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Buchhandlungspreis, Neutralität und Kultur

Am Wochenende ging ich in eine Buchhandlung, um ein vorbestelltes Buch abzuholen – und ging mit zwei Büchern wieder nach Hause. Denn auf dem sorgsam kuratierten Sachbuch-Tisch waren zu viele interessante Titel, um sie alle zu ignorieren. Fatma Aydemir hat im Guardian ein ähnliches, eigentlich sogar schöneres Erlebnis beschrieben: “I walk in for a novel and walk out with a theory of the state, a pamphlet on housing struggles, a Palestinian poet I had never heard of. No “for you” page in an online store would have suggested it. The bookseller did. Independent bookshops are dangerous because they interrupt us. They do not optimise our curiosity. They derail it.”

Genau das ist die “Gefahr”, die von Büchern ausgeht, deshalb wollten Herrscher lange nicht, dass Menschen lesen und schreiben lernen, deshalb kontrolliert jedes autoritäre Regime, welche Bücher gedruckt werden. Und nachdem ich erst das Berlinale-Destaster durchlitten habe, bei dem Wolfram Weimer Tricia Tuttle absägen wollte – wegen etwas, was andere Filmemacher auf dem Festival gemacht haben, das sich jahrelang gerühmt hat, das politischste der A-Festivals zu sein -, hat er nun den Preis für unabhängige Buchhandlungen beschädigt. Irgendwie passend dazu habe ich am Wochenende ein ZeitZeichen zu Rosa Luxemburg gehört, in dem es unter anderem um das vielzitierte “Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden” geht. Und die Sendung verlangte mir das auch ab, denn Sahra Wagenknecht kam viel zu Wort.

Was momentan im Kulturbetrieb los ist, bereitet mir große Sorgen. So wenig Kultur und Verfassungsschutz zusammenpassen, Kultur und Neutralität passen gar nicht zusammen. Robert Misik hat es in seiner Kolumne in der taz sehr prägnant formuliert: “Inszeniere einmal Brechts „Aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui“ so neutral, dass sich Björn Höcke nicht wiedererkennt – viel Spaß bei dem Versuch.”

Dass Weimer die Verleihung nun absagt, passt natürlich ins Bild: Wie viele Männer will er die Konsequenzen seiner Entscheidung nicht sehen, den Protest nicht aushalten. Was hat er wohl gedacht, was passiert, wenn bekannt wird, dass drei linke Buchhandlungen ausgeschlossen werden? Nichts?

Es gibt eine Seite, auf der man den Prozess der drei Buchhandlungen gegen den Ausschluss mit einer Spende unterstützen kann.

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