Schlagwort-Archiv: Verfilmung

„Deutschboden“ wurde verfilmt

(c) Kiepenheuer & Witsch

Auf dem Filmfest München 2013 wird der Dokumentarfilm „Deutschboden“ seine Weltpremiere feiern. Der Film von André Schäfer basiert auf der gleichnamigen literarischen Reportage von Moritz von Uslar, in der er von seinem dreimonatigen Aufenthalt in einer Kleinstadt im Osten Deutschlands erzählt. Von der SZ als eines der „besten Bücher über Deutschland nach der Wiedervereinigung“ bezeichnet unternimmt nun André Schäfer mit der Linse eine ‚teilnehmende Beobachtung‘. Da „Deutschboden“ bereits einen Verleih hat, wird er wohl auch in die Kinos kommen. Update: Der Film wird am 27. März 2014 in den Kinos starten.

Vorführtermine in München:
Mi. 3. Juli 2013 um 17 Uhr im Arri Kino, Türkenstraße 91, 80799 München (Weltpremiere)
Fr. 5. Juli, 22:30 Uhr, HFF Kino 1
Sa. 6. Juli, 16:30 Uhr, HFF Kino 2

„Scherbenpark“ – Starttermin und Trailer

(c) Neue Visionen

Am 21. November startet „Scherbenpark“ in den deutschen Kinos. Der Film von Bettina Blümner basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alina Bronsky, in dem sie von der 17-jähirgen Sascha Naimann erzählt, die aus Moskau nach Deutschland gekommen ist und nun mit ihren zwei Geschwistern in dem Hochaus-Ghetto Scherbenpark lebt. Aber Sascha hat viel vor: Sie will ein Buch über ihre Mutter schreiben und ihren Mord rächen … „Scherbenpark“ ist Alina Bronskys Debüt und nach Verlagsauskunft eine jener Geschichten, in denen ein unverlangt eingesandtes Manuskript Verlag und Leser gleichermaßen begeisterte. Die ersten Kritiken zu dem Film waren gut – und ich werde dann mal den Roman lesen. 🙂

Das Buch ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und als Paperback erhältlich. Und hier noch ein Blick auf den Trailer:

Ein Interview mit James Sallis

Zum Erscheinen seines Buches „Driver 2“ habe ich mit James Sallis für das Magazin BÜCHER ein Interview via E-Mail geführt, aber ich konnte leider nicht alles in dem Beitrag verwenden. Deshalb teile ich die nicht verwendeten Abschnitte des Gesprächs nun hier mit– und habe ich mich nach langem Überlegen entschieden, meine Übersetzung zu veröffentlichen. Falls Ihr aber großes Interesse an dem englischen Original habt, hinterlasst einen Kommentar, dann setze ich es bei Interesse noch an den Beitrag.

James Sallis (c) Karyn Sallis

Sie schreiben Romane, Gedichte und Essays – Wie wählen Sie die jeweils passende Form aus?
Ich werde sehr ruhig und höre zu. Das Material – die Bilder, der Rhythmus, die Sprache – werden mir sagen, was sie sein wollen.

Welche Vorteile hat Kriminalliteratur?
Erzählerisch greift der Autor auf eine Vorlage (Verfehlung, Vergeltung) zurück, die mit unserer DNS verkettet zu sein scheint, diese Archetypen und Metafiktionen, die hinter all unseren Mythen liegen. Auf einer tieferen Ebene ist der Detektiv tapfer bemüht, Kausalität herzustellen und Vernunft in Bereichen zu entdecken, in welchen sie abwesend erscheinen. Eine Ordnung soll wieder hergestellt werden.

Warum sind Ihre Protagonisten meist gebrochene Charaktere?
Weil wir alle gebrochene Charaktere sind. Weil ich mich als Schriftsteller am meisten für die Kanten, die Grenzen interessiere, für die Ränder dessen, was wir denken, wir wissen, die Dunkelheit über dem Lagerfeuer. Weiterlesen

Ein neuer Film nach Elmore Leonard

Im Zuge des Filmfestivals von Cannes kam auch die Meldung, dass sich Constantin Film vier Filmtitel gesichert hat. Darunter ist auch die Verfilmung von Elmore Leonards „The Switch“ („Wer hat nun wen auf’s Kreuz gelegt“, die bisher noch keinen Titel hat. In dem „Untitled Elmore Leonard Project“ führt Daniel Schechter Regie und es spielt im Detroit der 1970er Jahre. Dort entführen die Gangster Louis (John Hawkes) und Ordell (Yasiin Bey) Mickey (Jennifer Aniston), die Frau des korrupten Bauunternehmers Frank (Tim Robbins). Sie verlangen von ihm eine Million Dollar Lösegeld. Allerdings will Frank seine Frau nicht zurückhaben, sondern vergnügt sich lieber mit seiner Geliebten Melanie (Isla Fisher, „The Great Gatsby“).

