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Knicks in Five

Seit Anfang der 1990er Jahre bin ich Fan der New York Knicks. Wie es dazu kam? Ich las irgendwann im Zusammenhang mit Jack Nicholsons Lakers-Fansein, dass der legendäre Lakers-Coach Pat Riley zu den Knicks gewechselt ist, schaute auf irgendeinem Privatsender ein Spiel der Knicks, sah Patrick Ewing spielen und zack! war es um mich geschehen. Die wenigen Basketballinteressierten in meinem Umfeld waren Bulls-Fans, ich blieb bei den Knicks. Als ich mitbekam, dass man beim Volleyball Nummern wählen kann, nahm ich natürlich die 33. Dass sämtlichen Gegnerinnen irritiert-belustigt waren, war mir herzlich egal. Als ich Verwandtschaft in Boston besuchte, kaufte ich mir zwei Knicks-Shirts und ein Knicks-Caps. In Boston! Dass die Knicks seit 1973 keine Meisterschaft mehr gewonnen hatten, hat mich nicht gekümmert. Meine Lieblingsfußballmannschaft ist Hannover 96, es ist nicht so, dass ich erfolgsverwöhnt bin.

Solange Spiele bei – ich glaube – Tele5 gezeigt wurden, habe ich sie aufgenommen, um sie später zu gucken. Irgendwann wurde ich älter, hatte andere stärkere Interessen, war weniger dabei. Bis zur Covid-Saison, als mein Mann und ich voll in den Bubble-Playoffs aufgegangen sind. Seither haben wir ein NBA-Abo für die ganze Saison – und seither spielen die Knicks immer besser. Voriges Jahr standen sie im Conference-Finale und verloren schmerzhaft gegen die Pacers. Dieses Jahr haben sie eine Postseason hingelegt, die ich nie, nie, niemals vergessen werde. Sie haben gegen die Atlanta Hawks mit dem größten Abstand gewonnen, den es jemals in den Playoffs der NBA gab (51 Punkte). Sie haben die 76ers in vier Spielen gecrasht. Im ersten Spiel gegen die Cavs haben sie ein 22 Punkte Rückstand aufgeholt, um das Spiel in Overtime (und die gesamte Serie mit 4:0) zu gewinnen. In den NBA-Finals spielten sie gegen die Spurs, die gerade den Titelverteidiger OKC rausgeworfen hatten. Nachdem sie das dritte Spiel verloren haben, lagen sie im vierten Spiel zwischenzeitlich mit 29 Punkten hinten. Aber sie holten auf, Punkt für Punkt. Zu Beginn des vierten Viertels waren sie noch mit 15 Punkten hinten. 1 Minute und 22 Sekunden vor Schluss führten sie erstmals, die Spurs zogen gleich. Bis zu einem Tip von OG Anunoby, der in die Knicks-Geschichte eingehen wird. Am Ende gewannen die Knicks mit einem Punkt Vorsprung. (Ein weiterer NBA-Rekord, diese Aufholjagd.) Vorige Nacht nun das fünfte Spiel, quälend, schwierig. Die Spurs verteidigten hart, sie trafen gut, bei den Knicks lief nicht viel. Aber im vierten Viertel passierte, was zuvor bei jedem Spiel der Finals passiert ist: Die Knicks lagen hinten und holten auf. Am Ende haben sie nach 53 Jahre wieder den Titel geholt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das erleben würde.

In der US-Presse ist viel über dieses Team geschrieben wurde. Vor den Playoffs gab es einige, die sagten, die Knicks werden die große Enttäuschung sein: Ihre letzten regulären Spiele waren nicht gut gelaufen, die Gegner in den ersten Runden waren hingegen gut drauf, sowieso sind die Teams der Western Conference stärker. Doch die Knicks waren nicht zu bremsen. In der Stadt ist eine Rieseneuphorie ausgebrochen. Bei dem gestrigen Spiel in San Antonio hatten nach Berichten Knicks-Fans fast die Hälfte der Tickets gekauft. Auch weil es billiger ist, ein Flug, Hotelzimmer und Ticket in San Antonio zu zahlen, als ein Ticket des Madison Square Garden.

Die Knicks sind ein Team voller Spieler, die oft unterschätzt wurden. Brunson gilt als zu klein, zu langsam. Towns konnte viele Erwartungen nicht erfüllen. Die ganz großen Stars spielen bei anderen Mannschaften. Aber das ist alles egal. Denn die Knicks haben niemals aufgegeben. Ich hoffe nun auf einen Dokumentarfilm von Knicks-Superfan Spike Lee.

Und noch ein Shoutout an die Menschen in meinem Umfeld, die sich nicht die Bohne für Basketball interessieren, aber meine Euphorie inklusive begeisterter Monologe über Spielzüge und sehr vieler Basketball-Messages in den vergangenen Wochen geduldig mitgetragen haben!

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