Archiv des Autors: Zeilenkino

KrimiZeit-Bestenliste Juni 2016

Hier ist sie, die KrimiZeit-Bestenliste für Juni:

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

1 (1) Simone Buchholz: Blaue Nacht (Suhrkamp)
2 (9) Dominique Manotti: Schwarzes Gold (Ariadne)
3 (-) Olen Steinhauer: Der Anruf (Blessing)
4 (10) Gerald Kersh: Die Toten schauen zu (Pulp Master)
5 (-) Christian Roux: Der Mann mit der Bombe (Polar)
6 (4) Ahmed Mourad: Vertigo (Lenos)
7 (6) James Lee Burke: Mississippi Jam (Pendragon)
8 (-) Andrea Fischer Schulthess: Motel Terminal (Salis)
9 (-) Ulrich Ritzel: Nadjas Katze (btb)
10 (-) Christine Lehmann: Allesfresser (Ariadne)

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Kino-Tipp – „Outside the Box“ und „Der Nachtmahr“

Es wird ja sehr gerne pauschal über das deutsche Kino geurteilt, dass es langweilig sei. Vorhersehbar. Dröge. Am Donnerstag sind jedoch zwei Filme angelaufen, die zeigen, das deutsches Kino aufregend sein kann. Lustig. Und innovativ. Deshalb erfolgt an dieser Stelle die Empfehlung, sich den Coming-of-Age-Horror-German-Angst-Film „Der Nachtmahr“ und sehr bissige Businesssatire „Outside the box“ anzusehen. Damit möglichst viele sehen, dass der deutsche Film eben doch mehr als Schweiger-Schweighöfer ist.

Selbst habe ich die Filme nicht besprochen, daher verweise ich an dieser Stelle auf die geschätzten Kollegen Joachim Kurz und Harald Mühlbeyer: „Outside the Box“ und „Der Nachtmahr“

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Krimi-Kritik: „Schwarzes Gold“ von Dominique Manotti

Auf dem Filmfest München lief im vorigen Jahr „La French“ (mittlerweile unter „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ auch auf DVD erschienen), in dem Jean Dujardin die „French Connection“ bekämpft, mittels der Heroin über Marseille in die USA geschmuggelt wird. Ich habe mir dann – gewissermaßen als Fortsetzung – noch einmal „French Connection“ von William Friedkin angesehen, der zwar rund 14 Jahre Jahre älter, aber spannender ist. Und zufällig waren diese Filme die perfekte Vorbereitung für „Schwarzes Gold“ von Dominique Manotti.

(c) Ariadne

(c) Ariadne

Ausnahmsweise beginne ich mal mit einem Wort zum Cover. Fast bin ich geneigt zu glauben, die grundsätzlich schwarze Covergestaltung der Ariadne Kriminalromanreihe habe nur auf diesen Buchtitel gewartet. Ein schwarzer Fleck auf dem schwarzen Hintergrund, der Autorinnenname wie immer weiß, der Titel dann orange-gold und hinzu kommt ein gleichfarbiges Lesebändchen. Sehr schön – und ebenso makellos schlicht wie das Äußere des Buches ist, geht es im Inneren weiter.

Mit „Schwarzes Gold“ geht Dominique Manotti im Marseille des Jahres 1973 an den Anfang der Karriere von Commissaire Théodore Daquin, um von den Anfängen einer kriminellen Verbindung zu erzählen, die noch heute Bestand hat. Dabei nutzt sie die Ereignisse um die „French Connection“ als Ausgangspunkt, um nicht über Drogen, sondern über Erdöl zu erzählen.

Trotz der kurzfristigen Ermittlungserfolge gegen den Drogenhandel wird alles in Marseille weiterhin von den alten Seilschaften aus korsischer Mafia, Marseiller Gangstern, korrupter Polizisten und Politiker bis in die höchsten Kreise bestimmt. In diesem Geflecht aus Geschäftsverbindungen, Feind- und Freundschaften ist der Pariser Daquin ein Außenseiter, der sogleich die Auswirkungen zu spüren bekommt. Sein erster Fall – tödliche Schüsse auf zwei Passanten – wird von dem zuständigen Ermittlungsrichter als Folge eines Bandenkrieges abgetan. „Wenn die Banditen sich gegenseitig umbringen wie in dem Fall, über den wir sprechen, schert die anständigen Leute das wenig. Sie fühlen sich nicht bedroht“. Also soll er lediglich die Identität der Opfer herausfinden, damit die Polizei den Bandenkrieg weiter nachvollziehen kann. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Blaue Nacht“ von Simone Buchholz

„Blaue Nacht“ ist das erste Buch, das ich von Simone Buchholz gelesen habe. Und diese Information ist wesentlich für das Folgende, sie begründet den einzigen Aspekt dieser Kritik, der vielleicht nachteilig bewertet werden könnte – es von mir aber nicht wird: Ich hatte anfangs leichte Schwierigkeiten, einen Überblick über die Personen zu behalten. Aber das lag – wie gesagt – ganz allein an mir, denn nach zwanzig, dreißig Seiten war ich mittendrin im Hamburg von Chastity Riley.

