Einige Gedanken zu „La grande bellezza“

Der Trailer ist schuld. Neunmal habe ich während der Französischen Filmtage den Trailer zu „La grande bellezza“ gesehen und jedes Mal gedacht, dass dieser Film schön sein muss. Im Hinterkopf hatte ich noch die Schwärmerei von Joachim Kurz, also habe ich gleich die erste OmU-Vorstellung in Bonn genutzt und mir den Film angesehen.

(c) DCM

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Tatsächlich passt der Trailer nahezu perfekt zu diesem wunderschönen Film über die Leere und das Nichts im Leben von Jep Gambardella (Toni Servillo). Vor 40 Jahren hat er den Roman „Apparatus Humanus“ geschrieben, seither lebt er in als Gesellschaftsreporter und -löwe in Rom. Umgeben von seinen Freunden feiert er Partys und genießt ‘la dolce vita’, doch zu seinem 65. Geburtstag und nach der Nachricht vom Tod seiner Jugendliebe nimmt ihn eine melancholische Stimmung gefangen. Fortan flaniert er durch Rom und hängt seinen Erinnerungen nach, findet kurz Halt bei einer liebenswerten Stripperin und sucht etwas Seelenheil bei einem vom Kochen besessenen Ex-Exorzisten und Kardinal. Ernsthaft ist er jedoch nicht interessiert, das Leben von dem schönen Schein zu befreien, vielmehr ist er ein Zampano mit traurigen Augen, in denen oft ein Hauch wissender Ironie aufblitzt.

Jep Gambardella (Toni Servillo) mit Stefania (Galatea Ranzi) (c) DCM

Jep Gambardella (Toni Servillo) mit Stefania (Galatea Ranzi) (c) DCM

Von Toni Servillo perfekt gespielt, verkörpert Jep das Wissen um den leeren Schein und zwingt andere dazu, es einzugestehen. In einer der besten Szene des Films entlockt er einer Performance-Künstlerin das Eingeständnis, dass alles nur Show sei – und konfrontiert seine Bekannte Stefania (Gelatea Ranzi) mit der Wahrheit über ihr Leben. Seine anderen Freunde sitzen peinlich berührt daneben, es ist zu spüren, dass sie alle ihre eigenen Lebenslügen haben. Lediglich ein junges Mädchen hat sich diesen Selbstlügen noch nicht verschrieben. Doch sie ist ein Kunstgenie und wird von ihren Eltern entsprechend vorgeführt. In einem kurzen Moment rebelliert sie, begehrt leidenschaftlich dagegen auf. Die kulturelle Oberschicht schaut zu, einzig Jeps Freundin Ramona erkennt die Traurigkeit des Mädchens, während die anderen diese Tränen als Teil der Performance verstehen. Jedoch auch dieses Mädchen fügt sich schließlich und zeigt, was es erschaffen kann.

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„La grande bellezza“ steckt voller sehenswerter Szenen, allein die Feierlichkeiten zu Jeps Geburtstag und diue folgenden Partys sind perfekt choreographiert in dem Aufeinanderprallen von Dekadenz und Trash, von Oberflächlichkeit und Wehmut. Aber Jep kann sich von Rom nicht lösen, obwohl er dessen überbordender Schönheit fast überdrüssig geworden zu sein scheint. Denn obwohl er in einer der schönsten Städte der Welt lebt, hat er die wahre Schönheit bis heute nicht gefunden.

Vielleicht ist der Film eine große imaginierte Reise, wie das vorangestellte Céline-Zitat suggeriert; vielleicht ist tatsächlich alles nur ein Trick. In jedem Fall ist Paolo Sorrentinos „La grande bellezza“ einer der schönsten Filme des Jahres.

Andere:
To the Lighthouse

Und das ist der Trailer, der mich so begeistert hat:

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5 Gedanken zu „Einige Gedanken zu „La grande bellezza“

  1. Lena

    Danke für die Verlinkung. 🙂
    Und die Umschreibung “ein Zampano mit traurigen Augen, in denen oft ein Hauch wissender Ironie aufblitzt” ist sehr schön. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass der Trailer den Film nicht gut repräsentiert, aber das ist eigentlich nicht weiter wichtig (überhaupt finde ich, Trailer werden immer schlimmer und aussageloser).

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    1. Sebastian Nebel

      Schön geschrieben über einen schönen Film.

      Der Trailer hätte mich auch nicht ins Kino gebracht, zumal selbst in den knapp zwei Minuten sooo viel durch die Synchronisierung verloren geht. Ein Unding.

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  2. caterina

    Ein fabelhafter Film und auch für mich schon jetzt eines meiner Kinohighlights des Jahres. Toni Servillo ist ein grandioser Schauspieler, den ich bereits in Il Divo und Le conseguenze dell’amore sehr schätze, zwei überaus sehenswerten Filmen, wenn man die Ästhetik von Sorrentino mag (wobei Il Divo eine gewisse Kenntnis der italienischen Politik voraussetzt, was das Vergnügen in diesem Fall ein bisschen dämpft). Ein großer Regisseur jedenfalls, ein großes Darsteller und ein großer Film!

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