Bald in Cannes – „Driver“ von James Sallis

(c) Liebeskind Verlag

Driver kann nichts außer einem: Autofahren. Aber das kann er richtig gut, deshalb ist er schon im Alter von 16 Jahren von seinen Adoptiveltern abgehauen, hat sich nach Hollywood durchgeschlagen, ruhig auf seine Chance gewartet und schließlich den Durchbruch als Stuntfahrer geschafft. Sobald aber etwas anderes als Autos in sein Leben tritt, wird es kompliziert: Durch eine Frau wird er Fahrer bei Überfällen – und gerät immer tiefer in den Schlamassel. Denn der Roman beginnt in einem Motelzimmer, in dem Driver schwer verletzt mit einer Tasche voller Geld und zwei Leichen festsitzt. Nun muss er aus dieser Situation herauskommen, und es entspinnt sich eine Verfolgungsjagd, die vornehmlich im Kopf des Protagonisten stattfindet.

Diese von dem amerikanischen Schriftsteller und Drehbuchautor James Sallis schnörkellos, aber unglaublich elegant erzählte Geschichte hat mich von der ersten Seite an gepackt. Man wird hineingeworfen in diese Geschichte und kann das Buch nicht aus der Hand legen. Vielmehr musste ich es in einem Atemzug lesen – und würde es jederzeit ein weiteres Mal lesen. Die Geschichte schreitet durch den geschickten Wechsel zwischen Rückblenden und der Gegenwart in einem rasanten Erzähltempo voran, denn für Driver ist das Leben nur „eine lange Abfolge von Ereignissen, die nicht so liefen, wie man es sich ursprünglich vorgestellt hatte“. Diese Ereignisse schildert der Erzähler fast teilnahmslos, aber gerade dieser reduzierte Erzählstil – und in „Driver“ steht wahrlich kein Satz zu viel! – lässt eine unfassbar dichte Atmosphäre entstehen, in der die kompromisslose Handlung ihren Lauf nimmt. Es ist ein ungewöhnlicher, aber umso empfehlenswerter amerikanischer Kriminalroman, der mich jetzt schon neugierig auf weitere Werke von James Sallis macht!

Dieser schlichtweg brillante Kriminalroman wurde von Nicolas Winding Refn verfilmt und wird im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes laufen. Die Hauptrolle spielt Ryan Gosling, darüber hinaus ist der Film mit Christina Hendricks und Carey Mulligan vielversprechend besetzt.

Update: In Cannes wurde der Film positiv aufgenommen: Er sei „atmosphärisch dicht“ und gehöre zu den Filmen, die man gesehen haben muss. Nino Klinger betont: „Refn hat sich mittlerweile als einer der aufregendsten Regisseure, die noch im engeren Sinne als Genrefilmemacher zu begreifen sind, etabliert“. Auch die Jury in Cannes hielt Nicolas Winding Refn Regie für preiswürdig.Und als deutscher Starttermin steht der 26. Januar 2012 fest!

Hier schon einmal ein Blick auf den Red Band Trailer:

Ein Gedanke zu „Bald in Cannes – „Driver“ von James Sallis

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