„Tower“ von Ken Bruen und Reed Farrel Coleman

(c) Rotbuch Verlag

Zwei Autoren schreiben einen Kriminalroman – oder im Fall von „Tower“ erzählen Ken Bruen und Reed Farrel Coleman eine Geschichte aus zwei Perspektiven: Die Iren Nick und Todd wachsen zusammen in Brooklyn auf, raufen sich auf dem Schulhof, sind beste Freunde und rutschen irgendwann in die Kriminalität ab. Anfangs halten sie sich mit kleinen kriminellen Jobs über Wasser. Aber dann steigen sie in der Hierarchie der Organisation des unberechenbar-eitlem Boyle auf – mit ungeahnten Folgen.

Der titelgebende „Tower“ spielt auf den Nordturm des World Trade Center an, in dem Nicks Vater nach dem Ende seiner Dienstzeit bei der Polizei als Wachmann arbeitet. Aber letztlich bietet der 11. September hier nur einen Rahmen, der sich nicht recht um die Geschichte fügen will. Insbesondere der Epilog, der die Geschichte auf eine allgemeine Ebene heben will, ist schwach.

Ohnehin bietet der Plot nur wenig neue Elemente. Stattdessen unterhält „Tower“ vor allem durch die Umsetzung der Story. Während Nicks Episode von einem vermeintlichen Aufstieg geht, ist Todds Leben ein einziger Kampf gegen den Abgrund. Dabei fügen sich die Puzzleteile der Episoden in Nicks und Todds Leben gut zusammen, es gibt interessante Spiegelungen und Parallelen. Stilistisch können die zwei Teile deutlich Ken Bruen (Nick) und Reed Farrel Coleman (Todd) zugeordnet werden. Nicks Leben ist von einer unbändigen Wut geprägt, die sich in Bruens schroffem Stil und den vielen willensstarken Details widerspiegelt. Todd ist hingegen ruhiger, melancholischer, hierzu passt Colemans elegante Prosa, die sich eher auf das Ergründen von Seelenzuständen konzentriert. Dadurch ist „Tower“ – im Gegensatz zu beispielsweise Bruens Romanen, die er mit Jason Starr geschrieben hat – ein Buch, in dem zwei Schriftsteller zusammenwirken, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren, und es zeigt eine interessante Form der Zusammenarbeit auf.

Es ist ein sprachlicher Genuss, dieses Buch zu lesen, außerdem lädt insbesondere der Teil über Nick ein, einige Künstler wiederzuentdecken. Aufgrund der insgesamt schwachen und vorhersehbaren Geschichte bleibt „Tower“ jedoch vor allem eine stilistische Fingerübung.

Andere über „Tower“:
Krimimimi
Christian Enders

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