„Breaking Bad“ – Staffel 1

(c) SPHE

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Zwei große Serienlücken will ich dieses Jahr noch schließen: „Breaking Bad“ und „The West Wing“. Deshalb gucke ich gerade mehr oder weniger zusammen mit Lena „Breaking Bad“ und mit dem Mann „The West Wing“. Dabei ist es schon erstaunlich, wie unterschiedlich mich diese Serien begeistern: Während ich von „The West Wing“ kaum genug bekomme und abgesehen von den pathetischen Reden des Präsidenten (Martin Sheen) nichts zu bemängeln habe, hält sich meine Begeisterung für „Breaking Bad“ derzeit noch in Grenzen.

Über die Handlung muss ich wohl nur wenige Worte verlieren: Der Highschool-Chemielehrer Walt (Bryan Cranston) erfährt, dass er Lungenkrebs hat und entschließt sich daher, zusammen mit seinem ehemaligen Schüler Jesse Pinkman (Aaron Paul) Chrystal Meth zu kochen und zu vertreiben. Das geht natürlich nicht ohne Konflikte vonstatten, also bekommen sie es im Verlauf der ersten Staffel mit verschiedenen Dealern zu tun, müssen töten, Rückschläge hinnehmen und erst einmal die Idee verfestigen, dass sie auf diese Weise Geld verdienen wollen.

Gute Grundidee

Konfrontiert mit den Folgen (c) SPHE

Konfrontiert mit den Folgen (c) SPHE

Diese Grundidee gefällt mir gut, zumal insbesondere Walt ein sehr glaubwürdiger Charakter ist: der durchschnittliche Chemielehrer, der in seinem Mittelschichtsleben nichts Unrechtes getan hat, eine Gelegenheit zum großen Geld womöglich verpasst hat, sieht sich nun damit konfrontiert, dass seine Krankenversicherung seine Behandlung nicht bezahlt, seine Familie ohne sein Gehalt das Haus nicht abbezahlen kann, sein größter Sohn kaum ein College finanzieren könnte und seine Frau ist auch noch schwanger. Also nutzt er sein Wissen, um Crystal Meth herzustellen – und zwar in sehr reiner Form. Informationen bekommt er von Jesse und unfreiwillig von seinem Schwager Hank (Dean Norris), der bei der DEA arbeitet. Schnell bemerken Walt und Jesse, dass das Drogengeschäft ist kein Spaßvertreib ist. Also müssen sie sich den Gepflogenheiten anpassen, beständig Grenzen überschreiten und vor allem härter werden.

Unstimmigkeiten

Walt mit seiner Frau (c) SPHE

Walt mit seiner Frau (c) SPHE

Diese Wandlung insbesondere von Walt, die in der ersten Staffel beginnt, ist spannend erzählt, dazu ist auch sein sich veränderndes Schüler-Lehrer-Verhältnis zu Jesse interessant. Die große Schwäche der ersten Staffel von „Breaking Bad“ ist indes meines Erachtens die fehlende Balance zwischen den einzelnen Handlungssträngen und Charakterisierung der Figuren. Gerade im Vergleich zu Walt und Jesse bleiben die familiären Nebenfiguren fast alle Klischees – dagegen kann auch die gute Besetzung nur wenig ausrichten. Vermutlich werden sie in den folgenden Staffeln noch weiter entwickelt, aber ihre Eindimensionalität steht in Diskrepanz zu den vielen Nebenhandlungssträngen, in denen sie bereits jetzt vorkommen. Dadurch wird die Handlung unnötig verschleppt, auch ist kaum eine Weiterentwicklung zu bemerken. Stattdessen wäre eine stärkere Konzentration auf Walts Wandlung zum Dealer und damit der ‚Gangstergeschichte’ meines Erachtens besser und spannender gewesen.

Alles in allem überzeugt mich „Breaking Bad“ noch nicht, aber ich habe gehört, dass die Serie erst in der Mitte der zweiten Staffel so richtig gut werden soll. Daher werde ich einfach mal weitergucken – und versuchen, weiterhin allen Spoilern erfolgreich auszuweichen. Solange lese ich auch nichts über die Serie, daher folgen interessante Links ausnahmsweise in einem vermutlich gesondertem Beitrag.

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7 Gedanken zu „„Breaking Bad“ – Staffel 1

  1. bullion

    Eine ähnliche Einschätzung hatte ich nach der ersten Staffel auch. Besonders der Vergleich zu „The West Wing“ ist lustig, da ich die Serie liebe. Man kommt aber auch bei „Breaking Bad“ mit der zweiten Staffel besser in diese Welt rein und die Handlung ist auch ausgewogener. Fand ich zumindest. Spätestens in Staffel vier macht es aber Sinn sich noch einmal an den Walter White der ersten Staffel zurückzuerinnern. Was für eine Wandlung.

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  2. caterina

    Ich bin kein Serienjunkie und kenne kaum eine der Serien, die in den letzten Jahren die TV-Landschaft geprägt haben. Mit Ausnahme von Breaking Bad – das will also etwas bedeuten. Gerade die Entwicklung, die die Figuren nehmen, fesselt mich – nicht nur die der Hauptcharaktere, sondern auch die der Nebenfiguren, allen voran Skyler, Hank und (später) Gus Fring, der schlichtweg brillant ist. Und das Finale der vierten Staffel – es haut einen um! Ich würde dir also raten: unbedingt weitergucken! Aber das wurde dir sicherlich schon tausendmal gesagt. 😉

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  3. sebastian

    Die Einschätzung zu S01 kann ich teilen. Die große Stärke der frühen Staffeln waren für mich der sehr schwarze und Slapstick-Humor, die Schwäche, gerade in S01, sind die eindimensionalen Figuren. Das gibt sich zum Glück schnell und die Figuren werden sehr gut entwickelt und motiviert.

    Ich habe bisher die meisten sehenswerten Serien gesehen und kann sagen, dass es kaum eine Serie gibt, die über so eine qualitative Konstanz verfügt, sich nie Ausrutscher leistet und, so wie es gerade aussieht, auch noch eine perfekte Punktlandung zum Finale hinlegt.

    Also dranbleiben. Alle, die sagen, dass Breaking Bad spätestens in der Mitte von S02 zu TV-gewordenem Crack (oder Meth) wird, haben Recht.

    Auf die West Wing Hymne freue ich mich schon, schaue die Serie gerade zum vierten mal und habe nach meinem ersten Durchlauf meine eigene dazu verfasst (falls es jemanden interessiert).
    http://hirnrekorder.de/2011/05/west-wing/

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    1. Zeilenkino Artikelautor

      Die „West Wing“-Hymne ist gespeichert, werde ich aber erst lesen, wenn ich alle Staffeln gesehen habe. Denn glücklicherweise weiß ich auch über diese Serie bisher nur sehr wenig – der größte Spoiler waren bisher die DVD-Cover 🙂 – und will mich überraschen lassen.

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  4. Pingback: Review: Breaking Bad | Staffel 1 (Serie) - Medienjournal

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