Berlinale 2013 – Von „Before Sunrise“ über „Before Sunset“ zu „Before Midnight“

Jesse und Céline in „Before Midnight“ (c) Berlinale

Aufgrund eines Redaktionsschlusses für BÜCHER und einigen tollen Aufträgen habe ich mich nicht so ausführlich auf die Berlinale vorbereitet, wie ich es eigentlich wollte. Aber ich habe es immerhin geschafft, noch „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ als Vorbereitung für „Before Midnight“ zu sehen. Zumindest „Bevor Sunrise“ habe ich damals – in den 1990er Jahren – schon einmal geguckt, hauptsächlich, weil eine Freundin von mir sehr auf Ethan Hawke stand. Ich wusste noch, dass ich den Film gut fand, konnte mich aber nicht mehr so gut an ihn erinnern. Als ich ihn nun wiedersah, war ich hingerissen von der Klugheit dieses Films.

Was bisher geschah – „Before Sunrise“ und „Before Sunset“

Falls jemand die Handlung noch nicht kennen sollte: Der Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) begegnet im Zug der Französin Céline (Julie Delpy) und überredet sie, mit ihm in Wien auszusteigen. Sie verbringen eine Nacht zusammen, ehe Jesse seinen Flieger in die USA bekommen muss. In dieser Nacht gehen sie durch Wien und unterhalten sich über das Leben und die Liebe. Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr ich mich in den Überlegungen und Ängsten der Protagonisten wiederfinden konnte – oder besser gesagt: Wie sich mein 20-jähriges Ich Ende der 1990er Jahre darin wiederfindet. Célines Überlegungen zu ihrer glücklichen Kindheit, ihr Hadern mit dem vermeintlichen Gegensatz zwischen einem Leben, das feministischen Ansprüchen genügt, und der Suche nach der großen Liebe (das dann in der Fortsetzung noch ausgeprägter ist), einfach ihre leicht neurotischen Überlegungen zum Leben im Allgemeinen.

Auch in „Before Sunset“, der von dem Wiedersehen von Jesse und Celine neun Jahre später erzählt, konnte ich mich wiederfinden, allerdings weitaus weniger. Dennoch steckt auch dieser Film voller kluger und witziger Dialoge, vor allem aber ist es Regisseur Richard Linklater zusammen mit Julie Delpy und Ethan Hawke gelungen, die Authentizität dieser Charaktere zu erhalten. „Before Sunset“ endet damit, dass Jesse seinen Flieger verpasst und in Paris bleibt. Deshalb war die gleich am ersten Tag auf der Berlinale diskutierte Frage, ob er für immer bei Céline geblieben ist oder nicht.

Die Fortsetzung – „Before Midnight“

Céine und Jesse (c) Berlinale

Mit meiner Einschätzung lag ich jedenfalls falsch. Ich dachte, Jesse bleibt sechs Monate, dann stellt sich heraus, dass die Realität härter ist als gedacht, und er geht wieder in die USA zu seinem Sohn. Doch er ist bei Céline geblieben, sie lebten zunächst in New York, mittlerweile aber wieder in Paris, habe Zwillingstöchter und sind gerade am Ende eines sechswöchigen Griechenlandurlaubs ankommen. Nachdem Jesse seinen Sohn Hank zum Flughafen gebracht hat, stehen Céline und Jesse eine weitere gemeinsame Nacht bevor, die sie – ein Geschenk eines befreundeten Paares – in einem Hotel zu zweit verbringen. Fernab von ihren Kindern und dem Alltagsstress brechen grundsätzliche Fragen wieder auf. Der Alltag hat auch Jesse und Céline erreicht: Sie fühlt sich ausgenutzt und ausgebrannt, von Jesse allein gelassen. Er hat für Céline sein ganzes Leben hinter sich gelassen und leidet unter seinem schlechten Gewissen, dass er seinen Sohn alleine lässt. Auch hier haben Regisseur Richard Linklater und seine beiden Hauptdarsteller pointierte Dialoge gefunden, die zugleich realistisch, bissig und lustig sind. Es ist nicht alles in „Before Midnight“ perfekt gelungen: Das Gespräch beim Abendessen mit Freunden ist mitunter allzu bemüht darin, verschiedene Beziehungsmodelle zu präsentieren und die unterschiedlichen Beziehungstypen zu vereinen. Insgesamt ist der Film aber eine gelungene Fortsetzung, in der die Charaktere glaubhaft weiterentwickelt wurden. Daher freut es umso mehr, dass Regisseur Richard Linklater ein weiteres Wiedersehen in sechs Jahren nicht ausschließt. Ich wäre jedenfalls dabei.

Update: Der Film startet am 6. Juni 2013 in den deutschen Kinos

Ein Gedanke zu „Berlinale 2013 – Von „Before Sunrise“ über „Before Sunset“ zu „Before Midnight“

  1. Stefan

    Ich hab jetzt bewusst den Before Midnight Part nicht gelesen, weil ich dem Film schon riesig entgegenfiebere. Anfangs hab ich Before Sunrise noch als Mädels-Schmacht-und-Schwärm-Romanze abgelehnt, aber ich lag ja sowas von falsch. Wie du schon erwähnt hast ein echt schlauer Film und eine ganz bezaubernde Geschichte. Ich hätte auch nie gedacht, dass man auf den Film das perfekte Sequel machen kann, aber das ist ihnen auch gelungen und ist in gewissen Teilen sogar viel besser.

    Entsprechend neugierig bin ich auf Teil 3. Und die Baum sowieso, die ist dir den Vorsprung sogar neidisch, weil bis der die Programmkinos in AT erreicht, wird noch ein wenig Zeit vergehen.

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