Archiv des Autors: Zeilenkino

Zu „IQ“ von Joe Ide

Der Debütroman des Amerikaners Joe Ide erzählt von dem „Detektiv ohne Lizenz“ Isaiah Quintabe, der sich mit Gefälligkeiten und kleineren Ermittlungen in Los Angeles über Wasser hält. Dann vermittelt ihm sein alter kleinkrimineller Bekannter Juanell Dodson einen „richtigen“ Auftrag: Auf den Rapper Black the Knife alias Calvin Wright wurde zu Hause durch einen Kampfhund ein Anschlag verübt, seither will er das Haus nicht mehr verlassen. Isaiah Quintabe – genannt I.Q. – soll nun für die Sicherheit des Rappers sorgen, indem er diesen Kampfhundangriff aufklärt.

(c) Suhrkamp

Damit treffen in dem sehr unterhaltsamen IQ zwei sehr verschiedene Milieus aufeinander: einerseits die schillernd-blickende Welt eines Rap-Stars mit Gangsterattitüde, viel Glamour, Attitude und BlingBling, andererseits die Realität in South Central, wo IQ und Dodson aufgewachsen sind. Hinzu kommen zwei Zeitebenen: die Gegenwart der Ermittlungen in der Killerhundattacke und ein vergangener Vorfall, bei dem IQs großer Bruder verstorben ist. Diese verschiedenen Stränge hat Joe Ide gut miteinander verbunden, zumal die Vergangenheit immer wieder für ein wenig Bodenhaftung sorgt.

Gleichermaßen gibt es in den literarischen Bezügen zwei große Anknüpfungspunkte, von denen einer bisher in der deutschsprachigen Rezeption sträflich vernachlässigt wurde: Weiterlesen

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Ein paar Sätze zu „Ruf mich bei meinem Namen“

Mein Faible für Literaturverfilmungen reicht schon ziemlich weit zurück. Wann genau es begann, weiß ich nicht, aber es war dieses Gefühl des Wiedererlebens, des erneuten Erfahrens der Geschichte aus anderer Perspektive, das mich damals dazu getrieben hat, die Bücher von Filmen zu lesen oder Filme zu sehen, deren Romanvorlagen ich schon kannte. Mit zunehmenden Alter und größerer Professionalisierung veränderte sich diese Einstellung, aber nun fühlte ich mich während der Berlinale unversehens in diesen Zustand zurückversetzt. Wegen Call me by your name. Der Film hat mich völlig unvorbereitet sehr tief getroffen – vor allem, weil er so aufrichtig und ehrlich von einer großen Liebe erzählt. Gänzlich ohne Kitsch, ohne die Haltung, alles zu wissen, sondern mit einer Mischung aus Offen- und Unsicherheit ist mitzuerleben, wie sich Elio in einem Sommer in Italien in Oliver verliebt und sich einem unendlichen Verlangen nach Nähe hingibt. Als ich dann las, dass in der Romanvorlage von André Aciman die Geschichte einen größeren Zeitraum umfasst, kaufte ich mir sofort das E-Book und fing noch während der Berlinale an zu lesen.

(c) Kein & Aber

Und was soll ich sagen: es ist tatsächlich eine Art Wiedererleben und Wiedersehen, die dieses Buch ermöglicht, verbunden mit einer noch größeren Wertschätzung des Drehbuchs von Luca Guadagnino, James Ivory und Walter Fasano, das es perfekt vermag, die schwierige Ich-Erzählhaltung als auch die Annäherung der Protagonisten umzusetzen. Dabei ist das Buch dazu eine Ergänzung: es gibt weitere Episoden in diesem einen Sommer – und es geht tatsächlich darüber hinaus. Dieses Weitergehen jedoch hat den Schmerz des Films nur noch vertieft. Es gibt nämlich auch im zunehmenden Alter keine größere Deutlichkeit und Erfüllung für Elio und Oliver, sondern es bleibt vielmehr die Erinnerung an einen Sommer und eine vollendete Liebe. Dabei fasst Aciman diese Sehnsucht, die Melancholie, dieses Parallelleben in vortreffliche Wörter und Sätze, in denen nicht alles auserzählt werden muss. Da leider immer noch offen ist, ob dieser Film seinen Weg in die deutschen Kinos findet, kann ich solange schon einmal das Buch empfehlen.

