lit.Cologne 2012 – „Hier ist nur Blut, Herr Komissar. Ein literarisches Gemetzel“

Die Halle füllt sich langsam

Gestern war ich das erste Mal in meinem Leben auf der lit.Cologne. Dabei wohne ich nun auch schon einige Zeit im Rheinland. Aber im letzten Jahr war ich erst auf der Leipziger Buchmesse, außerdem waren meine Wunsch-Veranstaltungen dann schon ausverkauft. Dieses Jahr habe ich schnell zugegriffen und war daher gestern beim „literarischen Gemetzel“ in der Lanxess-Arena. Laut Ankündigung sollte es ein Abend mit viel deutschsprachiger Kriminalliteratur werden, außerdem sollte das WDR-Rundfunkorchester mitwirken.

Das WDR-Rundfunkorchester

Mit Musik begann dann auch der Abend. Das Orchester spielte ein Arrangement aus Titelmelodien bekannter deutscher Krimiserien wie „Der Kommissar“ und „Tatort“. Diese Mischung hat mir auch bei den Lesungen im Bonner Polizeipräsidium immer gut gefallen, daher war es ein vielversprechender Auftakt. Anschließend betrat ein gut gelaunter Frank Schätzing die Bühne, der insgesamt souverän durch den Abend führte. Er war sich für fast kein Wortspiel zu schade und hatte einige nette Pointen.

Danach betrat das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr die Bühne, das seinen Auftritt mit dem alten „Du hast nicht verkleidet“-Gag begann und das Publikum mit einigen wohl gesetzten Spitzen gegen den Fußball des 1. FC Köln unterhielt. Der folgende Teil über die Übersetzungen ihrer Werke war dann weniger gelungen, bedauert habe ich aber vor allem, dass sie nicht aus einem ihrer Kluftinger-Krimis gelesen haben. Ich habe noch nie etwas von ihnen gelesen, daher hätte ich mir gerne einen Eindruck von dem Stil verschafft. Stattdessen präsentierten sie einen Kurzkrimi, der eine Parodie auf den typischen Regionalkrimi sein sollte. Auch hier arbeiteten sie mit Perücken und wechselnden Rollen, was mir persönlich ein wenig zu albern war. Außerdem beschleicht mich dann immer der Verdacht, dass mit Kostümierungen – also mit der Show – von Schwächen im Text abgelenkt werden soll. Aber ihr Auftritt ist zumindest bei einem Großteil der anderen Zuschauer, die in meinem Unterrang-Block saßen, gut angekommen. Und wie ich mittlerweile weiß, sind sie auch dafür bekannt, dass ihre Lesungen eher Krimi-Comedy-Shows sind.

Matthias Brandt liest

Danach folgte ein recht langer Vorlese-Teil mit Claudia Michelsen und Matthias Brandt. Sie lasen Texte von Friedrich Glauser und Petra Hammesfahr, einen Auszug aus einem Krimi von Frank Göhre und schließlich einen Auszug aus Jörg Juretzskas „Rotzig und Rotzig“ sowie Anne Chaplets „Schneesterben“. Unterbrochen wurden die einzelnen Lesepassagen durch weitere Arrangements des WDR-Rundfunkorchesters, in denen sie mit James-Bond-Titelmusiken oder auch Melodien von „Die Straßen von San Francisco“ und „Rockford“ eine wunderbare Abwechslung schufen. Dieser Teil hat mir persönlich am besten gefallen. Beiden konnte ich gut zuhören, wobei ich es insbesondere bei Matthias Brandt auffällig fand, dass er mit recht vielen Gesten vorliest.

Abschließend trat dann der Autor auf, weswegen wohl ein Großteil der Zuschauer gekommen ist: Sebastian Fitzek. Sein Auftritt wurde mit einem kurzen Filmchen eingeleitet, in dem Fitzek angeblich von seinem Verleger gefoltert wird, um sein nächstes Skript fertig zu bekommen. Mir war es ein bisschen zu viel, aber auch hier glaube ich, dass es bei vielen anderen gut angekommen ist. Bei seinem Auftritt hat er mal wieder bewiesen, dass er auf der Bühne sehr souverän ist. Er hat viel über seine Bücher erzählt, einen Trailer zu der Verfilmung von „Das Kind“ präsentiert und sogar noch eine weitere Action-Einlage auf der Bühne hingelegt. Das war schon viel Show.

Claudia Michelsen liest

Der gestrige Abend lässt sich tatsächlich als Krimi-Event beschreiben, wobei es für mich fast schon ein wenig zu viel Show war. Daher hätte es für mich ausgereicht, etwas vorgelesen und erzählt zu bekommen und dazwischen das wunderbare Orchester zu hören. Insgesamt aber war der Abend erstaunlich unterhaltsam und abwechslungsreich. Außerdem hat das „literarische Gemetzel“ über 4000 Zuhörer in die Lanxess-Arena gelockt. Da lässt es sich auch fast verschmerzen, dass ich meine obligatorische Veranstaltungs-Brezel nicht mehr bekommen habe. Denn die waren schon recht früh ausverkauft.

Und heute Abend geht die LitCologne mit der Lesung von Arne Dahl auf dem Literaturschiff für mich weiter.

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