Die Brücke II – Transit in den Tod

(c) ZDF; Carolina Romare

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Über ein Jahr nach dem Ende der ersten Staffel setzt die „Die Brücke II – Transit in den Tod“ ein: Ein Schiff rammt die Öresund-Brücke, von der Besatzung fehlt jede Spur, stattdessen befinden sich fünf betäubte Jugendliche an Bord. Da drei der Jugendlichen aus Dänemark kommen, erscheint eine Zusammenarbeit der Dänen und Schweden notwendig, also wendet sich Saga Norén (Sofia Helin, „Zurück nach Dalarna“) erstmals nach dem Tod seines Sohnes an ihren dänischen Kollegen Martin Rohde (Kim Bodnia, „In einer besseren Welt“). In der Zwischenzeit ist einiges passiert: Saga zieht gerade mit ihrem Freund zusammen und ist gewillt, eine Beziehung zu versuchen. Martin wohnt von seiner Frau getrennt und versucht weiterhin, den Tod seines Sohnes zu verarbeiten.

Weiterentwicklung der Charaktere

(c) ZDF; Carolina Romare

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Bereits in der ersten Staffel waren die Hauptfiguren der größte Pluspunkt der Serie und hier knüpft die Fortsetzung überzeugend an. Martins Selbstsicherheit und seine Überzeugung, alles im Griff zu haben, wurden durch die Ermordung seines Sohnes erschüttert. Seither fühlt er sich von dem inhaftierten Täter Jens (Lars Simonen) verfolgt, findet aber keinen Ausweg – und auch die Therapie scheint ihm nicht zu helfen. Dann begegnet er Saga wieder, die ihn gemäß ihrer Art genauso behandelt wie vorher und er bemerkt, wie gut er sich dadurch fühlt. Deshalb bricht er die Therapie ab und glaubt schon bald, eine bessere Methode gefunden zu haben: Er will an den Polizisten in Jens appellieren, damit dieser an seinen Schuldgefühlen sein Leben lang trauert. Dadurch wird er Stück für Stück wieder zu dem früheren Martin, schlägt sorglos alle Warnungen in den Wind. Jedoch ist früh insbesondere durch das Verhalten seiner Ehefrau zu ahnen, dass der Weg zurück in das Familienleben weitaus schwieriger sein wird.

(c) ZDF; Carolina Romare

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Auch die Grundidee zur Weiterentwicklung von Saga ist gelungen: Das Zusammenleben mit ihrem Freund stellt sie vor große Schwierigkeiten, fleißig liest sie Beziehungsratgeber, jedoch sind ihre Bemühungen, sich mit ihrem Verhalten der Umwelt anzupassen – bspw. über Scherze zu lachen – manchmal verstörend, oft aber komisch. Hier schlittern die Autoren haarscharf daran vorbei, sie zu einer Lachnummer werden zu lassen. Das verhindern vor allem die letzten beiden Folgen der Staffel, in denen immer mehr Emotionen auf sie einprasseln, und die großartige Sofia Helin. Vor allem bleibe ich durch diese zweite Staffel skeptisch, ob ich Saga tatsächlich einfach damit erklären möchte, dass sie das Asperger-Syndrom hat (siehe Kommentare zu Staffel 1). In der Serie wird es nicht benannt, sicher deuten ihre schnelle Kombinationsgabe und ihr Wissen darauf hin, aber sie ist als brüchiger Charakter viel zu faszinierend, als dass ich sie einfac mit einem Etikett versehen möchte, das scheinbar alles erklärt. (Hierzu äußert sich Sofia Helin auch in einem Interview)

