Oscar 2014 – Wer wird gewinnen?

Bisher habe ich mich ja mit meiner Oscar-Berichterstattung gepflegt zurückhalten, aber auf den obligatorischen „Wer wird gewinnen“-Beitrag will ich nicht verzichten. In den letzten Jahren habe ich es meist in der „wird/könnte/sollte“-Form gemacht, aber in diesem Jahr ist das Feld in vielen Kategorien so ausgeglichen und einige meiner Favoriten fehlen schon unter den Nominierten, deshalb habe ich es mir manchmal etwas leichter gemacht. (Eine Übersicht über alle Nominierten findet ihr hier.)

Film:

(c) Warner Bros.

(c) Warner Bros.

Wird gewinnen: „Gravity“
Könnte gewinnen: „12 Years a Slave“
Sollte gewinnen: „Gravity“

Diese Kategorie fällt mir sehr schwer, vor allem habe ich „Her“ bisher leider nicht gesehen. Ich schätze Spike Jonze sehr, daher vermute ich, dass mir dieser Film am besten gefallen wird – aber ich weiß es nun einmal nicht. Abgesehen von „American Hustle“ wäre ich mit jedem Gewinner einverstanden, allerdings glaube ich, dass „Gravity“ unter den Nominierten der Film ist, der langfristig das Filmemachen verändern wird.

Regie:

Alfonso Cuarón (c)  Warner Bros.

Alfonso Cuarón (c) Warner Bros.

Wird gewinnen: Alfonso Cuarón, „Gravity“
Sollte gewinnen: Alfonso Cuarón, „Gravity“
Könnte gewinnen: Steve McQueen, „12 Years a Slave“

Trost aller Sympathie für Steve McQueen, ist in meinen Augen Alfonso Cuaróns Leistung in „Gravity“ herausragend. Deshalb ist er mein Favorit.

Hauptdarsteller:

Matthew McConaughey (c) Ascot Elite

Matthew McConaughey (c) Ascot Elite

Wird gewinnen: Matthew McConaughey, „Dallas Buyers Club“
Könnte gewinnen: Bruce Dern, „Nebraska“
Sollte gewinnen: Robert Redford, „All is lost“ 😉

Diese Kategorie ist so ausgeglichen und ich bin immer noch fassungslos, dass Redford nicht nominiert wurde, dass es mir im Grunde genommen egal ist, wer gewinnt. Es sind alles typische Oscar-Rollen, allerdings hat Matthew McConaughey den Karriereschub und das Momentum auf seinerSeite. Allerdings habe ich das leise Gefühl, dass bei den vielen älteren Academy-Mitgliedern Bruce Derns „jetzt gebt mir endlich einen Preis“-Kampagne größeren Erfolg hat als bei anderen Preisen, deshalb sehe ich ihn – und nicht Leonardo DiCaprio – als größte Konkurrenz für McConaughey.

Hauptdarstellerin:

Cate Blanchett (c) Sony Pictures Classics/Merrick Morton

Cate Blanchett (c) Sony Pictures Classics/Merrick Morton

Wird gewinnen: Cate Blanchett, „Blue Jasmine“
Sollte gewinnen: Cate Blanchett, „Blue Jasmine“
Könnte gewinnen: alle anderen

Als ich „Blue Jasmine“ gesehen habe, war mein erster Gedanke, dass Cate Blanchett hierfür einen Oscar erhalten wird. Sie ist in diesem Film schlichtweg sensationell. Die Frage ist lediglich, ob ihr die Diskussionen über Woody Allen schaden. Sollte das geschehen sein, ist das Rennen sperrangelweit offen.

Nebendarsteller:

Jared Leto (c) Ascot Elite

Jared Leto (c) Ascot Elite

Wird gewinnen: Jared Leto, „Dallas Buyers Club“
Sollte gewinnen: Jared Leto, „Dallas Buyers Club“
Könnte gewinnen: Barkhad Abdi, „Captain Phillips“

Weit mehr als McConaughey hat mich Jared Leto in „Dallas Buyers Club“ beeindruckt, der im Gegensatz zu seinem texanischen Kollegen völlig in der Rolle verschwunden ist. Mich stört im Allgemeinen bei McConaughey etwas, dass seine viel und auch von mir gelobten Rollen der letzten Jahre mehr oder weniger Variationen eines Typus sind. Jared Leto spielt weniger, daher ist es für ihn vielleicht auch leichter, aber er hat mich tatsächlich umgehauen. Barkhad Abdi ist allerdings eine recht typische Oscar-Wahl: Er kam aus dem Nichts und überzeugte alle.

