Über Chandler wird viel geredet. Aber ich vermute, er wird weniger gelesen. Sonst würde anders über ihn geredet werden. Viele Autor*innen nennen ihn als Vorbild: Er hat hart gearbeitet, um vom Schreiben leben zu können, und mit seinen Büchern einen eigenen Sound kreiert. Einen Sound, der mittlerweile so verbreitet ist, dass ich beim Lesen von „Lebwohl, mein Liebling“ einige Male dachte, das klingt so nach Chandler – und mich regelrecht daran erinnern musste, dass ich ihn ja auch gerade lese. Bei Passagen wie:
„Ich brauchte einen Drink. Ich brauchte eine hohe Lebensversicherung, ich brauchte Urlaub, ich brauchte ein Zuhause auf dem Land. Was ich hatte, waren eine Jacke, ein Hut und eine Pistole. Ich nahm sie und verließ das Zimmer.“
Wegen solcher Passagen liest man Chandler, ihretwegen kann man ihn auch heute noch lesen. Er verkörpert das Bonmot, dass Noir keinen Plot, sondern nur Stimmung brauche. Denn der Plot ist hier – wie allzu oft bei Chandler – zusammengeschustert und unstimmig. (Nebenbei: Oftmals liest man, der Plot sei komplex. Nein. Komplex bedeutet nicht inkonsistent.)
„Lebwohl, mein Liebling“ beginnt nun damit, dass Privatdetektiv Philipp Marlowe zufällig einen sehr großen Mann namens Moose Malloy begegnet. Moose sucht die rothaarige Nachtclubsängerin Velma Valento. Vor acht Jahren hat er sie das letzte Mal gesehen. Sie ist seine große Liebe, er muss sie wiedersehen. Marlowe wird beauftragt, Velma zu finden. Dabei kommt es allerdings zu tödlichen Verwicklungen. Weiterlesen