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Chastity Riley ist Staatsanwältin in Hamburg, allerdings wurde sie als „Opferschutzbeauftragte“ aufs Abstellgleis geschoben, nachdem sie einen Vorgesetzten der Korruption überführt und einem Gangster seine „Kronjuwelen“ weggeschossen hat. Aber sie nimmt die Situation hin, sucht Opfer von mutmaßlichen Gewaltverbrechen auf und hält sich so bedeckt wie es ihr möglich ist. Das neuste Opfer ist ein Mann, dem fast alle Knochen gebrochen wurden und der Zeigefinger der rechten Hand abgeschnitten wurde (augenscheinlich wussten die Täter nicht, dass er Linkshänder ist. Riley soll sich um ihn kümmern, den Fall aufklären soll sie nicht, macht sie aber trotzdem. Und damit kommt sie einem Drogendeal auf die Spur, der Crystal Meth und Krok ins Land bringen soll. Weiterlesen

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Krimi-Kritik: „Hades“ von Candice Fox

Manche Bücher sind ein Höllenschlund, der sich öffnet und einen hineinzieht. Teilweise sogar mit so viel Raffinesse, dass man es beim Lesen gar nicht sofort bemerkt, sondern erst, wenn man das Buch ausgelesen und zugeklappt hat.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

„Hades“ beginnt mit einem finster-guten Kapitel, in dem Hades – Herrscher über die Müllkippe und der Mann, an den man sich wendet, wenn man etwas verschwinden lassen will – ein Bündel erhält, in dem eine Kinderleiche zu stecken scheint. Danach wechseln Zeit und Perspektive: „Als ich Eden Archer das erste Mal erblickte, hielt ich mich für einen glücklichen Menschen“, erzählt Cop Frank Bennett, der gerade seiner neuen Partnerin bei der Mordkommission begegnet ist. Bald lernt er ihren Bruder Eric kennen, der dort ebenfalls arbeitet und eindeutig das Sagen auf dem Revier hat. Alle kuschen vor ihm. Aber Frank setzt sich tapfer zur Wehr, versucht Eden besser kennenzulernen, denn immerhin ist sie hübsch und seine Partnerin. Er ist ein hardboiled-Erzähler, der aber schon bald merkt, dass Eden – wie man so schön sagt – nicht seine Liga ist, ohne zu ahnen, wie weit entfernt sie von ihm ist. Oder auch nicht. Denn Candice Fox versteht es, mit Genreregeln zu spielen, sie genau so weit zu treiben, dass sowohl Kenntnis als auch Distanz zu spüren ist. Daher ist Eden nicht einfach unerreichbar, sondern sie lebt nach eigenen Regeln und einer eigenen Moral. Weiterlesen

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Gastspiel: CrimeMag im Mai 2016

Heute ist die neue Ausgabe des CrimeMag erschienen, die dieses Mal den Namen Monatsmagazin mehr als verdient hätte. Zu lesen sind u.a. im Klassiker-Check zu Eric Ambler fünf Beiträge zu den “Masken des Dimitros”, zwei Perspektiven auf Candice Fox’ “Hades” und Dominique Manottis “Schwarzes Gold” (die demnächst auch hier besprochen werden), Frank Göhres Kolumne zu Natalia Wörner und mein Beitrag über Ule Hansens “Neuntöter” und Andreas Pflügers “Endgültig”. Zum CrimeMag bitte hier entlang

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Netzschau 5

Gerade ist das Festival von Cannes – und während ich brav im Backoffice von kino-zeit arbeite, kann ich meinen Kolleg_innen beim Reden über Filme zugucken. Und besonders schön ist es, wenn sie von einem Film so begeistert sind wie über „Tony Erdmann“.

Megan Abbott hat anlässlich des Muttertages über das Filme sehen mit ihrer Familie geschrieben – und beschreibt wunderbar das Gefühl, wenn einen ein Film, den man vielleicht an anderen Tagen als rührselig beschreiben würde, so richtig packt. Weiterlesen

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