Nebendarstellerin:

Lupita Nyong´o (c) Tobis

Lupita Nyong´o (c) Tobis

Wird gewinnen: Lupita Nyong’o, „12 Years a slave“
Sollte gewinnen: Lupita Nyong’o, „12 Years a slave“
Könnte gewinnen: Jennifer Lawrence, „American Hustle“

Lupita Nyong’o ist in „12 Years a slave“ herzzerreißend gut, sie macht bisher bei allen Preisverleihungen eine gute Figur, deshalb kann ihr eigentlich nur noch die grenzenlose Begeisterung der Academy für Jennifer Lawrence diesen Preis streitig machen. So sehr ich Jennifer Lawrence mag, würde ich mir wünschen, sie nimmt sich erst einmal eine kleine Auszeit und folgt einem allgemeinen Rat Emma Thompsons und lebt ein wenig. Sonst wird dieser Hype kippen – und ein zweiter Oscar könnte genau das bewirken. Rein schauspielerisch wäre für mich übrigens Sally Hawkins die eigentliche Konkurrentin für Lupita Nyong’o, deren Rolle im Vergleich weitaus weniger hergibt, aus der Sally Hawkins aber unglaublich viel herausholt.

Adaptiertes Drehbuch:

John Ridley (c) Todd Wawrychuk / ©A.M.P.A.S.

John Ridley (c) Todd Wawrychuk / ©A.M.P.A.S.

Wird gewinnen: „12 Years a Slave“, John Ridley
Sollte gewinnen: „Philomena“, Steve Coogan, Jeff Pope
Könnte gewinnen: „Before Midnight“, Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke

Nicht erst seit ich die Vorlage gelesen habe, ist „Philomena“ mein heimlicher Favorit in dieser Kategorie. Das Drehbuch von Steve Coogan und Jeff Pope ist schlichtweg sehr gut – und gewinnt im Vergleich zu Martin Sixsmith‘ Buch noch mehr an Qualität. Aber das Drehbuch zu „12 Years a Slave“ das literarischste und deshalb glaube ich, es wird gewinnen.

Originaldrehbuch:

David O. Russell (c) Courtesy of Sony Pictures Releasing/Francois Duhamel

David O. Russell (c) Courtesy of Sony Pictures Releasing/Francois Duhamel

Wird gewinnen: „American Hustle“, David O. Russell
Sollte/könnte gewinnen: „Her“, Spike Jonze

Wie „American Hustle“ ausgerechnet zum Favoriten in der Drehbuch-Kategorie geworden ist, wird mir ein noch größeres Rätsel bleiben als die generelle Begeisterung für diesen Film. (Ja, ich weiß, die Dialoge! Aber mehr?). Auch sollte man Woody Allen in dieser Kategorie immer auf der Rechnung haben. Aber „Blue Jasmine“ ist erzählerisch zu konventionell, außerdem glaube ich nicht, dass er ausgerechnet in diesem Jahr persönlich einen Preis erhalten wird. Aber abgesehen davon fand ich die Ausschnitte, die ich von „Her“ kenne, sehr überzeugend und die Grundidee hinreißend, deshalb bin ich für Spike Jonze.

Dokumentarfilm:

(c) Neue Visionen

(c) Neue Visionen

Wird gewinnen: „The Act of Killing“, Joshua Oppenheimer und Signe Byrge Sørensen
Könnte gewinnen: „20 Feet from Stardom“

Nachdem „Stories we tell“ nicht nominiert wurde, ist für mich „The Act of Killing“ der klare Favorit. Allerdings ist „20 Feet from Stardom“ die thematisch ‚leichteste‘ der Nominierten und gilt laut Gold Derby auch als Favorit.