André Aciman: Ruf mich bei Deinem Namen. Übersetzt von Renate Orth-Guttmann. Kein & Aber Verlag 2008.

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Lesungstermin: Max Annas liest aus “Illegal”

(c) Rowohlt

Am 14. März 2017 liest Max Annas im Kreuzberger Wasserturm in Berlin erstmals aus seinem neuen Buch Illegal.

Karten für diese Veranstaltung gibt es in der Buchhandlung Hammett und an der Abendkasse. Weitere Lesetermine mit Max Annas sind hier zu finden.

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Schön war’s – Februar-Lesung im Mastul

Zum dritten Mal habe ich am 1. Februar mit Thomas Wörtche und Wolfgang Franßen im Mastul gelesen. Das Theme des Abends war „Gewalt“, vorgestellt wurden von Thomas Wörtche „IQ“ von Joe Ide, von Wolfgang Franßen „Zerrüttung“ von Jon Basoff und von mir Eoin McNamees „Blau ist die Nacht“.

(c) Hartl

(c) privat

Das Konzept dieser Abende ist recht einfach: Wir wollen über Kriminalliteratur reden, deshalb stellt jeder das Buch kurz vor und anschließend wird über das Buch, den Autor und über alle andere Themen, die sich ergeben gesprochen. An diesem Abend diskutierten wir somit über verschiedene Arten von Gewalt, wie sinnvoll Kategorien sein können (oder auch nicht), immer wieder über die Präferenz des Lesepublikums bei Kriminalromane und letztlich auch über die Krimikritik. Am Ende des Abends las dann Robert Rescue (Brauseboys) noch einen neuen Text.

(c) privat

(c) privat

Am 22. März geht es weiter – mit derselben Besetzung, aber anderen Büchern, wieder im Mastul (im Wedding). Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von euch in Berlin vorbeischauen würden.

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Gewinnspiel zu „Der Eid“ von Baltasar Kormákur

(c) Der Eid

(c) Der Eid

Am 9. Februar startet Baltasar Kormákurs neuester Film „Der Eid“ in den deutschen Kinos und dazu gibt es ein Bloggerspecial, bei dem unter dem Motto „So finster der Norden“ vier Blogs – darunter dieser hier – einen nordeuropäisch-düsteren Film- bzw. Serientipp veröffentlichen und ein Gewinnspiel veranstalten.

In „Der Eid“ transponiert Kormákur das Vater-rettet-seine-Tochter-Erzählmuster, bestens bekannt u.a. aus der „Taken“-Reihe mit Liam Neeson, nach Island und lässt es dadurch realistischer werden (meine ausführliche Kritik zu dem Film ist bei kino-zeit.de zu lesen). Eine ähnliche Nähe zu bekannten Narrativen weist die hierzulande sehr wenig beachtete „Easy Money“-Trilogie um den Studenten JW (Joel Kinnaman) auf. Schon die Romanvorlagen Jens Lapidus orientieren sich im Aufbau deutlich an James Ellroys L.A. Quartett, überführen die verschiedenen Handlungsstränge aber noch Stockholm.
Im ersten Teil „Easy Money – Spür die Angst“ versucht der aus einfachen Verhältnissen stammende JW reich zu werden. Seinen aufwändigen Lebensstil finanziert er sich, indem er illegal Taxi fährt, aber schon bald braucht er mehr Geld, um mit den Oberen der Gesellschaft mitzuhalten. Von einem besseren Leben träumt auch der Dealer Jorge (Matias Padin Varela), der sich nach einem letzten Coup nach Südamerika absetzen will. Der serbische Killer Mrado (Dragomir Mrsic) braucht ebenfalls Geld, weil er sich mit seiner Tochter Lovisa nach Serbien absetzen will. Ein spektakuläres Drogengeschäft führt diese drei Hauptfiguren nun zusammen.
Im Verlauf des Films verbinden sich immer mehr scheinbar lose Fäden zu von Regisseur Daniél Espinosa und Drehbuchautorin Maria Karlsson geschickt aufgebauten Handlungssträngen, die zusammen mit der Handkamera und den schnellen Schnitten ein gutes Tempo vorgeben. Vor allem ist dieser Film aber eine wohltuende Ausnahme inmitten der skandinavischen Thriller mit depressiven Kommissaren und düster-grauer Bildgestaltung. Die Polizei spielt kaum eine Rolle, jedes Milieu wird mit eigenen Farben gezeichnet. Es gibt es hier keine Ganovenehre, Freundschaft oder Vertrauen. Vielmehr ist jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Insgesamt ist „Easy Money – Spür die Angst“ ein empfehlenswerter Thriller, der Lust auf die beiden Fortsetzungen macht.

