Ich mag Jahresrückblicke. Ich lese sie gerne, ich mache sie gerne – mir hilft es, mich zu sortieren und vor allem auch mir noch einmal vor Augen zu führen, was in einem Jahr alles so geschehen ist.
Im Dezember habe ich mich daher mit Thomas Wörtche getroffen und wir haben über unser Krimi-Jahr 2025 gesprochen. Nachhören lässt sich das mit einem Klick im Blog oben in der rechten Seiteleiste, unter diesem Link und bei allen gängigen Podcatchern.
Außerdem habe ich auch wieder an dem großen Jahresrückblick im CrimeMag teilgenommen, um die 80 Autor*innen machen dort mit. Sobald alles online ist, werde ich es verlinken. Hier erst einmal mein Rückblick:
„Alle Forschungsreisen beginnen mit einer Tasse Tee.“ (Iida Turpeinen: Das Wesen des Lebens)
„If you go bonkers on Orkney, they fly you out.“ The Outrun
„You think your pain and your heartbreak are unprecedented in the history of the world, but then you read“ (James Baldwin)
Vorhaben für 2026: Wirklich jedes Zitat aufschreiben, das ich gut finde.
**
Mein Krimi-Highlight lese ich – wie ich nun weiß – bereits im Januar: „Sing mir vom Tod“ von Ivy Pochoda. Kompromisslos, knallhart, konsequent – ich kann kaum ihr nächstes Buch erwarten.
Größte Krimi-Entdeckung: Eliza Clark. „Boy Parts“ fand ich vor allem als Diskurskrimi interessant und vielversprechend. „Penance“ zeigt, dass die Erwartungen berechtigt sind: Ein Kriminalroman, den ich unglaublich gerne gelesen habe, spannend, süffig und clever gemacht – und zugleich stecken in ihm sehr viele kluge Einsichten zu True Crime, Teenagern, Mobbing, Einsamkeit, nordenglische Küstenstädte, Brexit und der britischen Klassengesellschaft.
Bestes Sachbuch: „Some People Need Killing“ von Patricia Evangelista hat mich schwer begeistert. Sie schreibt über den Drogenkrieg Dutertes auf den Philippinen – und denkt über den Zusammenhang dreier Dinge nach, die mich zuverlässig sehr interessieren: Geschichte, Gewalt und Grammatik.
**
Ich schaue wieder mehr Filme. Vor allem alte, vor allem die, die mich interessieren. Und seit ich regelmäßig einige Zeit außerhalb Berlins verbringe, möchte ich noch anmerken: Wir leben hier im OmU-Kino-Paradies.
Liebste Serie: Fast hätte ich „Pørni“ wegen des Titels ignoriert, dann war ich krank und dachte „was soll’s“. Und habe vier Staffeln einer klugen, warmherzigen und sehr rührenden Serie gesehen. Apropos: Wer noch immer nicht „Somebody Somewhere“ geschaut hat, hole das bitte nach. In diesem Jahr mein Rettungsanker – und eine klügere Serie über Trauer und Freundschaft kenne ich nicht.
Beste TV-Sendung: Die zweiteilige Arte-Sendung „TikTok, die mächtigste App der Welt“ (weiterhin in der Mediathek). Wer verstehen will, warum die Welt gegenwärtig tickt wie sie tickt, sollte sich diese Zeit nehmen. Stichwort: „Kognitive Kriegsführung“. Wird uns in Zukunft vermutlich noch weiter beschäftigen.
**
Schönste Entdeckung (mit Dank an sTW): Die costasiella kuroshimae oder auch Leaf-Sheep – auf deutsch die Blatt-Schaf-Schnecke – sieht nicht nur aus wie sie heißt, sondern sie frisst bevorzugt Algen und Seegras. Die verdaut sie aber nicht, sondern verleibt sich deren Chloropaste ein und ist eines der wenigen Meerestiere der Welt, das Photosynthese betreiben kann. Hier gibt es entzückendes Foto von ihr.
Bester Sportmoment: Die NBA-Playoffs 2025. Die Knicks spielen in der ersten Runde sechs Spiele die Pistons. Die letzten vier Begegnungen werden jeweils durch einen Wurf entschieden – Spiel vier gewinnen die Knicks sogar mit einem Punkt Unterschied. Und das in einer Sportart, in der regelmäßig über 100 Punkte geworfen werden. Mehr Dramatik geht nicht. Wer keinen Basketball guckt, der hat keine Ahnung, wie lang zehn Sekunden sein können! In der nächsten Runde holen sie gegen die Celtics zweimal einen 20-Punkte-Rückstand heraus und schmeißen sie aus dem Turnier. Danach geht es gegen die Pacers – über sieben Spiele, dann scheiden sie aus. Ich bin seit über 30 Jahren Knicks-Fan – und sag mal so: Ich bin froh, dass es nach 25 Jahren wieder bergauf geht.
Interessanteste Spracheinsichten: Die Hummel heißt auf Plattdeutsch Plüschmors. Was noch ein bisschen niedlicher wird, wenn man bedenkt, dass „mors“ Hintern bedeutet. Und im Finnischen gibt es keine Zukunft. Es gibt Möglichkeiten, zukünftige Vorhaben auszudrücken, aber keine eigene Zeitform. Ob das der eigentliche Grund ist, weshalb Finnland immer zum glücklichsten Land der Welt wird?