Fremdsprachiger Film:

(c) DCM

(c) DCM

Wird gewinnen: „La grande bellezza“
Sollte gewinnen: „Broken Circle Breakdown“
Könnte gewinnen: „Jagten“

Eine sehr starke Kategorie in diesem Jahr, in der ich „La grande bellezza“ leicht vorne sehe, obwohl „Broken Circle Breakdown“ der emotionalere und zugänglichere Film ist. Die spannendere Frage ist eigentlich, wie „Jagten“ das Feld verändert, der im letzten Jahr klarer Favorit geworden wäre, aber erst dieses Jahre nominiert werden konnte. Mads Mikkelsen ist bekannt in den USA, deshalb würde ich den Film noch nicht abschreiben. Auch ich habe meine „sollte“-Angabe hier einige Male verändert, da ich sowohl „La grande bellezza“ als auch „Broken Circle Breakdown“ sehr schätze – und habe mich nun für den leicht manipulativen, aber mitreißenden belgischen Film entschieden.

Kamera:

(c) Warner Bros.

(c) Warner Bros.

Wird/sollte gewinnen: „Gravity“, Emmanuel Lubezki
Könnte gewinnen: „Nebraska“, Phedon Papamichael

Die Bilder von Phedon Papamichael sind in „Nebraska“ großartig, aber die Kamera in „Gravity“ ist technisch brillant. Deshalb wird Emmanuel Lubezki gewinnen.

Schnitt:

Wird/sollte gewinnen: „Gravity“, Alfonso Cuarón, Mark Sanger
Könnte gewinnen: „Captain Phillips“, Christopher Rouse

Für mich ist „Gravity“ hier der klare Favorit, „Captain Phillips die etwas konservativere Entscheidung. Sollte „American Hustle“ aber zum Abräumer des Abends werden, gewinnt der Film auch in dieser Kategorie.

Originalsong:

Frozen (c) Walt Disney Studios

Frozen (c) Walt Disney Studios

Wird gewinnen: „Let it go“ aus „Frozen“
Könnte gewinnen: „Ordinary Love“ aus „Mandela: Long Walk To Freedom“
Sollte gewinnen: „The Moon Song“ aus „Her“

An „Frozen“ führt in diesem Jahr wohl kein Weg vorbei – selbst für U2 nicht.

Nun zu den Kategorien, in denen ich keine eigenen Favoriten habe:

Produktionsdesign:

(c) Warner Home

(c) Warner Home

„The Great Gatsby“ wird gewinnen, leichte Außenseiterchance sehe ich für „Gravity“. Aber im Zweifelfall siegt Pomp über Technik.

Kostümdesign:

Auch hier glaube ich, dass die überbordende Fülle von „Great Gatsby“ letztlich erfolgreich ist – die besten Kostüme hatte für mich in diesem Jahr nicht nur angesichts des Budgets allerdings „Dallas Buyers Club“. Aber der Film wurde nicht nominiert.

Makeup and Hairstyling

Ohne „American Hustle“ wird „Dallas Buyers Club“ hier gewinnen.

Es folgt der „Gravity“-Preisregen:

(c) Warner Bros.

(c) Warner Bros.

Originalmusik Dass „All is lost“ hier nicht nominiert ist, halte ich für skandalös. Gewinnen wird „Gravity“.
Sound Mixing: „Gravity“
Sound Editing: „Gravity“ – wenngleich es die einzige Kategorie ist, in der „All is lost“ nominiert ist.
Visuelle Effekte: „Gravity“ – wer sonst?

Zuletzt zu den Kategorien, in denen ich keinen der nominierten Filme gesehen habe, und rein nach Trailern entscheide:

Animationsfilm: „Frozen“
Kurzfilm (Animation): „Get a Horse!“
Kurzfilm (Live Action): „Helium“
Kurzfilm (Dokumentation): „The Lady in Number 6: Music Saved my Life“

Unter oscars.nils-becker.com gibt es übrigens ein schönes Twitter-Tippspiel für die Oscars, außerdem gibt es auf der offiziellen Seite wieder ein schönes Tipp-PDF zum Ausdrucken.

Und: Welches sind eure Favoriten?

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