Weitere Tipps findet ihr bei:

Der Cineast.de
Kino7.de
Filmtogo.net

Gewinnspiel
Zum Kinostart von „Der Eid“ werden drei Pakete mit jeweils einem Poster zu „Der Eid“, einer Kinofreikarte für „Der Eid“ und eine DVD von „101 Reykjavik“ verlost.

(c) Studiocanal

(c) Studiocanal

Der phlegmatische Hlynur lebt in den Tag hinein – und noch bei seiner Mutter. Als die lesbische Spanierin Lola seine Mutter für einige Tage besucht, ist es mit dem schönen Leben vorbei. Nach einem One-Night-Stand ist Lola schwanger und will das Kind gemeinsam mit Hlynurs Mutter aufziehen …
Das Regiedebüt des isländischen Schauspielers Baltasar Kormákur ist zugleich die Anti-Coming-of-Age-Geschichte eines Mannes, der sich weigert erwachsen zu werden, und das Porträt seiner Heimatstadt Reykjavik. Mehr infos unter: www.arthaus.de/101_reykjavik-arthaus_collection

Schreibt einfach bis zum 19. Februar 2017 eine Mail an norden@pureonline.de – dort werden die Gewinner ausgelost und benachrichtigt. Viel Glück!

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KrimiBestenliste Februar 2017

Seit Januar wird von Tobias Gohlis begründete Krimibestenliste in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Deutschlandradio Kultur herausgegeben und deshalb erscheint sie zwar weiterhin Anfang des Monats, aber nicht mehr am Donnerstag, sondern am ersten Sonntag.

Die Platzierungen sehen wie folgt aus:

(c) Scherz

(c) Scherz

1 (4) Tana French: Gefrorener Schrei (Fischer Scherz)
2 (-) Jerome Charyn: Winterwarnung (Diaphanes)
3 (-) Paul Mendelson: Die Straße ins Dunkel (Rowohlt)
4 (2) Liza Cody: Miss Terry (Ariadne)
5 (-) André Pilz: Der anatolische Panther (Haymon)
6 (-) Bernhard Aichner: Totenrausch (btb)
7 (1) Patrick McGinley: Bogmail (Steidl)
8 (6) Joe Ide: IQ (Suhrkamp)
9 (-) Mark Douglas-Home: Sea Detective – Ein Grab in den Wellen (Rowohlt)
10 (-) Les Edgerton: Der Vergewaltiger (Pulpmaster)

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Hartl & Behn: Hidden Figures, Live by Night & Die irre Heldentour des Billy Lynn

Gewissermaßen ein Literaturverfilmungsspecial haben Beatrice und ich diese Woche gedreht – wir reden über die Repräsentation von Frauen, Ben Affleck und eine allzu zahme Satire.

https://www.youtube.com/watch?v=tUvzALPNlXw

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