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Zum DVD-Start von „Mandela“ – Fünf Blogs, ein Interview

(c) Senator Home Entertainment

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Seit „The Wire” schätze ich Idris Elba sehr. Als ich jedoch das erste Mal hörte, dass er Nelson Mandela spielen sollte, war ich skeptisch – er erschien mir schlichtweg zu groß und zu muskulös. Aber diese Skepsis war unbegründet, er spielt diese Rolle mit Bravour, auch der Film hat mir – trotz einiger Kritikpunkte – gut gefallen.

Anlässlich des DVD-Starts von „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ bekamen BloggerInnen die Möglichkeit, Regisseur Justin Chadwick eine Frage zu stellen, so dass im Ergebnis ein kurzes Interview entstehen sollte. Die Idee fand ich interessant, außerdem war ich sehr gespannt, welche Fragen letztlich zustande kommen. Hier ist nun das Ergebnis:

Die Antworten auf die ersten beiden Fragen findet ihr bei leselink.de und kino.tv, und hier ist meine Frage:

Ein Porträt von Nelson Mandela muss sehr viele Aspekte berücksichtigen – es gibt die Person Mandela, sein Leben als Politiker und den Mythos, der er geworden ist. Wie hast Du Dich dem überlebensgroßen Nelson Mandela genähert?

Justin Chadwick: Drehbuchautor William Nicholson und ich haben uns sorgsam einem ganzheitlichen Porträt genähert. Ich habe ein Storyboard von dem Film entwickelt, und wir haben sehr sorgfältig ausgewählt, was in den Film kommt und gedreht wird. Dabei haben wir versucht, so ökonomisch wie möglich vorzugehen und Entscheidungen vorab zu treffen.
Jeder weiß, dass Mandelas Leben sehr schnell war und eine Dynamik hatte, die ich in dem Film haben wollte. Aber letztendlich sollte es eine Verfilmung von seiner Autobiographie “A long walk the freedom” werden, die sich mit seinem privaten und politischen Leben von der Zeit seiner Präsidentschaft ist.

Weiter geht es mit Teil 4 bei Filmfutter und Teil 5 bei Die Nacht der lebenden Texte.

„The Act of Killing“ – Ein Interview mit Joshua Oppenheimer

Im Jahr 1965 taok_poster_no_date_web wird die indonesische Regierung vom Militär aus dem Amt geputscht. Daraufhin töten in weniger als einem Jahr von den Militärs beauftragte Todesschwadrone mehr als eine Million vermeintliche Kommunisten, Indonesier chinesischer Herkunft und Intellektuelle. Bis heute wird über diese Massenmorde nicht gesprochen – die Täter leben nicht nur unbehelligt, sondern verehrt und gefürchtet inmitten der Bevölkerung, sie haben politische Ämter inne und rühmen sich ihrer Taten.

In seinem Dokumentarfilm „The Act of Killing“ lässt Joshua Oppenheimer einen der Täter von damals – Anwar Congo – seine Taten schildern und nachinszenieren. Bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck habe ich mich mit Joshua Oppenheimer getroffen.

Ich fange mit einer Frage an, die Du vermutlich schon hunderte Male beantwortet hast: Wie bist Du auf die Geschichte von „The Act of Killing“ gestoßen?

Ich kam nach Indonesien im Jahr 2001, um mit Christine Cynn einen Film über Arbeiter auf einer Ölpalmen-Plantage in belgischem Besitz zu drehen, die nach Ende der Suharto-Diktatur eine Gewerkschaft gründen wollten. Sie liegt ungefähr 60 Meilen von der Stadt Medan. Die Arbeiter brauchten unbedingt eine Gewerkschaft, da sie gezwungen wurden, ohne Schutzkleidung ein Herbizid zu versprühen, das ihre Leber angreift und tödlich wirken kann. Aber sie hatten Angst, eine Gewerkschaft zu gründen, weil ihre Eltern und Großeltern in einer Gewerkschaft waren und deshalb 1965 beschuldigt wurden, dass sie kommunistische Sympathisanten seien – nur weil sie in einer Gewerkschaft waren – und getötet wurden. Nun hatten die Arbeiter Angst, das würde wieder geschehen. Weiterlesen