Sehr freue ich mich darüber, dass einer meiner Lieblingsschauspieler – John Hawkes – und einer meiner Lieblingsschriftsteller zusammenkommen. Allerdings ist Elmore Leonard wohl lediglich als Produzent dabei, das Drehbuch stammt von Daniel Schechter. Außerdem bin ich auf Isla Fisher gespannt, die ich nach dem „großen Gatsby“ gerne in einer anderen Rolle sehen will.

Update: Der Film wird unter dem Originaltitel „Life of Crime“ beim Filmfestival von Toronto Premiere feiern.

James Franco hat William Faulkners „As I Lay Dying“ verfilmt

Cormac McCarthys „Blood Meridian“, James Ellroys „American Tabloid“ und William Faulkners „As I Lay Dying“ – anscheinend gibt es derzeit kaum eine Verfilmung eines amerikanischen Klassikers, an der James Franco nicht beteiligt ist. In Cannes wird nun seine Verfilmung von „As I Lay Dying“ bei „Un Certain Regard“ gezeigt, bei der er das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Hauptrolle spielt.

Als Film kann ich mir die Faulkners Geschichte einer Familie, die die verstorbene Mutter zum Familiengrab bringen will, sehr gut vorstellen. Sicherlich ist die Erzählsituation denkbar schwierig: Die Geschichte entwickelt sich in wechselnden streams of consciousness von insgesamt 15 Personen, die in kurzen Kapiteln wiedergegeben werden. Dabei werden die Figuren vor allem durch ihre Gedanken charakterisiert. Doch auch hier ist möglich, was ich mir bereits bei der Verfilmung des „großen Gatsby“ gewünscht hätte: Indem sich das Drehbuch von der Vorlage lösen und Gedanken in Szenen umwandeln, lassen sich diese Besonderheiten filmisch umsetzen. Ich hoffe jedenfalls, dass der Film auch hierzulande zu sehen sein wird.

Solange erlaubt der Trailer einen ersten Blick: Weiterlesen

Steven Uhlys „Glückskind“ wird verfilmt

Steven Uhly (c) Secession

Ach, das ist schön: Michael Verhoeven verfilmt Steven Uhlys Roman „Glückskind“, der mir sehr gut gefallen hat – und den ich mir auch gut als Film vorstellen kann. In dem Roman erzählt Steven Uhly mit sehr viel Empathie und Situationskomik von Hans D., der eines Tages ein Baby in den Mülltonnen findet und sich ihm verbunden fühlt. Zusammen mit seinen Nachbarn kümmert er sich um das Kind – und sie hoffen, durch Felicitas eine zweite Chance zu bekommen.

Der Film soll im Frühjahr 2014 vom SWR und der Maran Film GmbH realisiert werden und wird im Rahmen des FilmMittwoch im Ersten laufen. Und wer weiß: Vielleicht traut sich dann ja auch jemand an die Verfilmung von „Adams Fuge“ heran.

Der Roman ist im Secession Verlag erschienen.
Meine Besprechung von „Glückskind“ und „Adams Fuge“

„Paperboy“ von Pete Dexter

„Mein Bruder Ward war einmal berühmt.“ Mit diesem Satz beginnt Pete Dexters „Paperboy“ und er gibt sogleich den Tenor vor: Hier wird von einem erzählt, dessen Ruhm nicht dauerhaft war. Von Anfang an steuert Pete Dexters „Paperboy“ daher auf einen Abgrund zu, dessen Ausmaß sich lange lediglich erahnen lässt, aber stets im Hintergrund zu spüren ist. Dabei ist „Paperboy“ zugleich eine Parabel über das Zeitungswesen und das Verbrechen.

(c) Liebeskind

Zwei Journalisten und ein Kriminalfall
Nachdem er sein Schwimm-Stipendium verloren hat, ist Jack James – der Erzähler von „Paperboy“ – von der Universität geflogen und ins heimatliche Lately, Florida zurückgekehrt. Es ist das Jahr 1969 und Jack weiß nicht recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Also verdingt er sich als Fahrer für die Zeitungen seines Vaters W.W. Sein Bruder Ward arbeitet hingegen als Reporter für die Miami Times und hat einige Aufmerksamkeit für einen Artikel über einen Flugzeugabsturz erhalten, den er mit seinem Kollegen Yardley Achman zusammen geschrieben hat. Es heißt, Ward habe die exakten Recherchen und genauen Analysen beigesteuert, während Yardley Achman den schillernden Schreibstil habe. Für Familie James ist Ward nunmehr der Hoffnungsträger, der die liberale Familienzeitung eines Tages fortführen könnte.

