sich nicht abwimmeln. Eines Tages, davon ist Leonid McGill überzeugt, werden sie ihn töten. Aber bis zu diesem Tag versucht er, sein Bestes zu geben – und für seine vergangenen Taten zu büßen. Daher nimmt er bleibt er bei seiner Ehefrau, die ihn einst für einen wohlhabenden Banker verlassen hat, der sich abgesetzt und sie zurückgelassen hat – und verzichtet auf das Glück mit seiner Geliebten. Das ist seine Sühne. Und er versucht um jeden Preis zu verhindern, dass die kriminellen Neigungen seines Lieblingssohnes Twill ihn in den Abgrund ziehen. Dann bekommt er den vermeintlichen harmlosen Auftrag, für einen Kollegen aus Albany vier Männer in New York aufzuspüren. Er erledigt seinen Job – und kurze Zeit später sind drei von ihnen tot. So viel Schaden, stellt er fest, hat er noch nicht einmal angerichtet, als er noch für die Mafia arbeitete.

Leonid McGill – Ein Nachfolger Philip Marlowes und Lew Archers
Mit „Manhattan Karma“ beginnt eine Krimi-Serie von des Amerikaners Walter Mosley, der einst von Bill Clinton als einer seiner Lieblingsautoren bezeichnet wurde. Berühmt wurde er mit einer Reihe um den Privatdetektiv Easy Rawlins, der in Los Angeles in den 1940er bis 1960er Jahren ermittelt. Der erste Teil, „Devil in a Blue Dress“ (dt. „Teufel in Blau“) wurde mit Denzel Washington in der Hauptrolle verfilmt. Diese Reihe endete vorerst mit „Blonde Faith“.

Mit Leonid McGill hat Walter Mosley nun einen zweiten Privatdetektiv geschaffen, der wie Easy Rawlons in der Nachfolge von Raymond Chandlers Philip Marlowe und Ross MacDonalds Lew Archer steht, aber in dem heutigen New York ermittelt. Es entsteht ein beträchtlicher Reiz durch diesen scheinbaren Widerspruch, der zwischen diesen Welten liegt. Von Seite zu Seite wird deutlich, dass der hardboiled-Detektivalltag auch ins heutige New York gehört – und die Verflechtungen zwischen Macht, Geld und Verbrechen nicht nur im Los Angeles der 1930er Jahre zu finden sind. Nicht zufällig erinnert die Schlussszene in einem großen New Yorker Wohnhaus an das Treibhaus in Raymond Chandlers „The Big Sleep“ – und zu guter Letzt muss McGill auch ein unschuldiges reiches Mädchen retten. Weiterlesen

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Jack Foley kehrt zurück – „Road Dogs“ von Elmore Leonard

(c) Suhrkamp

Am Ende von „Out of Sight“ wurde Jack Foley von Karen Sisco ins Gefängnis gebracht. Einen Ausbruchsversuch später sitzt Jack Foley immer noch im Gefängnis und seine Lage scheint ausweglos: 30 Jahre muss er noch absitzen. Dann lernt er den reichen Kubaner Cundo Rey (bekannt aus „La Brava“) kennen und sie werden zu den titelgebenden „road dogs“: „Das war so ein Knastding. Wenn man nicht zu einer der Gangs gehörte, für die alle anderen automatisch Feinde waren, tat man sich zusammen“ und hielt einander den Rücken frei. Mit Cundos Hilfe und Geld findet Jack Foley eine Anwältin, die aus seinen 30 Jahren eine Strafe von ein paar Monaten macht, die Foley bereits abgesessen hatte. Also wird er entlassen. Selbst in der Freiheit sorgt Cundo weiterhin für ihn: Er besorgt ihm einen gefälschten Führerscheint und erlaubt ihm, in einem seiner Häuser in Venice zu wohnen. Foley nimmt diese Großzügigkeit an, befürchtet aber, dass Cundo irgendwann eine Gegenleistung von ihm verlangen wird. Weiterlesen

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Eine mutige Prinzessin – „Merida – Legende der Highlands“

(c) 2012 Disney/Pixar

„Brave“ – so der Originaltitel des Films „Merida – Legende der Highlands“ – ist Prinzessin Merida (gesprochen von Nora Tschirner) allemal: Mutig streift sie mit ihren feuerroten Haaren durch die schottischen Highlands, klettert auf hohe Felsen, trinkt von Wasserfällen und schießt meisterhaft mit ihrem Bogen. Sie ist eine selbständige junge Dame, die sehr genau weiß, was sie will. Daher kann sie auch nicht verstehen, warum sie sich mit einem der Söhne der Clans verloben soll – wie es sich für eine Prinzessin gehört. Sie will ein selbstbestimmtes Leben führen. Aber Meridas Mutter Elinor besteht darauf, dass ihre Tochter die Tradition befolgt. Daraufhin ersinnt Merida einen Ausweg, der ihre Familie und das Königreich fast in eine Katastrophe führt.

(c) 2012 Disney/Pixar

(c) 2012 Disney/Pixar

„Merida – Legende der Highlands“ aus dem Hause Pixar ist ein Film, der vor allem visuell herausragend ist. Schon nach wenigen Minuten ist der Zuschauer in die mythische Welt der schottischen Highlands mit ihren Legenden und Sagen eingetaucht. Die Landschaft mit ihrem Hügeln, Wäldern und Wasserfällen wirkt beinahe echt, die Irrlichter sind magisch schön, Meridas Haare springen widerspenstig und natürlich um ihren Kopf – einzig die Gesichter und Proportionen bleiben weiterhin eine Konzession an die Animationserwartungen. Dagegen sind die Tiere (insbesondere die Bären) aufgrund ihres Fells und ihrer Bewegungen so realistisch, dass es für kleinere Kinder in manchen Szenen vielleicht etwas zu gruselig sein könnte – wenngleich Meridas drei kleine Brüder für viele Lacher sorgen werden. Weiterlesen

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Dogma light – „Italienisch für Anfänger“ von Lone Scherfing

Andreas (Anders Berthelsen) mit Olympia (Anette Støvelbæk) (c) Studiocanal

Vertretungsweise hat Pastor Andreas (Anders W. Berthelsen, „SuperClásico“) eine Pfarrstelle in einer tristen Kopenhagener Vorstadt übernommen. Da sein Vorgänger lediglich suspendiert ist und weiterhin im Pfarrhaus wohnt, bezieht Andreas ein Zimmer in einem Hotel. Dort hat der Empfangschef Jørgen Mortensen (Peter Gantzler) gerade erfahren, dass er den Kellner Hai-Finn (Lars Kaalund) entlassen soll. Aber Hai-Finn ist seit langen Jahren sein bester Freund, sie besuchen nun sogar zusammen einen Italienischkurs von der Gemeinde, in dem Hai-Finn Frauenbekanntschaften such, während Jørgen Italienisch lernen will, um endlich die Kellnerin Giulia (Sara Indrio Jensen) anzusprechen. Diesen Kurs besucht auch die Bäckereiverkäuferin Olympia (Anette Støvelbæk), die von ihrem despotischen Vater tyrannisiert wird. Und später stößt noch die Friseurin Karen (Ann Eleonara Jørgensen) hinzu, die sich um ihre alkohol- und krebskranke Mutter kümmert. Sie alle erhoffen sich von dem Kurs eine Abwechslung von ihrem Alltag – und nach mehreren Todesfällen und Trauerfeiern reisen sie schließlich zusammen nach Italien. Weiterlesen

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