Der Fall

(c) ZDF; Carolina Romare

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Neben den Hauptfiguren ist natürlich auch der Fall wichtig. Hier dreht sich anfangs alles um eine Gruppe von Öko-Terroristen, die durch Anschläge mit Pestbakterien und anderen Erregern auf Umweltverschmutzung und ähnliche Verbrechen aufmerksam machen wollen. Die Identität der ersten vier Attentäter kennt der Zuschauer schnell, hier ist es schade, dass nicht alle vier Überzeugungstäter sind, sondern zwei mehr oder weniger zur Mitarbeit gezwungen werden. Würden sie aus Überzeugung handeln, hätten sich andere Themen ergeben (wie z.B. „The East“ eindrucksvoll zeigt), so bleibt es bei einer traurigen Geschichte über einen Jungen, der letztlich ohne großen Bruder aufwachsen wird. Dennoch hat mir insgesamt der Verlauf gefallen: Nachdem der Fall anfangs klar gesellschaftspolitisch angelegt ist, folgt mit hinzukommen Nebenhandlungen – meist kommentarlos begonnen – eine Wendung ins Private und im finalen Akt zurück ins Gesellschaftspolitische. Sicher sind es insgesamt viele Wendungen, die oft auch relativiert werden, aber letztlich fügt sich alles gut zusammen.

Das Ende

(c) ZDF; Carolina Romare

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Im Gegensatz zu letzten Staffel, bei der die letzte Folge eine Katastrophe war, ist den Serienmacher dieses Mal ein guter und mutiger Schluss gelungen. Dass der Fall durch eine Volte wieder im Politischen landet ist bereits gut, dass es noch einen weiteren Mann im Hintergrund gibt, der gar nicht enttarnt wird, noch besser. Dieser Schluss lässt viele Möglichkeiten für eine Fortsetzung offen und erscheint zudem realistisch: Bei einem Terrornetzwerk ist der Täter schwieriger zu fassen, je höher er in der Hierarchie steht.

Die größere Überraschung hängt jedoch mit Martin zusammen. Nachdem alles so gelaufen ist, wie er sich gewünscht hat, und er in der ihm eigenen Überheblichkeit sogar in Sagas Vergangenheit geschnüffelt hat, um ihr zu helfen, muss er einsehen, dass seine Ehe endgültig gescheitert ist. Dadurch wird er aus der Bahn geworfen und muss zudem erkennen, dass damit auch alle andere Besserungen obsolet geworden sind. Als dann Jens tot in seiner Zelle gefunden wird, ahnt Saga, dass Martin dahinter stecken könnte. Und so endet die Staffel damit, dass er wegen Mordes verhaftet wird. Dieses Ende lässt einigen Raum für Spekulation. Auf der einen Seite würde Saga Martin nicht verhaften lassen, wenn sie keine Beweise hätte, außerdem betont sie ihm gegenüber auch, dass sie wisse, dass er der Täter sei. Damit hätte Martin eine ähnliche Entwicklung durchlaufen wie Jens, der nach dem Tod seines Sohnes auch zum Mörder wurde (wenngleich er weitaus mehr Menschen getötet hat). Außerdem würde es seinem Charakter auch eine düstere Seite hinzufügen, die bisher nicht zu vermuten war. Auf der anderen Seite könnte ich mir aber vorstellen, dass Martin vorhatte, Jens zu ermorden – deshalb hat Saga die entsprechenden Beweise gefunden –, es letztlich aber nicht getan hat. Damit stünde dann nach einer Aussprache auch einer weiteren Zusammenarbeit nichts mehr im Wege. Gespräche über eine dritte Staffel laufen jedenfalls bereits.

Am 2. Mai erscheint die zweite Staffel bei Edel:Motion auf DVD und Blu-ray.

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6 Gedanken zu „Die Brücke II – Transit in den Tod

  1. Maria Lopez

    Ich fande die Serie sehr interessant, nun beim letzte Folge konnte nicht richtig verstehen, wer ist der misteriose Mann die hinter alles steckt..
    Ich dachte war der Haupt Kommissar die der Ermittlung leitet, passt aber nicht ganz…
    Weiß jemand die Antwort.?
    Danke,

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    1. Zeilenkino Beitragsautor

      Hallo Maria,
      ich habe Deinen Kommentar mal hierher verschoben, weil er sich ja auf die zweite Staffel bezieht. Also: Der Mann, der hinter den ganzen Anschlägen steckt, wird am Ende nicht enttarnt, sondern bleibt unbekannt. Hier kann man nur spekulieren, ob er irgendwie schon vorher aufgetaucht ist.

