Archiv des Monats: Mai 2012

Vorschau: Tabu – Es ist die Seele eines Fremdes auf Erden

(c) Camino Filmverleih

Hatte der österreichische Lyriker Georg Trakl eine inzestuöse Beziehung mit seiner Schwester Grete? In dem sehenswerten Film „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ erzählt Regisseur Christoph Stark nach einem Drehbuch von Ursula Mauder aus Gretes Sicht von der Liebe zwischen Bruder und Schwester – und entwirft zugleich das Porträt einer leidenschaftlichen Frau.

Österreich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit ihrer Aufnahme am Wiener Konservatorium ist Grete Trakl (Peri Baumeister) nicht nur eine der wenigen Frauen, die zu dieser Zeit Musik studieren, sondern sie kann sich auch ihren großen Wunsch erfüllen und ihrem Bruder Georg (Lars Eidinger) in die Hauptstadt folgen. Sie träumt von einem Leben an seiner Seite und für einige Zeit geben sie sich allen moralischen Skrupeln zum Trotz ihrer Liebe hin. Aber sie wissen, dass ihre Liebe in Wien keine Zukunft hat – und geben sich immer mehr den Drogen hin …

Sehr gut gespielt von Peri Baumeister und Lars Eidinger ermöglicht dieser Film einen Zugang zu dem Werk Trakls und verdeutlicht zugleich, welche Bedeutung die Unerfüllbarkeit der Liebe für das künstlerische Schaffen haben kann.

Der Film startet am 31. Mai in den deutschen Kinos.

Über diesen Film habe ich für die Juni-Ausgabe des Magazins (hör)BÜCHER einen Beitrag geschrieben, in dem ich auf die verschiedenen Deutungen der Beziehung der Geschwister eingehe. Hierfür habe ich auch ein Interview mit Martin Beyer geführt, dessen Roman “Alle Wasser laufen ins Meer” eine Deutung vornimmt, die sich eng an der Biographie von Hans Weichselbaum hält.
Zur Premiere des Films am 31. Mai wird Martin Beyer im Lichtspiel in Bamberg um 19:00 Uhr aus seinem Roman lesen und über die Liebe und das Scheitern Georg Trakls erzählen. Anschließend wird im 20 Uhr der Film gezeigt.

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Eine charmante Tragikomödie: „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“

(c) Universum

Eigentlich verläuft das Leben für Adam Lerner (Joseph Gordon-Levitt) ziemlich gut: Er ist noch keine 30 Jahre alt, hat einen coolen Job und ist mit der hübschen Rachael (Bryce Dallas Howard) liiert. Dann sucht er wegen quälender Rückenschmerzen einen Arzt auf und erfährt, dass er Krebs hat. Seine Überlebenschancen stehen 50:50. Und von einem zum anderen Moment hat er nur noch ein Ziel: Er will überleben.

Seinem Drehbuch zu dem Film „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ hat Autor Will Reiser seine eigenen Erfahrungen zugrunde gelegt. Er erkrankte in jungen Jahren während er mit Seth Rogen und Evan Goldberg bei „Da Ali G Show“ arbeitete an Krebs und wurde von ihnen ermuntert, die Geschichte aufzuschreiben. In Zusammenarbeit mit Regisseur Jonathan Levine ist ihnen nun eine Tragikomödie voller leisem Humor gelungen. Weiterlesen

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„Luther“ – Die zweite Staffel

John Luther (Idris Elba) (c) polyband

Nachdem furiosen Finale der ersten Staffel beginnt die Fortsetzung mit John Luthers (Idris Elba, „The Wire) Rückkehr in den Polizeidienst. Zuvor musste er seinem neuen Chef, Detective Chief Inspector Martin Schenk (Dermot Crowley), versprechen, dass er hinter seinem Rücken keine Alleingänge unternimmt und den Kontakt zu Alice Morgan (Ruth Wilson) unterbindet. Aber wer die erste Staffel gesehen hat, weiß sehr gut, dass sich Luther an keines dieser Versprechen halten wird.

Die zweite Staffel besteht lediglich aus vier Folgen, die im ZDF – wie bei der ersten Staffel – im zusammengeschnittenen Doppelpack ausgestrahlt werden. Allerdings fällt die Spannung nicht mehr in der Mitte der jeder Folge ab, so dass die Folgen zusammengehöriger wirken. Von Anfang an wird in der zweiten Staffel zudem deutlich, dass Luther noch stärker mit seinen Dämonen ringen muss – und er sich gefährlich nah am Abgrund bewegt. Schon die Bilder spiegeln Luthers Psyche wieder: Seine Wohnung ist unpersönlich, die Täter jagt er in Hinterhöfen, dunklen Gassen und Kellern. Seine tatsächlichen Wege sind ebenso verwinkelt wie seine Gedankengänge. Daher findet sich seine Persönlichkeit stets auch in der Suche nach dem Täter wieder. Abermals ist in der zweiten Staffel stets bekannt, wer der Böse ist. Damit bleiben die Macher ihrer Hauptfigur treu, die als Mischung aus Columbo und Sherlock Holmes angelegt ist. Bei Luther ist der Weg entscheidend – und sein Kampf mit sich selbst. Weiterlesen

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