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Skandinavische Filmtage in Bonn 2014

Zum 15. Mal finden vom 8. Mai bis 15. Mai 2014 die Skandinavischen Filmtage in Bonn statt, die Einblicke in das aktuelle Filmschaffen in Skandinavien geben möchten. Die meisten der gezeigten Filme habe ich bereits gesehen, daher möchte ich besonders den finnischen Film „Above Dark Waters“ („Tumman veden päälä“) des Regisseur Peter Franzén empfehlen, der hier einen eigenen autobiographischen Roman verfilmt hat. Diese zutiefst persönliche Geschichte über seine Kindheit zwischen einem prügelnden Vater und liebevollen Großvater erzählt er konsequent aus kindlicher Perspektive. Oft habe ich mit dieser Erzählweise SChwierigkeiten, da sie allzu oft aufgeweicht oder unterlaufen wird, Peter Franzén gelingt es aber, die Erfahrungen eines kleinen Jungen, der vom Vater misshandelt wird, so eindringlich und wahrhaftig auf die Leinwand zu bringen, dass ich mich mit diesem Kind in seiner Welt befunden habe. Dabei wird diese Liebe für den Vater, die durchsetzt ist von Angst und dem Wunsch, die Mutter und sich selbst zu schützen, sehr gut transportiert.

Freunde der ruhigen, schön fotografierten Unterhaltung werden hingegen bei dem Kostümdrama „Marie Krøyer“ auf ihre Kosten kommen, in dem Bille August von dem Leben der einst schönsten Frau Dänemarks und ihre Ehe mit dem Maler Søren Krøyer erzählt. Eine harte Gangster-Geschichte bietet „Black’s Game – Kaltes Land“ („Svartur á leik“) aus Island – und gute Unterhaltung der „Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (im Programmüberblick sind meine Kritiken verlinkt).

Schade finde ich, dass weder „Jeg er din“ noch „Nordvest“ zu sehen sind, die im letzten Jahr zu meinen skandinavischen Favoriten gehörten. Allerdings vermute ich, dass diese Filme, die weiterhin auf Festivals laufen, nicht einfach zu bekommen sind. Und wer weiß, vielleicht laufen sie ja im nächsten Jahr. Vor allem ist indes bemerkenswert, dass die Skandinavischen Filmtage seit 1999 von einer studentischen Kulturgruppe organisiert werden – und dank dieses Engagements in Bonn eine Woche lang skandinavische Filme im Original mit Untertitel zu sehen sind. Die Resonanz des Publikums ist gut, viele Vorstellungen sind schnell ausverkauft. Vielleicht ist das ja schon ein Zeichen, dass hierzulande mehr skandinavische Filme laufen sollten. 🙂

Das Programm im Überblick:

Donnerstag, 8. Mai 2014 | 20:00 | Kino in der Brotfabrik
Shed No Tears; Känn ingen sorg
Schweden 2013; 119 Minuten; OmeU – Regie: Måns Mårlind. Mit Adam Lundgren, Disa Östrand, Jonathan Andersson.

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Freitag, 9. Mai 2014 | 20:00 | Kino in der Brotfabrik
Marie Krøyer
Dänemark 2012; 102 Minuten; OmU – Regie: Bille August. Mit Birgitte Hjort Sørensen, Søren Sætter-Lassen, Sverrir Gudnason. Zu meiner Kritik – und Jens vom skandinavisches-kino.de sieht es ganz ähnlich.

Samstag, 10. Mai 2014 | 20:00 | Kino in der Brotfabrik
Kurzfilmabend

Sonntag, 11. Mai 2014 | 19:00 | Kino in der Brotfabrik
Black‘s Game – Kaltes Land; Svartur á leik
Island 2012; 104 Minuten; OmU – Regie: Óskar Þór Axelsson. Mit Þor Kristjánsson, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Damon Younger, María Birta. Zu meiner Kritik.

Montag, 12. Mai 2014 | 20:00 | Kino in der Brotfabrik
Soundbreaker
Finnland 2012; 86 Minuten; OmU – Regie: Kimmo Koskela. Mit Kimmo Pohjonen, Samuli Kosminen, Timo Kämäräinen, Kronos Quartet

(c) Concorde

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Dienstag, 13. Mai 2014 | 19:30 | LVR-LandesMuseum Bonn
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand; Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann
Schweden 2013; 114 Minuten; OmU – Regie: Felix Herngren; Mit Robert Gustafsson, Iwar Wiklander, David Wiberg, Alan Ford, Georg Nikoloff. Zu meiner Kritik.

Mittwoch, 14. Mai 2014 | 20:00 | Kino in der Brotfabrik
Above Dark Waters; Tumman veden päällä
Finnland 2013; 108 Minuten; OmeU – Regie: Peter Franzén. Mit Olavi Angervo, Samuli Edelmann, Matleena Kuusniemi, Peter Franzén.

Donnerstag, 15. Mai 2014 | 20:00 | Kino in der Brotfabrik
In Order of Disappearance
Norwegen 2014; 116 Minuten; OmU – Regie: Hans Petter Moland. Mit Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Kristofer Hivju, Birgitte Hjort Sørensen, Pål Sverre Hagen

Kinostart: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

(c) Concorde

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Zugegeben: Jonas Jonassons Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hat bei mir keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Sicher ist die Ausgangsidee unterhaltsam. Wann liest man schon einmal von einem Mann, der an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altenheim flieht, einen Koffer voller Geld an sich bringt, mit einer illustren Truppe die Flucht antritt und noch dazu in seiner Vergangenheit mit Franco gegessen, Truman getrunken, Stalin Gedichte rezitiert und Mao verblüfft hat? Aber die Ideen des Romans wurden durch zu viele Wiederholungen und vor allem einen allzu dominanten Erzähler zermürbt, außerdem finde ich die Episoden eines einfachen Gemüts, das durch die Weltgeschichte irrt, seit „Forest Gump“ nicht allzu originell. Insgesamt war mir das sehr erfolgreiche Buch zu glatt, zu lang und am Ende viel zu kitschig. Doch nun hat Felix Herngren aus diesem Roman mit Mut und einer guten Portion derbem Humor ein sehr unterhaltsames Road Movie gedreht, in dem er nahezu allen Kritikpunkten begegnet, und trotz einiger Schwächen in bester skandinavischer Komödientradition etwas derb unterhält. Meine ausführliche Kritik ist bei kino-zeit.de erschienen, außerdem ist in der aktuellen BÜCHER ein Interview mit Felix Herngren zu lesen. Der Film startet morgen in den Kinos.

Trailer und Starttermin: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Am 20. März 2014 startet die Bestseller-Verfilmung „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ in den deutschen Kinos. Das Drehbuch stammt von dem schwedischen Komiker Felix Herngren, der auch die Regie übernommen hat.

(c) Concorde

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Erzählt wird die Geschichte des Lebemanns Allan Karlsson (Robert Gustafsson), der an seinem 100. Geburtstag aus dem Altersheim flieht und noch einmal neu beginnen will. Aber nicht nur die Zukunft hält einige Überraschungen parat, auch in der Vergangenheit hat er bereits allerhand erlebt.