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  2. Jens

    Danke für Deine Besprechung. Du hast die Staffel viel positiver bewertet, als ich erwartet habe. 🙂
    Ich fand die Handlung dieses Mal insgesamt nicht so überzeugend. Besonders die vielen Zufälligkeiten in den Figurenbeziehungen sind unglaubwürdig (die Schwester der Gipfel-Organisatorin ist Verlegerin des Täters und pimpert mit dem Callboy, der auch die Hauptrednerin beglückt, welche das inzestuöse Objekt der Begierde ihres Bruders, also des Täters, ist… wir sind hier doch nicht bei der „Lindenstraße“.)
    Viel ärgerlicher ist aber die Entwicklung der Saga. Die ständige Betonung und Ausreizung ihrer emotionalen Mängel macht sie nicht lächerlich, sondern zur mit Abstand unsympathischsten Figur der Serie. Du hast damit recht, dass es sich in der letzten (Doppel-)Folge etwas ändert, aber das ist viel zu spät. Bis dahin hatte ich jedes Interesse an der Figur verloren. In der ersten Staffel war Saga noch ein großer Pluspunkt. Aber spätestens bei der dritten unsensiblen Befragung eines Opfers/Zeugen/Verdächtigen, ist auch dem letzten klar geworden, dass sie nicht zu Empathie fähig ist. Man muss das nicht noch acht weitere Male in deckungsgleichen Szenen wiederholen.
    Und dass es das ZDF bislang noch bei jeder Serie mit episodenübergreifenden Handlungssträngen geschafft hat, die von den Autoren vorgesehene Struktur und Rhythmus zu zerstören, treibt mir ohnehin jedes Mal aufs Neue den Blutdruck in die Höhe – hier mal wieder 5 Doppel- statt 10 Einzelfolgen, um den Zuschauer bloß nicht zu lange zu belästigen. 🙁

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    1. Zeilenkino Beitragsautor

      Die Wiederholung der Szenen hat mich auch sehr gestört, allerdings habe ich sie dadurch nicht als unsympathisch empfunden. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass ihre Figur dadurch mehr erklärt werden soll, so dass sich der Zuschauer besser mit ihr abfinden kann.

      Die Änderung der Folgenstruktur ist mir dieses Mal insbesondere bei den ersten Folgen aufgefallen, dort kommen so viele Änderungen innerhalb „einer“ Folge, dass es fast unglaubwürdig wird. Allerdings fand ich es in den letzten beiden Folgen weniger störend.

      Und die Nebenhandlungen: Dass scheint so eine Eigenart von Hans Rosenfeldt zu sein, deshalb war für mich die spannendste Frage stets, wie dieser Handlungsstrang denn nun mit der Haupthandlung in Verbindung stehen könnte. Schön und geschickt geht anders, ja. 🙂

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  3. Rolf Majaranta

    Sehr interessante Seite, mein Kompliment. nun meine Frage zu DVD-Serien. Habe Die Brücke I genossen, II soeben bestellt, die 3 Teile Kommissarin Lund genossen, von HomelandI und II völlig begeistert. Nun suche ich mehr von dieser Qualität, was ist zu halten von Serien wie „der Adler“ … „Protektors“ habe Zweifel, ob sich diese Serien lohnen. gibt es andere DVD Tipps ?

    vielen Dank für Infos und Gruss aus der Schweiz

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    1. Zeilenkino Beitragsautor

      Weder mit „Der Adler“ noch mit „Protektors“ bin ich richtig warm geworden, allerdings lag es bei ersterer auch an dem Ausstrahlungsrhythmus im Fernsehen, der gar nicht zu meinen damaligen Sehgewohntheiten passte.

      Muss es denn unbedingt eine Krimiserie aus Skandinavien sein? Ansonsten würde ich ja die tolle poltitische Serie „Borgen“ empfehlen – oder als amerikanische Krimiserie die meiner Meinung nach beste Serie aller Zeiten, „The Wire“. Und ein Blick lohnt auch „Hatufim“, das israelische Original zu „Homeland“.

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