„Savages“ – Oliver Stone verfilmt „Zeit des Zorns“ von Don Winslow

(c) Suhrkamp

Ben und Chon sind beste Freunde, spielen gemeinsam Beachvolleyball und betreiben einen lukrativen Drogenhandel mit erstklassigem selbstgezüchteten Hydro-Gas. Von diesem Geld kann es sich Ben leisten, durch die Welt zu reisen und Menschen in der dritten Welt zu retten, während Ex-Navy-Seal Chon im sonnigen Kalifornien bleibt und sich um die schmutzigen Seiten des Geschäfts kümmert. Die Dritte im Bunde ist O, eigentlich Ophelia, die mit ihren Jungs eine glückliche Dreiecksbeziehung führt. Für das Trio läuft also alles bestens im sonnigen Laguna Beach. Doch dann bekommen Ben und Chon eine unmissverständliche Nachricht von dem mexikanischen Baja-Kartell: Wenn sie ihre Ware zukünftig nicht exklusiv und zu wesentlich niedrigeren Preisen an sie verkaufen, werden sie sterben. Anfangs weigern sich Ben und Chon und wollen einfach aus dem Geschäft aussteigen. Aber dann wird O entführt und sie haben keine Wahl.

Krimi-Kritik zu „Zeit des Zorns“ von Don Winslow
Der Drogenhandel und Kalifornien sind die Themen des Amerikaners Don Winslow, der mit seinen Kriminalromanen seit 2009 auch hierzulande sehr erfolgreich ist. Waren „Pacific Private“ und „Pacific Paradise“ noch relaxte Surferkrimis, hat er insbesondere mit „Tage des Toten“ einen fantastischen komplexen Kriminalroman über den Drogenhandel geschrieben, der in einer Reihe mit James Ellroys „Underworld USA“-Trilogie steht. In „Zeit des Zorns“ greift er nun eine Teilwelt des Drogenhandels auf und erzählt eine packende Geschichte, der alles Epische fremd ist.

In „Savages“ – so der Originaltitel des Buches – treffen wilde Menschen aufeinander, die längst in einer Parallelgesellschaft leben. Die Strafverfolgung spielt keine Rolle, der DEA-Mann Dennis fungiert lediglich als Informant. Stattdessen sind fast alle kriminell – nur manche gut und andere böse. Dabei treibt Don Winslow die konzentrierte Handlung in einem mitreißenden Rhythmus voran: auf 388 Seiten hat er ganze 290 Kapitel untergebracht, die teilweise nur aus wenigen Wörtern bestehen. Im für ihn typischen Präsens, mit Perspektivwechseln, Einwortsätzen, Ellipsen und Einschüben im Stile eines Drehbuchs oder einer Aufzählung läuft die Geschichte unausweichlich auf ihr blutiges Ende zu – und bietet daher gute Krimi-Unterhaltung.

„Savages“ – Erste Eindrücke vom Trailer
Zudem eignet sich „Zeit des Zorns“ hervorragend für eine Verfilmung: die Sympathien sind deutlich verteilt, es gibt interessante Figuren, die Handlung ist spannend, zugleich aber komprimiert. Am 11. Oktober wird nun Oliver Stones Adaption in den deutschen Kinos anlaufen, einen ersten Trailer gibt es schon:

Auf den ersten Blick ist die Besetzung recht gut gewählt, dabei überzeugt mich vor allem Blake Lively als O, die ich auch für diese Rolle genommen hätte. Sie hat mir schon in „Pippa Lee“ gut gefallen und bringt meiner Meinung nach die richtige Mischung aus Verletzlichkeit und Verführung mit. Aaron Johnson („Zeit der Trauer“, „Nowhere Boy“) und Taylor Kitsch („The Bang Bang Club) als Ben und Chon passen vom Typ ebenso wie Benicio del Toro als Profikiller Alfred. Dagegen erscheint mir Salma Hayek in der Rolle der Drogenbaronin Elena Sanchez Lauder ein wenig zu jung, allerdings deutet ja der Trailer bereits an, dass ihre Figur etwas anders als im Buch präsentiert wird. Ansonsten lässt sich über die Geschichte und die schauspielerische Leistung noch nicht allzu viel sagen, aber ich freue mich auf diese erste Verfilmung eines Romans von Don Winslow. Vielleicht wird dann ja auch „Tage der Toten“ irgendwann adaptiert. Am besten als Mehrteiler. Aber bis dahin gibt es auch schon bald ein Wiedersehen mit Ben und Chon. Don Winslow hat mit „Kings of Cool“ ein Prequel zu „Zeit des Zorns geschrieben, das im September bei Suhrkamp erscheinen wird.

Meine ausführliche Kritik zu „Savages“ ist bei kino-zeit.de nachzulesen.

3 Gedanken zu „„Savages“ – Oliver Stone verfilmt „Zeit des Zorns“ von Don Winslow

  1. Killer & Co.

    Kleine Fußnote: „Savages“ wäre nicht ganz die erste Winslow-Adaption. John Herzfeld hat schon 2007 „The Death and Life of Bobby Z“abgeliefert. Aber Stone hat immerhin noch die Chance, die erste g u t e Winslow-Verfilmung vorzulegen. 😉

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  2. Pingback: Zeit des Zorns – Drogen-Thriller von Don Winslow | blog-O-rama

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