TDDL 2013 – Preisträger und Fazit des Lesens um den Bachmannpreis

Katja Petrowskaja (c) TDDL2013

Das waren sie nun, die 37. Tage der deutschsprachigen Literatur. Drei Tage saß ich stundenlang vor dem Fernseher und sprach bei Twitter und im Netz über Literatur (ein Traum!). Drei Tage lang hörte und las ich gute und schlechte Texte, interessante und langweilige Jury-Äußerungen. Mein persönlicher Favorit war Benjamin Maack, aber ich ahnte, dass Katja Petrowskaja den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen würde. Sie hat fraglos einen schönen Text geschrieben und zeigte sich hinterher im Interview als sehr bescheidene Preisträgerin, die sich mehr Kritik gewünscht und den Preis an Roman Ehrlich gegeben hätte.

Weitaus mehr hat mich überrascht, dass der kelag-Preis an Verena Güntner gegangen ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich in diesem Jahr für meine Beiträge über Lansdale und Country Noir sehr viele Coming-of-Age-Romane gelesen habe, so dass ich bei ihrem Text das Gefühl hatte, das sei doch alles schon einmal geschrieben worden. Ich hoffe, dass in ihrem Romandebüt, das im Herbst 2014 bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen wird, der bedrohliche Zug ihres Protagonisten stärker herauskommt – den diesen Aspekt fand ich sehr spannend.

Benjamin Maack bei seiner Lesung (c) TDDL13

Den 3Sat-Preis erhielt dann schließlich Benjamin Maack für seine Käfersammler-Geschichte – und Hubert Winkels nutze die Gelegenheit, ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kurzgeschichte zu halten, in das ich nur einstimmen kann: Mehr Kurzgeschichten bitte! Ohnehin hat mir dieses Jahr Hubert Winkels sehr gut gefallen. Seine Ausführungen fand ich meist sehr aufschlussreich und gerade seine Erzählanalysen waren meist sehr klug – und lehrreich. Damit hat er sich – überraschend – auf Platz 2 meiner persönlichen Jury-Shortlist vorgearbeitet, die von Daniela Strigl angeführt wird. Dahinter folgt auf Platz 3 Paul Jandl, den ich – sollte ich jemals ein belletristisches Buch schreiben – gerne als Lektor hätte. Das wären Wortgefechte!

Den Ernst-Willner-Preis erhielt Heinz Helle, dessen Roman wie der von Katja Petrowskaja im Frühjahr 2014 bei Suhrkamp erscheinen wird. Es war eine Stichwahl zwischen ihm und Roman Ehrlich, der meine Stimme erhalten hätte. Aber vielleicht spielte hier eine Rolle, dass in der arrivierten Literaturkritik Dystopien oft als weniger literarisch angesehen werden. Darauf deuteten bereits die Ausführungen von u.a. Burkhard Spinnen nach Roman Ehrlichs Lesung hin. Immerhin errang er mit seinem Text den Preis der Automatischen Literaturkritik. Den Publikumspreis erhielt – für mich überraschend – Nadine Kegele. Ihren Text habe ich gänzlich anders als die Jury gelesen und es freut mich sehr, dass er beim Publikum gut angekommen ist.

Insgesamt war es ein Jahr mit vielen guten Texten, dadurch ist es umso schöner, dass der Bachmann-Preis allen Unkenrufen zum Trotz doch fortgeführt wird. Neugierig bin ich auf die Bücher von Benjamin Maack und auf Roman Ehrlichs „Das kalte Jahr“ geworden, der Erzählungsband von Nadine Kegeler und das Buch von Verena Güntner wandern auf meine Leseliste und auch den Roman von Heinz Helle werde ich mir vormerken. Und ich freue mich schon auf das nächste Jahr!

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5 Gedanken zu „TDDL 2013 – Preisträger und Fazit des Lesens um den Bachmannpreis

  1. Atalante

    Mir erging es ähnlich wie Dir. Auch ich hätte gerne Maack oder Helle als Hauptpreisträger gesehen, gefolgt von Ehrlicher. Kaum überraschend fand ich den Sieg von Petrowskaja und auch Kegeles Publikumspreis.
    Ich erwarte jetzt gespannt die Romane und Kurzgeschichten meiner Favoriten.

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  2. Pingback: TDDL 2013 – Die Preisträger des 37. Bachmann-Wettbewerbs » Atalantes Historien

  3. Konrad Geyer

    Schöne Berichte. Ich war sehr dankbar, hier nochmal die Lesereihenfolge aufgelistet zu bekommen. Und überhaupt: Interessant. Schön geschrieben. Was Deine Jury-Shortlist betrifft, können wir uns auch einig werden. Außerdem an der Stelle noch der Hinweis auf meine „Jury in der Einzelkritik“ bei kommentarblog … Spät aber trotzdem.

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  4. Pingback: Tage der deutschsprachigen Literatur 2013 | SchöneSeiten

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