Ein Interview mit James Sallis

Zum Erscheinen seines Buches „Driver 2“ habe ich mit James Sallis für das Magazin BÜCHER ein Interview via E-Mail geführt, aber ich konnte leider nicht alles in dem Beitrag verwenden. Deshalb teile ich die nicht verwendeten Abschnitte des Gesprächs nun hier mit– und habe ich mich nach langem Überlegen entschieden, meine Übersetzung zu veröffentlichen. Falls Ihr aber großes Interesse an dem englischen Original habt, hinterlasst einen Kommentar, dann setze ich es bei Interesse noch an den Beitrag.

James Sallis (c) Karyn Sallis

Sie schreiben Romane, Gedichte und Essays – Wie wählen Sie die jeweils passende Form aus?
Ich werde sehr ruhig und höre zu. Das Material – die Bilder, der Rhythmus, die Sprache – werden mir sagen, was sie sein wollen.

Welche Vorteile hat Kriminalliteratur?
Erzählerisch greift der Autor auf eine Vorlage (Verfehlung, Vergeltung) zurück, die mit unserer DNS verkettet zu sein scheint, diese Archetypen und Metafiktionen, die hinter all unseren Mythen liegen. Auf einer tieferen Ebene ist der Detektiv tapfer bemüht, Kausalität herzustellen und Vernunft in Bereichen zu entdecken, in welchen sie abwesend erscheinen. Eine Ordnung soll wieder hergestellt werden.

Warum sind Ihre Protagonisten meist gebrochene Charaktere?
Weil wir alle gebrochene Charaktere sind. Weil ich mich als Schriftsteller am meisten für die Kanten, die Grenzen interessiere, für die Ränder dessen, was wir denken, wir wissen, die Dunkelheit über dem Lagerfeuer. Weiterlesen

Verfilmung: „Die Einsamkeit der Primzahlen“

Heute läuft der Film „Die Einsamkeit der Primzahlen“ in den deutschen Kinos an. Die Verfilmung von Paolo Giordanos gleichnamigem Bestseller wird sicherlich manchen begeisterten Leser des Romans überraschen, vielleicht sogar enttäuschen. Denn der Film isteine sehr eigenständige Interpretation der Geschichte von Mattia und Alice, in der insbesondere die Rolle von Alice eine erweiterte Bedeutung erfahren hat. Bei diesem Film hat mich insbesondere die Umsetzung des Romans in den Film interessiert, daher habe ich für
die August-Ausgabe des BÜCHER-Magazins ein Interview mit Paolo Giordano und dem Regisseur des Films, Saverio Costanzo, geführt, die das Drehbuch zu dem Film gemeinsam geschrieben haben. Weiterlesen

Interview: Enrique Angeleri über „La mosca en la ceniza“

Heute ist im Frauenmagazin ava mein Interview mit Enrique Angeleri erschienen, dem Produzenten des Films „La mosca en la ceniza“ und Witwer der im November 2010 verstorbenen Regisseurin Gabriela David. Leider konnte ich nicht das Interview in voller Länge verwenden, aber auf einige interessante filmspezifische Aspekte, über die wir gesprochen haben, möchte ich nicht verzichten.

Nancy und Pato (c) IFFF Dortmund|Köln

Der Film erzählt ja von den Freundinnen Nancy und Pato, die mit falschen Versprechungen nach Buenos Aires gelockt werden und dort in einer Wohnung in einer durchschnittlich-bürgerlichen Gegend zur Prostitution gezwungen werden. Dabei reagieren die Mädchen sehr unterschiedlich auf ihre neue Lage: Nancy fügt sich – und Pato trotz der Gewalt und rebelliert. Auf meine Frage, warum Nancy und Pato so verschieden reagieren, antwortete Enrique Angeleri, dass die Mädchen trotz ihrer ähnlichen Herkunft unterschiedlich seien. Außerdem beschrieb er, welche Aspekte seiner Frau, die die Drehbücher zu ihren Filmen immer selbst schrieb, besonders wichtig waren: Weiterlesen