Dann kehrt Ward nach Lately zurück, um sich einen vier Jahre zurückliegenden Fall noch einmal anzusehen. Weiterlesen

„Nachtzug nach Lissabon“

(c) Concorde Filmverleih

In seinem Buch „Nachtzug nach Lissabon“ erzählt Pascal Mercier von dem Lehrer Raimund Gregorius, der seit über 30 Jahren ein ruhiges Leben in Bern führt. Eines Morgens begegnet ihm eine Frau auf einer Brücke, die in ihm den Eindruck erweckt, sie wolle sich das Leben nehmen. Er spricht sie an, sie begleitet ihn – und verschwindet dann. Noch am selben Tag begibt er sich auf die Suche nach und entdeckt in einem Antiquariat ein Buch aus Lissabon. Darin schreibt Amadeu Inácio de Almeida Prado den Satz: „Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“. Daraufhin begibt sich Raimund Gregorius auf eine Reise nach Lissabon.

Als ich „Nachtzug nach Lissabon“ vor einigen Jahren gelesen habe, hat es mir sehr gut gefallen, daher freue ich mich schon auf die Verfilmung von Bille August, dessen Literaturverfilmungen mir meist ganz gut gefallen haben. Auch die Besetzung mit Jeremy Irons, Lena Olin, Charlotte Rampling und Christopher Lee lässt auf einen schönen Film hoffen.

Update: Mittlerweile habe ich „Nachtzug nach Lissabon“ gesehen und leider haben sich meine Hoffnungen nicht bestätigt. Die vollständige Kritik könnt ihr bei spielfilm.de lesen.

„Nachtzug nach Lissabon“ startet am 7. März 2013 in den deutschen Kinos.

„Wuthering Heights“ – Neuinterpretation eines Klassikers

Heathcliff (Solomon Glave) und Cathy (Shannon Beer) als Kinder beim Spielen in der stürmischen Landschaft von Yorkshire. (c) 2012 Prokino

Der Wind weht ständig im Hochmoor von Yorkshire, er streift über die Weiten der Landschaft. Hierin bringt der Gutsherr Earnshaw (Paul Hilton) eines Nachts ein Findelkind, das er auf der Straße aufgelesen hat, und gibt dem Jungen, den er auf den Namen Heathcliff (Soloman Glave/James Howson) taufen wird, auf seinem Gutshof Wuthering Heights ein Dach über dem Kopf. Außerdem verlangt er von seinen Kindern Hindley (Lee Shaw) und Catherine (Shannon Beer/Kaya Scodelario), sie sollen ihn als ihren Bruder akzeptieren. Während Hindley ihn ablehnt, findet Cathy in Heathcliff einen Seelenverwandten. Sie genießen ihren Zweisamkeit, durchstreifen das Moor und lassen sich den Wind um die Nase wehen. Weiterlesen

„Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ – Vom Buch zum Film

(c) S. Fischer

Piscine Molitor Patel, benannt nach einem französischen Schwimmbad, lebt mit seinen Eltern und seinem Bruder in der ehemals französischen Kolonie Pondicherry in Indien. Sein Vater ist Zoodirektor und Pi – so nennt er sich, um den Hänseleien seiner Klassenkameraden zu entgehen – wächst weitgehend unbeschwert auf. Während sich sein Bruder ganz dem Cricket verschrieben hat, findet Pi in der Religion und Biologie sein Zuhause. Er ist zugleich Moslem, Christ und Hindu und interessiert sich sehr für Zoologie. Unzufrieden mit den politischen Entwicklungen in Indien und aus Angst, das bisherige Leben nicht aufrechterhalten zu können, beschließt Pis Vater, nach Kanada zu gehen. Er verkauft die Zootiere, und die Familie reist mit ihnen auf einem japanischen Frachter. Eines Nachts kommt es zu einem Zwischenfall – und das Schiff sinkt. Pi findet sich mit einem Zebra, einer Hyäne, einem Orang Utan auf einem Rettungsboot wieder. Nach einigen Tagen sind nur noch der Tiger namens Richard Parker und Pi am Leben. Pi erkennt, dass er sich mit dem Tiger arrangieren muss. Hierfür muss er zum einen seine Angst überwinden, denn sein Vater lehrte ihn in einer grausamen Lektion die Gefahr dieses Tieres – und zum anderen einen Weg finden, mit Richard Parker zurechtzukommen. Außerdem warten weitere Herausforderungen auf ihn: Er braucht Nahrung und Wasser, muss Stürmen und Haien trotzen, vor allem aber darf er nicht die Hoffnung verlieren.

Erzählweise und Deutungsmöglichkeiten

Patel (Suraj Sharma) mit dem Tiger Richard Parker (c) 2012 Twentieth Century Fox

Vom Anfang des Buches „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel an steht fest, dass Pi diese Reise überleben wird, da er in Kanada einem Schriftsteller diese Geschichte erzählt. Der Schriftsteller wurde von Pis altem Freund Adirubasamy nach Kanada geschickt wurde, der ihm prophezeit hatte, durch Pis Geschichte werde er an Gott glauben. Diese Rahmenerzählung bedeutet aber noch etwas anderes: Wenn es nicht um Pis Überlebenskampf geht, dann muss die Geschichte eine weitere Bedeutung haben Weiterlesen