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Über „Lola“ von Melissa Scrivner Love

Her name was Lola, she as a showgirl … nein, ganz falsch: Ihr Name ist Lola, aber sie ganz bestimmt kein Mädchen. Sie spielt nur das Mädchen an der Seite des Gangsters, eigentlich ist sie der Boss der Crenshaw Six in South Central, Los Angeles, einer Gang, die den Drogenhandel an ein paar Straßenecken kontrolliert. Lola Vasquez aber weiß, dass für Frauen im Drogengeschäft (und im Drogenthriller) eigentlich andere Rollen vorgesehen sind. Also bewegt sie sich im Verborgenen, sie will nicht, dass die Nachbarn wissen, wer das Sagen hat. Oder die Schwester des toten ehemaligen Bosses – und Lolas Ex-Freund –, denn dann würde sie eventuell auch ahnen, dass Lola bei dessen Tod eine wichtige Rolle gespielt hat. Doch dann verändern sich die Umstände: Ihre Crew bekommt das Angebot des regierenden Kartells, in der Hierarchie aufzusteigen, indem sie einen Drogendeal platzen lassen. Dieses Angebot kann man nicht ablehnen, aber der Deal geht schief und plötzlich sieht sich Lola allerhand widerstreitenden Interessen gegenüber – und muss nun ihre Führungsqualitäten beweisen.

(c) Suhrkamp

Melissa Scrivner Love verwendet einige Zeit darauf, dass Geflecht der Gangs, Nachbarn und Familien vorzustellen, in dem sich Lola bewegt. Dabei ist es eigentlich egal, ob sie im örtlichen Imbiss etwas bestellt oder auf einem Polizeirevier ist: Niemand glaubt, von einer zierlichen Latina gehe eine Bedrohung aus. Oft ist sie regelrecht unsichtbar, dann wieder weckt sie den Beschützerinstinkt. Denn Lola weiß, wie sie sich zu verhalten hat – sie wechselt zwischen den Rollen, zwischen den Frauentypen, die sie geben muss. Das ist raffiniert, aber eben auch Teil einer patriarchalen Gesellschaft. Erst im letzten Drittel des Buches wird Lola klar, dass sie eigentlich keine Lust mehr hat, diese Spiele zu spielen. Aber immer wird deutlich, wie sehr auch sie die verschiedenen Rollenmuster verinnerlicht hat. Weiterlesen

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